Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 48 (29.11.1865)
- Date
- 1865-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«nt find nur die äußeren Abzeichen tc# Menschen, der fie trägt. Nit warm Sir stet« werth uw Ihrer Persönlichkeit, Ihr« Eigenschaften willrn, und hätten Sie da« würdige Amt eine« Seetenhirtkn, das Eie in voller Wahrheit ansüben. auch noch heute nicht übernommen. da» Verdienst der eminenten Fähigkeit für diesen hohen, ebenso wichtigen, al» schönen Beruf bliebe Ihnen immer; vew Freunde aber gilt diese» Verdienst al» da» Wesentliche, da- Abzeichen nur al» Nebensache. Habe ich Ihnen. mein theurer Freund! auch durch eine lange Zeit nicht geschrieben, so geschah die» mehr, um Ihnen Ihre kostbare, so gut verwendete Zeit nicht zu rauben; die liebenswürdige Familie unserewürdigen weisen Herrn Rabbiner» könnte es Ihnen übrigen» bezeugen, wie oft ich mich um Alle«, was Sie betrifft, erkundige; mit der lebhaftesten Theilnahme verfolge ich jeden Ihrer Schritte, vorzüglich rn Ihrem öffentlichen Leben und erkenne freudig alle Erwartungen, die ich auf Sie gestellt, bei Weitem übertroffen. Unsere Zeit bedarf rüstiger, kenntnißreicher Männer, zu denen vorzüglich Sie gehören, und die die Vorsehung auSerseheu zu haben scheint, um den scheinbar wankende» Pfeiler de« wahren Glaubens zu stützen und aufrecht zu ballen; die Zeit fordert ihre Rechte, da» Faule, längst Gebrechliche fällt ab. Männer von Herz und Geist, wie Sie e» sind, müssen die Lücken ausfüllen, müssen wirken und arbeiten und Hand ans Werk legen und nicht müde werden, und die Dornen auf dem Wege, die WermuibStropsen in dem Decher, der sie laben soll» nicht scheuen; sie leben für die Welt, ihr eigenes Ich muß willig und oft in den Hintergrund treten. Ich sage Ihnen die» nur, um zu zeigen, daß ich Ihren Horizont kenne und Ihre Mühen und Kämpfe, sowre viele Au« dere, zu würdigen und zu schätzen weiß. Zu den Schöpfungen Ihrer steißigcn Verwaltung zähle ich vor» zü glich die Vewerkstelligung eines HandwerkervereuieS. den ich als einen der wichtigsten Hebel betrachte, um die Verbesserung des Zustandes unserer Glaubensgenossen berbeizusühreu. Auch meinem Sinne lag es längst als ein dringendes Dedürsniß vor; ich halte es für das vor« züglichste Mittel, das die schlaffe Trägheit erschüttern, den Lebensfiun wecken und einen Zustand hervoebriiige» soll, der der Nbsonrerung entgegenlreie. durch welche allein unsere GlaubenSg,Hoffen selbst daSILm« merliche in ihrem .eben nähren und fortpflanjen. Ich forderte in den letzten Tagen eine große Anzahl hiesiger ilraclillscher Elliwohner dazu aus. bald wurde ich der allgemeineii Theil» nähme gewiß, der Vorstand wurde zur Billigung und Gutheißung des Vereines anfgefortert und sprach sich ungesäumt günstig ans . . . Es fand hierauf gestern eine allgemeuie Versammlung statt, von welcher 15 Männer zum provisorilche» Komilü zur Ausarbeitung eines Planes und der Sialulen für den Verein gewählt wurden. Ich erlaube mir hiermit, Sie, mein sehr verehrter Freund! zu dllten, mir sobald als möglich, alle Elemente, die Sie für diesen Zweck gesammelt und bei Ereirung Ihres Vereines benützt haben. sowie den Plan und die Statute», die Sic Ihres Orte» ausgenommen haben, in möglichst ausgedehnlem Detail zu überschicken. Je eher Sie mich durch Ihre gefällige Sendung in den Besitz dieser nölhigen Anweisung setzen, um so wichtiger ist der Dienst, den Sie unserer Sache leisten. Cs dürste Ihnen nicht unwistkommen sein, wenn ich Ihnen bei dieser Gelegenheit auch anzeige, daß unsere Schule nun endlich die oster« höchste Sanktion mit der Begünstigung de« Titel« ,Normal-Haupt« schuleerhalten hat. Wenn Sie Ihrer, von mir sehnlichst erwarteten Antwort auch einige Nachrichteu über Ihr persönliche« Wohlsein, über die Verhält« niffe, in denen Sir leben, beifügen mosten, so werden Sie damit sehr erfreut«» Ihren Eie herzlich liebenden Freund Jakob Jttru. Die Wische Zeitpresse in Nordamerika. Von Herma nn Brill. Nach den letzten statistischen Ausweisen wohnen in den nord« amerikanischen Freistaten nicht halb so vielIudeu al« in Ungarn, aber während in unserm vaterlande ,Den Ehananjada» einzige den lsrete« M lltikchrn Interessen gewidmete Organ ist. erscheinen in de, neuen Wel« nicht weniger al» acht Journal; zwei zum größten Lheile englisch, zum kleineren Theil, deutsch, eine« ganz deutsch, die andern ganz englisch. Zu den erster,n gehört da» seit fünf Jahren in New-Uork er» scheinend, ״Iewish Record-, da» sei« Kurzem in di, Redaktion de» H erru Boudi übergegangen ist und den Titel ,The Hedrew Leaderan», genommen hat. Die un« vorliegenden Nummern zeigen eine ungewöhn» li che Reichhaltigkeit au geistvollen, von fachkundigen Mitarbeitern gelie« seriell Beiträgen, eine reiche Fülle von Berichten aus asten Theil,n der Uuiou und ein anerkenuungS.rürdigeS Streben. Das Blatt erscheint im 3 mperial-Format und enthält die mannigfaltigsten mit Geist und Frei« m ütbigkeit geschriebenen Aussätze, darunter einen gediegenen Artikel über den.r8r1lfürste,t der Juden in Babylon (mit Beziehung auf Geätz's Ge» schichte der Juten); die treffliche Rede de« Dr. Raphall.be, Einwei» h ung der Synagoge B'u, Zeschnrun; eine lehrreiche historisch.kritisch« Skizze über die Entstehung de« Lesens der Haftara am Sadbath, ver« schledene Dichtungen und Miscellen. Nebst den Mittheilungeo der wich» ti gsteu Togesereiguisse innerhalb des Iutenthum« wird vorzüglich dir ältere jütiiche Geschichte in populärem Sinne dehaudelt, um dadurch die Berhältmffe einer längst entschwundenen Zeit richtig beurtheileu zu können und die Harmonie zwischen Einst und Jetzt herzustellen. In der That, die Geschichie Israels ist und bleibt der heilige gemeinsame Bo« den, auf dem alle Parteien, welcher GlaubenSrichiung fie auch an» g »hören, stehen; nur fie bildet die geistige Unterlage ves ReligionSgr» setzes^nnd seiner Fortentwicklung, sowie das Fundament der unvergäng« licken jüdiichen Lehre und der Stellung Israels zu allen Völkern. Sehr richtig bemerkt daher Herr Douti, daß es an der Zeit sei, die Ideen über den jüdischen Glauben und der damit eng veedundeue» Stellung der Juden durch tre ltileude Hand der Geschichie zu reinigen und zn veredeln und descuders uuier den Israeliten die U.derzeuguug zu ver« breiten, daß Glaubt ohne Wissen ein Unding sei. Nicht minder hat es uns gefreut, daß der Redakteur den Muth ha«, den dcuiscken Theil des VlotirS dadurch zu rechtfertigen, weil der deu'.ticke Lhnl der Jude» in «uierika die Ausgabe har. die Mutter« s prache, da« ist deulichen Geist und deiittchc Gesinnung — unbeschadet der Landessprache — bei den Jute» zu erhalten und zu pssegen, denn fie?ist ״Sein nnd seiner Kinder Stolz!- Hat doch der unlängst verstör« bene (edle Amieikauer Aleranter Everett — ein auch in Europa durch seine Echrisleil bekannter ClalSwann — onerkann«, daß er nur der deutschen Sprache und Liieraiue seine Bildung verdaukel Nnd wenn endlich Herr Boudi die Wort« Chateaubriand'« zitirt, daß .da» jü> dische Volk ein symbolischer Auszug des gesammien »leuschlicheu Ge« schlechtes ist und daß eS in seinen Erlebuiffen Alles repräseiitirt, was im Weltall vorgekommen ist und Vorkommen kann- und daß demgemäß die religiösen und soziale» Iutereffen des jüdischen Volkes noch heut, von dem größten Einfluß au> die Euiwicklung des gesammien Men« schengeschlechitS sei, so stimmen wir — und wic glauben jeder geblldrte Israelite — ihm von ganzem Herzrn bei. Wir dürfen also auch i» unserem ,alten- Europa das Unter» uebweu mit Freut» begrüßen, indem wir durch diese Aufsätze und Be« sprechungen die wichtigsten Ereignisse und Vorkommniffe. welche sich in der ueueo Welt unter den Juten znlragen — möge» sie nun Licht oder S chatten bieten — erfahren. Für un» ist e» ein wahrhaft eehebenvr« Gefühl, wenn wir wahrnehmeu, welch eine große Anzahl von Wohl« thätigseitS-Austolten, DildungSvereinen und Instituten jeuseit« de« Ozean« für die materielle .״nt geistig, Entwicklung unser,ree Glauben«» d rüder ewporblühen, solch ein Epeoffeu und Keimen, solch ein rasche« Gedeihen ist bei un« kaum denkbar. So wurde in New-Dork «■ 8. Oktober d. Z. eine Generalversammlung der Mitglieder de« Verein« ,Emanu Elabgehalten zur Gründung eine» jüdisch-theloogischen Se» minar« und flehe da, man entwirft dir Statuten, dir Beiträge fließen reichlich und man geht bereit« au di, Herstellung eine« Sewinargebän» de«. O du glückliche« Amerika, da kann ein Seminar in« Leben ge» rufen werden, ohne daß die Unkenrufe queiköpflger Zeloten dagegen the Be«.׳ tinlegen. Indeß fehlt «« an« dem transatlantischen Israel nichl an Ipiulisieenden Theologen, und di, Frage: .ob ein von Juden an» Sadbath gedruckte« Machsor benütz» werden darfwird d«r» per da»-