Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543179--4589-2548579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
67 68 Und als der erste StegeSjubel Plötzlich von einem Schrei deö Schmerzes und deS Entsetzens unterbrochen wurde, der durch daS ganze Vaterland ging und einen Wiederhall in allen Ländern der Erde fand, weil der, der in der drang- und gefahrvollen Zeit an der Spitze der vaterländischeu Angelegenheiten gestanden und sie mit Kraft und Weisheit geleitet, unversehnS als ein Opfer von der meuchelmörderischen Waffe der Bosheit gefallen, und als in diesen Schmerz sich die bange Furcht mischte, daß nun neue Ver- Wirrung über daS Vaterland Hereinbrechen und in derselben die Früchte der errungenen Siege wieder verloren gehen, und Friede und Ruhe wieder auf lange Zeit hinausgeschoben werden würde, — wer war es, der die Pläne der BoSheit vereitelte und durch den allgemeinen Abscheu, den jene Frevelthat hervorrief, gerade die ungerechte Sache des AufruhrS, in deren Dienst sie ausgeführt worden, in ihr rechteS Licht setzen ließ, wodurch ihr jede moralische Stütze entzogen worden? Gott war's, der im Lande seinen Weg —■ sein gerechtes Wallen — kund werden und uns seine Hilfe erfahren ließ, und darum ״danken dir die Völker dieser Staaten, es danken dir die Völker alle; es freuen sich und jubeln die Nationen, denn du richtest die Völker gerecht und leitest die Nationen auf Erden." Wie? ist dem nicht so, daß nicht nur wir, die Bewohner dieser Staaten, sondern alle Völker der Erde sich über den glücklichen Ausgang dieses Bürgerkrieges und über seine Resultate freuen und darin mit Jubel erkennen, daß Gott mit Gerechtigkeit die Völker richtet und die Nationen der Erde leitet? Denn waS war es eigentlich, wofür gekämpft wurde? welche Resultate sind mit dem wiederhergestellten Frieden errungen worben? War es nur die Wiederherstellung und Aufrechter- Haltung der Union in ihrer früheren Ausdehnung und Machtfülle? Nun über dieses Resultat hätten nur unsere Staaten, die treuen Bürger der Union, sich zu freuen, während so manche nebenbuhlerische Völker wohl das Entgegengesetzte gewünscht hätten. Nein, der Kampf galt einer heiligen Sache, bei der alle civiltsirten Völker der Erde inleressirt waren, eS galt der Frage, 'ob in dem Lande der größten Freiheit, in dem Lande, von welchem aus die Gesetze der persönlichen Freiheit und der Gleichheit zu den Landern der alten Welt ausgegangen, ob in gewissen Staaten dieses Landes noch ferner die größte Ungerechtigkeit und Unfreiheit — die Sklaverei — in Bezug auf eine gewisse Menschenrace bestehen sollte. Und diese Frage, sie ist für alle Zukunft im Sinne der Menschlichkeit und Gerechtigkeit entschieden worden. Mit der Besiegung der aufrührerischen Sklaven-Staten und dem erlangten Frieden ist das Laub der Freiheit für immer von dem schwarzen Flecken des Sklaventhümö gereinigt worden. ״Und darum danken dir die Völker, o Gott, danken dir die Völker alle; es freuen sich und jubeln die Nationen, daß du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen der Erde." Denn ist es nicht das Werk der göttlichen Vorsehung, daß die Umstände sich so fügen mußten, daß durch den Aufruhr und dessen siegreiche Bekämpfung diese große Frage der Menschheit endlich diese Lösung gefunden? Und, andächtige Zuhörer, wenn so alle Völker sich dieses Sieges und dieser Lösung freuen und darob jubeln, wie viel mehr Ursache haben wir, wir israelitischen Bürger dieser Staaten, uns dieses Sieges und seiner Erfolge zu freuen! Denn ist dieser Sieg nicht zugleich ein Sieg und Triumph unserer Gotteslehre? Zu einer Zeit, als die Sklaverei noch bei allen Völkern der Erde herrschte und noch Jahrtausende als eben so natürlich und berechtigt wie unentbehrlich angesehen wurde, sprach Jsrael'S GotteSgesetz daS Princip der persönlichen Freiheit und Gleichbeit aus und ging es darauf aus, das mit der Lehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen unvereinbare Sklaventhum dadurch aufzuheben, daß eS zunächst dasselbe in ein VermiethungS- und Dienstverhältniß auf eine sehr beschränkte Anzahl von Jahren verwandelte, innerhalb welcher der Vermiethete unantastbare Menschenrechte behielt, während eS in Bezug ans auswärtige Sklaven eS als ein göttliches Gebot aussprach: ״Du sollst de» entflohenen Sklaven nicht seinem Herrn wieder ausliefern, sondern frei soll er bei dir in deiner Mitte wohnen." (5. B. M. 23, 16. 17.) Viert- Halbtausend Jahre sind verflossen, seitdem jene Grundsätze in Jsrael'S Mitte als göttliche Gesetze ausgesprochen und ausgeführt worden. Erst nach und nach haben diese Grundsätze Eingang und Anerkennung bei den Völkern und Staaten gefunden, und uns ist vergönnt, ihren vollständigen Sieg hier auf dem Boden der Freiheit zu sehen; wie sollteu wir als Israeliten uns nicht doppelt darüber freuen, wie sollten wir nicht mit einem Hochgefühl einstimmen in die Worte unseres TertpsalmeS: ״es danken dir, o Gott, die Völker alle; es freuen sich und jubeln die Nationen, denn in Gerechtigkeit richtest du die Völker und leitest du die Nationen der Erde!" Doch unser Tertpsalm spricht außer dem Preise GotteS für seine Hilfe und sein Walten noch einen andern Dank ans: ״Die Erde gab ihren Ertrag, uns segnet Gott, unser Gott." Uud sehet, andächtige Zuhörer, dies ist das zweite, wofür auch wir und alle Bewohner dieses Landes au diesem nationalen DanksagungStage Gott zu preisen ha« ben. Ein reicher Erntesegen ist unserm Lande in dem zu Ende gehenden Jahre zu Theil geworden, ein großer Vorrath ist eingesammelt und aufgespeichert und gewährt uns Si. cherheit für die unfruchtbare Winterzeit. Ja, die Natur hat uns wohl bedacht und reichlich versorgt mit ihren Gaben. Doch war die Natur der eigentliche Urquell, ans dem uns solcher Segen zugeflossen? Nein, sondern, wie unser Tert es so schön ausspricht: ״Die Erde hat uns ihren Ertrag gegeben;" ״Gott, unser Gott aber ists, der durch sie uns gesegnet." Und, meine Andächtigen, ist eö nicht eine besondere Huld der göttlichen Fürsorge, daß die Erde gerade in diesem Jahre ihren Ertrag in so großer Fülle unserm Lande gespendet? Denn bei der schweren Last, an der alle Bewohner unseres Landes, Arme wie Reiche, in Folge des Krieges zu tragen hatten, bei der Höhe, zu welcher unter dem langen Druck der Zeiten alle Lebensbedürfnisse gestiegen, welche Noth und welches Elend würde da ein dürftiger Ertrag der Erde hervorgerufen haben, zumal in jenen Landestheilen, die der Schauplatz deS Kampfes gewesen, deren Saatgefilde mehrere Jahre hindurch unter dem verderblichen Fußtritte kämpfender Heere gelitten! Müssen wir bei diesem Gedanken und im Hinblick ans den Reichthum, womit Scheuern und Vorrathshäuser sich gefüllt haben, nicht umsomehr die gnädige Fürsorge preisen, mit welcher der Allgütige unsere Bedürfnisse befriedigt, müssen wir nicht mit freudigem Dankgefühl eiustimmen: ״Die Erde hat ihren Ertrag gegeben, uns segnete Gott, unser Gott!" Nachdem unser Ter ipsalm Gott für die zweifachem.- Segnungen, für den Segen deö Friedens und des ErHA/ ges der Erde gepriesen, spricht er am Schlüsse nochmals:׳ ״Uns segnet Gott; ihn fürchten alle die Enden der Erde." — Amen. Druck von Sigmund Bürger in Szrgedin 1666-