Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3 4 Die Wissenschaft ist. weit entfert, die Fort- Setzung des Talmuds zu fordern, oder auch nur zu billigen; sie will den Inhalt desselben objektiv aufgefasst und in möglichst klarer Uebersichtliehkeit dargestellt wissen. Ganz anders und viel schlimmer verhält es sich mit der allegörisirenden Methode, welche dem Talmud nicht lässt, was ihm gehört, ja sich nicht scheut, Aussprüche der , alten Schriftgelehrten zum ׳ Gegenstand einer willkürlichen, oft fantastischen Deutelei zu maeben. Dass die Einsicht in die wirklichen , Anschauungen der talmudischen Zeit,dadurch nicht geschärft oder gefördert wird, ist an sich klar. Aber selbst der beabsichtigten Verherrlichung der alten Lehrer wird damit kein Vorschub geleistet. Denn abgesehen von der Grund- und Werthlosigkeit der hermeneutisehen Künstelei, sind unter hundert Deutungen mindestens neunzig so beschaffen, dass es den 'Urhebern der maltraitirten Sprüche nimmermehr zur Ehre gereichen kann , den ihnen unterschobenen, oft höchst trivialen Gedanken in ein 80 bizarres Gewand gekleidet zu haben. Von solchen Verirrungen, in denen sich zuweilen Orthodoxe, Romantiker und Reformer begegnen, Werden wir uns stets fern zu halten wissen. Von einem gründlichen Sachkenner sind wir darauf aufmerksam gemacht worden, dass es angezeigt sein dürfte, verschiedene Pärthieen der talm. Alterthumskunde unter die Mitarbeiter zu vertheilen, indem sonst mehrere Forscher sich mit einem und demselben Gegenstände beschäftigen könnten. Da es sich indess nicht um eine sofortige Inangriflhahme der Archäologie handelt, sondem erst das Material dazu gesammelt und gesichtet werden soll; so dürfte die Eruirung und Gruppirung von Spezialitäten nur gewinnen, wenn mehrere Forscher einer und derselben Spezialität ihre Aufmerksamkeit zuwenden: אין שני נביאים בותנבאין בסגנון אהד!*) Von nicht minder kompetenter Seite wurde erinnert, dass zuvördest der Umfang der talmudischen Alterthumskunde genau begrenzt werden müsste, um heterogene Elemente auszuschliessen. Wir glauben aber weder der Zeit, noch den verehrten Mitarbeitem vergreifen zu dürfen. Dogmatische und ethische Untersuchungen gehören we- *) Saab. 89. a. sentlich zur Verwirklichung unseres Planes, und selbst die Hermeneutik des Talmuds wird, wenn auch nicht in der Archäologie selbst, so doch jedenfalls in der Einleitung wissenschaftlich charakterisirt werden müssen, um das Verhältniss des Talmuds zur Bibel historisch' darzulegen. Die tahnudische Schriftauslegung gieng aus dem Boden der talmudischen Spraclikenntniss und der talmudischeü Anschauungen hervor, und die Geschichte der Exegese weiss ihr auch aus dem christlichen Altörthume Analogieen an die Seite zu stellen. Die hieher gehörigen apologetischen Kunststücke Wessely’s, Malbim’s und Anderer sind ihren Motiven nach höchst achtenswerth; sie beruhen aber auf Illusionen, die die wissenschaftliche Erkenntniss nicht fördern. Ueberhaupt werden die verehrten Mitarbeite!׳, die sich an den ״F 0 r s c h u n g e n“, betheiligen, stets beflissen sein, den sprachlieh״ und sachlich wohlverstandenen Talmud für sich selbst sprechen zu lassen, und nichts zu verschweigen, was zu dem jeweiligen Gegenstände der Forschung gehört. Dass gegen diese einzige richtige Methode häufig gesündiget wurde, ist jedem Kundigen bekannt; doch haben sich einzelne Forscher von dieser Sünde frei zu halten verstanden. Wir erwähnen nur Dj\ Lewysohn, der den fabelhaften Thieren im Talmud eine eigene Abtheilung widmete, vorausschickend, dass auch Aristoteles, Aelian und Plinius nicht nüchtern genug waren, auf diesem Gebiete Dichtung und Wahrheit von einander zu scheiden. Ja, er wagt sogar, den Leviathan für ein fabelhaftes Thier zu erklären , wiewol R. Samuel Edel’s ausdrücklieh ermahnt, die bezüglichen Aussprüche des Talmuds ihrem Wortlaute nach für wahr zu halten! *) Und doch ist Hr. Dr. Lewysohn *) Chidd. Agg. zu B. Batbra 74, b. Dr. Lewysohn führt aus dem Talmud au, dass der לזיתן נחש עקלתון einen Kreis um die Erde bildet (Zool. §. 505). Ich finde dies nicht im Talmud, wol aber bei Raschi a. a. O. Die Anschauung muss aber traditionell sein, da sie sich auch bei anderen asiatischen Völkern findet. In Djulamork im Lande Hekkari (Zentral- Kurdistan) hielt man es noch 1839 liir unmöglich, dass der Reisende, Dr. G rau t, ״aus Amerika durch den grossen Ozean habe hindurch kommen können, wegen des grossen Ungeheuers, dass nach der dort herrschenden Ansicht denselben beherrschen