Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 45 (8.11.1865)
- Date
- 1865-11-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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819 820 «Irr, daß di» germano-fränkischea Kasuisten tri Mittelalter« dir Auf« bahrung nicht erwähnen. In Spanien wurde schon im 13. Jabrhua« drrl die Ehre der Aufbahrung Bielen zu Theil, worüber sich Mena» chem Melri sehr tadelnd aussprach (Scharr a. a. O. Anw.) In Bezug auf da« Dorrecht der Rabbinea. welche« der ehrw. Herr Rabbiner Barsch zur Sprache bringt, verdien» eriuuerl zu wer« den. daß dasselbe in zivilrechtlicher Beziehung zu denjenigen talwudi« schen Bestimmungen gehört, welche auch strenge Talmudgläubige de«a. vouiren. Nach der talmudischrn Gerichtsordnung ist nämlich der Richter angewiesen, der Rechtssache eines Schriflgelehrien die Priorität in der Behandlung einzuräumen und denselben auch loust zu begünstigen (S. dir Quellen CH- Miip. 15). Die heutigen Orthodoren geben zu. baß sich dies mit dem Prinzipe der Gleichheit vor dem Gesetze nicht ver, trägt, und sic haben daher »ich! das Recht zu behaupten, laß sie in Allem und Jedem bei den Grundsätzen des Talmuds verharren; den Kundigen ist e« auch mit dieser Behauptung kein rechter Ernst! Die Verzichtleistung aus die Prärogative des TalwidlChacham von Seite neuerer Rab« binen war, genau genommen, nicht nur eine Fruchr der Descheltenheit, sondern zugleich eine Frucht wahrer Reform! Schließlich noch einige Worte über das Berhälrniß ter Haggada zur religiösen PrariS (s. N. Nr. 43. S. 783 u. ,er. Chag. l. 8). Die Distink« tion deS ebrw. Herrn Rabbiners Barach ist sehr einleuchtend. u»d wurde dieselbe ,chon von R. Ezechiel Landau ausgesprochen (N. Bihuda II. 2, 161). Aeliere Autoriläten haben die halachischc Kompetenz der Hag» gada ans ast diejenigen Fälle ausgedehnt, wo dieselbe der bereits r-zipirtcn Halacha nicht widerspricht (Jad Maleachi 1. 72). Nach Anderen hat überhaupt jeder ein leuch lende Haggade auch balachische Bedeuluug sScheb. Jalcd II. 178). Einen gelrhrteii ErkurS lieferte hierüber Hirsch Ehajes in seinem 184g erschienenen Im re Bi na (Zolkiew Meyerhosser 4. Nr. 1). Nichtsdestoweniger könnten sich die Gegner der Aufbahrung gegenüber der Noliz im Jer. Nazir 71. 1. aus. Jer. Pea 2, 6. berufen, wo der Kanon ausgestellt ist: אין למדין מן המעשה! Da aber hier Nicht eine eigentliche Halacha, sondern ein Gebrauch (מנהג) zur Beurlbeüung vorliegt, so muß zugestandt» werben, daß hier von einer DeSavouirung der Haggaka überhaupt nicht die Rete sein könne, indem da« Gebiet der Gebräuche von der Haggada geradezu beherrscht wird. Wir erinnern nur an das dreimalige Wasche» der Hände, an die Seiickotb-Bigilie», an den Sandck und den Eliasstuhl! Kundigen wird es ein Leichtes sein, diese Beispiele zu vermehren, aber selbst niinbcr Kundigen wirb der haggadische Ursprung des Waisen-Kadisch, des צרק (Menach. 30,!1. Tvß. Schlgw. מכאן) . sowie der weilverbreitelen Feier des 7. Adar Nicht Iinbckannr sei». ES find durchgängig die jüngeren und jüngsten HaggadaS, welchen diesen und ähiilichen Observanzen zu Grunde liegen. Von besonderem Interesse ist dir Autorität der Haggada für die Barhäuptigknt drr Schuljugend, besonders beim Bibel- und ReligionS» richte, worüber weder in Losonz, noch in Pest die Akte,! geschloffen sind. Nun sagt aber eiu Marschall (מהרש״ל) . der sich aus mehreren tal» mudischen Schlachtfeldern mit unsterblichem Ruhme bedeckt bat. er wäre geneigt, zu gestalten, daß man auch dos Schema , mit entblößtem Haupte lese; zur Begründung dieses UrlheilS beruft er sich aber auf den Midrasch Rabba! Wir verträgt sich tiefe Berufung mir der Inkompetenz der Haggada? Und deunoch sind selbst die Gegner des Marschallweit entfernt, die von demselben angeruseiit Auloriiäl für inlomvetent zu er« klaren. Vielmehr erkennen fie dieselbe an, und sie bemühen sich blos, derjrlben eine andere Deutung zu geben, um da« Verbot der Darhäuptigleii zu retten. Eine eingehende Betrachtung de« DerhältniffeS der Haggada zur Halacha und zum Minbaz, welche wir nn'eren Lesern im nächsten Jahre vorzulege» gedenken. wird darthun. daß die oft zitirie Regel des Jeruschalmi zu keiner Zeit auch nur mit einiger Folge» richtigkeit beobachtet wurde. Korrespondenz. Ausland.! A. Park-, 1. November. Die WohUhäiigkeit wild hier b«. j sonderin diesem Herbste mit großer Mun'sizenz geübt. Au« der Heu» ‘ «igeu Nummer der ,Archive«* »riehen Sir, daß Baron James v. Roth« schild 20.000, die Herren Emil und Jsak Pereire 10.000 Fr. zur Un« terstützung der ChoIera,Heilaustal»en zugesendet haben. Dem Wohlthä» tigkeitSkomilü wurden im La^.e des vorigen Monat« bedeutende Sow» men zur Verfügung gestell. Ebenso gingen bedeutende Summen nach Konstauiinopel, — wohin da« Hau« Rothschild 'allein 8500 Fr. seu» dele, — Smyrna und Jerusalem, wo leider wieder die Cholera an-ge» brochen ist. Medikamente wurden schon früher nach Jerusalem und He« bron geschickt. In hiesiger Stakt ist dir Cholera Gottlob im Abnehmeo. Am vergangenen Montag, 30. Okt. fand keine jüdische Beerdigung mehr statt. In len jüdischen WohlthätigkeilSanstallen, >m Spital», Altrnhausr. Siechenhause, und in der Abendschule ist bis jetzt nicht ei» einziger Chcterafall vorgekommen. Im Spitale ist eine eigene Abtheilung für Cholerakrauie eingerichtet; dasselbe ist in den anderen Anstalten der Fall. Di« zum 30. v. M. wurden gebracht: ins Spital 60 Kranke; i»S Altenhau« 36; ins Watsenhaur 48 (Waii'rn); in dir Arbeitschulr 14; in die Schulen und Kinderbewahranstalten fiebenzehn Hundert Kinder. klm mit etwa« Erfreulicherem zu schließen, melde ich, daß Herr Emil Leon. Mitglied der Handelskammer in Bavonne. zum Ritter der Ehrenlegion ernannt Inland. Lofoncz, 30- Oktober. In Folge eine« warmen Aufrufe» linscreS verehrten Vorstehers, Herrn Albert Schmied!, wurde in der hiesigen Gemeinte 20 fl. 26 kr. für die Armen in Jerusalem gespendet, und ist dieser Betrag drr Redaktion LeS ,B. Eh * zur Weilerbesörderung zugcmitielt worden. K. Aus dem (?sanstder Komilat. 1. November. Die Notiz aus imfcrm Kcmitale i» Nr. 43 d. Blmuß ich dahin berichligen. daß in der Hauprgcmeiiitc Makü drr Obcrrabbiucr Fischer vereint mit dem ' Gemciiidevorstande Alles aufbiclen, um den Gemeindesrielen zu erhalten, was vcu der klr,ncn Gemeinde zu Baircriya nicht grsagl werden kann, da der junge Rabbiner daselbst togar an yklligrr Stätte und an hohe» Festlogen sich nicht zu beherrschen versteht. Der junge Rabbi ist noch heftiger. als Schammai. während er sich bestreben sollte, sanftmülhig z» sein, wie Hillcl. Oder hält er etwa die Brutalität für ein Aiiribui der Lnhcdorir? In dicsrin Falle müßten wir ihn höchlich detauer». — Prag, 1. November. Seit meinem!epieu Schreiben hat sich in den hiesigin jütischen Berhälluiffen wol manchegeändert, aber das Aequilibrium des GeiiicintelebeiiS ist dadurch nicht alierir» worden: eS geht alles so fort, wie es gegangen ist. Daß die hiesige KultuSge. meintrrepräsclllanz den Herrn Dr. Tedesko an der Stelle des Herrn Wehli zu ihrem Dorsitzcnteu gewählt habe. ist Ihnen schon berichtet worden. Herr Dr. T. ist ein unabhängiger, hier allgemeia geacht-ter Mann, auch Landlagsabgeordiielcr. und besitzt die zur Leitung nöthige Rübe und Unbefangenheit. Die Wahl isi jedeitfalleiue gute. Wir wünsche» dem Hlrrn 1• Ausdauer in dem von ihm angenommenen mit Zeit- und Krasiaufwauer verbundenen Präsidium. Am 16. Noormder findet die in der Josessiadl vorzunehmend׳ Wahl einrS AbgrorLnelen für den böhmischen Landtag an der Stelle des Herrn v. Lämel. statt, der!ein Mandat niedrrgelegt ha». Bonden Persöiilichfeiteu. die im Jahre 1661 sich t»m rin Mandat bewarben, dürsten jetzt nur wenige als Kandidaten ausrreren; di, Derhältuiffe in Böhmen sind nicht darnach angethan. daß ein solche« Mandat etwa« Lockendehätte, und so Mancher wird sich dabei denken: ,C'est de la moutarde aprea diner.“ — Und roch ist e« von höchster Wichtigkeit, daß der Abgeordnete der Josefstabt, der nicht nur dies, letztere, sondern leine im nanzen Lande wohnenden 80.000 Glaubensgenossen zu perireirn unk ihre Rechte zu wahren Hai, nicht nur ein Man» von Intel» lige»; sei und eine achtbare sociale Stellung einnehwe. sondern auch Kenntniß jüdischer Zustände besitze und. worauf iusbesondere zu sehen ist, ein warmes Herz für Judenlhum und jüdische Interessen mit in len Landtag bringe. Denn wahrlich. wie rosig auch am Beginn uu» srrr« konstitutionellen Leben« der Saum des politischen Horizontaage» baucht war. da« ersehnte volle Morgenrotb isi noch nichi herangebrochen. Gebe Gott, daß e« nicht das Abeiidleuchien unserer sinlrndea Hcffnno« gen werte. Dir Nachrichten, die hie und La auftauchen, lassen manche» Wechsel in unseren Verhältnissen besorgrn. Nicht an unso« e«!,egen, wenn auf den Helle» Morgen ein düsterer Abend, aus ein flüchtige« Schimmern trostlose« Dunkel folg,. Darum mögen dir zusammenbrltrn,