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Ben Chananja · 1866-01-10 · 2 (10.1.1866) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
2 (10.1.1866)
Date
1866-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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45 46 Ho rrespon-enz. Ausland. 8. Leipzig, 4. Jäner. Rabbiner Dr. Stein aus Frankfurt hat bei dem Vereine zur Förderung geistiger Interessen iw Zudeuthume die Gedächtnißrede auf Mendelssohn gehalten und seine Aufgabe auf eine glänzende Weise gelöst. Inland. F—k. Wien, 4. Zäner. Ts scheint Ihnen entgangen zu sei«, daß die ״Kirchenzeitung" triumvhirend meldet, der Talmudprozeß sei von dem LaudeSgerichte längst niedergeschlagen worden. Diesmal hat leider die ״Kirchenzeitung" hinreichenden Grund, zu triumphireu, da das Auftreten des StatSanwalteS mit vieler Vehemenz gefordert wurde, uud Vorstand, Rabbiner und Prediger auf die Verhandlung eingingen, und die Angelegenheit so zu sagen zu der ihrigen machten. Man nimmt fich die erlittene Schlappe indeß nicht sonderlich zu Herzen. Zu großen Städten wird bei Allem nur auf den augenblickliche» Effekt gesehen, dieser war aber erzielt, als der StatSanwalt in Folge der Jnterpellaliou eines jüdischen Journals eonlr» ״Kirchcnzeituug" aufirat. Was her, nach geschah, intereffirt die Wenigsten. Und doch ist eS piquant genug, daß die Anklage gerade in Folge der Aeußerung der jüdischen Theologen niedergejchlagen werden mnßte, indem die von der ״Klrchenzeit." inkriminirten Talmubsprüche in dem haggadifchen, also nichtkanonischen Theile des Talmuds enthalten sind, was die jüdischen Theologen selbst nicht in Abrede stellten. Zu der Jubelfeier Sulzer'S werden bereits Vorbereitungen getroffen. ß. Wien, 7. Jäner. Gestern predigte Herr Rabbiner Weiß aus Pohrlitz in Mähren. Er sprach in einer fünftheiligen Predigt über den Priesterberuf. In seiner-Schilderung der orthodoren und reformistischen Richtung ist ersternicht eben gut weggekvmmen. Wien , im Jäner. Als kürzlich im Levpolvstädter isr. Tempel die Sammelbüchse geöffnet wurde, fand man außer mehreren kleinen Münzen zwei neue kleine zusammengelegte 100 fl.-Noten, welche mit einige» Scchserln beschwert, von einem unbekannten Wohllhäter gespendet wurden. Jeliinek und Snlzer habet, das 50jährige Jubiläum des Frauen- Vereins durch Rede und Gesang auf die glänzendste Weise verherrlicht. /*. Pest, 4. Jäner. Herr Karl Louis Posner hat Sr. Majestät eine prachtvolle Mappe überreicht, welche der Kaiser anzunchmen geruhte. Als bleibendes Zeichen der Allerhöchsten Anerkennung geruhte Se. Majestät Herrn Postier eine elegante Brustnadel zu übersenden, welche in Begleitung eines sehr schmeichelhaften, von dem Oberstkämmrrer, Herrn Fürstin Auersperg, nntersertigten Schreibens dem glücklichen Empfänger zugcstellt wurde. Auch die beiden Prachtbücher. welche Herr Posner der Akademie zum Geschenke machte, erfreuten sich des Beifalls Sr. Majestät. Wir wünschen Herrn Posner Glück zu diesen schölten Erfolgen. 8k. Pest, 5- Jäner. Mit Bezug auf meine jüuste Mittheilung beeile ich mich, Ihnen anzuzeigen, daß in Berücksichtigung des UmstandeS, daß durch die Debrecziner Messe viele unserer Gemeindrrepräsentanten vom Hause abwesend find, die für den 14. d. ausgeschriebene Generalversammlung auf den 21. verschoben wurde. (Z) S. A. Vjhely, 29. Dezember. Ei» Rundschreiben vom hiesigen Oberrabbi verdammt das Treiben des Szikßüer Chaffid und fordert dir Rabbinen aus Nahe und Ferne auf, sich den Bestrebungen dieses Fanatikers in Angelegenheit der Anti-Emanzipation der ungarischeu Juden nicht anzuschließen. Es bleibt jedenfalls interessant, daß auch im vorigen Jahre die Einladung zur Nyiregyhäzer Konferenz vou Rebbe Hillel auSging. Da fich der Szikßüer in seinem Wahne für eiuen Märtyrer hält, so ist es unseres Trachtens gerathener, das Treiben der chassidischen Partei in de, Emanzipaiionsungelegenheit fortan mit Stillschweigen zu übergehen, und werden wir unsererseits für die Folge nur nackte Thatsachen in diesen Blättern registrireu. Wie wir erfahren, wirb das Rumpfparlament »och im Laufe dieser Woche seine Sitzungen in Szikßü forrsetzen und ist nur zu dedaurrn, daß der Seel,nhirt einer so, hervorragende» Gemeinde, wie Uugvür, fich von dem Treiben einer solchen Partei nicht ferne hält. Bei uns iu Ujhely hat eine Aeußerung des geheimen Hausscha« weS -es Szikßüer Chafftd, Brauntweinhändler Naftali, wonach er, der Chaffid, die ganze Gemeinde in der Tasche habe, einen Sturm in der Gemeinde hergrrufen, der künftigen Historikern zu Liebe im ״B. CH." aufbewahrt zu werden verdient. Fünfzig Chaffidäer versammelten fich, wie ich bereits gemeldet, am ersten Chanukatage und wählten in ihrem Sinne Borstand und Gemeinbeausschuß. Die orthodore Partei verlangt eine neue Wahl, die denn auch, da der gewählte Vorstand zurücktrat, vor wenigen Tagen worgenommen wurde und mit einem glänzenden Siege der Orthodoren endigte. Wir unsererseits können -er Gemeinde zur Wähl des Herrn Albert Frievlieber zum Vorstande gratuliren, da tüchtige Fachkeuntniß diesen Mann zu einem solchen Ehrenamte besähigen. Ob man fortan den Verhältnissen Rechnung tragen wird, lassest wir dahingestellt. da unfere Gemeinde seit Jahren keinen Fortschritt iu Schul« noch Synagogenangelegenheit duldet. A- Sürospatak, 29. Dezember. Was das ungarische Israel im Großen, trotz der Humanität seiner Bewohner, in den letzten 17 Jahren gelitten, spiegelt sich im Kleinen in unserer Gemeinde ab. Hier-- mit wollen wir die Schäden, die der Chassidismus ihr geschlagen, nicht erörtern, da sie in dieser Richtung das Schicksal vieler andern Schwestergemeiuven des nördlichen Ungarns theilt. Hartnäckig wurden den Pataker Juden bisher alle städtischen Rechte verweigert; gelang es doch den jüdischen Hausbesitzern nicht, die Rechte ihrer christlichen Mitbürger, selbst auf dem Prozeßwege, zu erlangen! es blieb alles beim alten Zopf. Jedoch eS soll anders werden. Die einstimmige Wahl des in vielen Kreisen rühmlichst bekannten SeminardirekkorS Josef ^.rvai zum Präsidenten der Stadt änderte aus einmal die Sachlage. Heute wurde im SrLroSpataker Bezirk vom Herrn Jos. Arvai in keiner Elgeuschaft als Präses der Stadt, mit Zustimmung der Repräsentanz und sämmt« licher Intelligenz die Gleichheit aller Bürger ausgesprochen und find hiemik alle bisherigen AuSnahmözustände für die hiesigen Israeliten gefallen. ש. Kafcharr, 25. Dezember. Die hervorragenden Gemeinde- Mitglieder sind mit der Saumseligkeit Vieler nicht einverstanden und haben dieselben noch nicht alle Hoffnungen aufgegeben, Herrn Dr. Zipfer als Oberrabbiner dieser Gemeinde zu gewinnen. v. Prag , 4. Jäner. ״Das biblische Palästina" von dem trefflichen Jonas Spitz ist in zweiter Auflage erschienen. Die weite Ver, breitung, deren sich das Büchlein erfreut, ist ein hinreichender Beweis für dessen Brauchbarkeit. Denjenigen jüdischen Theologen in Ungarn, die noch immer geneigt find, den Libanon in den Süden Kanaans zu verlegen, möchten wir das Merkchen besonders empfehlen. Herr RabbinatS- Assessor Back fährt fort, den Freunden Haggadischer Vorträge genußreiche Stunden zu bereiten. 8t. Lengyellöti, 1. Jäner. Dr. Ignaz Mittler ist in Sjöllös« Györök zum Bezirksarzt ernannt worden. Auch erne Antizipation der Emanzipation! א. Szikßö, 26. Dezember. Der Heilige aus Liska, R. Hirsch, ist zu einem Hochzeitsfeste hier angelaugt. Andere Gleichgesinnte sollen folgen, um die geheimen Berathungen von Nagy-Mihäly fortzusetzen. In Ujhely find einige Chaßidäer in den Vorstand gewählt worden. Schulwesen. א״ל Pest, im Dezember. Die Temesvarer Intelligenz ist nicht wenig entrüstet über die Besetzung der neukreirten Religionslehrerstelle mit gänzlicher Hintansetzung der Gemeinde. Ein Rundschreiben, welches soeben vom dortige» KultuSvorstande an den hiesigen, und wie wir aus dem Schreiben ersehen, auch an die Vorstände iu Fünskircheu uud Uj« hely abging, entwickelt die ganze Sachlage. bedauert das einseitige Vorgehen deich Schulbehörden und bittet jene Gemeinden, welche eben« falls so glücklich sind, Muster,'chnlen zu besitzen. sich einer Petition an die hohe kön. uug. Hofkauzlei auzuschließen, in welcher die hohe Stelle anzugehen sei, den Gemeiudeu mehr Freiheit bei Besetzung der Lehrerstellen zu gönnen, iusdesoudrre aber ihueu mehr Autonomie als Heute riuzuränmen.

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