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Ben Chananja · 1866-01-10 · 2 (10.1.1866) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
2 (10.1.1866)
Date
1866-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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43 Zur Bekräftigung dieser Angabe will ich hier eine Stelle au» einem Schreiben mittheilen, das ich unlängst aus der Nachbargemeinde zu Steinamanger von sehr achtbarer und glaubwürdiger Seite erhalten. Die Stelle lautet: ״Diesem Schnir ist schon früher von der hiefigen Gemeinde, weil er in Jerusalem keinen Antheil erhält, der dritte Tbeil der '"--.Gelder zugeflchert worden. Voriges Zahr aber (1864) kamen die Herren St., Agenten des Herrn H—r, zu dem damals gewesenen Gabai und forderten ihm die Gelder ab, um sie nach Gisenstadt zu schicken. Schnir erhielt also nichts. Als er jedoch jüngstens hier war und das Versprochene verlangte, wurde die Sache untersucht; da hieß es, die Gelder, 90 fl. ö. W., gingen nach E.. von dort zum Herzog I. D. Noch aber ist weder eine Quittung oder eine Anzeige da und wird wahrscheinlich keine Vorkommen." Urrheilen Sie nun selber, meine Herren, ob das in Ordnung ist, daß eine Gemeinde, die 90 fl. spendet, noch nach einem Jahre nicht weiß, was mit ihrem Gelde geschehen, ob «S richtig angekommen oder nicht? Das Vertuschwesen ist schon ganz aus dem Kurse. Zn allen Staten und Ländern wird^auf Oeffentlichkeit und Kontrollirung gedrungen, diesem kann sich am wenigsten eine blos von UnterflützungSgeldern lebende Gesellschaft, wie auch deren Sammler und Vertreter entziehen. Schicken Sie alljährlich an die Redakteure der jüdischen Blätter in Oesterreich eine genaue dctaillirte Rechnung! Eine solche alljährliche veröffentlichte Verrechnung würde Ihnen sicher mehr Sympathien erwecken, als die Einsendung noch so vieler Klagebriefe und Ihre Sache kräftiger unterstützen, als die so hochtra.- benden Titulaturen von Zadik und Chaffid, womit Sie Ihren gewesenen Herzog und Andere zu überhäufen pflegten. Rechnitz, im Monat Thebeth 5626. Dr. M. Zipser, Oberrabbincr. Wiener Griefe. 1. l Schluß.*) Wir wissen nicht, von welchen Grundsätzen die betreffende Kom- Mission bei der Auswahl der Kandidaten ausging; oder ob sie sich überhaupt von Grundsätzen leiten ließ. Fast wäre man versucht, anzu, nehmen, der blinde Zufall habe entschieden. Wir finden unter den Kandidaten Männer, von denen mau gar nichts weiß, andere, deren Leiflungen auf literärischem Gebiete einige Zeilungskorrespondcnzen sind. Sollen das die אנשים חכמים וגבלני□;וידועים sein, die man an die Spitze der vornehmsten und größten jüdischen Gemeinde des KontinentS setzen will? — Wir müssen dabei noch einen andern Punkt er, örtern. Unter den Kandidaten befinden sich einige ganz junge Männer. Wir geben nun gerne zu, es finden sich manchmal junge Männer, welche wol auf allgemein wissenschaftlichem, wie anch speziell jüdisch-theologischem Gebiete Kapazitäten und Zelebritäten sein mögen חריפים צנא מלא ספרא• Um jedoch eine derartig große Gemeinde, wie die Wiener Gemeinde ist. zu leiten, muß man praktische Erfahrung haben. Man wird uns vielleicht erwidern, der sei. Mannheimer sei auch jung gewesen, als er hier das Amt antrat. Darauf bemerken wir jedoch, der sel. Mannheimer trat im Jahre 1826 hier ins Amt. Im Jahre 1819 war von ihm bereits eine Predigtsammlung in dänischer Sprache erschienen. In der Zwischenzeit sungirte er in Kopenhagen, in Leipzig, in Hamburg und Berlin. Die damalige Wiener Gemeinde hatte beiläufig 100 Tolerirte, während jetzt hier 30,000 jüdische Seelen sind. Schließlich war der sel. Mannheimer ein orflanisatorlscheS Genie, was eben nicht jedermann ist. Es fragt sich auch: kann man von einer Predigt, die ein Redner gehalten, darauf schließen, ob er ein guter oder schlechter Prediger ist? Ist es wirklich eine außerordentliche Leistung, eine Predigt abzufassen, wenn man wochenlange Zeit bat. dieselbe zu kompouiren? Gibt er nicht zahlreiche Predigtjammlungen. aus welchen sich selbst ein mittelmäßiger Redner eine recht gute Rede zusammenstellen kann? Hat man nicht an- 44 derfeitS auch Beispiele, daß selbst vortreffliche Redner manchmal schlech t gepredigt haben? Wir haben von dem fel. Mannheimer und Sachs (wir wollen Lebende nicht nennen) Predigten gehört, die sehr unbedeutend waren, und kann nicht einem sonst tüchtigen Prediger bei der Probepredigt ein ähnliches Malheur treffen? — Man sieht auf die Stlmmittel und die Journale berichten über die armen zur Schau gestellten Kandidaten, welche- Sprechorgan sie haben. Ist es jedoch die Schuld des Mannes, dessen Stimmmittel in Folge einer Reise während der WinterSzeit leiden, wenn er in dieser Beziehung nicht entspricht? Nehmen wir jedoch den besten Falt an, rin Probeprediger tritt auf, der in vollem Maße den Anforderungen entspricht, wer birgt dann dafür, daß derselbe nicht jenem Prediger ähnlich ist, der ans der Kanzel ein Weltweiser und im Leben ein ״Gottes Narr" ist? Die Persönlichkeit des Predigers in 8p6, wie sie im Privatleben ist. die lernt man aber gar nicht kennen, und am allerwenigsten kennt sie der Vorstand. — Der betrefsende Kandidat muß wie natürlich sich den Vorstandsmitgliedern vorstellen, da wird er mit aller Höflichkeit und Freundlichkeit empfangen. Es werden einige flüchtige Worte gewechselt und man trennt sich mit der Versicherung, daß man sich gefreut habe, sich kennen zu lernen. Wen» diese StatSvisiten beendigt sind und die Probepredigt gehalten ist, dann werden die steifen AbschiedSvisitcn gemacht, voila tout. Man muß sich also klar machen, was mau will. Unserer Meinung nach muß der Prediger der Wiener Gemeinde ein bedeutender Mann sein. Wir stellen aber nicht in den Vordergrund, daß derselbe ein^auSgezeichneier Prediger sei, er darf nun kein absolut schlechter sein. Wir verlangen vor allem von demselben das für einen Wiener Prediger n o t h w endige Maß wissenschaftlicher Bildüng, einen praktischen Blick und Griff und taktvolles Gl «greifen in die öffentlichen, und wenn dazu aufgefordert, in die Privatverhältnisse. Dann wissen wir wol, daß sich letztere Eigenschaften nicht so zu sagen auf das Brett herzählen lassen. Diese kann man aber nur nach der praktischen Wirksamkeit ermessen und darum wäre es nach meiner Meinung besser, man würde die Probcpredigt, wenn mau durchaus dieses Schaulpiel (wahrlich nicht für Götter) den guten Wienern bieten will, als letztes und nicht als erstes Kriterium gelten lassen, wenn nämlich zuvor die andern Qualifikationen als vorhanden zu betrachten find; und in dieser Beziehung wäre eS gut, wenn über die Prediger, die bereits zur Probe hier waren, derartige Recherchen gepflogen würben. Ich würbe diesen Gegenstand nicht in der Ausführlichkeit behandelt haben; wenn mir nicht nntgetheilt worden wäre, daß der Vorstand die Absicht habe, eine weitere Serie von Probepredigern rorzuführen, wen» von den bis jetzt geliannten keiner entschieden durchgreifen sollte. Ich muß übrigens den Bo,stand gegen eine Milthciluug im ״B- Ch." ul Schutz nehmen, als seien die Probepredigien bloße Komödien und der Auserkorene schon designirt, nämlich Dr. Kayserling. Wir sind mit dem Modus der Probeprebtglen nicht eilivcrstanden, wir Hallen die Wahl der Kommission nicht für sehr glücklich, (denn sie hat vorläufig Dr. Kayscrling ausgeschlosseu, obschon er uns ebenso würdig, wie die andereu Herren erscheint und mtiidestens ebenso gelehrt wie der Herr .Rabbiner Weiß 1c. ist); — aber sie hat bona ticke gewählt und wollte die besten aussuchen. Der Griff war im ganzen kein glücklicher, aber man würde sich gegen die Wahrheit versündlgen, wollte man der Kolli- Mission impulirrn, sie habe Hintergedanken gehabt. Um eine Komödie zu spielen, wäre die Sache auch zu kostspielig, da jeder Kandidat 200 fl. erhält, und wahrlich die Gemeiudekasse ist nicht in blühendem Zustande, wie dieses mäniglich bekannt ist. Ich kann diese Epistel (mögen mir die Leser die Länge derselben zu Gute halten) »licht schließen, ohne der traurigen Thalsache zu gebenken, baß bei der Wahl zur theilweisen Eruenuung des Vorstandes beiläufig 200 von etwa 16—18.00 Wählern erschienen sind. Was wir auch gegen den Vorstand aus dem Herzen haben, so erfüllt er besser seine Pflichten, als die Gemeinbemilglieber. Während drei Jahren wird nnablässig gegen den Vorstand polenusirt; kömmt es zur Neuwahl/ bleibei, die Herren nach wie vor im Kaffeehause sitzen und polemisiren!veiler. So fassen sie ihre Pflicht als Gemeindemitglieder auf. •יי ל S. die vorige Nnmmer.

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