Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 37 (13.9.1865)
- Date
- 1865-09-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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659 660 Winnen, daß wir eS hier mit jener Unbesiegbaren zu thun haben, gegen welche, wie sprichwörtlich geworden, die Götter selber vergebens kämpfen! ״Verjüdung deS christlichen States" ist der Name eines SchriflchenS, daS in 3k kleinen Oktavsekten fünf Millionen Menschen aller ebleru menschlichen Eigenschaften zu entkleiden und als gefräßige Raupen am grünen Banme der Menschheit darzustellen sucht! Der anouyme Verfasser stellt sich nicht auf den dogmatischen, sondern auf den rein Humanitären Standpunkt; hören Sie zu Ihrem Tröste warum: (S. 27.) ״DaS Eisern klerikaler Blätter gegen die jüdische Presse ist, weil vom religiösen Standpunkt allein ausgehend, größtentheilS unrälhlich, denn cS frommt zu nichts, eS schadet sogar mehr, als eS nutzt; gegen diese jüdische Presse muß einzig und allein vom humauitären Standpunkt aus geeifert werden!" Wir sind dem Verfasser für diese Zeilen verpflichtet, denn wir lernen daraus, daß die Schaar der ״Frommen" nicht eben im Wachsen begriffen ist; aber zum Danke für seine guten Nachrichten, möge der Verfasser von uns erfahren, das ein Frack zu kurz ist um eine Kutte zu bedecken, und so sehr sich der Anon. auf den ausschließlich Humanitären Standpunkt stellt, man erkennt doch aus den ersten Blick in ihm: die Kirchenzeitung im Fracke! und wir hoffen, der unmenschliche Eifer, den er auf seinem Humanitären Standpunkte entwikelt, wird -ihm eben so wenig fruchten und nützen, als den klerikalen Blättern ihr dogmatischer Eifer! — Am meisten eifert dieses Büchelchen gegen jüdischen Geist und jüdischen Witz, und eS hat auch ein Recht gegen beide zu Felde zu ziehen, denn eS ist mit keinem von diesen beiden behaftet; Sie suchen darin vergebens nach Geist, und finden unter der fahlen Asche deS längst verpufften Zündstoffes auch nicht daö kleinste Fünklein Witz! Man könnte über den schwach, köpfigen Raisonncur lachen, man könnte ihn einen gulmüthigen ״Kerl" nennen, wenn er nicht gar so plump boshaft wäre! Beweis seiner Bosheit: den Grund allen UebelS beim Juden findet er in dem Mangel an Liebe, der Jude ist nicht fähig zu lieben, er lebt für seine Familie, aber — er liebt sie nicht; er lebt für die Kunst, für die Wisienschaft, für den Siat, er wirkt und opfert für sie, aber — er liebt sie nicht! (S. 18—21.) Was sagen Sie zu dem hnmauitäreu Standpunkte dieses Manneö? Er erkennt die Thatfachen an, aber er begnügt sich mit den Thatsachcn nicht, er will auch die Motive — und das Moriv der edelsten Handlungsweise ist beim Juden nie — die Liebe! warum? 6ar tel est notrc plaisir! So will eS die Kutte im Frack! Wer doch diesem Menschen aufgeschlossen hat diese fünf Millionen Herzen, daß er so genau darin lesen, konnte, warum sie für Familie, Etat, Kunst uud Wissenschaft leben, wirken und opfern? gehört er zu den Kindern oder zu den Narren? Andere Profeten gibt. eS ja seit Zerstörung des Tempels nicht! Zu den Boshaften gehört er gewiß! — Aber er wird in seiner Einfalt auch verdammt gutmüthig; dafür wollen wir noch aus dem Büchlein den Beweis führen, und dann bleibe dieser Mann auf seinem erhabenen, Humanitären Standpunkt von unS weiter ungestört.! ״Die Presse, die Presse ist verjudet!" DaS ist die schmerzlichste Wunde, an der die schöne Seele des liebesprudeluden BerfasserS kranket und S. 29 strömt er seine schwere Pein in folgenden herzzerreißenden Worten aus: ״Ereignet sich irgend Etwas, daS auf den Menschen im Allgemeinen und auf den der Zivilisation insbesondere ein schlechtes Licht wirft" (Riechen Sie schon den Braten? der gute Mann schiebt Ihnen denselben weiter unten näher unter die Nase!) ״so bemächtigt sich die jüdische Presse eines derartigen MomenteS unverweilt, und stellt eS mit mühsam unterdrücktem schadenfreudigem Hohnlachev zur Schau!" (Hier ist klar ausgesprochen, daß die jüdische Presse muthig und ungescheut aufdeckt und geißelt Alles und Jede-, waS das Menschliche im Allgemeinen und die Zivilisation insbesondere zu verunglimpfeu im Stande wäre! Ist das nicht gutmüthig von dem Manne? Um dieser Gutmüthigkeit willen, wollen wir ihm daS eingeflochteue Gänseblümlein von dem ״mühsam unterdrückten schadenfreudigen Hohnlachen" gerne Nachsehen! Doch hören wir, der gutmüthige Verfasser fährt fort im Lobe der jüdischen Presse.) ״Dringt die Naturwissenschaft dies und jenes zu Tage; daS der positiven Religion Eintrag macht, sofort ist die jüdische Presse zur Hand, dieser Ent. deckung daS Wort zu reden!" Der Mann hat vollkommen Recht! in der Reihe unserer ReligionSfilofofen von der ältesten bis auf die neueste Zeit wird eS schwerlich Einen geben, der die Benützung und Verwerthung aller Kräfte, welche die Natur unS bietet, als mit dem Glauben lollrdi׳׳ rend perhorreSzirt! Der Bekenner deS jüdischeu GlaubenS hat die Resultate der Naturwissenschaften nicht zu scheuen, er erfaßt, eignet sich dieselben au und sein Glaube wird dadurch nicht alterirt! Ist es nicht gutmüthig von dem Manne, daß er in seinem herben Schmerze über die Verjudung der Presse, der jüdischen Presse nur Schönes und LiebeS zu sagen weiß! Doch hören Sie den Schluß; Da sammelt der ״Donnerhaltcndc" alles elektrische Fluidum seines gewitterschwangern Geistes in seiner rechten Handfläche zusammen, und schleudert seinen letzten Blitz der jübischeu Presse ins Angesicht: ״Wie uicht beutete sie unter Andrem David Strauß und Renan aus!"-Da haben Sie des Pudels Kern! DaS also ist der Pfuhl, welcher aus den Menschen im Allgemeinem uud den der Zivilisation insbesondere sein schwefelgelbes Licht wirft! Der Frack ist abgestrcift, Gardcrob und Szenerie wechseln, keine Spur mehr vom Humanitären Standpunkte, eS ist der alte und altersschwache dogmatische Kampf! — Armer Geiger! Warum hast du nicht, ehe du ein Wort mitsprachst, unlerthänigst angeklopft bei seiner Reverenz und devot nachgefragt, ob eS auch dem Juden erlaubt ist einzutreten? BedaurenSwerther Rabbiner aus Frankfurt a. M.! Warum hast du dich erdreistet, auf dem Gebiete ber christlichen Geschichte in deinen Forschungen deine christlichen Vorgänger an Tiefe und Klarheit zu übertreffen! Hülle dich in Sack und Asche, und erkcnue reuig die erhabene Indignation deS Anonymus, als die gerechte Himmelöstrafe für den bösen Anhang zum ersten und zweiten Theile deiner Vorlesungen! Uud Ihr Rabbiueu uud Nichtrabbinen, die Ihr die jüdische Presse vertretet! WaS waget Ihr Euch in die frische Strömung deS vollen Lebens hinein? WaS erkühnt Ihr Euch einflußnehmend zu wirken auf Politik, Moral und Wissenschaft? Hört ihr denn nicht daS veruichtende Wort deS Anonymus, daS wie eine Gewitterwolke über euren Häuptern schwebt? (S. 26.) ״Die Tagespreise, daS gewaltige Organ der öffentlichen Meinung, der politischeu und moralischen Bildung, die größte d«׳r Großmächte, ist im fast auöschließendeu Besitze der Juden", warum wollt Ihr Euch Solches nachsagen lassen! Zieht Euch zarück hinter Eure alten Folianten, suchet nicht auS Eurem Schriftthume Münze fürs Leben zu prägen, sondern bearbeitet eS in der alten, beliebten MaulwurfSweise, und der Anonymus wird Euch gnädig zulächeln: DaS ist die alle liehe ״superstitio judaica“ wieder, daS sind die ObSknreu von ehedem, die drohen nimmermehr zur Weltmacht zu wer« den, über die hinweg kaun man ganz ruhig zur TageS« ordnung übergehen!! — Vom Anonymus scheideu wir mit einem Danke. wie wir ihn gegen den alten Bileam fühlen, der fluchen wollte und dem Gott den Fluch im Munde zum Segen verkehrte! -י Nach diesem ziemlich langen Erkurse wolle» wir einmal Nachsehen, wie eS daheim bei uuS auSsleht: Der Rüst,