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Ben Chananja · 1865-11-29 · 48 (29.11.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
48 (29.11.1865)
Date
1865-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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859 GchmerzenSszenen. Die SchmerzenSliteratur der jüdische» Duß- und Trauergebete (NU's, ,סליחות) hat kein einziges ugarischeS Erzeugniß aufzuweisen. Bis zum Jahre 1843 erfreuten sich die ungarischen Juden eines ohne Vergleich bessern Loses, als ihre Glaubenöbrüder jenseits der Leitha. Sie dursten unbehindert HauS und Herd gründen, weil die Familianteu-Qualifikation in Ungarn kaum dem Namen nach bekannt war, und die Komitate die von Wien herabgelangten Beschränkungen ״mit Achtung ad acta" legten. Der deutsche Prediger Mannhei« mer und der deutsche Dichter Ludwig August Frankel konnten in Wien erst dann ihren bleibenden Wohnsitz nehmen, nachdem ihnen ungarische Magnaten auf ihren Gütern eine Heimat gaben. Die Studiengesetze waren jenseits der Leitha so strenge, daß jüdische Jünglinge, in denen sich daS Bedürfniß klassischer Bildung regte, nach dem frciern Ungarn pilgern mußten, um lateinisch und griechisch zu lernen, und sich für eine wissenschaftliche Laufbahn vorzubereiten. Ich könnte eine ganze Schaar jüdischer Männer, die die Zierden ihres BerufeS und ihres Volkes sind, namhaft, machen, die sich auS ungarischen Gymnasien und Lyceen die Elemente zu ihrer künftigen Tüchtigkeit holten. Die Verhandlungen der ungarischen S ändetafel von IS™/,״ über die Juden und daS die Juden emanzipirende Resultat derselben ist von allen europäischen Juden mit wahrem Jubel ausgenommen worden. Selbst die Konzessionen der Magnaten, sowie die des Reichstages von 184־V44 wären geeignet gewesen, einen mächtigen, bürgerlichen und sozialen Fortschritt anzubahnen. Aber die Weisheit der damaligen Wiener Slatsmänucr hat ja alle diese Konzessionen perhorreSzirl! Die Ungesetzlichkeit der Toleranztare hatten schon 1840/<זי־ beide Tafeln deö ungarischen Reichstages anerkannt. Gleich, wol mußten die Juden die AblösungSsuinine von einer Million und zweimalhunderttausend Gulden zahlen, weil die Weisheit der damaligen Wiener Slatömänner eö so haben wollte. Wir fragen nun die ״N. fr. Pr.": Sollen die ungarischen Juden dieS Alles vergessen? Unleugbar hat sich in neuester Zeit daS Geschick der tranSleithanischen Juden günstig gestaltet, und je würdiger der Gebrauch ist, den sie von den ueuerlangten Rechten zu machen verstehen, desto mehr Ursache haben sie, sich der neuen Aera zu freuen. Dort brauchte nur der erhabene Monarch, dem Zuge seines edlen Herzens folgend, zu rufen: cö werde Licht! und eö ״ward auch den Kindern Israels Licht in ihren Wohnungen!" (2 M. 10, 23). In Ungarn sind der Gesetzgebung andere Bahnen vorgezeichnet. Die ungarischen Juden genießen daher noch immer daS Wahlrecht nicht, dessen sich die tranSleithanischen Juden erfreuen. Sie fordern ihre Emanzipation im Bewußtsein ihres guten Rechtes, aber ohne Erbitterung! Wäre auch die Erbitterung, welche die ״N. fr. Pr." bei den ungarischen Juden zu provoziren sich bemüht, auf irgend eine vernünftige Weise zu rechtfertigen? Würde sie sich mit der jüdischen Religion vertragen, welche selbst bor Erbitterung gegen Aegypten warnt (5 M. 23, 8)? Und Ungarn war ja für die Juden kein Aegypten! ״Die ungarische Gesetzgebung hat aber 1843 versäumt, die Juden zu emanzipiren!" — Wir sind weit entfernt, diese Unterlassungssünde zu beschönigen. DaS demokratische Ungarn entsprach in seiner ersten legislativen Saison in diesem Punkte nicht den Erwartungen, zu denen daS feudale Ungarn berechtigt hatte. Die von der ״N. fr. Pr." gepredigte Erbitterung ist aber dadurch bei Weitem nicht gerechtfertigt, und kann dieselbe versichert sein, daß sie tau- 860 ben Ohren geprediget hat. Die ״N. fr. Pr." wird uns wol keiner Uebertreibuug zeihen, wenn wir sie versichern, daß wir die Emanzipation der Juden viel eifriger anstreben, als sie. Auch wissen wir auS der Bibel, daß eS weife ist, sich rathcn zn lassen (Spr. 12, 15). Glelchwol müssen wir die ״N. fr. Pr." angelegentlich bitten, die ungarischen Indes mit keinen Rathschlägen behelligen zu wollen. Gewiegte Publizisten werben wol einräumen, daß die momentane Stellung Einer Dolköklasse oder Einer GlaubenSgenoffenschaft nicht den rechten Maßstab abgibt, nach welchem große statSrechtliche Fragen beurtheilt werden müssen. Diejenigen, die diesen Maßstab gar zur Richtschnur deS praktischen Ver- Haltens empfehle», scheinen den Baum gen Himmel heben zu wollen, weil er ja gen Hinimel wachsen muß! Nichts in der Welt wäre thörichter, als wenn die ungarischen Juden ihre Emanzipation auf einem andern Wege erwarten »vollten, als auf dem der vaterländischen, verfassungSinäßigen Legislatur. Darum halten sie sich an Schillers Marime: An'S Datirlond, an'S theurr, schließ dich aa. Dahalte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die starten Wurzeln deiner Kraft. .franz IM'5 ׳Mrijl iiöcr Die Jubciicnianjipatfons« HerhmMuig öcini MM. Jlctdjstiige 0011 1839/40• Am 29. Juli 1840 erstattete Franz Derik Bericht über den Verkauf deS Reichstages von 183%0. Der Bericht ist s. Z. bei Länderer und Heckenast erschienen (8.80), und »vir entnehmen demselben folgende, die Juden betreffende Stelle. ״Die Stände haben auch der gedrückten Lage der Israeliten ihre Aufmerksamkeit znge»vcndet, und indem sie eS mit der Gerechtigkeit »vidcrsprechend fanden, daß eine Volksklaffe, »velche die geringsten Begünstigungen deS States ge- »ließt, unter allen Bürgern die »»leisten Lasten trage, und außer den gesetzlichen Abgaben unter dein Namen einer Toleranzsteuer auch noch mit einer vor dem Gesetze unbekanuten, drückenden und »villlürlichen Steuer belastet .»vird; indem sic eS ferner in Rücksicht auf daö Vaterland für schädlich gehalten haben, daß diese Volksklasse vernachlässiget »verbe, haben sie eine Repräsentation verfaßt, in der sie, die Ungerechligkeit deö gegenwärtigen Zustandes hervorhebend, die gesetzlichen und politischen Gründe, »velche zu einer Veränderung zum Bessern rathcn, ausführlich auSeinandersetzten, und sic wollten eö durch ein Gesetz ausgesprochen »viffen, daß die Israeliten unter der h. ungarischen Krone überall derselben bürgerl. Rechte theilhaflig sein sollen, welche von den übrigen nichtadeligen Reichöbewohnern auögeübt »verden. Die Magnaten haben die Wichtigkeit der in der Repräsentation enhaltenen Motive und Anschauungen in vollem Maße auerkannt; den Gesetzesvorschlag haben sie jedoch nicht in seinem ganzen Umfange angenommen. Vielmehr haben sie als ein, eine stufenweise Entwicklung vcrmitkeludeS, Vorgehen empfohlen, daß die Toleranzsteuer abgeschafft »verde, daß die Israeliten in Zukunft in allen Städten und Gegenden frei »vohneu, in Hanbtverkerzünste und HandelSgremken aufgenommen »ve»de»>, und nicht nur Urbarialgründe, sondern auch in allen königlichen Frei- und privilegirten Städten bürgerliche Grundstücke zu erwerben berechtigt sein sollen. Bis dahin, wo mit der Entwicklung der Verhältnisse der Zukunft die Idee der Emanzipation vollkominen »vird bewerkstelligt »verden können, haben die Stände auch daS von den Magnateu Vorgeschlagene für einen nützlichen Fortschritt gehalten, und die Nrpräsrutativn auch in diesem Sinne unterbreitet. Allein die köukgliche Antwort war nur ln einige» Theilen günstig, ja einige Punkte nahm sie mit solchen Mo- Visitationen auf, daß wir unS mit denselben, indes sie des "48* “

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