Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 42 (18.10.1865)
- Date
- 1865-10-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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743 744 1864 (io Schreiben au« Jerusalem. welche« voa alle» Borstand-mit» gliedern de« KolN schel Peruschiw unterzeichnet war und worin darüber geklagt wurde, daß voa Rechnitz noch oiemal« UoterstützungSgeldrr nach Jerusalem kamen. Also nicht einmal dir Stellung eine« Charbonah wurde der hiesigen Gemeinde zugedacht!! Hoffeutlich werden Sie sich daher der kleinen Mühewaltung un» terzieheo und die« um so bereitwilliger, al« die erwähnten Beschwerden gewiß auch anderswo Aoklaog finden werden. Dr. M. Zipfer, Oberrabbiner. W. Neutra, 10. Oktober. In Wiener und Pkster Blättern find über die Vorgänge. deren Schauplatz die hirflge Synagoge am 7d. war. mit uogebeuren Uebertreibungen geschildert. In Wahrheit gab e« weder zwei Getödtete. noch einen schwer Verletzten. Nichtsdestoweniger bleibt auch das. was sich wirklich zutrug, traurig und nieLerschlagend genug. Der wirtliche Verlauf ist in!kürze folgender: Da der vor Kurzem aufgcnommene Kantor Stößel nach der neuern Chormethode trrff,!ich vorzubeten versteht, trug ihm der Vorstand ans, am 7. d., einem Sabbathe, nach dieser Methode vorzubeten. Der Akt wäre von der bei Weitem überwiegenden Majorität der Gemeinde nicht beanstandet, von einem bedeutenden Theile der Kontribuenten mit lebhaftem Beifall auf, genommen worden. Aber die Herren Mol'eS und Sigmund Schönfcld meinten, daß sich hierin ihrer orthodoren Opposition ein schöne- Feld öffne. Der Kainor halte da- Mußaf-Gebet kaum begonnen, als er von heftigem Zischen und Poltern iiliterbrochen wurde. Der Sohn de- Herrn Sigmund Schönfeld ging in seinem orlhodoren Eifer so weit, daß er׳ ein, ibn um ein ruhiges Betragen ersuchendes, Gemeindeglied mit einer so erfolgreichen Ohrfeige zum Schweigen brachte, daß!ctzlerer einen ganzen Tag daS Dett hüten mußte. Endlich erschien d-r Zeutral-Sluhlrichier v. Janiis und der GoiteSdienst wurde ohne Störung zu Ende geführt. Wie lief das Delrübniß der hiesigen Gebildeten ob dicsrr Erzeffe ist, ist leiebt zu ermessen. Aus Böhmen, im Oktober. Herr Mose- Porgc- Edler von Port he im in Prag hat von Sr. Majestät das Ritterkreuz de- Franz Josef-OrdeiiS eibalten. Der Mathematiker Koralrs hat der Kolliner Ge» mrnlde 500 st. zur Vertheilung an Arme gespendet. Die ״Deborah" ist von Prag nach Wien übersiedelt; die Redaktion des ״Abendland" hat Herr Dr. Ehemann übernommen. Brvdy, 4. Oktober. Die ״Presse" vom 24. v. M. Nr. 264 enthält elneii Bericht über Erze sie. welche in der hiesigen jüdischen Gemeinde bei einem Begräbnisse sollen staitgesiliive» haben. Dieser Bericht ist, wie ich Sie versichern kann, ganz aus der Luft gegriffen. Schulwesen. N- MiHkolcz, 9. Oktober. Soll die Wahrheit nicht umgangen werden. so muß ich gestehen, daß wir diesmal iu den Akkord der erfceulicheu Prüfungsberichte nicht ganz mit einfallen können. — Nicht tlwa, als ob die Herren Lehrer in ihren edlen B-strebungen erschlafften und die Flügel hätten siuken lassen, keineswegs! Wäre dem der Fall, so würden jene 50 fl., die der hiesige löbl. Sparkaffeoerein dem löbl. Schullomilü zu Schnlzweüen spendete und dir von letzterem wieder al« Prämien für die dei nächster Prüfung sich anSzcichlienden Lehrer destimmt wurden. selbes nicht. wir der Ring NathauS io Verlegenheit gebracht haben, so daß das Schullvmiiü sich endlich dazu entschließen mußte, besagte Summe gleichmäßig au die Herren Lehrer zu veriheileo. Die unvorhergesehene Ankunft deS neuerwählten ObergespaoS um die festgesetzte PrüsungSzeit nahm den Vorstand, das Schulkomilä. sowie überhaupt alle Gewüihrr so sehr in freudigen Anspruch, daß gegen di» Prüfung nicht nur ein völliger JubtffereutismtiS sich kund gab. sonder» in derselben eine Deroute Platz griff, die Len ganzen Zug entgleiste. — Erging e« ja doch uuserm choralmäßigen Gottesdienste, wir jüngst der hiesige L.Korrespoudent bemerkte, am Neujahrs- und Versöhnung«- lag« auch nicht besser, wurde dieser doch gerade bei dem befruchtenden Geschem vou einer Geistesschwäche überfallen; aber so wie dieser be» reit« aus drm Wege der Rekonvaleszenz begriffen est und mau es heut» der künstlerischen Gesang-weise unseres wackeren Kantor« nicht i, mindesten mehr abwerkt, daß sie letzthin in den polnischen Jargon überschlug, ebenso wird unsere Schule durch dtesen Zwischenfall a, ihrem oft bewahrten guten Rufe kein» Einbuße erleiden. 8. Müte-Szalka, im Oktober. Unsere Schul« ist im Fort» schritt« begriffen. Lehrer Horowitz und Willheimee wirken gewissenhaft. Rabbiner Koho hielt am Schluffe der Prüfung eine treffliche Rede. Replik. New-York, am 12. Sept. 1865. Herr Redakteur! Zn Ihrem geschätzten Blatte vom 12. Juli 1665 findet fich eine Korrespondenz aus Prag über die kultuellen Zustände der ״neuen Welt", welchen ich mir erlaubt, in soserne er dlos mit meiner Person zu thu» bat, zu bericht,gen. Daß ,ch die« erst h.itte thue. ist Ursache, daß ich Ihr geschätztes Blatt nicht selbst beziehe, und erst jetzt von einem guten Freunde aus diese» Artikel ausmerkam gemacht wurde. Ich weiß eigeut» lich Nicht recht. wofür ich mich bet Ihrem Herrn Korrespondenten erst zu entschuldigen habe, ob erst dafür, daß ich Rev. Dr. genannt wurde, und dann, baß ich eine Rede gehalten habe und Priester der Gemeinde bin? Ich will mich kurz fassen. Die Gemeinde, an der ich als Kantor und Regenöchori äuge» stellt bi», hat erst vor unaesLbr 1'/, Jahren ihre» Tempel gebaut, wich vor 8 Monaten in obiger Eigenichasl berufen und angestellt, und destrebt sich jetzt. einen tüchligen nnd befähigten Prediger und Rabbiner auzustellen; hiermit ist also hinlänglich gesagt, daß ich nicht Prediger und Rabbiner hier bin nnd auch nicht als solcher gelte» will. Nach dem Tode LliikolnS wurde von dem ihm nachfolgenden Präsidenten eine Trauerzeremonie für alle Kirchen der Vereinigten Siairu au eiuem Tage augeordiiet. Ich studirte mit nreiiicm Ehorperional entsprechende Choräle ein und wollte auch paffeiide Psalmkapitel vortragen; doch der Präsident meiner Gemeinde machte mich darauf aufmerksam, daß irgend eiu deutsches Gebet dei dieser Feier wegen der vielen Aiiweseiiben nichijüdischer Konfession Nicht fehlen rollte. Ich wendete niich deshalb an den geehelcn Herrn Dr. Adler, Prediger der biesigr» Resornigemeinde. welcher mir berrilwilligsi den nöthigen Haupltert gab. wonack ich ein Gebet für das Seelenheil LiskolnS vor geöfflieker Ladr vorlrng. Eincm Berichtersiatter drS hiesigen Blalies ״Demolrai". der bei dieser Feier anwefend war. beliebte r«. mich Rev. Dr. zu nennen und für dr» Priester der Gemeinde dielt derfclbe driijenigk״, der alle geistliche» Funktionen in derselben verrichtet. Genehmigen Sie die Bersichcrung. »nd ich kann Zhnen die glaudwürdlgsten Zeugen aufsühren, daß ich mich hier nicht als Prediger und Dr. rmfi'lhrlc, ich habe das auch durchaus nicht nöthig. denn meine Leistuo« gen als Kantor werden hier sehr geschätzt. Ihr Hcrr Korrespondrat irrt sich abrr gewaltig, wen» er meint, daß die kultuelle» Zustände hier so sehr an Jugendlichkeit leiden, daß irgend rin Unbefähiglrr gut genug wäre, dir Kanzel zu beherrschen. — Ich habe Beweise dafür und tau» cs verbürgen, daß dies iu Prag rher der Fall sein kann — als hier. Was ״,einen DokloiStiiel betrifft, uieiiit Ihr Herrr Korrespondent, ich habe ihn auf der hohen See erlangt? Wäre cS denn nicht möglich. daß ich selben auf meiner Nrise irgend in Deutschland erkauft haue? Ich war aber zu lange Kaufmann «lud weiß, wa» solche äußerlich glänzende Waare werlh ist, die wol momentan Kunden anzieht — aber dieselben ebenso rasch entfernt, sobald sie den Inhalt de« Paquei« entdecken. Ich bitte nun schließlich. diese Zeilen zu meiner Rechlfeettgung in Ihrem geschätzten Blakte aufzunehmen, da es sehr kränkrad für mich wäre, wenn weine lieben Landsleult meinen sollten, daß ich mir falsche Xitel beilege. Ich erlaube mir nochmal« hervorzuhebeu, daß meine Gemeinde (Ahawaih Chesed) genannt, tinen tüchligen Perdiger aufzunchmen wünscht und für einra solchen «nrn Gehalt vo» 2500—3000 Dollar festgesetzt hat. nähere Auskünfte erbiete ich wich, zu erihtilen. Genehmigen Sle die Derficherung meiner desouder» Hochachtnug, mit der ich zeichne Ihr rrgedenstrr Lawaol Welsch, Kantor io New-V»ck 33. St. Nro. 265. Nest detw. S. und 10. Ar. Bemerkung. Heriu Rio Hannover, Herrn S. in Neutra und Herrn א״ת in Pest. In btt nächsten Nummer. Sz-a-din, Leipzig, Ztldßvtrlag der Brtufctloo. Soma-iNion,.»erlag von Franz »agnrr. Druck von Sigmund Burger io Ezrgedi».