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Ben Chananja · 1866-01-03 · 1 (3.1.1866) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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23 24 stärken, die kranken zu heilen, die Verwundeten zu verbinden, die Versprengten zurückzuführen, die Verlornen aufzusuchen, und Keines mit Strenge und Härte niederzuhalteu" 2), — o wo gäbe eS auf Erden ein schöneres, ein erhabeneres Geschäft? Und führt unser Beruf auch seine schweren Prüflingsstunden mit sich, und wird zuweilen auch sauer die Arbeit im Weinberge des Herrn; — die Freude an seinem Dienste kann keine niederschlagende Erfahrung uns rauben. Seine Lehre im Herzen, sein Gesetz zur Hand, das Ziel vor Augen, sprechen wir getrost mit Jesajas, dem göttlichen Profeten: ״Auf unserm Posten, o Herr, stehen wir bei des Tages freundlichem Lichte; auf unserer Warte harren wir aus, wenn es dunkle Nacht wird um uns her^)! Wir freuen uns des Ewigen, unsere Seele jauchzt in Gott" 4)! Und so — im Ehr- und Wonnegefühle dieser Stellung grüße ich euch, versammelte Brüder und Schwestern, mit den Worten des heiligen Sängers: ״Der Segen Gottes werde euch zu Theil; ich segne euch im Namen des Ewigen"^)! Ja, segne du, Allgegenwärtiger, diese anbetende Schaar, die deine Stimme gerufen hat zur Feier dieser festlichen Stunde. Laß, o Vater, meine Gemeinschaft mit diesen deinen Kindern eine gesegnete sein. Hilf mir zu reden von dir und von der Lehre die dn geoffeubart, auf daß durch Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden dein Reich auf Erden gegründet werde. Stehe mir bei, daß ich mit B e g e i ste rung, Demuth und Vertrauen ausspreche, was dir wohlgefällt, damit es Licht verbreite, und Wärme mittheile, und Leben wecke, und Frucht schaffe in dieser deiner Gemeinde. Hilf den Gedanken daß sie sich aufschwingen, und den Empfindungen, daß sie wach werden, und allen unfern Sinnen, Trieben u^nd Kräften, daß sie sich vereinen, um in S y n a g o g e, S ch u e und Haus vereint zu wirken zu^deines Namens Ehre, einigeinziger Gott, Amen. Durch Profeten führte der Herr Israel herauf ans Mtzraim, und durch Profeten wird es bewahrt. Hos. 14,. 14. Mit diesen Worten rühmt Hvsch ea die hohe, wichtige Bedeutung des Profetenthums. Seinen Eintritt in die Reihe der Nationen, sein Verharren auf dem Schauplatze der Geschichte, seine köstlichen Himmelsgaben und seine theuersten Lebensgüter verdankt Israel der Vermittlung seiner Profeten. Das will H o sch e a sagen; und so ist es, meine Zuhörer. Fraget die heiligen Jahrbücher unseres Volkes, sie werden es euch bestätigen. Als der Herr der Heerscharen beschließt, der Knechtschaft Israels im Lande der Pharaonen ein Ende zu machen: durch wen läßt er da sein Volk der Freiheit entgegensühren? — Durch Profeten. Als Jakobs Haus, vom Ueberflnße berauscht und vom Beispiele verführt, der Väter fromme Sitte mit der Heiden leichtfertiger Mode vertauscht; wen beruft da der Allheilige zu arbeiten an dem Werke der uöthigen Wiedergeburt? — Die Profeten. Als Israels Reich von Feinden bedroht wird, und die Bedrängniß steigt durch innere Zwietracht und Zerrissenheit; wem befiehlt da der Allliebende guten Rath zu bringen in böser Zeit? — Den Profeten. Als Judas Heiligthümer in Staub und Asche liegen, und Juda's Söhne gebannt an Babel's Wassern trauern; wessen bedient sich da der Ewigtreue, um ihnen ihre Pflichten gegen das neue Vaterland einzuschärfen, und ihr Herz mit trostreichen Verheißungen zu erquicken? — Der Profeten. : Als Cyrus seine jüdischen Unterthanen mit dem Ge- "schenke nder Freiheit beglückt; wessen Stimme läßt der König aller Könige erschallen, auf daß der Weg gebahnt werde in die wiedergewonnene Heimath? — Die Stimme der Profeten. Und als in der wiedergefundenen Heimath das neue Heiligthum so langsam, ach so langsam sich erhebt; wen entsendet der, der auf Cherubim thront, um den Eifer zu beleben für das heilige Werk? — Die Profeten. Doch — Alles hat seine Zeit und jegliches Ding seine Stunde unter dem Himmelß); und der Weltenherr, der Zeit und Stunde ändert?), ließ auch der Stimme der Profeten die Stunde des Verstnmmens schlagen. Allein ist mit ihr auch seine Vaterstimme verstummt? Ward sie seit dem Tode Maleachi's, des letzten Profeten, nicht mehr vernommen? Ist Israel seit dem beraubt des himmlischen Wortes und Trostes? — Nein, Israeliten, die ermahnende, warnende, tröstende Gottesstimme ist auch seitdem nicht verstummt. Denn als es den Vätern nicht mehr gegönnt ist, dem Profetenworte zu lauschen, wird ihnen die Himmelskost des göttlichen Wortes von ihren Volkslehrern gereicht. Diese tragen zwar zu verschiedenen Zeiten verschiedene Namen. Sie werden bald Schriftgelehrte, oder Schüler der Scbriftgelehrten, bald Schriftausleger, bald Rabbinen, bald Prediger genannt. Auch gibt sich der Einfluß verschiedener Zeiten und Bildungszustände an ihrer Denkart und Lehrweise deutlich genug zu erkennen. Aber bei allem Wechsel und Wandel sind die frommen Lehrer dennoch nichts Geringeres als Dolmetscher des göttlichen Wortes, als Verkünder des göttlichen Willens. Und ist's nicht auch sein Wort und sein Wille, das die heutigen Lehrer Israels verkündigen sollen? Gibt eS für sie eine andere Ausgabe, als Dolmetscher des göttlichen Gesetzes zu sein? Dürfen sie andern Vorbildern folgen, als den Profeten des Alterthnms? — Ich hoffe, ihr werdet mich nicht mißverstehen. Wir, die wir euch das Wort Gottes auslegen und predigen, sind weit entfernt, uns den Profeten an die Seite zu stellen. Vielmehr erkennen und fühlen wir es tief, daß sie erhaben sind über uns, wie der Himmel erhaben ist über die Erde. Sie waren Vertrante der .Gottheit, und der Herr vollbrachte nichts, er hätte ihnen denn zuvor seinen Nathschluß geoffeubart^); wir können uns nicht rühmen, in die Ge- Heimnisse göttlicher Weltregierung eingeweiht zu sein. Ihr Seherblick liest in der Zukunft, wie in einem aufgeschlagenen Buche; wir vermögen den Schleier nicht zu lüften, der den morgigen Tag verhüllt. Entsündiget durch Seraf's Hand übernehmen sie die Botschaft Gottes 9); unsere Lippe wird nicht geheiliget mit dem Feuer jenes himmlischen AltarS. Uuwiederstehlich ist ihr Profetisches Wort: Es donnert an der Sünder Obren Gleich einem Schwur von Gott geschworen: Es säuselt lieblich durch die Herzen Gin Trost, ein Balsam aller Schmerzen. Uns, Geliebte, steht solche Rede nicht zu Gebote. Aber gleichwohl , Ihr Theuern, würden wir unsere Pflicht verkennen, zum Nachtheile eurer unsterblichen Seele verkennen, wollten wir nicht die Bahn wandeln, welche sie uns vorgezeichnet. Nein, Israeliten, ihr Beispiel darf für uns kein verlorenes sein. Vielmehr sei ihr Lehren und Wirken maßgebend nnd mustergiltig anch für unö.

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