Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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59 60 Da diese Blätter bereits zu wiederholten Malen der Vorlesungen im Magyar1 Egylet Erwähnung thaten, so sei hier auch jenes anziehenden Vortrages gedacht, den Herr Dr. Beruh. Stiller verflogenen Sabbath vor einem zahlreich eingefundenenen Publikum über das Blut gehaltett. — Die streng medizinische Materie war nach Möglichkeit zurechtgelegt und gelang eö dem Vortragenden , das Auditorium bestens für sein Thema zu intereffiren. An dieser Stelle sei auch erwähnt, daß Herr Aczöl Peter dem genannten Vereine ganz unaufgeforderter Weise als Mitglied beigerreten. Ein Beispiel, welches wahrlich öftere Nachahmung verdiente. R. Waitzeu, 7. Zäner. Seit einigen Tagrn erhält sich in unserer Gegend das Gerücht, daß die jüdischen Gemeinden des Pester Komitakes eine Konferenz abhalten werden, deren Gegenstand die Zusawmengehörigkeik der betreffenden Gemeinden bilden soll. Diese Nachricht sowöl, als die Besprechung der Gemrinveorganisation in Ihrem Blatte wurde mit lebhafter Freude anfgenommcu. So sehr wir auch die Autonomie jeder einzelnen Gemeinde innerhalb gewisser Grenzen zu schätzen wissen, so ist doch die Vereinigung des gefammten ungarischen Israels zu einem Körper einer der sehnlichsten Wünsche eines jeden gebildeten ungarischen Juden. Möge das oben erwähnte Gerücht sich bc- Wahrheiten und das Beispiel des Pester KomitateS im ganzen Lande Anklang und Nachahmung finden, damit die, die Juden nur herabsetzenden Gemeindeprozeffe ihr Endziel erreichen mögen. In Ihren Aufsähen werden Sic gewiß nicht unterlassen, den einzuschlagenden Weg näher zu bezeichnen. Der hiesige Frauenverein, 90 Mitglieder zählend, verausgabte im vorigen Jahre 323 fl. 40 kr. In der Kasse blieben 78 fl. 8 kr. Die Frauen Reiser geb. Pollak und Nina Hirschfeld geb. Liebermann stehen dem Vereine mit Umsicht und Eifer vor. Zn bedauern ist, daß. selbst vermöglichc Frauen engherzig genug sind, dem Vereine ihre Unterstützung zu entziehen. ש. BvNyhüd, 3. Zäner. Unsere einst so blühende Gemeinde ist leider rief gesunken, und sie »st in Gefahr, noch tiefer zu sinken. Die Fleischzulage, die größte EinnahmSquclle der Gemeinde, mußte in Folge höherer Anordnung sistirt werde»; eine direkte Umlage wußte eine Partei zu verhindern. So kam cs, daß die Gemcindebedieusteien seit nahe au drei Monaten keinen Gehalt bekommen. Alle Bemühungen des wackern Vorstehers. Herrn Moriz Kraus, scheiterten an dem Widerstande der Orthodorie, welche die Schule untergraben will, und sich überhauvt Szikßü zum Vorbilde zu nehmen scheint. Heute hat die Neuwahl des Vorstandes stattgefunden. Das taktvolle Vorgehen des Stuhlrichtcrs, Herrn Paul v. Perczcl, verhinderte den Ausbruch eines Sturmes. Herr Sändor Engelmann wurde zum Vorsteher gewählt. Neberhanpt blieb die Orthodorie bei der Wahl Siegerin. Der gebildete Theil der Gemeinde sieht mit Bangen der Zukunft entgegen. p• Klcmsenbuvg, im Jäner. In der hiesigen Gemeinde, in welcher einst R. Hillel Wctsch gegen Bildung und Fortschritt wüthete, wirkt gegenwärtig ein gebildeter Rabbiner in Ehren. Das Rabbinat zu!Bünffy-Hiuiyad wurde vor Kurzem dem h. Hille! angetragen; aber in der Nähe der heutigen Klausenburger Gemeinde würde er sich gar zu unheimlich fühlen, als daß er das dortige Rabbinat hätte anneh.- men können. N. Nesprim, 7. Jäner. In Folge der Anordnung des Obergespaus Baron v. Fiüth hat gestern unter dem Vorsitze des Oberstuhlrichierö v. Märton die Neuwahl des Vorstandes durch öffentliche Abstimmung stattgesunden. Es wurden gewählt die Herren: Wolf G. Weiß mit einer Majorität von 38 Stimmen gegen seinen Mitkandidaten M. Tuskau; Johann Marguln und M. Stern zu Vorstehern. Kassier: Simon Reumann; Kontrolor: Alex. Deutsch; Synagogenväter: Moriz Stern und Moriz Neu. Beisitzer: Wilh. Grün, Dr. Wilh. Hallüsy, Sal. Hochsinger, F. Kraus, Rud. Rothauser. Mit Aus« nähme eines einzigen Beisitzers ist also der frühere Vorstand mit allgemeiner Stimmenmehrheit wiedergewählt worden. Die nach Wien kolportirten gehässigen Anklagen gegen den Vorstand sind mithin von der Gemeinde auf eine eklatante Weise dementirt worden. Was nnsern er-, sten Vorsteher, Herrn Wolf G. Weiß bfirijft, 10 har er sich »m..unsere Gemeinde unleugbar Verdienste erworben. Er war e-, der sich alle Mühe gab. ein Anlehen aus dem Schulfonde und eine jährliche Subvention z» Gunsten unserer Schule zu erwirken. Zur Zeit sind die Disferenzen mit dem Herrn Rabbiner noch nicht ausgeglichen; hoffentlich wird aber durch Entgegenkommen von beiden Seiten der Friede unserer Gemeinde zur Ziisriedenheit unseres Herrn Rabbiners hergestellt werden. N. Nagy-Körös, 8. Jäner. Am 2. d. M. ging die Borständs« und Nepräsentantenwahl vor sich. Gewählt wurden die Herren PH. Steiner. I. Fleischer, M. Steiner. I. Rosenfeld und G. Freiberger. — Die tüchtigen Lehrer G. Schäfer und O. Ecker sind eifrigst bemüht, die unter ihren Vorgängern tief gesunkene Schule.zu heben, worin ste aber von der Schnlkommission nicht genügend! unterstützt werden. P. Dravicza, im Jäner. In dem bicstgctt, im südlichen Ungaru gelegenen, Bergstädchen hat am 15. v. M. die solenne Einweihung der neuen Synagoge stattgcfnndcn, zu deren Erbauung Se. Majestät eine Unterstützung ron 600 fl. ans dem Schulfonde attergnädigst zu bewilligen geruhte. Die Feierlicheit wurde unter der lebhaftesten Theilnähme der ganzen, auch christlichen Bevölkerung vollzogen. Herr Ko« mitatS-Rabbiner Weiß aus LngoS begeisterte die zahlreiche Zuhörerschaft mit seiner trefflichen, zeit- und sachgemäßen Einweihungspredigt. Die Feier wird allen Anwesenden unvergeßlich bleiben. Schulwesen. R—g• Pest, 5. Jäner. Den rastlosen Bemühungen unserer verdienstvollen Schulvorsteherinnen Frau Josestne Gans und Emilie Ullma n» ist es gelungen, eine solche Thcilnahme für die armen Zög- Unge der hiesigen isr. Töchterschule bei den Begüterten unserer stets opferwilligen Gcmciudemitglieder zu wecken, daß die eingelaufenen Spenden vollkommen hinreichtru. sämmtliche mittellose Schülerinnen gehörig und ordentlich zu bekleiden. Ebenso werden wir der Initiative der obenerwähnten wackern Damen bald einen jüdischen Frauenverein zu verdanken haben, dessen Tendenz wie selbstverständlich nur eine humane und edle sein wird. Unser verdienstvoller Reich ist zum Schluffe der zehn Jahre, seitdem er sein ״Beth-El" eingcleitet, mit dem altehrwürdigen Moren»- Titel von Seiten der Radbiiien unseres Vaterlandes als: Ehrlich, Löw und Dr. Zipl'er ausgezeichnet worden. Diese wohlverdiente aufmunterude Thcilnahme gegen unfern sehr verehrten BerufSgenossen muß allen Lehrern wolilthun. UngVÜL, 29. Dezember. Der gegenwärtig an der Spitze der hiesigen Gemeindcangelegenheuen stehende Vorstand hat bei seinem Amtsantritte ein Gcmeindestatnt geschaffen, welches geeignet ist, diese an bildungsfähigen Elementen ziemlich reiche Gemeinde einer schönen Blüthe rntgegenzusührcn. — Da die Schule unstreitig das kostbarste Institut jeder Gemeinde ist und als Thermometer für den Fortschritt angesehen werden darf, so wollen wir zunächst erwähnen, was der lobt, Vorstand für dieses Institut gethan Hai. Bisher war die Schule das Stiefkind der Gemeinde, ihre Er- Haltung wurde gänzlich ihr selbst überlassen, und während andere Gemeindeanstalten reichlich bedacht wurden, (denn die Gemeinde verfügt über bedeutende Revenuen), mußte die Schule oft Monate lang jammernd ihre Arme ausstrecken, bis ihr einige Brosamen verächtlich zugeworfen wurden. Der gegenwärtige Vorstand aber hat die Schule in alle thre legitimen Siechte eingesetzt, indem ein Paragraph des erwähnten Statutes sagt: ״Die Schule ist Gemeindeanstalt", und ist ihr aus der Gemnnbekaffe eine Subvention von jährlichen 1200 fl. zugefichcrt. Soll aber der geschätzte Leser die Tragweite dieser Maßregel nach ihrem wahren Werthe zu würdigen wissen, so muß ihm bemerklich gemacht werden, daß die Schule hier eine Konkurrenz von 20 Winkelschnlen zu bestehen hat. Ueber die Leistungen dieser Schule sich auszusprechen, wollen wir einem diesem Institute Fernerstehendeu überlassen; wir wollen nuz diese Gelegenheit benützen, dem löblichen Vorstande nnsern tie.fgefühls^ Dank für sein wackeres Vorgehen auözusprechen und ihn zum Vorwärtsschreiten in dieser Richtung anzuspornen. Damit die Gemeinde von dem peinigenden Gedanken nicht gefoltert werde, mit dem etwaigen Rücktritte