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Ben Chananja · 1866-01-10 · 2 (10.1.1866) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
2 (10.1.1866)
Date
1866-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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reich bewährt, indem sie dem jüdischen Kultus unter den übrigen Kulten eine würdige Stellung anwieS; die sranzvfischen Juden vor vielen Wirren bewahrte; ihrem religiösen Selbstgefühle einen neuen Aufschwung verlieh, und ihnen eine Vertretung sicherte, welche mehr denn bei einer Gelegenheit erfolgreich für sie in die Schranken trat. Wenn man die Organisation Napoleons nach Verdienst würdigen will, muß mau dieselbe mit dem preußischen ״Gesetz über die Verhältniste der Juden" vergleichen, welches vierzig Jahre später, am 23. Juli 1847, erschien! Sachgemäßer, aber zumeist nur in kleineren Ländern anwendbar, ist die kirchliche Verfassung in manchen deutschen State»,׳ wie in Würtemberg und Baden. Sämmtliche bestehende jüdische Kirchenverfassungen sind auf dem Wege der Oktroyirung zu Stande gekommen; amZ wenigsten gilt dies noch von der französischen Verfassung. Seit dem Jahre 1850 sind in der österreichischen Monarchie meist von oben Organisationsversuche gemacht, und jüdische Notabekn oder Vertrauensmänner ver- :nommen worden. In Mähren und Böhmen gingen ähnliche Versuche auch auf spontanem Wege von den Gemeinden aus. Das erwünschte Ziel wurde bisher nicht erreicht; ja, wie eö scheint, hat man sich demselben kaum merklich genähert. :Welchen Weg haben nun die ungarischen Juden einzuschlagen, um trotz dieser Erfahrungen zu einer zeitgemäßen Organisation ihrer Kultusangelegenheiten zu gelangen? Hierüber werden wir uns nächste Woche einige einleitende Bemerkungen erlauben. lForts. folgt.) Zur MgarMjeu predig erfrage iu pefl. Kr. Wie Ihnen bereits Ihr Rk.-Korrespondent berichtete, hat der Gemeindeausschnß die Anstellung eines zweiten, ungarischen Predigers beschlossen, welcher Schritt sowol hier, als im ganzen Lande mit lebhafter Freude begrüßt werden dürfte. — Nicht etwa, als ob man hierdurch irgend welche politische Konzession hätte machen wollen, denn -es war ja die hiefür entfallende Ausgabe bereits im Jahre 1862 unter der Dr. Hirschler'schen Verwaltung im Voranschlage des Budgets systemisirt worden; sondern man entsprach hierdurch einem dringenden Bedürfnisse, wie dies be- -reits seit längster Zeit bei der kleineren Gemeinde Wiens oder gar Prags, wo man sogar dreier Prediger bedarf, .der Fall ist. — Es ist daher sehr unbillig, die große Menge der Amtögeschäfte bei uuS auf eine einzige Schulter zu laden, und wenn sich auch unser Herr Ob-rrabbiner den ׳Pflichten seines Berufes mit anerkenuenswerthem Eifer hingab, und stets bemüht war, die Lücke nach Möglichkeit auszufüllen, so konnte dies gewiß nicht sür die Dauer währen und durfte bloö provisorische Geltung haben. — Daß dies noch jetzt der Fall sein muß, beweist bloö. wie man sich eben gegebenen Verhältnissen oft viel langer fügt, als eigentlich löblich, und dies erklärt auch, daß man beispielsweise den einen Uebelstand so lauge ertrug, eine Gemeinde von 35 bis 40,000 Seelen im Falle einer Badereise des Nabbiners mehrere Woche» hindurch des geistlichen Beistandes entbehren zu lassen, etwaiger Erkrankungsfälle und ^dergleichen gar nicht zu gedenken. Herr Oberrabbiner Meisel hat sich schon zu wiederholten Malen dahin ausgesprochen, -'daß ihn die Last der aufgelegten Arbeiten erdrücke. Es ist daher hohe Zeit, diesem Mißverhältnisse durch Anstellung eines zweiten Predigers abzuhelfen, welcher außer Auöfüllung des ihm zugemessenen Kreises in gebotenen Fällen auch dem Rabbiner willkommene Assistenz leisten würde. Ferner würde derselbe auch als Rabbinats-Assessor und ungarischer Religionslehrer fungiren, wie ja schon zur Zeit des sel. Schwab ein zweiter Prediger ang׳ stellt war, und zählte die Gemeinde damals dock nock nicht halb so viel Seelen, als jetzt. Hier kommt überdies noch ein so gewichtiges Moment iu Betracht, welches allein schon genügend wäre, um in dieser Angelegenheit den Ausschlag zu geben, wir meinen nämlich die Heranziehung der studirenden Jugend an den Gottesdienst. In den nieder» und Mittelschulen wird zwar auf die Religionslehre gehöriges Gewicht gelegt. Doch ist es den Studenten Physisch unmöglich, auch dem Gottesdienste beiwohnen zu können, und dieser Uebelstand wird, wenn möglick, noch schreiender, wenn in den höheren Lehranstalten die Religionslehre gänzlich wegfällt und sich so die Jugend langsam von allem dem, was Judenthum ist, abwendet. Während man also in Betracht dieser Uebelstände bereits vor 30 Jahren einen eigenen Gottesdienst für Studierende einrichtete, entbehren diese heute noch immer dieser gerechten Berücksicktigung, freilich zum größten Schaden ihrer selbst und der Gesammtgemeiude. Wenn man nun mit gutem Recht voraussetzen wollte, daß unter solchen Verhältnissen die Wahl eines zweiten Predigers mit einstimmiger Akklamation angenommen werden müßte; so sehen wir uns leider genöthigt, zu bemerken, daß dem in gewissen Kreisen nicht so ist. — Es stößt auch diese Frage auf eine. wenn auch unbedeutende Opposition und man steht nicht an, ein Gebot der dringendsten Notbweudigfeit mit hohlen Scheingründen abweise» zu wollen. Und damit dieses sonst unerklärliche Vorgehen Niemand Wunder nehme, so sagen wir es nur gerade heraus, daß es in uuserer Gemeinde eine, freilich nur kleine Fraktion gibt, welche obigen Beschluß des Ausschusses gerne nm jeden Preis hintertreiben möchte, nicht etwa weil ihr Der zweite, svnoern weil ihr der ungarische Prediger ein Dorn im Auge ist. Je mehr aber diese Fraktion bemüht ist, ihre wirklichen Motive zu übertünchen und Scheinmotive in den Vordergrund zu drängen, desto leichter fühlt man es heraus, daß es eben nur Scheingründe sind und desto leichter sieht man sich v ranlaßt, sich über solche hinwegzusetzen, da sie eine gründliche Widerlegung doch ohnehin nicht verdienen. Oder verlohnt es sich der Gegenbeweisführung, wenn man die Besetzung eines so sichtbar nothwendigen Postens durch Hinwcijung auf die materiellen Auslagen vereiteln möchte? Sind es denn eben diese Hunderte Gulden, die ein Budget von 80 bis 90.000 fl. so unverantwortlich belasten? Und wenn auch, 'so darf man es nicht unberücksichtigt lassen, daß das ungarische Element in unserer Gemeinde theils durch den Nachwuchs, theils durch Zuzug so vieler Familien aus nngarischen Komitaten derart erstarkt ist, daß es Pflicht des Vorstandes ist, den Mitglieder» dieser Seite in demselben Maße, als den übrigen Mandataren Rechnung zu tragen, besonders wenn man hierdurch keineswegs daS deutsche Element beeinträchtigen, sondern lediglich das ungarische demselben ebenbürlig stellen will, wogegen hoffentlich Niemand etwas einzuwenden hat. Den andern Einwurf, den man geltend machte, hatten wir schon im Vorhlnein erwartet; es ist derselbe, der bei jedweder Neuerung vorgebracht wird, und der, als schreckendes Gespenst dahingestellt, gar Manchen nachdenklich stimmt. Man macht uns nämlich vorher gleich darauf aufmerksam, daß ein solcher Schritt Parteiungen und Spaltungen hervorrufe, was freilich um jeden Preis zu vermeiden wäre. Aber wir fürchten uns vor Gespenstern nicht mehr, beson-

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