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Ben Chananja · 1866-01-03 · 1 (3.1.1866) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
9 (1866)
Issue
1 (3.1.1866)
Date
1866-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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9 schleicht — der Protektion einige Riegel vorschieben. Die'Erfährung jedoch lehrt, daß dieses Mittel nicht zum Ziele führe: Wir glauben immer, daß eS besser gewesen wäre, wenn man der alten Tradition treu geblieben wäre. In früherer Zeit, wenn eine Gemeinde einen Rabbiner acquiriren wollte, erkundigte sie sich, wo derartige Männer, die für sie paffend wären, leben und sendete dann dahin welche den Mann an Ort und Stelle zu beobachten und seine Wirksamkeit zn prüfen hatten. Wir glauben, dieser Weg war ehrenvoller für die Ge« meinden und ehrenvoller für den zu Berufenden. Wir glauben» daß diese Schaustellungen bei den Probepredigten geradezu demoralistrend einwirken. Das jüdische Publikum übt überhaupt mehr Kritik au seinen geistlichen Würdenträgern, als gebührlich ist und der größte Theil desselben hört mehr die Predigt an, um sich zu amufiren, als erbauen zu lassen. Hier wird es aber geradezu zur Kritik heranSgeforvert. (S ch l u ß f o l g t.) Korrespondenz. Ausland. K. Frankfurt am Main, 31. Dezember. Die bürgerliche, politische und soziale Emanzipation der hiefigen Juden wurde durch die Verbreitung demokratischer Anschauungen gefördert, und hat der Sieg dieser Anschauungen verhältnißmäßig rasch zum Ziele geführt. Vor drei Jahrzehnten war noch die Zahl der Ehen beschränkt, welche innerhalb Jahresfrist unter Juden geschloffen werden durften. Mehr als Ein Haus durfte kein Jude besitzen. Vom aktiven und passiven Wahlrechte waren sämmtliche Juden ausgeschlossen. Jetzt sind ihnen die höchsten StatSwürden nicht mehr unzugänglich. Es gibt jetzt in unserm Freistate keine öffentliche oder geschloffene Gesellschaft, wo die Rcligion eine Scheidewand machen würde; es gibt keine wissenschaftliche oder gemeinnützige Anstalt und keine merkantilische Administration, wo die Juden nicht mit ihrer geistigen und materiellen Kraft zur Förderung des Gemeinwohl mitwirkten. Das frische Aufblühen des Handels und die allseitige Wohlhabenheit in unserer Stadt hat alle früheren Gegner unserer Emanzipation zu Schanden gemacht; sie gestehen jetzt selbst, daß die Stadt das an den Juden begangene Unrecht in früherer Zeit selbst gebüßt habe. Für uns ist also die politische Seite der Messiasfrage vollständig gelöst, und früher oder später wird sie in allen;ivilisirten Ländern ans diese Weise gelöst werden. Berlin, im Dez. Die hies. Volks-Zeitung erhielt und veröffentlicht folgendes Schreiben eines preußischen Staatsbürgers in Bezug auf die Niederlassung von Juden in Sachsen: Ich wandte mich am 31. Aug. an den Magistrat der im Zoll« verein gelegenen königlich sächsischen Stadt Budisfin mit der Anzeige, daß ich daselbst ein Droguengeschäfk zu elabtiren beabsichtigte, und bat, indem ich hinzusügte, daß ich Jude sei, mir mitzutheilen, welche Schritte ich zum Zweck meiner G tablirung thun müßte. Darauf erhielt ich am 7. September folgende Antwort: ״Da das Gesetz vom 16. Aug. 1838, §§. 1 und 3, den Ge- Werbetrieb und die Ansässigmachung, überhaupt die Erlaubniß zum bleibenden Aufenthalt von Inden in hiefigen Landen auf Dresden und Leipzig beschränkt, so wird Ihre Aufnahme und Etablirung in der hiesigen Stadt unter allen Umständen gesetzlich nicht zulässig sein und nicht erfolgen können. Sie werden daher mit Ihrem Aufnahmegesuche znrückgewiesen, und sind die verursachten Kosten der Kürze halber durch Postvorschnß erhoben worden. Budisfin, 4. Sept. 1865. Der Stadtrath." (Folgt die Kostenliquidation in sieben verschiedenen Posten, in Summa 1 Thlr. l'/r Ngr.) Der Bescheid kam mir nicht unerwartet: ich hatte erwartet, daß. der Stadtrath zu Budisfin von dem Art. 25. des französischen Handelsvertrags noch keine Kenntniß erhalten habe. Nach diesem ist eS allen Franzosen, also auch den jüdischen Franzosen gestattet, in allen Stalen des Zollvereins Geschästönirderlaffungen zu errichten und Hältser zu miethen und zu kaufen.' Die französische Regierung weigerte sich, mit der Schweiz den Handelsvertrag abzuschließen, bevor die 10 Urcantone ihre Gesetze so geändert hätten, daß die freie Niederlaffung den jüdischen Franzosen möglich ward. Das Königreich Sachsen scheint sich die Sache leichter machen zu wollen, indem es den §. 25 ignorirt, man müßte denn annehmen, daß wol den jüdischen Franzosen, aber nicht den jüdischen Preußen die Aufnahme in Sachsenge, stattet wäre. Eine solche Annahme widerstreitet aber der deutschen Gefinnung des Hrn. v. Beust zu sehr, als daß man ihr Raum geben dürfte. Vielleicht wird nun ein jüdischer Franzose den Stadtrath zu Budisfin in Versuchung führen und ihm Gelegenheit geben, noch.ein« mal 31'/, Ngr. zu verdienen. Ein abschlägiger Bescheid einrm Fronzosen gegenüber dürfte doch zu einigen Schwierigkeiten führen. Bekanntlich liegt die Frage wegen Aufhebung zder Beschränkungen der Niederlassung von Juden in Sachsen, angeregt durch einen. Antrag von Hrn. Lorenz im Leipziger Stadtverordnetencollegium und den dazu erfolgten Beitritt dieses Collegiums wie des Stadtraths zu Leipzig, augenblicklich dem Ministerium des Innern zur Entscheidung vor. 8. Jerusalem, im Dezember. Die milden Gaben, welche hieher gesendet werden, stammen theils aus solchen Ländern, aus deren Emigranten sich hier eine Gemeinde gebildet hat. Diese Gaben kommen den betreffenden Emigranten zu Gute, so daß die Spender ihre eigenen Landsleute unterstütze». Aus englischen, sranzöfischen, amerikanischen und australischen Auswanderern hat sich bisher noch keine Gemeinde gebildek; die Wohlthätcr in diesen Ländern verfügen nach ihrer Einsicht über die Verwendung ihrer Spenden. Es wäre aber für die diesige jüdisch Gesammtbevölkerung von uneudlichem Nutzen, wenn die Spender dieser Kategorie ihre Gaben nicht an Einzelne vertheilen, sondern zur Gründüng und Erhaltung gemeinnütziger Anstalten verwenden ließen. Ihre europäischen Leser werden bei dieser Propofition wahrscheinlich an Schnlen, an die Anleitung zum Handwerke, zur Industrie und zum Ackerbau denken. So wünschenSwerth nun auch solche Anstalten wären, so wird doch Jeder, der die hiesigen Kulturverhälinisse aus eigener Anschauung kennt, zugeben, daß jetzt noch jeder hierauf gerichtete Versuch zu früh käme und sein Ziel verfehlen müßte. Wir bedürfen aber solcher Wohl« thätigkeitSanstalten, deren Gründung dringendes Bedürfniß ist, und deren Wirksamkeit von Allen dankbar begrüßt würde. Das von Rothschilds edler Großmuth gegründete und erhaltene Spital entspricht nicht allen Bedürfnissen. Wir Europäer besitzen zwar gegenwärtig ein besonderes Spital, ohne besondere auswärtige Unterstützung wird sich aber dasselbe nicht erhalten können. D ie Vermehrung der ärztlichen Kräfte, eine Suppenanstalt, ein Darleheuöverein thut uns dringend Noth. Ein hiesiger jüdischer Drechsler, der einzige in der Gemeinde, ist nicht im Stande, sich ein Darlehen von 50 st. zu verschaffen, um sich mit Material, z. B. mit Olivenholz, zu versehen. Ich kann Sie versicheni, daß Montefiore'S an Einzelne vertheilt Spende (400 Lira) viel zweckmäßiger benützt worden wäre, wenn man sie zu einer Suppenanstalk verwendet hätte. Jerusalem, im Dezember. Es gereicht uns zur Freude, aus der traurigen Zeit der Epidemie'auch Erfreuliches berichten zu können. Den wahren Werth des menschlichen Herzens erkennt man nur in der. Noth; so waren wir auch während des schrecklichsten Elendes Zeugen der edelsten Aufopferung. Unseren lieben Brüder in Ungarn wird eS an« genehm sein, zu hören, daß ein junger Mann, ihr Landsmann, durch feinen Gdelmuth und seine Menschenliebe vor vielen berühmt geworden. Es ist dies Herr Josef Moses Kraus, der Sohn des N. Chajjim Kraus, welcher letztere vor etwa 7 Jahren ans Kamorewitz bei Ungvär ein« gewandert und während einiger Jahre bis zu seinem Tode der österrei« chischen Gemeinde vorgestanden ist. Der Sohn, der würdige Nachfolger seines Vaters, hat während der traurigen Epidemie keine Lebensgefahr scheuend, Hunderten von Menschen, Männern, Kindern nnb Frauen das Leben gerettet, überall war er dabei, wo es galt, das Glend zu lindern, die Gefahr abzuwehren. Möge verjünge Mann, der als armer Mann Gatte und Vater selbst schwer von der Nolh und Theuerung heimgesucht ist, seinen Lohn in der Theilnahme seruer Brüder finden. Wir empfehlen ihn der besondern Berücksichtigung der wohlthätigen Herzen im Auslands Herr Moses Montefiore hat auch in der gegenwärtigen Noth sich als edler Menschenfreund bewährt. Gr sandte dieser Tage 100 Pf.?. St. an den hiesigen englischen Konsul mit der Weisung, dafür' die Straßen und Gaffen Jerusalems auskrhren zu lassen. Wir bedauern es

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