Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 1 (3.1.1866)
- Date
- 1866-01-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543175-2543177--4554-2548542- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
LiterSrische Anzeigen. Literaturgeschichte der fynagogale« Poesie. Don;3>t. Z u n z: Berlin, Louis Gerschcls Verlagsbuchhandlung, 1665. 8. XI. 666. ״So oft Du N Eleazor den Galiläer von haggadischen Dingen sprechen hörst, lasse dein Ohr einem Trichter gleichen (Chul. 89, a)!" Mit gleichem, wo nicht mit größerem Rechte sagen wir: ״Lasse dein Ohr einem Trichter gleiche», fo oft Zunz über jüdische Geschichte spricht!" ״Die synagogale Poesie", heißt es in der Vorrede, ״darf man die Begleiterin, der Geschichte deS JuventhnmS nennen. Meinungen über Werth und Bedentung deS einzelnen Gedichtes, Wünsche über die Stel« luilg deS Pint im öffentlichen Gottesdienste ändern nichts an dem Range dieses großartigen MonnmenieS vielhnndertjährigen Kampfes. Wer als Jude mit vornehmer Verachtung an demselben vorübergeht, ist unberufen zum Geschichtschreiber: wer in sich seinen Stamm verachtet, kann dessen Tbaten nicht darstellen. Es wi'irde schon ״der Mensch sich selbst geringschätzen, wenn er das, was seine Ureltern nicht in eitlem vorübergehendem Drang, vielmehr nach bewährter Sitte lange Zeiten hindurch hervorgcbracht haben, verachten wollte." (Jak. Grimm Rede auf Will,. Gr. S. 9 ) Nun aber ist die in den Psalmen wurzelnde Selicha und der mit der Profetie zusammenhängende Pint, beide durch Leiden geheiligt, mehr denn bewährte Sitte: sie sind Denkmäler der Vorfahren und der von ihnen erfüllte Gottesdienst wurde das in tausendlährigen Gefechten emporgehaltene Panier Israels." In dem vorliegenden Buche wird , wie ebenfalls die Vorrede resumirt. ״die Literatur des gesammten Gebietes gewissermaßen in drei Abschnitten vorgeführt: der erste behandelt nach einer literar-historischen Ginleitriiig die vorkalirische Zeit nebst Kalir; der zweite die Pint-Verfaffer von Kalir, bis zum Jahre 1140, wo die peitanischc und klasstsche Epoche gleichzeitig abschließen, die vorher noch nicht namhaft gemachten zwischen 1140 und 1540 . und mehrere uiibestimmten Zeitalters. Der dritte Abschnitt ist den Dichtern der peitanischcn und germanisch-romanischen Selicha von der ältesten Zeit bis zum Jahre 1765 gewidmet, und bei allen nach 1140 lebenden Verfassern sind auch deren etwaige Piutkomposikionen angegeben (VI)." Die Zahl sämmtlicher synagogalen Dichter darf nach dem Herrn Verfasser ״wol auf anderthalb!lausend geschätzt werden; das Register des vorliegenden Buches enthält über 880 Namen, unter welchen gegen 60 unbestimmte eine größere Anzahl Won Verfassern vertreten." Um zu dem in dem vorliegenden Buche enthaltenen Resultate zu gelangen, machte der Herr Verfasser Studien auf zwanzig Bibliotheken des In- und Auslandes, benützte er Manuskripte und Handschriften, die ihm von 13 Orten zugegangen sind, und wurde er bei seinen Forschungen von mehreren Gelehrten unterstützt. Schon aus dem Angeführten erhellt, daß sich die Forschungen deS Herrn Verfassers auf einem Gebiete bewegen, auf welches ihm die Wenigsten folgen können, indem, ganz abgesehen von den hierzu erforderlichen Handschriften, selbst die edirten Werke , in soweit sie die Liturgie betreffen, nur den Wenigsten zugänglich sind. Wir haben jedoch , gegründete Hoffnung. daß ein gründlicher Kenner der Pijutim- und Sezicha-Literatur die Spezialsorschung der vorliegenden Literaturgeschichte eingehend besprechen und der Genauigkeit des Herrn Verfassers den schuldigen Tibut zollen wird. Wir müssen uns vorläufig auf einige allgemeine Bemerkungen beschränken. Zuvörderst verdient dieZahlvon andertha lb tausend synagogülen Dichtern eine nähere Betrachtung. Das UngeheureAbiefer Zahl muß Jeden befremden, der die Mühe nicht scheut, andere Literaturen, oder auch nur das biblische Schriftihum zu vergleichen. Selbst wenn man rücksichtlich der Psalmen die Ergebnisse der kühnsten Bibelkrilik adoptirt, wird man doch einräumen müssen, daß zwischen David vub^deiü^üiigstenWsalmdvöi'chter nicht mehr als ein Jahrtausend, also ein Zeitraum liegt/welchembie"""?ßerloSt ״'fänfmflt^Ter''' ״u־äg0'üaleit Dichter", die Epigonen der Pajetanimmit eingerechnet, so ziemlich gleich, kommt. Nun ist e-^akefdinK«swahr?'daß!׳ wir-Wcht - Me poetischen Erzeugniffe jenes biblische» Zahrtausevd^^Hr'n^Wß^W^AnnWme"' von 1500 Poeten.für,diese« Jahrtausend «ine höchst abentrzzerliche wäre. lehrt, die vorhandene Literatur auf eine ziemlich.unzweideutige Weise. Wie kommt.,nun die mittelalterlicht Judejil/eit zu eulerso gtößenHoetenschaar? ' Das Nüthsel löst sich auf die einfachste Weise. In .ver biblischen Zeit traten nur diejenigen als . Redner und Dichter auf, die vom Geiste Gottes dazu gedrängt und getrieben wurden. In der lalmndischcn Zeit, welche der Rhetorik und Poesie nicht eben sehr günstig war, versuchte sich nur der als Peitana, der inner« Beruf dazu fühlte. Die vorkalirischeu Bereicherungen der Liturgce, von denen der Herr Verfasser insehr lehrreicher Weise spricht (II— 29}, verdanken ihren Ursprung wol nur einem engen Kreise mehr oder minder sprachgewandler Männer. Ganz anders gestaltete sich das Verhälkniß in denjenigen europäisch-jüdischen Kreisen, wohin bie Kaliriichen Arbeiten gedrungen waren, iin oströmischcn Reich, in Italien. Deutschland und Frankreich. Daß das Beispiel zur Nachahmung ermunterte, ist begreiflich. Anfangs betraten, wie sich dies nicht anders erwarten läßt, nur diejenigen die Bahu der Nachahmung, die die Pijut,Dichtung zu ihrer Hauptbeschäftigung machten. Salomo b. Jehuda, genannt Ha-Babli (S. 100), Moses b. Kalonymos (S. 10-), Simeon der Große. (S. lll), Binjamin b. Samuel (S. 115), Binjamin b. Serach (S. 120). Josef b. Salomo (S. 123) , Zahlal b. Natanel (das.); — also die ältesten europäischen Peitanlm haben sich nur auf ihrem Gebiete einen literärischen Namen erworben. Syäter wurde aber die Bereicherung der synagogale» Liturgie vaS Gemeingut der meisten Schriftgelehrten. Nachdem R. Gerschom b. Jehuda , die erste frauko-germanische Autorität seiner Z-il. Selichoth schrieb (S. 238. 239), fing eS an. gleichsam zum guten Tone zu gehören, auch Peitan, Selichoth- oder Kinoth-Dichter zu sein. In das vorliegende Werk — und daher natürlich auch in das Register — sind auch diese Autoren mit ausgenommen; daher die enorme Zahl der synagogalen Dichter l DaS vorliegende Buch ist, wie wir gerne einräninen, nur für Kundige geschrieben. Es ist aber, wie wir hinznfügen müssen, für Unkundige geradezu irreleilend. Letztere könne» nämlich nicht ahne» , daß die Zahl der jüdischen Schriftsteller in deu unter KalirS Dominio stehende» Kreisen in dem gegebenen Zeitabschnitte sich, wenn man von den aufgezählten Dichtern absieht, bei .veirem nicht auf 880 beläuft. Sle können daher leicht der Vorstellung Raum geben, daß die mittelalterlichen Jüdeu, ihre übrigen Schriftsteller nicht mitgerechnet, nur allein 1500 synagogale Dichter halten, was in keinem Falle mit der geschichtlichen Wahrheit übercinstimmt. Biel zweckmäßiger wäre es daher nach unserm Dafürhalten gewesen, zuerst diejenigen aufz»,äh.len, die ihre literärische Tbätigkeit ausschließlich oder doch vorzüglich der synagogalen Liturgie widnieten, um dann auf diejenigen Überzuges,cN, welche diese Bereicherung nur als Nebensache behandelten, also Diletranten-Peikanim waren.*) Den Spaniern blieb dieser DilettanismuS fast gänzlich fremd: nur die jüngeren Kabbalisten pflegten sich darin zu versuchen. Aber selbst wenn man mit dem Ehrennameu :,Dichter" so freigebig sein wollte , wie es der verehrte Herr Verfasser ist, so wird man sich doch weder. von rcligionSgeschichtlichem. noch von literärg'eschichtlichem Standpunkte entschließen können. der synagogalen Poesie' die Bedeutsamkeit beiznlegen. welcher derselben von Dr. Zunz beigelegt wird. ES ist, psychologisch genommen: sehr leicht erklärlich, daß der verehrte Herr Verfasser, der sich, in die von ihm geschichtlich darznstel, lende Liieratur mit seinem eminenten Forschergeiste durch eine Reih von Jahren vertiefte, diese Literatur endlich überschätzt. Aus der Ec* klärlichkeit dieser Anschauung folgt aber Weitem nicht, deren Richtigkeit Nach Dr. Znnz ״wurde der von Selicha und Pijut erfüllt! Gottesdienst daS in tausendjährigen Gefechten emporgehaltene Paniee Israels." Wir finden bei aller Verehrung, die wir dem Herrn Ver fasser zollen, in diesen Worten eine doppelte Uebertreibung. > Einmal hatte der öffentliche Gottesdienst in dem Zeitabschnitte» von welchem hier die Rede ist, nicht d i e Bedeutung, die.ihn berechtigte, als daS Panier Jsrael'S zu gelten. DaS Panier Jsrael'S war dessen,R eligi om mit ihren Einflüssen aus und ihren Anfoderungen an.das Leben des Einzelnen: der Familie, der Gemeinde. Der öffentliche Kultus war nur eine Kundgebnilg der Religion. Ihr allein.können nicht all diejenigen Wirkungen ihren Ursprung verdanken, als deren Mutter die Religion überhaupt betrachtet werben muß. Aber selbst in so ferne der öffentliche Gottesdienst zum Panter Jsrael'S als dessen integrirender Thnl gehört, hat er dies w'ol am we - .*) Als einen solchen Peitan erlaube ich ..mir gelegentlich meinen Urgroßvater R. Arje b Je huda Löw, zu nennen,welcher vor hnndert Jahren Rabbiner zu Bo Skow.i tz in Mähren war und die bärtige Chevra Kaddischa organisirte. Ich, besitze von 'demselyen/.eineN/.quf.jlitrk gekalktem Pergamente,, geschriebenen Pijut z»mLobe der. lLisoea/. Den Schluß depSirosen bildet je - eiyMvrt des Psäissiverse: 19,,H—1Ü. Dlc s Gedicht wurde in frührsrn״-Ätit»n---am.-Mm^at»Töi>ra^in'״(.d«..Eökowitzer Synagoge vorgetragen, Uflb man hielt es für ei» poetiich.ö Knustwerk. Mein Gottsel. Großvater war so vorsichtig. sein Pv8m zugleich .mit einem Kommentare zu versehen. Sein Söhn Gerlchon hat sich ichon ^M'MW^M^GchrlstftkM"vtrsu'cht^Mbe^eiu״-Autogras-des.1kti>en» wrrde ich bei kiner andern Gelegenheit berichten. . 2