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Ben Chananja · 1866-01-17 · 3 (17.1.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
3 (17.1.1866)
Date
1866-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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55 56 öffentliche Konfession sein und eine autorifirte Quelle, woraus der Nichtisraelite sich wahre Kenntniß von dem Geiste und Ge, halte unserer heiligen Religion verschaffen könne. Zur Realifiruug dieser Mittel ist nothwendig, daß die jetzt versammelten Rabbiner sich mit den dermaligen israelitischen Landesdeputirten vereinigen, um mittelst ihrer eine vollständige RabbinatS- und Laienversammlung zu bewirken, deren Aufgabe es sei, die angegebenen Mittel und noch andere, die sie für zweckmäßig erkennen wird, ins Le» den zu rufen. Die Versammlung soll eine Kommission ernennen zur Abfassung deö erwähnten Rcligionöbuches. um solches schon einer nächsten Synode zur Approbation vorlegeu zu können. Vorläufig fühlt sich die gegenwärtige Rabbinerversammlung von ihrem Herzen gedrungen, Folgendes im Namen ihrer Religion vor Gott und der Welt zu erklären und zu betheuern. 1) Daß jeder Zsraelit durch seine Religion verpflichtet ist. das Land, welches die Vorsehung ihm zur häuslichen Niederlassung angewiesen hat, als sein wahres Vaterland anzusehen; daß wir Juden dieses Landes daher das ungarische Vaterland auch als das unsere betrachten und lieben und uns verpflichtet wissen, seine Gesetze, seine Verfassung, seine Institutionen doch und werth zu achten. an feinem Wohl und Weh innigen Auitieü zu nehmen, seine Zuleressett aus allen Kräften zu fördern, seine Spruche in unserer Mitte zur Umgangs- und Mutterspräche zu machen und für seine Erhaltung, wenn eö Noth thut. Gut und Blut zu opfern. L) Daß alie-Pflichten der Menschenliebe und Gerechtigkeit, welche unsere Religion dem Menschen auferlegt, kraft eben dieser Religion vollständig und in ihrem ganze« Umfange gegen unsere christlichen Mitbrüder beobachtet werden müssen; ja daß Betrug. Wucher und jede andere unrechtliche Handlung gegen einen fremden RetigionSgenoffen geübt, noch verdammlicher ist als gegen den eigenen Bruder, weil dadurch die Religion doppelt entweiht und geschändet wird. 3) Daß das Wesen, die Heiligkeit und Verbindlichkeit des Eides einzig und allein in Anrufung des göttlichen Namens zum Zeugen der Aussage oder deö Versprechens bestehe; übrigens es gleichgültig sei, ob er in der Synagoge oder außer derselben, in dieser oder jener Form abgelegt wird; und daß ein solcher Eid, wobei ein Anderer, Jude oder Nichtjude, betheiliglUst, von keiner Macht aus Erden, durch keinen ge- Heimen Vorbehalt, durch kein Gebet, kurz durch nichts in der Welt unsgelöst^werden, und von seiner Verbindlichkeit etwas verlieren könne. Am wenigsten hat diese Kraft das sogenannte Kol-Nidre-Gebet, indem dasselbe sich einzig und allein auf Gelübde bezieht, die der Mensch sich aus Pietät von freiem Willen auserlegt, wie die ganze Abfassung dieses;Gebetes zur Genüge zeigt, und was nur von unkundigen Nichtjudrn mißverstanden werden konnte. 4) Daß es Pflicht der jüdischen Eltern ist. ibre Kinder zu bürgerlichen geiiieinuützigen Beschäftigungen, namentlich zu irgend einer Kunst, zum Handwerke, zum Ackervaue anzuhalten; und daß nur die blSherrge Stellung der Juden in der bürgerlichen Gesellschaft, die Schwierigkeit, die sie bis jetzt in jenen Erivcrbszweigen fanden und noch finden , de» Trödel- und Kleinhandel bei ihnen verbreitet hat; und eö daher heilige Angelegenheit eines jeden wohlgesiunten Israeliten sein muß. zur Beseituug dieses UebelstandeS nach Kräften beizutragen." Diese Vorschläge gingen aus der Stimmung und Strömung der damaligen Zeit hervor. Und wenn auch Schwab'S Worte von keinem augenblicklichen Erfolge begleitet ward, indem die Thätigkeit und Aufmerksamkeit der ungarischen Juden nach dem Schluffe des Reichstages von der Ablösung der Toleranztare in Anspruch genommen wurde, so wurde doch sein entschiedenes und kluges Benehmen von allen gebildeten Juden im Lande mit wahrem Jubel begrüßt. Auf den Inhalt der gemachten Propositionen haben wir hier nicht einzugehen; wol aber muß erwogen werden, wie und durch welche Mittel die vorgeschlagene Versammlung zu Stande zu dringen wäre. Die Erwägung dieser Frage ist um so wichtiger, als die Lösung derselben einer autonomen Organistrung der ungarisch-jüdischen KultuSangelegenheilen vorangehen muß. Die meisten unserer Lsser wird es wol überraschen, zu erfahren, daß die ungarische Ständetafel sich vor mehr denn zwei Jahrzehnten mit der Organisation einer solchen Versammlung, sowie überhaupt mit den inner« Angelegenheilen der Juden beschäftiget, und darüber einen Gesetzartikel entworfen hat. Dieser Entwurf wurde zwar nicht zum Gesetze erhoben, immerhin muß aber derselbe ein willkommener Ausgangspunkt für die künftige Aktion sein. Unsere Leser werden es daher wohlwollend aufnehmen, wenn wir nächste Woche sowol den Entwurf, als die Schilderung der Umstände, unter denen derselbe zu Stande kam, ihrer freundlichen Aufmerksamkeir empfehlen. (Schluß folgt.) Die 3uöen in flerstm. Ein Fragment aus einem noch nnedirten Geschichtswerke. Von I. Wiesner, Kreisrabbiner. (Fortsetzung?) I. Die wichtigste Mission der Proferen, die Wahrung und Festigung des Monotheismus , der reinen Golteserkenntniß und der guten Sitten im israelitischen Volke war nun durch die Gunst der äußern Verhältnisse verbunden mit den eifrigen Bestrebungen der letzten Profeten vollständig erreicht. Das Besitzthum Israels war gerettet, es war nun an der Zeit, sich in demselben genauer umzusehen, um dessen Einzeluheiten keimen zu lernen und in entsprechender Weise verwerthen zu können. Es bedurfte nicht mehr der zweischneidigen Waffen, um den väterlichen Boden gegen jeden feindlichen Angriff zu vertheivigen, sondern vielmehr der friedlichen Pflugschar, um die eigene Scholle gehörig zu bearbeiten und sie fruchtbringend zu machen. Nicht der Profeten bedurfte es mehr, die immer Neues schöpften aus dem Borne ihrer göttlichen Begeisterung, sondern der Schreiber, welche die alle GotteSlehre vervielfältigten, und die Lehrer, welche die in dieser Gotteslehre enthaltenen Gebote dem Volke mittheilten, erklärten und zum Verständnisse brachten. — Auch in dieser Beziehung konnte das Beispiel der Ormuzddiener nicht ohne Einfluß bleiben, diesem ist das Lesen des Avefta, des Vendidad oder des Wortes Ormuzds ein vorzügliches Mittel, den Menschen gut und rein zu erhalten. Es muß dieses Lesen täglich geschehen, sowol durch den Destur (Priester) bei dem öffentlichen Gottesdienste, als von jedem für sich, vies gibt Kraft, den Dews zu widerstehen, sie zu schlagen und verschafft Vergebung der Sünde. ,,Es lese", heißt es» ״diesen Vendidad der Destur, es lese ihn, wer gesündigt hat." ') Mit dem Sprechen, Lesen und Singen des Gottes- Wortes verbinden die Ormuzddiener sehr eigentümliche Begriffe. In dein Jzeschue heißt es: ״Wer, o Zoroaster, in meinem Eigenthume der Welt das reine Honover spricht, und zwar mit den befohlenen Gebräuchen, es mit hoher Stimme des Wohlklanges singt", —״ ־dessen Seele soll sich frei in Himmelswohnungen schwingen; ich Ormuzd werde 4hm die Brücke, dreimal breiter machen, himmlisch wird er sein, himmlisch rein und Glanz haben, wie die Himmel." ״Daß hier", sagt *) S. Nr. 1. ') Rhode a. a. O. S. 419.

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