Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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derS nachdem wir eS schon zu wiederholten Malen als leereS Schreckbild erkannt. — Denn mit dem nämlichen Mummenschanze,drohte man, als es sich darum handelte, den Chortempel zu errichten, das nämliche sagte man uns, als man die erste Orgel aufstellen wollte, und wieder dasselbe als man z. B. deutsche Lieder proponirte rc. Nun, eS ist nichts von all dem eingetroffen und heute ist die Waffe stumpf und schneidet nicht mehr. Es ist eine oft bewährte Marime, Laß in politischer wie in sozialer Beziehung eS gerathener ist, den gerechten Ansprüchen zeitig entgegenzukommen, als abzuwarten, bis diese fordernd auftreten. Das eigensinnige ״Mn possumus“ bringt im Großen Revolutionen hervor und würde hier im gegebenen Falle eine Spaltung hervor- -rufen, indem sich die große Zahl Jener, die einen nngarischen Prediger wünschen, durch die hartnäckige Weigerung zum Aeußersten gedrängt sähen. —- Und wir sind überzeugt davon, daß eine Theilung (nicht Scheidung) des GottesdiensteS viel wohler thun müßte,.als das jetzige Chaos, wo man hebräisch betet, ungarisch singt und Hochzeiten verkündigt und deutsch predigt. Ein geregelter ungarischer Gottesdienst könnte ganz unbeschadet des bisherigen eingeführt werben, um so mehrmals man deshalb nicht das Geringste an dogmatischen und rituellen Dingen ändern würde. Was sich ändert, ist blos die Sprache und freilich ist dies der eigentliche Stein des Anstoßes. Uud wenn es auch nnr.Wenige offen bekennen, im Herzen mögen sie eS gegnerischerseitö Alle unterschreiben, daß ein ungarisches Gebet dem Tempel in ihren Augen nicht gut anstehen möchte. Bei solchen Anschauungen predigt man freilich tauben Ohren und wir enthalten uns bester jeder diesbezüglichen Kritik. Das Eine nur ist uns nicht ganz klar, und hierüber möchten wir uns freundliche Aufklärung erbitten, warum, wenn der Fran- - zose, Engländer oder Jtaliäner eS nicht für anstößig findet, in den Synagogen in seiner Landessprache zn beten, gerade unsere schöne Muttersprache des traurigen Vorrechtes genießen sollte, das Bethaus meiden zu müssen? Doch, man wird es uns gerne verzeihen, wenn wir uns mit derlei Einreden nicht weiter beschäftigen. Die Anstellung eines zweiten ungarischen Predigers ist heute einmal ein nationales Bedürfniß, und wir wollen uns der Hoffnung hingeben, daß unser geehrter Vorstand gewiß mit aller Vorsicht Vorgehen werde,.um durch Acguisition einer durch Charakterfestigkeit, Gelehrsamkeit und gemäßigte Gesinnung gleich ausgezeichneten Persönlichkeit den billigen und religiösen Ansprüchen eines großen Theiles unserer Gemeinde bestmöglichst gerecht zu sein. Anlwort an die Herren LsakPrag, Nathan Loses, Lonas Levi und Loses Snryler, Vorsteher der nng.- miihr.-böhur. und österreichisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Gegen Ende des vorigen bürgerlichen Jahres (כסליי M) beehrten Sie mich mit Ihrer werthe» Zuschrift, deren Beantwortung ich zwar direkt an Sic mittelst Post nach Jerusalem hätte einsenden können; aber da die Angelegenheit eigentlich keine Privalsache, sonder» mehr eine oklgemeine. alle ungarischen Gemeinden betreffende und in neuerer Zeit auch in diesen Blättern oft angeregte Zeitfrage ist, so habe ich in Zhrrm eigenen Interesse, wie auch im Interesse der Wahrheit, diesen öffentlichen Weg gewählt, weil nur dieser mir als geeignet erscheint, Klarheit in die Angelegenheit zn bringen. Bevor ich jedoch zur Sache schreite, muß ich auf meine im ״B. CH." v. 3. Nr. 42 veröffenilichie Mittheilung, welche die eigentliche Ursache Ihres Schreibens an mich war, noch einmal zurückkommen. 3m Monate Oktober vergangenen ZabreS sammelte ich in meiner Gemeinde die Summe von 38 fl. ö. W. j für ungarische Glaubensgenossen in Jerusalem und überschickte diese Spenden an meinen geschätzten Freund, den Redakteur dieser Blätter, er wolle gütigst die weitere Versendung besorgen, was auch bereitwilligübernommen wurde. Als Ursache, warum ich ihn mit diesem Geschäfte belästige, gebe ich folgende zwei Punkte an: Erstens, daß ein gewiffei Schuir Salomo», Sohn des berühmten R. Amram in erster Ehe, und der hernach eine zweite Frau in unserm Komitate (Särvär) geheiratet, längere Zeit da verweilte und alsdann mit seinen hier erzeugten Kin der» nach Jerusalem wieder zurückkehcte, laut seiner Angabe bei den dortigen.Beribeilungen entweder ganz übergangen oder verkürzt worden, und daß in Folge dieser hieher angebrachten Klagen die jüdischen Einwohner der hiesigen Gegend keine andere Wabl haben, als die für Jerusalem bestimmten Gelder dem Verkürzten znfließen zu lassen, oder sich doppelt zn besteuern. Zweitens erhielt ich im März 1864 von ihrem eigenen Kolel (die dortige Angabe: Kolel schel Pernschim ist irrthümlich) ein Schreiben, worin geklagt wird, daß von Rechnitz noch niemals Unterstützüngsgelder nach Zerusalem kamen (והנה תרומת שם קהל ׳(רעכניץ לאמצאנו בכתובים während ich doch mehrere Quittungen über solche Unterstützungen von hier selbst gesehen. Diese meine Mittheilung, die Sie, meine Herren, gar nicht gelesen, sondern nur vom Hörensagen kennen, brachte Sie in Harnisch gegen mich. Sie sagen in Zbrew jüngsten Schreibe» (ה, כסלו) wie folgt: ״Man habe Ihnen erzählt, daß ich eine öffentliche Aufforderung gemacht, daß von nun an alle imEisenburgerKomitate zn sammelnden Unterstützungsgelder an besagten Schnir Salomon auSgcliefert werden sollen." Sie klagen mich ferner der Eilfertigkeit an, die ohne früher zu untersuchen (בלי ר״ות) mit ihrem Verdammungsurtheile bereit ist und daß ich Sie ungerechter Weise (לאבצרק ולא ביושר) der Oeffentlichkeit preisgegeben. Endlich suchen Sie 3hr Verfahren in obiger Angelegenheit damit zu rcchtsertigcn, daß der Betreffende von Geburt ein Russe ist, der dem Kolel schel Chassidim angehört, und von diesem auch seinen Arnheil bezieht uud daß Sie ihm nichtsdestoweniger einen Aiuheil für seine Frau angeboten, was er aber zurückgewiesen. Daraus habe ich Ihnen Folgendes zn erwidern: 1) Sie sind zwar nicht verpflichtet, mit Rechenschaft über Ihre Bertheilungen zu geben; da Sie es «der dennoch gethan, so kann ich Ihnen nur aufrichtig sagen. daß dieselbe im obigen Punkle nicht stichhaltig ist. Hätten Sic besagten Schnir mit Ausschluß seiner Person einen auf Frau und Kinder kommenden Antheil. da letztere ebenfalls in Ungarn geboren und nach allen Rechte» Ungarn sind, angeboten; der Betreffende würde schwerlich gegen Sie Klage geführt Laben, um so weniger, da überhaupt die Gelder in Jerusalem nach Srelenzohl der Familien verlheill werden. Was gibt Ihnen aber das Recht, geborene ungarische Kinver von der Vertheilung ungarischer Gelder auszuschließen? 2) Es wird Ihnen, meine Herren, gewiß der Spruch: שלא תשמע מפי מתורגמן ,מכות ׳ס״א מ״ט bekannt sein, und dennoch stehen Sie nicht an, mich, ohne Einsicht in meine Korrespondenz zu nehmen, blos nach vernommenem Gerüchte anzuklagen, als hätte ich eine Aufforderung ergehen lassen, daß man Ihnen aus dem Gisenburger Komitate die UnterstützungSgelder entziehe. Warum suchten Sie sich nicht früher aus ״Ben Chananja", der in Jerusalem gehalten wird, Aufschluß über die Richtigkeit dieser Anklage zu verschaffen? Wäre so waS meine Absicht gewesen, so hätte ich ja selber mit den in hiesiger ebenfalls zum Giseiiburger Komitate gehörigen Gemeinde gesammelten 36 fl. den Anfang gemacht und sie direkt den besagten Schnir ringeschickt. Warum verdammen Sie meine Herren in aller Eilfertigkeit?בלי דדח Jedenfalls hätten Sie dies Alles ersparen können, wenn Sie meinen Aufsatz statt durch eine» Meturgomaa zu hören, im ״B. CH." selber gelesen hätten. Daß ich aber Ihrer Sache durch obigen Aufsatz nicht geschadet, ja noch eher genützt, beweist der Umstand, daß seit damals fast in jeder Nummer des ״B. CH." wie auch i» der Wieuer ״Neuzeit" Spenden Vorkommen, die Gemeinden und Rabbinen an die Herren Redakteure zur weiteren Bcrsendung ubermachen. GS geht daraus hervor, daß man früher aus Mißtrauen gegen die bisherige Versendung auf vielen Seite» mit den Gaben zurückgeblieben, und daß man nun mit Freuden den von mir bezeichueteu Weg betrat..