Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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57 58 Rhode 2), ״nicht blos von einer moralischen Wirkung btld- ,!ich gesprochen wird, sondern daß man diesem Sprechen und Singen deS göttlichen Wortes eigenthümliche und unmittelbare Wirkungen für die Reinheit des Menschen zuschrteb, läßt sich aus einer Menge Stellen der Zendbücber darthun und folgt aus dem Geiste des ganzen Systems von selbst. Also neben der moralischen Reinheit der Seele und der phyfischen Reinheit des Körpers ist es die Reinheit des göttlichen Wortes selbst, die den Menschen dadurch, daß er es lieft, spricht und singt, Gott wohlgefällig macht." Ganz ähnliche Aussprüche finden sich auch im Talmud und Midraschim. ״Wie das Wasser dm Menschen reinigt", sagen sie, ״so auch die Worte der Gotteslehre." 3) Nicht minder wird in der Gemara auf das gehörige Betonen und Singen des Gotteswortes ein großer Werth gelegt. (Forts. fo;gt.) Korrespondenz. Ausland. London, im Jäner. Zn der Nahe von Tripolis in Syrien, in Nadir-Sorape. haben die Herren Farwooth »iid Pizzicani bei ihren Nachgrabungen ein jüdisches HauS aus der Zeit von etwa 200 Zähren vor Christus in vollkommen erhaltenem Zustande entdeckt. Die Geräthschäften, die sich daselbst vorfanden, find dieselben, wie fie in Aegypten gefunden wurden, aber daö Interessante bei diesem Funde ist, daß man auch Bücher fand, und zwar die fünf Bücher MofiS, die Psalmen DavidS. und eine Sammlung von bisher vollkommen unbekannten hebräischen Dichtungen der berühmtesten und gelehrtesten Juden. Alle diese Bücher wurden an die asiatische Gesellschaft hieher eingrsender. Berlin, lo. Zäner. Am 7. d. M. beging der in der hiefigeu jüdischen Gemeinde seit 40 Jahren wirkende Rabbiner, Herr G. Rosenstein, seinen 70jährigen Geburtstag. Obgleich auf den ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen jede Veröffentlichung der bevorstehenden Feier unterblieben war, zeigte sich doch das allgemeine Bestreben, die lebendigste Theilnahme au dem frohen Ereignisse auSzudrücken. Gleich in der Frühe, nach dem beendigien Gottesdienste und nachdem die Fa- Milienmitglieder ihre Glückwünsche dargebracht hatten. begrüßte den Jubilar der Synagogenchor unter Leitung des königl. Musikdirektors Lewandowsky mit Festgesang und trug die letzten Verse des 92. Psalms vor. Daraus erschienen viele Deputationen, die des Gemeindevorstandes und des RepräsenkantcnkollegiumS (Stadtrath MagnuS, Sanitätsrath Posner, Geh. Kommerzicnrath Joel Wolff Meyer. S. Beschütz), des Lehrerkollegiums der jüdischen Schulen, des Auerbach'schen Waisenhauses, des Synagogenvorstandes. des Bekh-Hamidrasch, des TalmudvereinS, des Vereins der Mohalim, des Vereins der jüdischen Fleischer. der Synagoge Schochre hatob n, s. w. Außerdem begrüßte ein aus dem Schoße der Gemeinde hervorgegangenes Komits von 16 Personen den Jubelgreis und lud ihn zu einer ihm zn Ehren stattfindenden Festesfrier auf de» 10. d. M. Die Spitzen der jüdischen Gelchrtenwelt, wie Zunz, Steinschneider. Cassel 11. f. w. verfehlten auch ihrerseits nicht, ihre Theilnahme für den verehrten Mann zu äußern. 8. Breslau, im Jäner. Dem jüdisch-theologischen Seminar droht ein herber, schwer zu ersetzender Verlust. Der geniale, in der Philologenwelt hochgeschätzte Dr. Jakob Bernays (Sohn des seligen Ebacham in Hamburg) ist als außerordentlicher Professor und Oberbibliothekar nach Bonn berufen worden. Die Thatsache an sich ist eine hocherfreuliche und war bei den hervorragenden Leistungen Dr. Bernays früher oder später unausbleiblich. Allein der Umstand, daß das Seminar einen so glanzvollen Namen, eine so bedeutende Lehrkraft verlieren soll, nachdem es erst vor Kurzem einen Mann, wie Emanuel Jo8l, aus feinem Lehrkörper scheiden sah — mindert die Freude und läßt uns wünschen, daß die Vokation abgelehnt würde. Die Entscheidung ist, wie ich hör», noch nicht getroffen. 4) Daselb S. 431. ,*) Sifre Siden Ekeb. Sukka 52,. b. s) Megilla Ende. Breslau, 3. Jäner. Gestern feierte ver hiesige Verein für Verbreitung der Wissenschaft des ZudenthumS das Gedächtniß Moses Meii^elssohns auf eine sehr solenne Weise. — Rabbiner Dr.JoMhielt die Festrede, die Len Schulstrrit Mendelssohns mit Jakobi behandelte und auss Neue die an dem geehrten Redner oft bewährte Gedankenschärfe, Präzision und Eleganz des Ausdruckes beurkundete. Erhebende Gesänge eröffneten und schloßen die Feier, wofür namentlich Herrn Kantor Deutsch der wohlverdiente Dank ausgesprochen werden muß. (Herr. Kantor Deutsch ist. beiläufig bemerkt, ein Oesterreicher von Geburt, Schwager des Dr. Hirschfeld in Augsburg; beide find Schwiegersöhne des geschätzten Talmudgelehrten Simon Ausch in Prag. Interessant wäre eS. wenn in diesen zunächst Oesterreich angehörigen, ihren Weg aber immer mehr ins Ausland findenden Blättern die zahlreiche Schar zusammeiigestellt würde, die Oesterreich an Rabbinen und Kantoren Deutschland geliefert hat. Uns sind an Rabbinen bekannt: Dr. Perles in Posen; Dr. Zuckcrmandcl in Gnesen; Dr.Bäck in Lissa; Dr. Klemperer in Landsberg an der Warthe; Dr. Ungerleider in Rawitsch; Pollak in Jnowraclaw; Dr. Hirschfeld in Augsburg; Dr. Kodak in Bamberg. Gering ist dagegen die Zahl der Männer, die Deutschland umgekehrt an Oesterreich abgetreten.) München, 10. Jäner. Se. Majestät der König hat dem Radbinee der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Nu b, das Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens vom heiligen Michael verliehen. Die Ueberreichung dieser königlichen Auszeichnung erfolgte heute, dem Tage, an welchem der Herr Rabbiner Aub, der die Stelle des Geistlichen der israelitischen Kultusgemeinde dahier schon sei 40HJabren bekleidet, seinen 70. Geburtstag feierte. Zu dieser Feier ließen die Ge meinde und deren verschiedene WohlthätigkeitSvereine ihren verdienstvollen Geistlichen durch Deputationen beglückwünschen und,ihm Werthvolle Festgaben überreichen. Inland. Wien, 10. Jäner. Bel der Wiederholung der Vorstandöwahl für vie israelitische Gemeinde erschien von den 1569 wahlberechtigken Mitgliedern ein Drittheil bei der Wahlurne. Zum Vertreter wurde fast einstimmig Herr Josef Wertheimer, zu Beiräthen mit großer Majorität die Herren Arminio Kohn und I. M. Gutmann gewählt. 8k. Pest, 12. Jäner. Die ln den nächsten Tagen zusammentretende Generalversammlung unseres RepräsentanteukörperS wird unter Anderm auch über die Anstellung eines zweiten, ungarischen Predigers endgiltig entscheiden, welchem Beschlüsse man allerseits mit großer Spannung entgegensteht. — Bedenkt man, wie diese größte Gemeinde Ungarns denen ver Provinz eigentlich als Musterbild vorleuchten müßte, »nd daß sie in der Hauptstadt deS Landes sich gar oft in die Lage versetzt sieht, gleichsam als Repräsentantin des gesammtcn ungarischen Judenthums aufzutreten, so läßt eS sich desto schwerer begreifen , warum diese Körperschaft des ungarischen Fürsprechers entbehren sollte, was besonders bei öffentlichen Festlichkeiten, bei Allerhöchsten Geburtstagen und sonst überall. wo es heißt, vereint mit den Spitzen der übrigen Korporationen zu erscheinen, einen höchst peinlichen Eindruck hervorbringen muß. — So ist es auch z. B. heute noch stets eine Unmöglichkeit, bei uns im Zentrum des Landes eine ungarische Trauung oder eine ungarische Leichenrede zu bewirken, obwol dies, besonders in Kreisen der Honoratioren, gar oft gewünscht wird. — Unsere Jugend, der der Vortrag der Religtonölehre in fast allen Schulen ungarisch geboten wird, kann nur in deutscher Sprache konfirmirt werden und kann die weitere Fortbildung ihres religiösen Sinnes nur im deutschen Gottesdirnste suchen. — Gewiß, eS wäre schon hoch an der Zeit, allen diesen kleinen und großen Urbelständen ein Ende zn setzen. Wie wir vernehmen, hat die Ofner Gemeinde den Altofner Herrn Oberrabbincr aufgesordert, bei Gelegenheit der Einweihung ihres neue« BethaufeS eine ungarische Predigt zu halten , was auch bereit- Willigst zugesagt wurde. — Der Gemeindevorstand hielt es jedoch für gut , sich in derselben Angelegenheit auch an einen Rabbinen jenseits der Donau zu wenden, dessen deutsche Predigt voran hätte gehen sollen, in Folge dessen der zuerst genannte Rabbi sich bewogen fand, von seinem Vorsätze lieber ganz zurückzttrretkn.