Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 43 (25.10.1865)
- Date
- 1865-10-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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777 778 jubelt stattgefunden hat. R. Jakob Tam erklärte sich dafür; Andere, dem Neffen desselben, R. Isaak b. Samuel aus Dompaire, folgend, sprachen dagegen. Die Kontro, verse betrifft aber nicht die Heiligkeit der Sabbathfeier, denn diese wird durch einen Akkordbau auch innerhalb der Sabbathgrenze auf keinerlei Weise beeinträchtiget. Dies geben auch die Gegner unbedingt zu. Ihre Opposition beruht bloS auf folgendem Raisonnement: ״Wenn der Talmud lehrt, daß pauschal übergebene Arbeiten auch am Sabbathe fortgesetzt werden dürfen, so muß diese Konzession nur auf Arbeiten an mobilen oder solchen immobilen Gegenständen eingeschrankt werden, deren jüdische Eigentümer nicht allge-!mein bekannt sind, in welchem Falle durch die Arbeit am Sabbathe kein Aergerniß gegeben wird. Nimmermehr können wir uns aber entschließen, dieö auch auf Arbeiten an solchen Immobilien, z. B. Häusern auSzndehnen, deren jüdische Besitzer Jedermann kennt. Hier liegt die Besorgniß, daß man die Arbeiter für Taglöhner halten werde, so! nahe, daß wir unö derselben nicht zu entschlagen vermögen." 4) Dieses Naisonnement zeigt sonnenklar, daß eö nicht daS eigentliche Sabbathgesetz ist, welches die Diskussion berührt: die Einen wie die Andern geben zu, daß das Sabbathgesetz durch die fragliche Arbeit nicht verletzt wird. Die Kontroverse bewegt sich daher ausschließlich auf dem Gebiete der Anthropologie und Menschenkenntniß. Rabbenn!Tam und seine. Anhänger liegen Vertrauen zur öffeutlichen!Meinung, erwartend, daß eine ganz unschuldige Handlung! nicht der Splitlerrichterei und Verdächtignng anheimfallen; werte. Ihre Antagonisten sind dagegen entschiedene Pessimi-!sten, iiireiit sie nicht verhehlen, von den Glaubensbrüdern nur lieblose Urtheile erwarten zu können. Herr Rabbiner Hirsch schein: für diesen Pessimismus eine besondere Vorliebe zu haben, und bei dem jüdischen Publikum eine gehässige Klatschsucht vorauözusetzen, deren dasselbe gerechter und billiger Weise wirklich nicht angeklagt werden kann. ' Die denkenden Leser dieses Blattes werden es ohne Zweifel befremdlich finden, daß selbst eine religiöse Körperschast, die auö frommen Beweggründen ein Gotteshaus baut, nicht vor beleidigender Verdächtigung (השרא) geschützt sein, , und ihren Synagogenban am Sabbathe einstellen soll, damit die Albernheit oder Böswilligkeit keine Gelegenheit habe, sie der absichtlichen Sabbalhentweihung zu zeihen. Ist eS ja! schon an sich ein Unsinn, dieö einer ganzen Gemeinde zu- > zumuthen, und dem Gedanken Raum zu geben, daß eine Gej samnitheit gegen eine religiöse Vorschrift verstoßen wolle l; Dieser Unsinn wird noch handgreiflicher, wenn man erwägt, daß die wahre Sachlage stadtkundig ist, und Jedermann weiß, ') Toßaf. Sabb. a. a. O. Schtgw. אץ und die Parallelst; T. O. Eh. 244. Drgl. Stfcr Ha-Jaschar Nr. 588. Karo brhauplrt zwar Ri Tam hade bl06 für vir Throne, nicht für dir Prari« eiilschiktrn; 2s« srrlkdcstreilrt dies jedoch : nur sein eigenes Haus habe R. 2alob nicht am Sabbathe bauen taffen. Im Seser Ha-Iaschar finden kch blo« die i koreupten Worte: ואלו בא מעשה הייחי מורה לעצמי Dunkle Kunde von Taw's Meinung s. <8. St. R. Met'r d. Baeuch: ed. Rabbi» ..arowitz Nr. 40t. *) Toß. und X. 0• Eh. an den angkf. Stellen. daß die Arbeiter am Synagogenbaue nicht die Taglöhuer unserer Gemeinde sind, und von dieser weder ausgenommen noch entlassen werden! Diese Betrachtung hat im Sinne der Kasuisten auch wirklich den Nagel ans den Kopf getroffen. Schon im 17. Jahrhundert wurden an manchen Orten Gemeindearbeitea am Sabbathe fortgesetzt, weil man den Leumund einer Gesammtheit gegen die Voreiligkeit anmaßlicher Splitterrichterei für hinlänglich gesichert hielt, und eS mithin überflüssig er, schien, denselben durch besondere Vorsichtsmaßregeln in Schutz zu nehmen. So viel Einsicht besaßen polnische Rabbinen schon im 17. Jahrhundert! Dem Momente der Oeffentlichkeit legten noch viel ältere Autoritäten eine entscheidende Wichtigkeit bei, wie daS von N. Hai Gaon abgegebene, auf die Verpachtung eines Backofens oder einer Mühle bezügliche Urtheil beweist, welcheS in den persischen Gemeinden als maßgebend galt. R.! Nissin b. Nüuben spricht sogar den Grundsatz auS, daß hier die LandeSsitte zur Richtschnur dienen müsse.®) Da nun in deutschen Städten größere Bauten überhaupt nur im Wege deö Akkordes mit dem Bauunternehmer bewerkstelliget werden, so kann eS auch fremden, sich zeitweilig in unserer Stadt aufhaltenden Glaubensgenossen nicht in den Siull kommen, bei der hiesigen Gemeinde eine AuSnähme und Abweichung von dem allgemein herrschenden UsuS zu supponiren! Herr Rabbiner Hirsch hat wol einen Blick in den Magen Abraham gethan, und in demselben nachstehende Be, merkung gesunden: ״Mir schien eS angezeigt, den Bau einer Synagoge im Wege des Akkordes am Sabbathe freizngeben. Ich bemerkte jedoch, das; große Rabbinen hieraus-nicht eingehen wollen, weil die Christen Niemanden erlauben, an ihren Feiertagen öffentlich zu arbeiten, so daß es eine Herabwürtigung unserer Religion (ה7ול ~שם) wäre, wen» wir dieö zuließen (2-1-1, 5)." Diese Motivirung des R. Abra- Ham Ha-Levi verläßt aber offenbar den gesetzlichen Staub- Punkt, um in die Phase eines subjektiven Schicklichkeüoge, fühlS überzugeheu. R. Abraham konnte nun freilich nicht wissen, daß eine Zeit kommen werde, wo in manchen Länder» auch für die christlichen Feiertage der polizeiliche Schutz aufhüren wird. Aber selbst dort, wo dieser fortbesteht, wird kein Unbefangener in den fraglichen Bauten eine Herabwüroigüng der jüdischen Religion finden können, da ja dieser Schutz nur wirkliche Sabbathschändung verhindern will, und eine solche Schändung in dem vorliegenden Falle, wie wir sahen, selbst für daS skrupulöseste Gewissen nimmermehr stallfindet! Wir sind darauf gefaßt, daß Herr Nablsner Hirsch gegen diese sachgemäßen und einleuchtenden Argumente die ganze Wucht seiner schwülstigen, mit mystischer Symbolik geschmückten Phraseologie aufbieten und in Bewegung setzen wird, um eine Opposition gegen unfern hochgeachteten Lan- ') Mag. Stbr. 244, 5. nut Bttufung auf 3 רמ“א• D,a 141, 4.:. בישל רבים ליכא חשרא י) Nlffiw Stb. Zara 1. Slbschn. Elld». Tur und iS. Jos. O• Eh. 243.