Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 9 (1866)
- Issue
- 1 (3.1.1866)
- Date
- 1866-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5 6 Wir hegen die Hoffnung, daß schon eine nahe Zukunft diesen und ähnlichen Uebelständen mindestens palliative Hilfe bringen wird. Die Regierung kann mit Berücksichtigung der tu gründenden Institute, zu deren Errichtung und Erhaltung ein Theil der Zinsen des SchulfondeS dienen soll, das zu jährlichen Subventionen zu verwendende Marimnm provisorisch bestimmen. Die leitenden Grundsätze, nach denen die Verleihung der Subvention geschieht, müssen bekannt gegeben, und die Gemeinden im Wege der öffentlichen KonkursauSschreibung von Jahr zu Jahr zur Bewerbung um Subventton aufgefordert werden. Die wohlthatigen Folgen eines solchen Von ehens werden sich bald zu erkennen geben. Eine vollkommen normale, auf autonomer Basis ruhende Verwaltuug des SchulfondeS wird aber erst nach vollendeter Organisation des jüdischen Kultnsgemeindeweseus ins Leben treten können. Nach all dem Gesagten glauben wir etwas ZeitgemäßeS zu thun, indem wir über die zu bewerkstelligende Organisation deö jüdischen Kultusgemeindewesens die Diskussion eröffnen. Die Erfahrungen, welche uns die Geschichte an die Hand gibt, haben wir uns zuvörderst zu vergegenwärtigen. (Fortsetzung folgt.) Die Mm in )Men. Lin Fragmrnt aus einem noch unedirten Geschichtswcrke. Von Z. Wlesner. .UeeiSrabbiner. I. Zwischen dem Falle des judäischen Königreiches, der Erilirung der jüdischen Bevölkerung nach den Provinzen Babyloniens durch Nebnkadnezar (588 v. C.) und der Regeluug des jüdischen Gemeinwesens durch Esra und Nehemia, liegt eine geraume Zeit, wir glauben von nicht weniger, als 200 Jahren. Wir sind nämlich aus wichtigen sofort anzuführenden Gründen zur Annahme berechtigt, daß Esra und Nehemia erst unter der Regierung deö Artarerres Mnemon (regierte 405—361) ihre Wirksamkeit begonnen haben. Wenn wir den Inhalt des Buches Nehemia nubefaugen prüfen, so drängt sich unS die Ueberzeugung aus, daß die hier handelnden Personen unmöglich lange vor dem großen Eroberungszuge AleranderS des Großen (333 vor CH.) gelebt haben können. Das Geschlechtsregister der Hvhenpriester wird dorr') biö auf Jadua geführt; das ist aber derselbe Jadua, der nach JosefuS 2) Alexander von Makedonien in Jerusalem empfangen. Nehemia") erzählt, wie ein Sohn des Hohenpriesters Jojada eine unerlaubte Ehe mit der Tochter des Choroniten Sanbalat eingegangen und in Folge dessen von dem Statthalter aus der jüdischen Kolonie auSgewiesen wurde. Und wieder ist es derselbe Sanbalat, der bei Alexander die Bewilligung nachsucht, einen samaritanischeu Tempel zu bauen und seinen Schwiegersohn Manaffe. welcher ein Bruder des Hohenpriesters Jadua war, als Ober- Priester daselbst zu bestellen. *) Hat nun Nehemia im zwanzigsteu Regierungsjahre des ArtarerreS Mnemon d. i. 385 vor CH. seine Statthalterschaft in Palästina angetreten und kehrte er nach zwölf Jahren im 32. Jahre deö regierenden Königs (373) an den Hof des persischen Königs jurücf5)> i ') Ntiumia 12. 11. : i ׳) lossk de antiqu. 11.8. ... *) Nehem. 13. 26. , *“ 4I Josef de »ntiäu. 1 (, 8. ' 1 ‘ י: *) Weitem.H, 14:׳ IS, ü.!!! -יu '• n UM nach einiger Zeit den Angelegenheiten Judäas, man weiß noch wie lange, wieder vorzustehen, so liegt darin nichts Auffallendes, daß Personen, mit welchen Nehemia vielleicht ims Jahre 360 vor CH. oder noch später in Berührung gekommen, noch zur Zeit der macedonischeu Invasion eine Rolle spielen konnten. Offenbar kam auch Nehemia mit dem Ausbau, mit der Befestigung der Hauptstadt , mit der endgiltigen Ordnung der religiösen Angelegenheiten und. des Verfassungswerkes, erst bei seiner zweiten Anwesenheit in Palästina zu Stande, wahrscheinlich zwischen 360— 350 vor Chr. Mit dieser wichtigen Epoche wurde in dem nun erst recht begründeten jüdischen Gemeinwesen eine neue Aera begonnen, eS war dies erst jetzt nach vielen Wehen, nach so laugen Wirren und Zerwürfnissen als ein neugeborneS Kind zur- Welt gekommen, dem es jedoch nicht beschieden war, sich seines Lebens lange in Ruhe zu erfreuen; es währte kaum einige und dreißig Jahre und der große Welteroberer kam, mit dem auch das Geschick Judäas eine sehr bedenkliche Wendung genommen. Daher wird auch in den alten Traditionen die Dauer des jüdischen Gemeinwesens, welches mit dem natioualen Opfertempel (!ביר) identifizirt wurde, unter der Perserherrschaft nur auf vierunddreißig Jahre angegeben. ") Als nun Esra im siebenten Jahre des Königs Artarerres Mnemon mit dem zweiten Zuge babylonischer Auswanderer in Palästina anlangte 7), waren die Israeliten Babylons bereits über 150 Jahre unter der Herrschaft der Perser. Die herrschende Religion in Babylonien war seit der Eroberung dieser Länder durch Cyrus (560 vor Chr.) nicht mehr, wie zur Zeit Nebukadnezars, der Kultus des Bel nnd Nebo, die der Profet Jesajas II.") so geistreich verspottet, diese sonst so hochverehrten Götzen wurden, wie es der Profet ganz richtig vorausgesagt, von ihren Postamenten schonungSlos gestürzt, um einer bessern und reinem Religion, der des Zendvolkes, welche die Perser mitgebracht hatten, Platz zu machen.-Die Zendreligion, als deren Urheber Zoroaster genannt wirb, erkennt ein ungeschaffenes und unendlicheS Wesen, Zeruane Akereue (die Zut ohne Grenzen) als den Urgrund aller Dinge an. obschon sie aus diesem einen zwei verschiedene Prinzipe, das gute und das böse Prinzip, personifizirt unter dem Namen Ormuzd und Ahriman her- Vorgehen läßt, welche in dieser Welt einander fortwährend bekämpfen. ") Engel, Schutzgeister, Sterne, Planeten u. s. w. werden als vom unendlichen Wesen geschaffene Mächte verehrt, denen dieses Wesen so viel von seiner Größe, seinen Eigenschaften und seiner Herrlichkeit mitgetheilt, als möglich war. 10) Unter den Elementen wurde ganz vorzüglich das Feuer (Ader) als das sichtbare Symbol Ormuzds betrachtet- und verehrt; denn Ormuzd liebt die Reinheit des Feuers, sein Körper ist Licht, wo Feuer ist, da verbreitet sich Licht nnd Ormuzd ist gegenwärtig.") Die Perser waren entschiedene Feinde eines jeden Bilderdienstes und fanden ihn ebenso verachtuugswerth und lächerlich, wie der Profet Jesajas II., der geistreiche Zeitgenösse des Perserlönigs Cyrus I., ihn schilderte.'2) Es ist dies eine Thatsache, die auch der palästinensische Amora R. Jvchanan nicht umhin konnte anzuerkennen, indem er sagte: ״Die fremden Völker außerhalb Palästinas (d. I). Baby-׳ loniens oder des ׳persischen Reichs, wo-außer Palästina die meisten Juden-lebten)-sind keine Götzendiener, es sind nur-! die Gebräuche ihrer Vorfahren, die sie - beobachten und aus- *)Urpäs 8ara,;9. a,, Seder olatn rabbacap• 28. . 7 . 7 30010 (י יי. '! ' H Jesajas;46־ ״ \) Rbode, die beilige Sage der Parse». S- 182- , .,! '*) Daselbst S. 160. . ' " ' , . j ") Daselbst S. 302. ׳ . .. . --! ") Jesajas 44. 9 u. ff. - - - i*