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Ben Chananja · 1866-01-03 · 1 (3.1.1866) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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29 3. Diesen Lehren, ihr Theuern, ist aber, noch eine andere, ausgedehnte. Werkstatte angewiesen: daS Le den mit seinen entscheidenden Momenten, mit seinen ernsten Stunden, mit seinen bedeutungsvollen Anforderungen. Ist eS mit unserem Berufe vereinbar, daß wir uns denselben entziehen? Zwar muß man gestehen, und müssen wir mit erhebendem Selbstbewußtsein es sagen, daß wir nicht wenig gelhan haben, wenn wir hier, an gottgeweihter Stätte, Schätze austheilen, die nicht vergehen, und Wirkungen Hervorbringen, die kein Speer erzwingt. Auch wallt unser Herz mit Recht höher empor, wenn unschuldige Kinder unter unserer Leitung wachsen in der Erkenntniß dessen, der Herrlichen Sieg gründet aus dem Munde der Kin> Der und (Säuglinge38). Allein ganz und vollständig haben wir damit die Aufgabe unseres Berufes nimmermehr gelöst. Die Theilnahme der heiligen Lehrer der Vorzeit wurde von Familien und Einzelnen in vielen Fällen m Anspruch genommen; und unerschöpflich war die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie Allen, die sich an sie wandten, Rathgeber, Tröster, Helfer und Fürsprecher waren. — Sollte sich mit dem Geiste und den Sitten unserer Zeit eine solche Wirksamkeit nicht vertragen? Wollet aber dieser Frage wegen keinem Mißverständniße Raum geben, m. Freunde. Sorget nicht, daß ich mich aufdringen, oder unberufen in euere Angelegenheiten mischen wolle. Davor wird mich Gott bewahren! Ich ertaube mir nur, mich den Armen, den Bedrängten, den Gebeugten, den Verlassenen zu empfehlen. Den Vielgeprüft ten und Leidtragenden trage ich meine Dienste an. Möget ihr, o schwerbeladene Herzen, mich von dieser Stunde an als euer» Freund-betrachten, der herzlichen Antheil nimmt an eurem Kummer, und der helfen, rathen, trösten will, wo er kann, und wo euer Vertrauen ihn dazu berechtiget. Möge euch Gott nie unbefriediget von mir gehen lassen. Möget ihr zn jeder Zeit bewährt finden die alte Erfahrung unserer Weisen: Daß stets in die Tiefe des Herzens gedrungen, Das Wort, das der Tiefe des Herzens entsprungen. m. Ich soll nun nur noch Einiges sagen von den Gesin nun gen der heiligen Lehrer der Vorzeit. Kaum wage ich, hiezu die Lippen zu öffnen. O Männer Gottes! Erzieher meines Volkes! Lehrer aller Völker! Zierden der Menschheit! Ehrfurchtgebietende Gestalten ans den Tagen der Vorwelt! Zürnet enerm schwachen Schüler nickt, der eS wagt einen Blick in eure Gotterfüttte Seele zu thun, deren Fülle und Reichthnm ft In Sterblicher zU ergründen vermag. Einzelne Züge Nur hebe ich aus eurem reichen GemüthSleben hervor: Begeisterung, Demuth, Vertrauen, nennt menschliche Spräche ihre ehrwürdigen Namen. 1. Begeisterung ist der hervorstechendste Zug im Charakter der heiligen Lehrer der Vorzeit. Ihr Reden. und Händeln, ihr Wirken nnd Walten, ihr Kämpfen und Siegen, ihr Leiden rnd Scheiben, — Alles athmet Begeisterung für das eine Ziel, dem ihr Wesen gehört mit allen seinen Kräften. Getrost und muthtg stürM M W in• ein unabsehbares Meer von- Sorgen,.. ׳ArbeiW/H Wfopferungen, Gefahren und Mühseligkeiten, um die stnsterv Gebilde der Lüge, des Unrechts und der ZwieträchtzMichey zu Mächen vor den Lichtgestalten der Wahrheit, dev Gerechtigkeit und des Friedens! 1 5' ‘ '! $0 Davon sind sie durchdrungen. Daran hängen und hatten sie, darauf beziehen sie jede Lebensregung und jede Lebensbewegung. Das berührt sie in ihren erhabendsten Gedanken, ihren iheuersten Bedürfnissen, ihren edelsten Gefühlen, in jeder fröchMn, sehnsuchtsvollen Ahnung. Und wenn ihr Eifer sie verzehrt; wenn das Schicksal ihnen schwere Bürden zn tragen giebt; wenn sie untergehen sollen für ihre Zwecke: sie treten nicht zurück, sie zürnen nicht auf ihr LooS. Begeistert rufen sie: Gott der H er r rede!; wer sollte nicht profezeihen?^) . 2. Und rühmen sie sich etwa ihres Eifers, ihrer Pflichttreue, ihrer Gewissenhaftigkeit? O davon sind sie weit entfernt! Denn wenn ihr begeistert Wort die Herzen gewinnt und erwärmt, wenn der ausgestreure Same reiche Ernten tragt, so geben sie nicht sich, sondern Dem die Ehre, der die Saat gegeben, die Kraft verliehen, die Zeit gefristet, däS Feld bereitet, die Witterung gelenket hat. Nicht sich betrachten sie als die Quelle des Heils, das sie bringen, sondern den, der ihnen eine geübte Zunge hat gegeben, auf daß sie den Ermatteten stärken mit ihrem Worte ^0). Wo und wann immer sie unterrichten, ermahnen, verheißen, drohen, trösten, warnen, — immer und überall wollen sie nur dem die Ehre geben, der durch Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden verherrlicht sein will in der Menschenwelt. Diese Demuth ist der sicherste Beweis ihrer edlen Selbstbeherrschung, die festeste Schutzwehr gegen die Anfechtungen des Lebens. Sie ist ihr Trost, wo Jrdischgesinnte nichts anders können, als zürnen. Sie ist ihre Stärke, wo die Jrdischgesinnte» der Mißmuth danieder wirst. Sie ist ihrer Heiterkeit nie versiegender Quell, wo den Jrdischgesinnte» nichts übrig bleibt als Verzweiflung. . 3. Denn in Kleinmuth artet die Demuth der Profeten niemals auS. Unerschütterlich ist ihr Vertrauen auf den Ewigtreuen, der da spricht: ״Wie Regen und Schnee vom Himmel kommen, dahin aber nicht zurückkehren, sie haben denn die Erde getränkt und befruchtet, und Ernte, Brod und Nahrung gebracht, also ist das Wort, das aus meinem Munde kommt. Es kehrt nicht zurück zu mir, es habe denn vollbracht, was ich will, und auSgerichtet, wozu .ich es gesandt 4,). Wodurch könnte auch daS Vertrauen der heiligen Lehrer erschüttert werden? . . Wäre es eitles Menschenwerk, woran sie arbeiten; ihr Vertrauen könnte wanken. Aber das Werk, dem sie ihre Kräfte geweiht, ist GötteS Werk, und das geht nicht unter. Wäre es der Schutz eines Sterblichen, auf dem sie hofften; ihr Vertrauen könnte wanken. Aber ihre Hoffnung steht auf dem Ewigen und Unwandelbaren, der kein Mensch ist, daß er täusche, kein Erdensohn, daß er sich bedenke 42). Wäre eS diese Handvoll Jahre auf Erden, darin AlleS vollendet werden sollte; ihr Vertrauen könnte wanken. Aber es ist ja nicht diese Spanne Zeit, sondern die.in großen Entwickelungen so unerschöpfliche Zukunft, denen sie die Aussaat der Wahrheit, der Gerechtigkeit und deS Friedens anvertrayten in der Ueberzeugung: Wenn nur das ein e G esch l echt gehet und st r e b e t, f:0 w trd schon ein kommendes Geschlecht an däS ersehnte Zi.el gelangen4^). DaS, theure Zuhörer, stnd die Gesinnungen der Mn Lehrer;! daS׳ sollen auchdie Gestnyungen der .neAen^Mpev sein. Voll heiliger Begeisterung, in bescheidener Demuth, Mt nie zu beirrendem Gyttvertraueu sollen sie in Synägoge,

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