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Ben Chananja · 1865-11-08 · 45 (8.11.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
45 (8.11.1865)
Date
1865-11-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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809 810 | 17, 21). Der Sohn der Ruth heißt nicht Elimelech oder j Machlon, sondern Obed. Und nimmt man dazu, daß dieser I Name ein mit Absicht gewählter war: ״Und ihre Nachbarinj uen gaben dem Kinde einen Namen, der sagen sollte, der - Sohn war für Noami geboren, darum nannten sie ihn Obed, ן Diener, Verpfleger (der Noami) (das. 17)"; so folgt daraus, | daß so lange die Namen das Gepräge von Zeit oder Um- I ständen trugen, ein Vererben derselben gar nicht Sitte werden konnte. Aber auch Jahrhunderte später scheint von dieser Sitte keine Spur zu sein. Der Talmud, das Gesetz der LeviratSehe behandelnd, sagt von dem betreffenden, obenangeführten VerS ״Gilt gleich von der ganzen Thara der ereä getische Grundsatz, die Schrift gehl nicht heraus anS ihrem! einfachen Sinne; so wird hier doch durch analoges Schrift« l wort (Gesera schava), die Schrift auS ihrem einfachen Sinne herauSgeriffen." (Jebamoth 24, a). Und verfolgt man die diesbezügliche ganze Abhandlung, so erleuchtet daraus, daß diese Sitte, die wir herzte für säst natürliche Pietät halten, lange gar nicht gekannt oder wenigstens für ganz gleichgiltig für Schrift und Gesetz gehalten wurde. — War 1 daS Vererben der Namen durch die Bibel und bis hinein I in die Talmudperiode nicht Sitte gewesen, so kann eS uns | nicht aufsallen, daß jede Schristzeit von Thora bis Talmud l frische Namen hat. Drei Hauptpersonen verehrt daS Judrnthum i bezüglich der Glaubens- und Gesetzcöabsiammung, Abraham z den ersten Bekenner des Monotheismus, Moses, den Glau- 1 benö- und Gesetzeslehrer, Esra, den zweiten Moseö (San- 1 hcdrin 21, b). Diese Namen wiederholen sich als Personens namen in der Bibel gar nicht und im Talmud kommt nur s der Name Moseö und auch nur einmal vor (Balhra 174, b). r Nach den christlichen Bekenntnißschriflen wäre die Sitte, die I Namen von Eltern und Familiengliedern zu vererben, schon uralt s unter den Inden. ״Und cS war am achten Tage, und sie kämet, s zu beschneiden das Kind, und sie nannten eö nach dem Nas men seines VaterS Zachariaö. Und die Mutter sprach, nein, Jochanan soll er heißen. Und sie sprachen, ist ja Keiner in j deiner Familie solchen NamenS" (Lukas 1, 59—61); doch f eine allgemeine Sitte konnte daS nicht sein, daS spricht heranS auS der so starken Verschiedenheit der talmudischen Namen gleicher Zeit, und selbst auS der Genealogie der Evangclisten (Math. 1, LnkaS 3). Eine gehänftcre Wiederkehr der Namen (Zunz eigene Worte) in derselben Familie gewahrt man erst im 9. und 10. Jahrhundert, und bemerkenöwerth ist die Genealogie von Meschullam b. MoscS b. Je-׳ chicl b. Moseö b. Kleonymuö u. s. w., in welcher drei Jahr- Hunderte hindurch auf 14 Personen 5 Namen kommen. Dieser Gebrauch, der verstorbenen El.tcrn Namen durch die Kinder forlzupflanzen, wurde besonders in der zweiten Hälfte deö Mittelalters (1000—1492) mit religiöser Achtsamkeit beobachtet, und ganz häufig wurden Wiederholungen, wie etwa folgende Stammtafel deö Großvaters des MaimonidcS, welcher sich schrieb Josef b. Isaak b. Obadia b. Salomo b. Obadia." (N. d. I. 45—46). Dagegen ist aber wahr, daß eö lange unter den Juden Brauch war, Namen lebender Eltern oder Woblthäter Kindern zu geben. Nachum hababli hat zwei Kinder vor Verblutung bei Beschneidung gerettet, und die Kinder führten seinen Namen (Schabbath 134, a). Moseö NachmanidcS (13. Jahrh.) verzichtet zn Gunsten deö verstorbenen Großvaters seines Enkels mütterlicher Linie auf das Vorrecht 3), daß der Neugeborne seine» Namen Moseö führe (Tib Gittin auö T. Harasch). Wenn daS Kind den Namen deö lebenden VaterS erhielt, so hieß er zugleich בבאגני, wahrscheinlich vivantc gcnitore, bei Erzeugers Lebzelten (das.). Die Sage will eS dem Testamente deö Jehuda ’) Charaltttiftisch »ft t»r Slu-vruck ,יאע״ם שצריך לקרוחו על שמי (?) Hachasid (13. Jahrh.) entlehnen, daß Kinder nvr nach Verstorbenen genannt werden sollen (T. G. ש״נ litt א aus D. Schemuel). Dieses Testament ist an und für sich fabelhaft geworden *), und .eS fällt überhaupt schwer, anzunehmeu. daß was der große NachmanidcS vielleicht noch in der zweiten Hälfte deö 13. Jahrhunderts als PietätSpflicht erkannte, Jehuda Hachasid einige Dezennien früher, (er starb 1217) sollte strikt verboten haben, wenn dieses Verbot auch nur seine leiblichen Deszendenten zu berühren hatte (das.). Die nun allgenieine Sitte, die Namen der verstorbenen Familiengliedcr beider Haupt- und Seitenlinien auf die Nachkommen zu vererben, — denn die jüdische SatzungS- und RechtSlehre kennt ursprünglich nur Verwandte väterlicher Linie (I. D. 373, 4. E. H. 156, 1. Malm.׳». Ed. 13, a), was auch beim Namenvercrben ursprünglich beachtet ward (Zunz N. d. I. S. 44) und woraus sich auch der obige Nachmanidlsche Ausdruck erklären ließe, — scheint später» Datums zu sein und überhaupt daS Gepräge einer finstern Zeit an sich zu tragen. Im 16. Jahrhundert sind in der christlichen Kirche die Taufnamen entstanden, damit gleichzeitig, denn ein Schranken bringt den andern Schranken, die jüdischen Na« menregister zn ähnlichen Zwecken. Frischen Schöpfungen ward die Thüre abgesperrt, und so ist die doch einmal vorhandene Sitte deö NamenövererbenS nothwendigerweise erweitert worden. Betrachten wir den Sprachcharakter der Namen der Juden bis zn dieser Periode. Die Namen sind integrirend׳.׳ Theile der Sprache. So lange cS eine hebräische Volksspräche gab, gab eö auch unter Hebräern oder Juden auSschließlich hebräische oder jüdische Namen, und so oft die Juden seit dem ersten Eril die Sprache gewechselt haben, so oft sind auch die Namen mit gewechselt worden. Der Talmud hat eine große Wahrheit ausgesprochen: Die Thora ist in allen Sprachen gegeben worden. (Berachvlh 13, a. S. Losaph. das.) Die biblischen Muster der jüdischen Frömmigkeit Mardechai und Esther waren an Sprache und Namen als jübischer Abkunst nicht zu erkennen ״denn er hat ihnen gesagt, daß er ein Jehndi sei" (Esth. 3, 4). Und Esther hat wedcihr Volk, noch ihre Geburt angegeben sdas. 2, 10); ihre Sprache war persisch, ihre Namen waren persisch, nur ihr Geist, ihr Herz war jüdisch. ״Und folgende, welche hinaufzogen auö Tel Melech — und nicht ihr Stammhaus und ihre Abkunft darlhnn konnten, ob sie auS Israel seien (Esra 2, 59)"; auö Sprache und Namen ließ sich daS nicht mehr resultiren. So war auch daS Material, aus dem sie Namen gebildet, ein ganz vaterländisches, unbekümmert um daS anti jüdische BegriffSgehängsel an denselben, daS zeigen die Na« men Nebo, Schablbai, Cherub, Lebana (Esra 2, 45, 59. 10, 13, 15) d. i. Merkur, Saturn, Greif, Mond. Und wie mit aramäischen und persischen, so gingS auch mit griechischen und römischen Namen, unter griechischer Herrschaft nahmen die Juden griechische, unter römischer Herrschaft römische Namen an. Lange vor der gewöhnlichen Zeitrech« nunq (Zunz eigene Worte. Namen der Juden. S. 31 5) ist selbst aus palästinischem Boden der ausländische Name ohne hebräisch aramäisches Geleit ein Eigenthum der hervorragendsten, frömmste» Personen geworden. Dafür zeugen AntigonuS der Mischnalehrer und AntigonuS der König, die Hohen- Priester Aristobnluö und TheophiluS, der Leviten Vorsteher HygroS, der Synagogenbeamte Zeno, BoethuS, der angelebene Priester, die Mäitvrer PappuS und IulianuS, ferner AntigonuS, Hyrkanuö, NonuS, PetruS, Andreas, TituS, die *) S.?öw'« ה0םחח S. 274, Slnm. 128. *) Sieh» auch Löiv's (15ר,ממי S. 1LS—13V «um. GO.

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