Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1866-01-03 · 1 (3.1.1866) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2542917-2543175-2543177--4559-2548547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Aber auch meine Gemeinschaft mit dir, o theure Gemeiude, hat kein anderes Ziel, keinen ander» Endzweck! L i Wirst du dich unter meiner Leitung dem vorgesteckten Ziele nähern? werden unsere gemeinschaftlichen Erwartungen nicht zu Schanden werden? Werden Wahrheit, Gerechrigkeit und Frieden immer gedeihlicher blühen in deiner Mitte? — Dies ist dem allein bekannt, in ״dessen Buche die Tage alle verzeichnet sind, die erst kommen werden. 3^)" Ich kann nur versichern, daß ich alles, was ich weiß und vermag, dem großen Zwecke weihen will, zu dessen Errichtung ihr, geliebte Brüder, euch mit mir verbunden habet. Was immer in meinen Kräften stehr, will ich aufbieten, daß die W a h r h e i t reif werde in eurem Geiste ,Gerechtigkeit gefunden werde in eurem Sinnen und Handeln, und der Friede seine Segnungen bewähre an eurer Gemeinde, an euer» Familien, und an jedem, jedem Herzen. II. Welche Mittel mir hiezu zu Gebote stehen? — Dieselben Mittel, ihr Geliebten, deren sich die heiligen Lehrer der Vorzeit bedienten: Wort und That, Beispiel und Belehrung. Auch hierin sind die Gottesmänner unübertreffliche Vorbilder. Und wo immer hin unser Beruf uns führt; vor die heilige Lade, zur Lehrstätte der Jugend, oder in den Kreis der Familie, — die großen Vorbilder sollen wir nie aus den Augen verlieren. , 1. Im Alterthume war zwar das Haus des Herrn nicht der Ort, wo die Profeten eine besondere Thätigkeit entwickelt haben. Zuweilen sprachen sie wohl in den Vorhöfen des Tempels zum Volke, aber in der Regel waren eö öffentliche Plätze und Märkte, wo sich der Strom ihrer gewaltigen Rede ergoß. Das gesellschaftliche. Leben ihrer Zeit brachte es so mit sich. Eigene Stätten zur gemeinschaftlichen Belehrung und Erbauung waren in, ihren Tagen noch nicht vorhanden. Ja, selbst eine spätere, durch ihre Sorgfalt für den Glauben der Väter so sehr hervorragende Zeit konnte sich solcher Stätten noch nicht rühmen. Denn noch unter N ebemia waren die Gläubigen genöthigt, sich unter freiem Himmel zu versammeln, um ihren Durst nach dem Worte Gottes zu stillen, und um die heiligen Regungen ihres Innern laut werden zu lassen33). Für die Dauer konnte jedoch diese Art, dem Herrn zu dienen, nicht befriedigen. Der fromme Sinn der Väter, die Anforderungen der Zeit wahrnehmend, rief daher eigene G o t r e s st ä t t e n 34) oder V ers ammlun gs h ä user 35) ins Leben, in welchen, wahrend der Tempel zu Jerusalem noch blühte, die Verkündigung des göttlichen Wortes Hauptsuche und Mittelpunkt der öffentlichen Gottesverehruug waren. Hier wurde der Same der Wahrheit, der Gereebtigkeit und des Friedens reichlich ausgestreut auf den Acker empfänglicher Herzen; und die Aussaat trug hundertfälrige Frucht. O daß es immer so geblieben wäre, Israeliten! Es stünde dann besser nm uns und um das theure Kleinod, welches die Väter auf uns vererbt haben, damit wirs vererben auf Kind und KindeSkind. Aber ach! es blieb nicht also. Das Wort Gottes ward immer seltener verkündet in Israels Gotteshäusern; und die einsichtiger» Frommen klagten vergebens33), daß hier gar nicht, dort aber -das gepredigt würde,׳ was die Einen nicht verstehen, die Andern nicht suchen, und was Keinem nützt und frommt. / . n ׳ Um so dankbarer preiset daher den Herrn, Israeliten,?' der unsere Zeit so hoch begnadiget, daß sie immer eifriger strebt, die Predigt des göttlichen Wortes in ihr altes Recht einzusetzen. Den Gebrauch und die Ausübung dieses Rechtes in ' eurem Kreise habet ihr nun mir übertragen, theure Brüder. Dieses schöne freundliche Heiligthum, das ihr zur Ehre Gottes gegründet und erbaut, soll nicht mehr zu den stummen Synagogen im Lande gehören; mir liegt von heute an die Pflicht und Sorge ob, dessen Mauern wiederhallen zu lassen von dem Worte des ewigen Lebens. Ich kenne die Verantwortlichkeit, welche diese Pflicht mir auflegt; ich will ihrer eingedenk bleiben gewissenhaft und treu. 2. Ohne mich deshalb der Erziehungs- und Bildungsstatte eurer Kinder zu entziehen, die ihr so vertrauensvoll unter meine Leitung gestellt. Die heiligen Lehrer der Vorzeit sind dem großen Werke der Jugenderziehung durchaus nicht fremd geblieben. Schon der Profet Samuel, dieser glückliche Schöpfer eines neuen geistigen Lebens in Israel, nahm sich des aufblühenden Geschlechtes väterlich an, und gründete die Profetenschulen, welche sich an verschiedenen Orten, — wie in Bethel, Jerich o, Rama und G i lgal, — und auch in späterer Zeit erhalten haben 37). Daß in diesen Schulen Profeten gebildet wurden, ist eine irrige Annahme. Profeten können überhaupt nicht in Schulen gebildet werden. Thatsache ist es aber, daß die junge Welt in den Profetenschulen mit hingebender Liebe erfüllt wurde zu ihrem Gotte, zu ihrem Glauben, zu ihrem Fürsten, zu ihrer Heimath, zur Wahrheit, die die Augen erleuchtet, zur Gerechtigkeit, die die Herzen veredelt, zum Frieden, der das Leben verschönert. Thatsache ist es, daß die Zöglinge der Profetenschulen es verstehen lernten, das Leben zu beurtheilen, die Pflicht zu erfüllen, das Werk zu treiben, den Nächsten zu lieben, das Glück zu brauchen, de» Schmerz zu tragen, den Tod zu überwinden. Thatsache ist es endlich, daß in jenen Schulen Lehrer und Hörer der göttlichen Weisheit mit den Banden inniger Liebe umschlungen waren, und mit unverbrüchlicher Treue an einander hiengen, so daß die Schüler Profetensöhne genannt wurden, weil ihre Lehrer sie väterlich liebten, und die Hörer den Lehrern ergeben waren in kindlicher Liebe und Dankbarkeit. Sehet da, Bildner der Jugend, die echten und rechten Musterschulen. Lernet da, worauf beim Jugendunterrichte Alles ankomme, und wie das Verhältniß zwischen euch und euern Pfleglingen beschaffen sein müsse. O laffet uns diesen Vorbildern nacheifern. Lasset uns unermüdet streben, die uns anvertrauten Kinder zu vernünftigen, rechtschaffenen, gewiffenhaften, an Leib und Seele gesunden, an Zucht und Ordnung gewöhnten, für Entbehrung abgehärteten Menschen heranzubilden. Treue Uuterthanen, gute Bürger, fromme Israeliten, tüchtige Menschen sollen sie werden. Darauf beziehe sich Lehre und Anleitung, Unterricht und Erziehung, Aufsicht und Ueberwachung innerhalb der Schule und außerhalb derselben. Diesem Ziele gelte der Fleiß, der Eifer, die Arbeit der von uuS geleiteten. Jugend. Soll dieselbe deshalb.ermüdet und belästiget werden, das ihr alle Lust und.Liebe zur Selbstthätigkeit vergebe? Nimmermehr!—- Nie soll der. Unterricht ihr als eine Last erscheinen, am Wenigsten der Religionsunterricht. Festlich, soll ihr iy den Religionsstunden zu Muthe sein, wo .sich ihr Herz öffnen wiry für die Lehren . der Wahrheit,. der .Gerechtigkeit .und des Friedens. ׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.