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Ben Chananja · 1865-09-13 · 37 (13.9.1865) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
37 (13.9.1865)
Date
1865-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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656 656 Anstandes für unerfahren ungeschickt hältst? Du verlangst vielleicht, daß sie sich erst ausbilden sollen, damit sie deines ge, bildeten AreiseS würdig werden? Ach wisse! iu der Mode liegt keine Wahrheit, kein Verdienst; die Mode ist täglich Veränderungen unterworfen, »nd die schnell anwachsende Modekrankheit ruft auch für dich einen Wetllanf hervor, der weder nützlich, noch erwünscht ist. Wisse, daß der Gärtner unverständig ist, der den wilden Strauch aus dem Walke iusolange nicht in den Garten überträgt, bis derselbe sich veredelt hat. 3m wilden Walke bleibt daS Gewächs wild und rauh, so lange eS lebt; übertrage eS in deinen Garten, pflege eS, beschneide eS, pfropfe edle Zweige darauf — eS wird aufblübcn und dir Freude und herrliche Früchte bringen. Oder hat vielleicht der Neid dich beschlichen und verzehrt Vir dein Herz? vielleicht fürchtest du, daß indem du deine Nebenmenschen der bürgerlichen Rechte theilhastig werden lassest, die Quellen seiner Einkünfte sich mehren, die der deinigen sich mindern werden? Ach, eigennütziger Freund! bedenke: daS die Gewässer ausnehmende Meer, wenn eS sich anSbreitet, ist mehr kein tiefeS Meer — eS wird ein seichteS durchwatbares Wasser sein; der mächtige Strom, welcher Schiffe trägt. in klrine Bäche zersplittert, verliert an Kraft und fließt spärlicher. Glaube, da du doch Christ bist, waö Paulus dein großer Meister sagt: ״So »hr(derJuden Fall) der Welt Reichthum ist, und ihr Schade ist derHeiden Reichtknm; wte vielmehr, wenn die Zahl voll würde?" (Rom. 11, 12.) — Oder vielleicht sind dir deine israelitischen Nebennienschcn darum fremd, weil nach ihrer Meiniiiig der noch nicht gekommen ist, der dir schon erschienen ist, der MessiaS? Wisset die Lehre vom Messias, die meffianische Hoffnung gehört, nicht zu den Fundamental GlanbenSartifeln und du hast keinen Grund, dich über ihren Unglauben zu wundern. Was ist natürlicher, als daß der unter der Last j seiner Ketten schmachtende Gefangene nicht glaubt, daß der Tag der Freiheit angebrochen ist; der Kranke nicht, daß der Arzt gekommen ist, der ihn geheilt hat! Oder solltest tu diejenigen nicht als deine Nebenmenschen betrachten, nicht die^ jenigen an den Wohllhaten der bürgerlichen Rechte Tbeil haben lassen, die deinen Heiland nicht dafür halten, wofür ihn die christliche Dogmatik hält? Oder, wenn wir Christen, lüe wir in Jesum nuser Heil gesunden, unS eine schönere Zukunft zu verbrechen vermessen; warum sollten wir dieseitigen verdammen, die, der bürgerlichen Rechte beraubt, im Dunkeln, in Verachtung und Sklaverei ihr Dasein fristend, :rwartend dem Reiche deS erlösenden, befreienden MessiaS ntgegensehen? Gerechtigkeit erwarten, auf eine bessere Zunnft hoffen, ist natürlich und erlaubt. Auch wir hoffen, daß ^er heranbrechende Tag sein Licht wird auSstrahlen lasse» lber die finstern Geister; austhauen lassen die eiskalten Genüther, daß der erwachte Geist deS Jahrhunderts die Thüren >er Gefängnisse erschließen, die leidenden Gefangenen von hrem elenden Zustande befreien, der menschlichen, bürgerlihen und christlichen Rechte theilhaftig machen wird; dem lehenden Israel bricht der glanzende Tag heran, die Stunde chlägr, die Zion Freiheit verkündet. Schon vor einem halben Jahrhunderte öffnete sich die!böne Dlüthe der bürgerlichen Freiheit der J״den in dem ande, wo die befruchtende Sonnenwärme und der gesegnete )öden so viele edle Früchte zeitigt zum Wohle der Menscheit — frühzeitig wie in einem Treibhause; auch ihre über- »stanzten Eprößltnge faßten Wurzel und blühen in den belachdarten State» und ferne an den glücklichen, blühenden lsern deS OzeanS. Die Liebe gedeihet auch unter dem Nebel der älteren Zone, wo den hervorgelockten Keim der kalte Reif viederholenttich vernichtete. Sie sproßt auch dort, wo die ekle srucht zögernd reift und Pie wichtige Frage — wir der wischen LebenShoffnung und Todesgefahr hängende Kranke in den Händen vieler verschiedenen Heilmethoden folgenden Aerzte — in Zweifel steht. *) Es wird sie auch unsere, für daS Gute, Edle und Erhabene so empfängliche, so begeisterte und mit beflügeltem Schritt vorwärts schreitende Nation liebgewinnen; eö wirb sie bcscheinen die gleich der fegenverbreitenden Sonne weithin strahlende Gnade unseres erhadenen Monarchen; und ״eS wird ausgeschrieben für daS komwende Geschlecht, auf daß daS Volk, daS geschaffen werde, den Herrn lobe. (Ps. 102, 19.)" In dieser Hoffnung, in diesem Glauben: ״Auf! auf! zieh deinen Glanz an, Zion! Zieh an deine Prachtgewanke, Jerusalem, heilige Stadt! Entschüktle dich deS Standes, steh aus, gefangenes Volk Jerusalems! Löse dir die Fesseln deineS HalseS, Gefangenschaft, Volk ZivnS! (Jes. 52, 1. 2.) Sieh aus den Bergen die Füsse deS Boten, der Heil verkündet! — Feire Inda deine Feste, entrichte keine Gelübde. (Nah. 2, 1.)" Siehe deS Herrn Wort wird gehört: ״WaS Hab ich denn hier, ist der Spruch deS Herrn, daß hingerafft wirb mein Volk umsonst; seine Fürsten jammern und allezeit immerfort mein Name verhöhnt wird? (Jes. 52, 5.) Miß« handelt sind die Söhne Israels und die Söhne JudaS zumal; all ihre Sieger halten sie fest, weigern sie sich zu entlaffen, doch ihr Erlöser ist stark, Herr der Heerschaaren ist sein Name; führen wird er ihre Sache. (Jer. 50, 33. 34.) Daher lagere ich mich um mein Hauö wider FeindeSschaaren, daß keiner darüber kommt, der Schatzung erhebt, denn nun Hab ich ihre Nolh erschaut mit meinen Äugen. (Zach. 9. 8.) Nahe bringe ich mein Heil, eS ist nicht ferne; und meine Rettung zögert nicht. Ich gewähre Zion Rettung. (Jes. 46, 13.) Ich lege Jerusalem, der Stadt, Verband auf und heile sie und gebe ihnen Reichthum an Frieden und Bestand. Ich j will sie aufbauen wie früherhin. Und sie soll mir werden zu freudigem Ruhme, zu Stolz und Triumph bei allen Vülkern der Erde, welche hören all daS Gute, daS ich an ihnen thuc. (Jer. 33, 6—9)." Siehe, eS tröstet Euch euer heiliger Glaube: ״Jenes Tageö wird deS Herrn Arm loSkainen seines Volkes Rest, der übrig sein wird; und er sammelt die Versprengten Israels und die Zerstreuten JndaS bringt er zusammen von den. vier Säumen der Erde. (Jes. 11, 11. 12.) Denn der Herr ist frenndlich dem, der auf ihn harret und der Seele, die nach ihm fraget. ES ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe deS Herrn hoffen. (Klag. 3, 25. 26)." ״Ist eö nicht also? Wohlan, wer will mich lügen strafcn? Wer bewähren, daß meine Rede nichtö fei? (Hiob 24, 25 )" Doch auch du, Volk Israels, schreite vorwärts auf der eröffneten Dahn des Fortschrittes! Wer säumt und hartnackig an veraltete Satzungen sich anklammert, den zermalmt daS eiserne Rad des Jahrhunderts. Entsage dem Joche alter Zeremonien und wisse: ״Nicht der ist ein Jnde, der auöwenbig ein Jude ist. auch ist daS nicht eine Beschneidung, die anöwcndig im Fleische geschieht, sondern das ist ׳ein Jude, welcher inwendig verborgen ist, und die Beschnrikung deS Herzens ist eine Beschneidung, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht, welches Lob ist nicht auö Menschen, sondern anS Gott. (Röm. 2, 28. 29).* Wir aber als Christen mögen nach dem Hauptgebote Jesu, erfüllt von Liebe, die mehr und mehr reich wird an allerlei Erkenntniß und Erfahrung (Phil. 1. 9.), die freund- *) Di- Inten n'Uitni rman.iVUi >11 Frankreich 1781, iu Hollaut mit 1706, 111 Sl,״t׳>la schon mit re- Ben'üotung ter .ttonkiniiio»: in iZnalant wmke tie duoiältigk Bill v׳ruüo 1830. 1833. 1834. 1836-, ,u Deuiichlaiid baden tu Juden nur m ciuiiicu Eiaun diuueeluvt rll.ckte. (eri'tmi bat tu Emaiizipaueo der Jude» tekauuNich drdcuunt» Forischnttr gemachl. Siet.)

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