Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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5 6 einer der konservativsten wissenschaftlichen Theologen der Gegenwart! Schliesslich sei uns noch gestattet, die angenehme Hoffnung ausztfsprechen, dass die Freunde der talmudischen Alterthumskunde sich recht oft bewogen fühlen ,werden, die ״Forschungen״ mit ihren schätzbaren Beiträgen zu bereichern. . Szegedin, 1. Jänner 1866. Löw. Die Dispensation von Gelöbnissen. Heber die Bedeutsamkeit der Gelobnisse, welche schon in den ältesten Zeiten verschiedenen Anlässen ihren Ursprung verdankten, haben wir hier 'nicht zu reden; nur an. die ebenfalls schon im alten Israel vorherrschende ,Neigung zu Gelöbnissen sei uns zu erinnern gestattet. Die Verdienstlichkeit derselben wurde so frühzeitig tiberschäzt, dass schon die Thora dieser Ueberschätzung entgegentritt, und auf den untergeordneten Werth der Gelöbnisse hinweist: ״Wenn du das Geloben unterlassest, wird keine Sünde an dir sein5) ״ M. 23, 23). Je häufiger und daher unüberlegter Gelöbnisse gethan werden, desto öfter müssen sich die gelobenden Personen später, in der Lage sehen, die gehegten und ausgesprochenen Vorsätze zu bereuen , und desto lebhafter'muss ihr Wunsch sein, von der Last der Übernommenen Leistung oder Entsagung befreit zu werden. Vor einem solchen Beginnen warnt aber die Thora mit den Worten: ״Was zu deinen Lippen ausgegangen ist, sollst duhalten und thun, gleichwie du dem Ewigen deinem Gotte freiwillig gelobt, was du mit deinem Munde ausgesprochen hast“ (Das. 23, 24). Dieselbe Warnung wird in den jüngeren biblischen Schriften wiederholt: ״Fallstrick für den Menschen ist’s, zu übereilen Weihung, sollte. Denn des Gebirgsvolks Ansicht nach sollte die Erde nur in der Mitte einer Ungeheuern ausgebreiteten Meeresfläche liegen, welche Leviathan fortwährend durchziehe, um das Wasser in Bewegung zu erhalten, damit es nicht faule. Dieser L e v i athan sei aber so gross, dass sein Kopf stets seinem Schweife rund um die Er d e'nac h j age; eine seltsame, vielleicht erst biblische(?) Belebung der uralten homerischen Idee eines die Erde als Okeänos umrollenden Weltstroms.״ (Bitter XI. 8. 627). und nach dem Geloben erst zu überlegen (Shr. 20, 25).״ ״Wenn du Gott ein Gelttbdö gelobst , so verziehe nicht, es zu erfüllen; denn er hat keinen Gefallen an den Thoren : was du gelobest, erfülle. Besser, dass du nichts gelobst, als dass du gelobst und nicht erfüllst״' (Pred. 5, 3. 4). Da die Abfassung des Buches Kohelet, wie wir an einem andern Orte gezeigt haben, in die Zeit Johann Hyrkan’s fällt, so wird durch leztere Ermahnung konstafirt, dass der Dispens von der Erfüllung eines gethanen Gelöbnisses zu jener Zeit noch unbekannt war. Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, dass . die Häuser Schammai’s und Hillel’s bereits diesen Dispens kannten (Naz. 5, 3). Der Ur- Sprung desselben fällt mithin in das Jahrhundert, welches zwischen Johann Hyrkan und der Blüte jener Häuser liegt. Die Gelöbnisse hatten solche Dimensionen angenommen, dass man es im Hinblicke auf die Versuchungen des Lehens und die Regungen des Gewissens für angezeigt hielt, einen legitimen Dispens von Gelöbnissen einzuführen. Die Stadien, welche die Anschauung von dieser Reform durchlief, liegen klar vor Augen. Eine Mischna, welcher schon Nachman Krochmal mit Recht ein höheres Alter zuschrieb (More 194, c), steht nicht an, offen zu erklären: ״Die Auflösung der Gelübde schwebt i n der Luft״')! Im Anfänge des zweiten Jahrhunderts bemühten sich bereits Schriftgelehrte ersten Ranges, einen biblischen Anhaltspunkt für den usuellen Dispens zu finden 2). Da die Gelöbnisse schon in der biblisehen Zeit auch in der Form eines promissorischen Schwures ausgesproesen wurden (4 M. 30, 3); so entstand die Frage, öb der Disspens auch auf diese Form des Gelöbnisses ׳) Chag. 1, 8. היחר נררים פורהין באויר dass sich hier das Prädikat nicht, wie man erwarten sollte, nach dem Subjekte, sondern nach der Beifiigung richtet, könnte auffallen. Analogien dafür finden sich jedoch schon im biblischen Hebraismus : 1 Sam. 2, 4. der. 2, 34. Jesaj. 2, 11. י) der. Chag. 1, 8. Babl. das. 10, a. wo im Gegensätze zu dem Mischnischen: HD אין לה□ על שיסמכו behauptet wird: יש להם ע׳ מ׳ ש׳ Nichtsdes!oweniger sagt Maim. עקר כלל בתורה V? אין׳ שבכתב: (Schebuoth 6,2. Vergl. jedoch Sefer ha- Mizw. 195.) Für den daselbst angegebenen 17 a: di tibnell on Ursprung des Dispenses sieht man sich, im Talmud vergeblich nach einem Belege um.