Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 37 (13.9.1865)
- Date
- 1865-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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661 662 lag des ElulnenmonbS ruft dir 8rü8rm morte zu neuem Leben wach, den Reigen der religiösen Ererzitien eröffnen die Predigten, welche an diesem Tage die Rabd. Ra poport uud Freund abhalten. Ersterer spricht aus dem neuen Friedhofe. Nach der Intention des seligen Stifters Gadel Zappert (gest. 1707) soll der Ernst des OrteS die Wirkung dieser Elulerhortation steigern. Rapoport sprach Heuer bo sonders konservativ und ermahnte Angesichts der Destrebungen der ״deutschen" Rabbiuen, jeder Neuerung streng den Zugang zu verwehren. Wer sich auf dem neuen Friedhofe umsieht, und die vielen Verbesserungen und Veredelungen der Einrichtungen wahrnimmt, die von dem strebsamen Norstände der חברה קדישא von Jahr zu Jahr getroffen werden, der muß sich beim Anhören einer solchen streng konservaliven Predigt innerlich sagen: ״Wie weit liegen doch Theorie und PrariS auseinander!" Selbst daS Sträuöchen auS dem Blumengärtchen deö FriedhoseS, welches dem Oberrabbiner nach der Predigt gereicht wird, eS sieht so jung, so frisch und blühend auS, als wäre eS ein lebendiger Protest gegen diesen starren Konservatismus! Mehr AuSbeute an Novitäten, beinahe hätte ich gesagr Kuriositäten, lieferte die am Abend desselben Tages von Rabbiner Sam. Freund abgehaltene Predigt in der Ziegcunersynagoge; da hörten wir literärhiftorische Notizen, die wir in ZunzenS G. V. vergebens suchen; z. D. warum wird vor der Aggada vom Darschan zuerst Charifuth gesagt? Wollen Sie im 20. Cap. dcS genannten Buches von Znnz die Antwort schöpfen? Sie finden nicht die rechte! Rabbiner Samuel Freund sagt: In der Aggada lehrt man Mussar, wer Mussar lehrt, den hält die Welt für meschnga, um aber der Well zu zeigen, baß er nicht ganz meschuga sei, nimmt der Darschan seine sieben (?) Sinne zusammen, und sagt zuerst Charifuth! (Böse Leute wollen behaupten, daß da der Schegan erst recht zum Vorschein komme!) Nun noch etwas Etymologisches aus derselben Drascha: ״Warum sagt man, wenn man auS einer deutschen Predigt kommt ״ich bin erbaut!" Weil wer als keiner Poschea hieneingeht, zum großen Poschea er- oder aufgebaut berauökömmt! Und daS sagt Herr Rabb. F. in einer Gemeinde, wo der moderne Raschi seine strengorthodoren deutschen Predigten hält! ob orlhodor oder heterodor, keine Gnade der deutschen Predigt! Zur Ehre unserer Gemeinde aber fei es gesagt, wir zweifeln sehr, ob unter.Jung und Alt Herr Rabbiner Fr. auch nur einen Gesinnungsgenossen in diesem Punkte finden wird! Wer aber ist der moderne Nasch i? Unter der Ueberschrisl ״toldorh Raschi" beschreibt ein Biograf vr. KämpfS Leben im ״Hammagid", und wir müssen gestehen, der Herr Professor sucht, seinem mittelalterlichen Namen Ehre zu machen; so erzählte man mir bei meiner jüngsten Anwesenheit in Teplitz, Di־. Kämpf suche daselbst den Preß« burger Rabbiner in FranzenSbad treulich zu kopiren, seine erste Sorge war, ein HauSminjan zu reqniriren, und alö ihn Einer der Gepreßten fragte: warum er denn den hiesigen Tempel nicht besuche? da erwiederte der indiguirte Professor: wie man ihm zumuthen könne, je einen Tempel zu betreten, im -welchen ,korr'idAö dictu‘ um Sabbath die Orgel gespielt wird. Diese bcllige Scheu Hielt atott Heu modernen Naschi nicht ab, einige Tage später in demselben Tempel 8UL 8pont6 den GeburtStag des Kaisers zu zelebrirea. Zur Vervollständigung der oben erwähnten Biografie will ich hier noch bemerken, daß für Herrn Prof. Kämpf ein nagelneues Ehrenamt erfunden worden ist. Sie haben wohl schon gehört, daß N. N. zum EhreNMitgliede eines Vereins, allenfalls auch zum Ehrenbürger einer Stadt gewählt wurde, wenn ihn auch seine Stellung hindert für diesen Verein ober diese Stadt thätig zu sein; aber Sie werden rö in neuerer Zett wenigstens noch nicht gehört haben, daß Jemand znm Ehrenfokalrabbiner ernannt wurde, der nicht in der Lage ist, den Obliegenheiten seine- Amtes gerecht zu werden. Herr Prof. Kämpf ward zum Ehrenlokalrabbiner von Smichow erwähl»; nun kann der Herr Professor den Prediger der Tempelgemeinde zu Prag und den Lokalrabbiner auS Smichow zugleich fpaziren führen oder in- Bad schicken. Wie aber kann der vielbeschäftigte Herr, der nur selten daran kömmt, in seinem Tempel zn predigen, gleichzeitig die Funktionen in einer andern Gemeinde versehen? Ist denn wirklich ein Lokalrabbinat nichts weiter, als eine Sinekure? Trübselig lächelt unS gar manchar Lokalrabbiner auS Böhmen die Antwort zu: "לא שרתח אלא עבדות!" Schulwesen. Trier, den 13. August. Bei meiner Rückkunst von Bad Em« finde ich ein mir zug,sandte- Flugblatt (»inen halben Dogen) vor. überschritben: ..Der Derein zur Uuterstützuug hilfsbedürftigten Lehrer. Leheerö-Wltwen und Waisen in Deutschland״, und unterzeichnet: ״vr. A. Kroneberg. Leichlingen im Juni 1865.״ Da ich in Nro 12 de- ,.B. CH." das von diesem Vereine herau-gegebene Jahrbuch Achawa. so wie den Verein selbst empfohlen, ferner die Lehrer meines Bezirke« auf. gefordert bade, sich an dem Vereine zu betheiligen und endlich, meinem Freunde, dem Vorsitz ende» des HanptcomilSs Rabbiner vr. Rothschild in Alzey, auf reffen Ersuchen meine Mitwirkung vorzüglich in der Verbreitung de« Jahrbuches zngesagt habe; so halte ich mich verpflich- »et den Hauptinhalt diese« scharf und sarkastisch geschriebenen Flugblat. «eS miizulhcilen. und zwar nur in der Abficht, die Mitglieder des HaupteomilöS hindurch zu veranlassen, den Inhalt jene« Flugblattes jw Interesse des Verein« im ״B. CH.״ zu wiederlegen, zumal grnaooteS Blatt, wie ich vernommen, sehr verbreitet ist. Herrn vr. Kronenberg war eS neu und intressant, daß dieser ursprünglich hessische Verein, zu welchem der rheinisch-westfälische im Jahre 1856 gegründete (zu dessen Stiftern der Verfasser fich zählt) Anregung und Muster gegeben haben mag — ganz Deutschland unfaffrn solle, da bei Gründung des rhein.-wrstfäl. Vereines die Ausführung einer weitern Ausdehnung desselben für unmügUch gehalten wurde. Er fand fich aber beim mehrmaligen Durchlesen der Statute» ״schmerzlich getäuscht;״ er begriff zwar einigermaßen den Sinn derselben, aber ganz und gar nicht die Menschen, die fie entwerfen sollen. Die Hindernisse, welche 1856 unübersteigbar vorhanden waren, liegen noch da, wie vordem, berghoch. Dir Gründer d,S Vereine« für Deutschland sehen fie bto« nicht, fie ignoriren fie. ״In der That, solche Statuten find wol noch niemals entworfen worden. Sie find so voller Mängel, Dekehrtheiten und Widerfiune«, fie statuiren solche Unmöglichkeiten, daß e« kaum denkbar ist, wie vernünftige Männer im Ernste darauf einen Vrreln bastrru wollen, daß man die Erwartnng nicht begreifen kann, dafür die landesherrliche Genehmigung zu erhaltru.״ Diese herben Worte sucht er zu rechtfertigen, indem er fich ohne die Statuten Paragraph für Paragraph durchzugehen, mit folgenden 4 Pnnklra beschäftigt: 3) Mit der Verwaltung des Vereine«, d) dem Haupt» cowilS, c) der Generalversammlung und 6) den Bezirk«» ad 3) Die Statuten lassen in Zweifel darüber, wer da« Finanzwesen zu leiten habe; fie gehen mit Schweigen über jede den Derein«- Mitgliedern gegenüber zu stestende Sicherheit, Eaottoa oder dergleichen hinweg. Eie sogen: da« Derriosverwögen soll ta SlalSpapieren sicher und verzinslich angelegt w,rd,n (VI. A. 8.) und da« HauptcomitS wählt die Comisfion zur Prüfung der Bilanz.״ Nach VI. A. 2. iA i« kein Zweifel. daß da« HauptcomitS oder »in Mitglied desselben da« BereinrvermSgen verwaltet. Da«s»lbr muß duechau« StatSpapier» kaufen. Warum ist jede andere vortheilhaste Playirung der Gelder ausgeschlossen? Nun habt Ihr dir Stat-papiere, welche Sicherheit bietet Ihr dem Vereine, daß dieselben nicht durch Feuer oder Wasser«» ooib. durch Dieb« u. f. w. abhanden kommen, oder daß nicht «nmal