Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 47 (22.11.1865)
- Date
- 1865-11-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543219-2543267--4489-2548471- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
842 Zeitgenosse, der Arzt David dePomiS ans Spoleto, gab 1567 ein dem Pabste SirtuS V. gewidmetes hebräisches vnd talmublscheS Wörterbuch heraus. Sein Zeitgenosse M eoachem de Lonsano schrieb im Orkeute ein talmudischlerikalischeS Büchlein, daS noch heute Werth hat. Ungefähr siebzig Jahre später schrieb Benjamin Musafia, prakt. Arzt zu Hamburg, BurtorsS Lexikon benützend, treffliche Zusätze zum Aruch N. Nathan'S. Den Talmudisten von Fach war daS wissenschaftliche Verständniß des Talmuds gänzlich abhanden gekommen; der im Jahre 1516 in Konstantinopel und im Jahre 1592 in Krakau erschienene kurze Aruch ist ein miserables Machwerk 5). Mit kritischem Blicke begabte und ein kritisches Studium kennende Talmudisten, wie R. Lipman Heller, R. Jesajaö Berlin und R. EliaS Wilna, gehörten zu den seltenen Erscheinungen. Die Mendelösohnische Epoche, welcher der Ruhm gebührt, daS den Talmudisten ebenfalls abhanden gekommene Verständniß der Bibel mit vielem Erfolge gefördert zu haden, ließ das Talmudstudium unberührt. Selbst die biblische Archäologie lag außerhalb deS Kreises ihrer literärischeu Thätigkeit. Seit de Rosst und seinem Zeitgenossen, dem Arzte Abraham de Porta Leone, blieb diese DiSziplin unbeachtet. Joel Löwe'S Einleitung in die Psalmen (1768) ist so ziemlich das Einzige, daö von der Berliner Schule für die biblische Alterthumökunde geliefert wurde. Erst 1819 trat Salomon Levisohn mit einem biblisch-geografischen Wörterbuche hervor, worin er hie und da auch auf die talmudische Geografie Rücksicht nimmt, und Saal schütz war der erste jüdische Gelehrte, der eine vollständige Archäologie der Hebräer schrieb (1855). Nichlödestoweuiger hätte der tiefer blickende Leser deS Sammlers aus den Gründen, welche Mendelssohn gegen die frühe Beerdigung der Todten anführte, sowie aus der Frage, welchen Antoninuö die talmudischen Quellen mit R. Jehuda dem Heiligen verkehren lassen 6), leicht prosezeihen können, daß einst die pilpulistische Behandlung deS Talmudö der historisch und archäologischen Methode werde weichen müssen. Diesem Ziele geht nun daö Talmudstudium seit dem 3. Jahrzehent unseres Jahrhund, allmälig entgegen. Man Härte erwarten sollen, daß die uuter dem Einflüsse der damaligen Zeitströmung zuerst wachgewordene jüd. Geschichtsforschung sich mit Vorliebe den talmudischen Altcrthümeru zuwendeu werde. Dies geschah jedoch nicht. Die lexikalische Arbeit der Brüder Bondi (1812) hatte nicht anregend gewirkt. Die Berliner Schule fühlte sich zu den talmudischen Realien wenig hinge, zogen. Die von dem Kulturvereine herauögegebene, und vou Dr. Zunz redigirte Zeitschrift für die Wissenschaft deS Juden- IhumS brachte indeß einige hieher gehörige Abhandlungen'). *) In der Ufuißcn vor Kalman tfo&n in Wien mit vielem Fleiß» VirdnfciUtttR Ausgabe desselben (1863) ist dir Jahre«,ohl der Krakauer Ausgabe Lynchiig angegeben. Am Tube de» Buche» steht ausdrücklich \ .שניב: •) HEeaff'k II. 87-90; 162-164; 169—174; 178-187 UI. 182—102; 202—205. IV. Zugabe 2-36. *) Ueder geschriebene« und mündliche« Gesetz von La,. Denda. vid; über di» rmpyrisch, Pivchologir der Juden im talmudischen Zeit» aller von L. Bernhard; Grundjüg» de« mos. talm. vrbrechte« von Gau«; Zun,' Wascht. In demselben Jahre, in welchem die ersten Hefte dieser gediegeuen Zeitschrift erschienen, 1822, gab Jost den der talmudischen Periode gewidmeten dritten Band seiner Geschichte, M. I. Landau sein »Geist und Sprache der Hebräer nach dem zweiten Tempelbaue" heraus; vou seiner neuen Aruch- Edition war vier Jahre früher der erste Band erschienen. Die Arbeiten der Berliner Schule blieben in Deutschland lange Zeit isolirt. Dagegen wirkten sie in Galizien auf einige junge Männer anregend und ermunternd, vor Allen auf Rapoport und Nachman Krochmal. Erstererhatte, wie fast alle aufgeklärten jüdischen Schriftsteller seines LaudeS, mir der hebräischen Belletristik, in welcher er Trefflicheschuf, begonnen; er verließ aber dieses Spiel der Liebhaberei, um seinem Geiste in ernster Forschung Befriedigung zu verschaffen. Von seinen früheren Arbeiten gehören unmittelbar hieher: Sendschreiben über die weltliche Bild::ng und Lebensweise der talmudischen Schriftgelehrten (geschrieben 1823); R. Nathan'S Biografie; Sendschreiben über den Pilpul der babylonischen Schulen (1829); Beitrag zur Sacherklärung deS Talmudö (1835); Sendschreiben über die Astronomie deS Talmuds ^1838). Von seinen späteren Arbeiten haben wir nur den ersten Band seines encyklopädischen Werkes (1852) zu erwähnen. Seine werthvollen Arbeiten hätten die talmudische Alterthumökunde in viel höherem Maße gefördert, wenn er sich nicht an die Form eineö Wörterbuches gebunden hätte. DaS von Rapoport gemiedene Gebiet der NeligionSgeschichte zog den Hegelianer Krochmal am meisten an; Schade, daß es ihm nicht gegönnt wer. sein Werk zu vollenden und abzurunden. Der vorsichtige Hirsch ChajeS hat in dieser Richtung manches brauchbare Material zu Tage gefördert. Zunz hat den Talmud nur von Uterär-Historischem Gesichtspunkte betrachtet. Seine ״Gottesdienstlichen Vorträge" find aber wegen der literärhistorischeu Uebersichl zu einem liefern Studium der talmudischen Quellen unentbehrlich. Der Erste, der auf der Höhe der Z-it stehend und mit der Kenntniß der klassischen Sprachen ausgerüstet, daS talmudische, namentlich halachische Alterthum durchforschte, ist der DreSlauer Seminardirektor Frankel, dessen Arbeiten wir als bekannt vorauSsetzeo. Seine daö talmudische Recht betreffenden Abhandlungen verrathen die leicht begreifliche Absicht, den Gegnern der Emanzipation entgegenzutretea. Hieher gehören auch die Arbeiten Fassel'ö, Dodeuheimer'S und Duschak'S. Die ersten kritischen Editionen älterer Midraschim gingen von Friedmaun und Weiß in Wien auS; eine kritische Ausgabe des babylonischen TalmndS wurde vou Le brecht in Berlin in Aussicht gestellt. Die sprachliche Forschung hat Viele beschäftigt; Geig e r'S Bahn brechende- Lehrbuch zur Sprache der Mischna ist in dieser Richtung daS werthvollste Erzengniß. Doch find auch Beer, Böhmer, Duke-, Ehrmaua, Eisler, Fein, Güdemanu, Hübsch, Jelliuek, Kämpf, A. Kohn, Abr. Krochmal, Lebrecht, Luzzatto, Reismanu, M. und Sen. Sachs, Stößel, Wessey, WieSner, Zipfer wegen ihrer theilS filologischea, theilS historischen, theilS archäologischen Arbeiten in Ehren zu neu-