Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 1 (3.1.1866)
- Date
- 1866-01-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Die heiligcrr Lehrer der alten Zeit sollen auch den Lehrern der netten Zeit Muster und Vorbilder bleiben! Auf diesen Gedanken will ich heute eure Aufmerksamkeit lenken. Ihr werdet aber von dessen Wahrheit ohne Zweifel überzeugt werden, wenn ihr I. auf das Ziel merket, nach welchem die heiligen Lehrer der Vorzeit strebten; II. die Mittel betrachtet, welche sie gebrauchten; und HI. die Gesinnungen kennen lernet, die sie beseelten auf ihrer Lebensbahn. I. Beim Ziele verweile zunächst eure Aufmerksamkeit. Es tritt als Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden eurem betrachtenden Blicke entgegen. 1. Um die Wahrheit ist's den heiligen Lehrern der Vorzeit vor allem Andern zu thun. Wahrheit ist ihre Lehre und ihre Ehre. Wahrheit wollen sie verkünden und begründen. Sie lehren nicht Veränderliches und Einstweiliges, sondern Bleibendes und Heiliges. Nicht von Lehrsätzen sprechen sie, die heute aufgestellt und morgen eingerissen werden; nein, sie arbeiten an einem Baue für die Ewigkeit, ander Ausbreitung der einfach großen Lehre: ״Der einigeinzige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist Gesetzgeber, Richter, Beherrscher und Erlöser aller Menschenkinder '0). Er ist die Wahrheit, die alle Völker vom Anbeginn bewußt und unbewußt gesucht. Er ist die lebendige Quelle, ' nach welcher sie gedurstet haben fort und fort. Er ist Weltenherr von Ewigkeit zu Ewigkeit "). Du aber o Sterblicher rühme dich nicht deiner Klugheit und Einsicht, nicht deiner Macht und Stärke, nicht deines Reichthums und deiner Schätze! All dein Ruhm ist des Ruhmes nicht werth, so du dich nicht rühmen kannst, den Unnennbaren zu erkennen und zu bekennen, der Liebe, Recht und Gerechtigkeit übet auf Erden, und daran hat sein Wohlgefallen J2).״ Das lehrten die Prvfeteu. Das verkündeten die heiligen Lehrer des Alterthums. Sollen, dürfen, können wir euch andere Lehren predigen? Ist die Lehre der Profeten etwa veraltet, abgenützt? Nimmermehr, Israeliten! noch wölbt sich über unS derselbe Himmel. Noch waltet ans seiner Erde der alte Gott, Noch gibt es in dem sturmbewegten Meere dieses Lebens nur Einen Halt; noch leuchtet in die Finsternisse der Erde nur Ein freundliches Licht: Die Wahrheit, die Gott geoffenbartl Ginge dieses Licht unter, dann wären wir nur ein staubgebornes Geschlecht, und die Unglückseligsten aller Geschöpfe. Dann möget ihr nur lachen oder weinen, euch freuen oder betrüben in eurem Alltagsleben; es gäbe da keine Hoffnung. keinen Halt, kein Ziel mehr, und das Leden selbst wäre nur ein unter glänzender, trügerischer Hülle verhüllter Tod. Dagegen geht euch die Sonne eines neuen Lebens auf in der Ueberzeugung , daß Gott von seinem heiligen Wohnsitze herniederschaut auf alle Menschenkinder "), daß jeder Einzelne von euch unter seiner besonder« Obhut steht, daß er einen jeglichen eurer Schritte zählt"), und daß ihr euch keinen Finger verletzet, es sei denn, daß es von ihm verhängt worden wäre über euch "). Vor dem Lichte dieser Erkettntniß schwindet das Dunkle und Unbestimmte in euren Ansichten nnd Urtheilen. Ihr wisset, was euer Leben bedeute, wohin eö führe, wozu eS euch gegeben sei, wie ihr es benützen sollet. Es wird euch heiliger Ernst, es so eiuzurichten, daß-eS Dem wohlgefalle, der eö euch verliehen hat, un dessen Vorsehung, euern Odem bewahrt. ,,, . 2. Wie ihr dies anzufangen Habet, sagt euch kurz und gut: der Zuruf beö Profeten: ״Trachtet nach Gerechtigkeit!" 16) Dieser Zuruf aber, ihr Geliebten, will tief erfaßt und. begriffen sein.; Ihr wisset, man versteht unter Gerechtigkeit gewöhnlich die Neigung und die Gewohnheit, einem Jedem zu lassen was ihm gehört, und zu geben, was ihm gebührt. , Im Munde der Profeten und im Sprachgebrauche der Schrift kommt jedoch dem Worte eine weitere, höhere Bedeutung zu. In dieser bezeichnet eS einen Gott wohlgefälligen Gemülhszustand überhaupt; ein seliges Entferntsein und Abgewendetsein des innern Menschen von jeder Sünde, von aller ungöttlichen Art. In jener Bedeutung kommt das Verhalten in Betracht, in dieser die Gesinnung. Dort die Außenseite deS Lebens: Miene, Wort, That; hier des Lebens Kern: Gefühl, Wille, Absicht. Dort der Mensch in einer Beziehuug, im Verhältnisse zu seinem Mitmenschen; hier was alle Beziehungen einschließt und alle regiert: der Charakter, die GemüthSrichtung, das Herz. . Hat nämlich euer Herz, die rechte Stimmung und Haltung; geht euer eifriges Bemühen dahin, alle eure Triebe und Kräfte der Ordnung Gottes zu unterwerfen, und keinerlei Widerspruch gegen diese Ordnung in eurem Innern zu dulden, so daß nichts bei euch täuscht, sondern Alles echt und recht und lauter nnd gediegen wird, und das Verborgene mit dem Offenbaren in schönen Einklang tritt: so seid ihr im Besitze der herrlichen Himmelstochter, welche die Schrift Gerechtigkeit nennet, und tausendstimmig preiset als die Erlöserin vom Tode"), als die Führerin zum Leben"), als die Sonne, die den Gotteöfürchtigen leuchtet, Heil bringend an ihren Flügeln "), als das Licht, das am Ende alle Wolken durchbricht 20), uub in welchem der Sohn des StaubeS des Herrn Angesicht schaut2'); als die Gewalt, die Zion gründen hilft22), Zions Bekehrte erlöset23), und Ruhe, Sicherheit und Frieden bringt 24). 3. Wie könnte es auch anders sein? — Wenn solche Gerechtigkeit euer Leben veredelt, welch ein himmlischer Friede muß euch dabeseeligen.' ' Nicht in thörichten Wünschen flieht mehr eure Seele hin und her; denn, ״in dem Herrn freut der Gerechte sich seines Theils" 25). Nicht in bangen Sorgen wird euer Herz sich verzehren; denn -,Der Gerechte wankt in Ewigkeit nicht 26) er lebt getrost in seinem Glauben" 2^). Nicht in eitler Furcht vor nichtigen Dingen werden eure Kräfte befangen sein, denn ״Gott segnet den Gerechten, wie mit einem Schilde umgiebt er ihn mit Gnade 23)." Nicht um kleinlicher Nebendinge willen werdet ihr euch entzweien; denn ihr seid einig in der Hauptsache: in der,-Lehre die unS Mose befahl als Erbe der Gemeinde Jakobs 20);" und ״ihre Wege sind ja freundliche Wege; ihre Bahnen führen ja zum Frieden und zur Einigkeit33).״ Sehet da Israeliten, das Ziel der heiligen Lehrer der Vorzeit. Wahrheit, Gerechtigkeit, Fr iede, — diese drei Säulen, auf welchen, wie unsere Alten lehren, die sittliche Weltordnung. ruht 31), wollen sie immer mehr befestigen in der Gesellschaft der Menschen. Wahrheit, Gerechtigkeit, Friede ist die Inschrift! der Fahnen,, die sie tragen; der Geist. der Reden,; die sie halten; der innerste Hern aller Geschäfte., die sie verrichten; der Endzweck jeder Gemeinschaft, in welche sie traten.