Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 42 (18.10.1865)
- Date
- 1865-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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741 74S Inland. Wien, 15. Oktober. Friedrich Schey Edler von Korowla er* hielt da» Kommerdrurkreuz zweiter Klaffe de« großherzoglich hessischen Ludwig.Orden». Die 91״nu freie Pressebringt die Frage der Misch, ehr*) zur Sprache. Szegedkn, 14. Oktober. Die hieflgr jüdische Zugend Hatzum 25sährigeo Jubiläum de« Rabbiner» 300 fl. zusawmengeschoffrn, welche zur Gründung der Geweindebibliothek verwendet werden. Zuglcich baben fich di» jungen Leute anheischig gemacht, einen jährlichen Beitrag zu diesem Zwecke zu spenden. Za der von M.Kteinmann trefflich abgefaßten «ng. Adresse, welche dem Zubilar am Simchath-Thora»Ab,nd von einer Deputation überreicht wurde, wird der Wunsch ausgesprochen, daß dir Bibliotbek den Namen de» Jubilars führe. Herr Zfidor Rosenberg. Zurist, dielt im Namen der Zugend eine griff» und gemülhvollr ungarische Ansprache an den Zubilar, die letzterer mit anerkennenden und auf» munternden Worten erwiderte. Groß-Kankzsa, 7. Oktober. Ehrwürdiger Herr Kollege! Mit Bezugnahme Ihrer Mittheiluog in Nr. 39 de» ״B. CH.- muß ich ge» stehen, daß mich der Umstand, daß eine Gemeinde, welche erklärt, jede kultuelle Neuerung, wie auch den Chorgesang, vom Gottesdienste auSzu« schließen, in der rituellen Bimasrage fich an rliien Mann wendet, der ,S gewagt, dem Libanon eine andere geografische Lage und dem Worte ״Nopel" eine andere Bedeutung zu geben, als der sel. Rabbi MoseS Soser. höchlichst m Erstaunen setzte. Noch mehr aber Ihr eriheilte« Gutachten, so viel immense Gelehrsamkeit e» auch enthält und so richtig e» auch in allen seinen Theilcn ist. Dor wenigen Zahreu gelangte an mich eine ähnliche Frage, und zwar doppelten Znhalt«. nämlich: ob in einer orthodoren Synagoge die Bima aus der Mitte weg» gerückt und die Verfitze nach Osten gerichtet werden dürfen? Und mein ertbrilteS Gutachten war dem Ihrigen ganz entgegen. Zch erlaube mir, Ihnen dasselbe uiitzutheilen und Sie zu bitten, es in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehwen. ״Zch verstehe unter jüdischer Orthodvrie rin strenges Festhalten an den talmudischen Ueberlieserungen und keine Neuerungen zuzulaffen, welche talmudisch nicht begründet find; sonach zähle ich die hiefigc und alle ihr ähnliche» Synagogen zu den orthodoren. und zwar nicht obwol, sondern,:»eil Chor und Orgel den Gottesdienst verherrlichen und weil Marabith und Pijutim lheils abgeschaffl, theils reduzirt sind; denn diese Einrichtungen wurden bereits von mir in meinen Werken und in verschiedenen gedruckten Aufsätzen durch talmndische Aussprüche und Prinzipien begründet; und möchte ich auf jene, welche diese sogenannten Neuerungen, die aber im Grunde uralt find, perhorresziren, die Worte des Proseten anweuden: ״Bringe es Loch deinem Fürsten dar. ob er ,« gnädig ausnehmci, wird? ״So irgend eine Feierlichkeit in Anwesen» hei« hochgestellter Männer andern Glauben» stattfindea soll. wird in solchen hyperorthodoren Gemeinden ein Chorpcrsonal und ein Prediger berufen. Nach dieser Auffassung de» Begriffes Orthodvrie gibt ,» in unsrem Reiche mit ollen seinen Kronläuderu keine einzige Syna» gogr. welche nicht eine orthodore genannt werden könnte, die einzige, die »S gab, nämlich der sogenannte Reformtempel zu Pest, wurde ge, schlossen. Da aber Ihr» Gemeinde, indem, wie Sie mitlheilten, dieselbe fich dahin einigte, eine kultuelle Neuerung und Chorgesang niemal» aufkomwea zu lassen, den Begriff orthodore Synagoge dahin aufzufaffen scheint, daß Alle« streng beim Allen bleibeu muß. vielleicht auch der Lärm und die Unordnung, welche leider das Sprichwort hervorbrachieu: ,E» geht zu, wie in einer Zudenschule-, so muß ich ganz offen erklären, daß nach dieser Auffassung die. welche gegen die Verrückung der Bima und dir Errichtung der Detplätze nach Osten streiten, im vollen Rechte find; in einer derartigen orthodoren Synagoge müssen beweglich» ״Stäuderßsein, und muß die Bima in der Mitte bleiben. Zu NikolSdurg wurde im Zahr» 1834 die sogenannte Zugeudschulr reoovirt, und wollten die Vorsteher fest, Betfitze nach Osten gerichtet machen, «ogeaeu aber der sel. Rabbi NehemiaS Treditsch streng opponirte. Zch war gerade damals dort, und auf me,ne Frage, auwelchem Grunde dies, Oppo» *) S. hierüber ״B. CH.- 1362. Nr. 23. 24. 25. 26. 30. 31. 34. 36. 37. 43. 44. 46. 47. 48. fltio» stattstnde. antwortete mir der sel. Landrabbiner, diese Neuerung könnte zur Einführung eine» Chor« verleiten. Dieser Ausspruch ist voll» kommen begründet nach dem Worte de« Talmud«: ״Fort» fort» rufe mau dem Naziräer zu, dem Weinberge nahe dich nicht.- Sonach ist i« einer sogenannten orthodoren Synagoge jede Neuerung, möge fir noch so sehr talmudisch zu begründen sein, zu vermeiden, und ist fi» jo ein« zurichteo, daß die Einführung eine» Chore» zur Unmöglichkeit werde-... Nachschrift de« Red.'s. Bei aller Hochachtung, welche unSdie Gelehrsamkeit und Erfahruug unsere« verehrten AmISbruder» und Frrun« deeinflößk, müssen wir ihn dennoch bitten» fich in den ungarisch-jüdische« Gemcilideii umzusehen, um sich zu überzeuge», daß enamentlich in Bezug auf synogogal, Einrichtungen thatsächlich verschirdene Grade der Orthodvrie gibt. Man sollte glauben, daß in Preßburg, wo der größte Theil des Chatam Soser geschrieben wurde, der höchste Grad vertreten sei. Dem ist aber nicht also: die fatalen Thürmlein verhindern mehr denn Ei»»» orthodoren Rabbinen, die Preßburger Synagoge zu be» treten. Der einheimische Rabbiner besucht dieselbe zwar; dies geschieht aber nur. weil er weiß, daß die Gemeinde die Tbürme vernichten werde, so daß schon jetzt כחותי מיכתת שעור«״! Aber selbst unter den mildesten, zu gottesdienstlichen Verschönerungen grneigteu Ortho» doren — wie sie unser sehr gelehrter Freund bezeichnet — herrsch« uichtSweniger als llebereinstimmung. So ist;. B. in Betreff der Orgel, dre in dem obigen Gutachten ebenfalls erwähnt ist. ein Positiv, Kom» parativ und Superlativ leicht zu erkennen. Der Positiv hat seinen Sitz in Groß-Deeskerek, wo die Orgel nach Lccha Dodi aus orthodoren Mo» tiven verstummen muß. Der Komparativ ist Ul Pest und Gr.-Kanizsa einheimisch, wo dieselbe sich auch am Sabbalhe höre» läßt, aber von einem Christen bedient wird. Die Araber Synagoge besitzt den Super» laiiv: eine» jüdischen Organisten! Läßt nun die Orthodorie so viele Schaitirnngcn zu, so läßt fich sowol über die eine oder andere Spezialität eine Erörterung führen. NebrigenS find solche Erörterungen für di, wissen» schaftliche Erkcnntniß der Dergangenhrit und mithin für die ReligioitSgeschichte nicht ohne Nutzen und Interesse. Makö, 8. Oktober. Leider ist ,S zwischen unseren wackeren Vorsteher» und den hartnäckigen Vertretern de- ChaßidäiSmiiS zu schmerz» lichen Kollisionen gekommen. Mögen die ersteren sich nicht entoiuthigen lassen und der Starrheit gegenüber die Bahn des Fortschrittes energisch und muthig betreten. Nechnitz, im Oktober. Geehrter Herr Redakteur! Beiliegende 36 fl. ö. W-, die ich für die ungarisch-jüdischen Glaubrnsbrüder Zerusalcms in der hiesigen Gemeinde gesammelt, wollen Sir nach Abzug der Portogebühr im Name» der Rechnitzer Gemeinde ihrer Bestimmung zusühren.') Zch erkaube mir, Zhnen diese« Geschäft zu übertragen, weil ich wabrgtnommen habe, daß die bisherige Versendung und Verweil» düng der nach Zerusalew bestimmten Gelder nicht die korrekteste ist. So lebt ein Familienvaler ans unserm Komilate (a»S Sürvür), Namen« Scheir Singer, Schwiegersohn des berühmten R. Amram, längere Zeit in Zerulalem. und dennoch wurde er laut seiner Angabe bei der Ver« thrilung entweder ganz übergangen oder doch verkürzt. Seine Vorstel» lungen blieben ohne Erfolg. Zn Folge dessen besuchte er bereit« zwei» mal unser Komitat, so daß den jüdischen Einwohnern der hiesigen Ge» genv nicht« ander,« übrig blieb, als die sür Zerusalem bestimmten Gel» der dem Verkürzten zufließen zu lassen, oder sich doppelt zu besteuern. Auch folgender Umstand scheint mir «rwähnenSwerth. Don »ini. gen .hiesigen Gemeiudegliedern wurden klein, Spenden via. Sisenstadt nach Jerusalem geschickt, und liegen einig, dem Herru Abr. Frankel übermittelten Quittungen vor mir. Dessenungeachtet erhielt ich im März •) Die für Jerusalem bestimmten, mir zug,sendeten Gelber sende ick oh üe Abzug der Portogebühr an meinen edlen Freund,Hr«. Albert Kohn in Pari«. Dieser Name allein reicht hin. die from» wen Spender zu beruhigen. Die Spenden wurden bisher in den ״Ar» chiveS Ziraelit,«- und im ״UniverS Israelit," veröffentlicht, und werde« io Zukunft auch im ״B. CH.- veröffeutlicht werden. Diejenigen Sp,ader. welch« Quittungen au« Zerusalew zu empfangen wünschen, wolle» mir dielen Wunsch zu rrkeuoen geben, und e« wird demselben wiNsahrt werden. Zch Hab, erst vor einigen Wochen einige solche Quittung»« den Spendern zugestellt. Red.