Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 37 (13.9.1865)
- Date
- 1865-09-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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651 wenn dlese überhaupt gesündigt haben — an den spätern Söhnen gerächt wird. Man spricht von Aufklärung, wenn im Geiste finsterer Jahrhunderte Elend verbreitet wird, damit die Irrenden belehrt werden. Wie sollen wir nunmehr über diejenigen urtheilen, die in dieser Beziehung gesündigt haben? Wenn eS wahr ist, waS der weise Salomon sagt: ״daß der Pfad der Gerechten dem glänzenden Lichte gleich ist, daS fortleuchtet bis zur TageShöhe (Spr. 4, 18)": wie können wir diejenigen gerecht nennen, die Finsteruiß verbreiten? Und verdienen diejenigen, die, wie Job sagt, während die Armen beten und die Seele der Verwundeten aufschreit, daß Gott solche Ungerechtigkeit nicht bleibend werden lasse, auch gegen daS Licht ungehor, sam sind, dessen Wege nicht erkennen, und auf seinen Pfaden nicht verweilen wollen (Job 24, 12. 13), — verdienen diese den Namen Kinder des Lichtes, den glorreichen Chri, ftennamen? Und wenn unsere Religion unS einschärft: ״Brüder, haltet nicht dafür, daß der Glaube au Jesum Christum Ansehen der Person dulde (Jak. 2, 1), lasset unS nicht lieben mit Worten, noch mit der Zunge, sondern mit der That und in der Wahrheit (Joh. 3, 18);" wie sollen denn die einen wahrhaftigen christlichen Glauben haben, die dieses Gebot nicht achten? Und wenn nach der Lehre deö Apostels Paulus in Christo Jesu weder Beschneidnng noch Vorhaut etwas gilt, sondern der Glaube, der durch Liebe thätig ist (Gal. 5, 8): wie sollte Belohnung und Heil für sine hervorsprießcn, die die Beschnittenen in Folge ihres Glaubens hassen uud dieselben von ihrer Liebe ansschließen? Der unruhige Geist und daS gehässige nnchristliche Herz finden aber Ausflüchte, und vernünfteln gegen die bürgerliche Einigung mit den Juden, indem sie verkünden, daß daS Bekenntniß dieser Nation dem Geiste der christlichen Religion widerspricht, die Ausbreitung des heiligen Glaubens hemmt, die Hauptpnnzipicn des bürgerlichen LebenS schwächt, die Verfassung in Gefahr bringt. — ״Weil du also sprichst, darum treiben mich meine Gedanken zu antworten und darum antworte ich schnell." (Job 20, 2.) DaS heilige Buch der Israeliten, daS deren Religion enthält, ist das Alte Testament. Dasselbe ist aber auch eine Quelle der christlichen Neligion, ja die ursprüngliche Quelle. Darum sagl Jesuö ChristuS: ״Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin, daS Gesetz oder die Proseten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zn erfüllen. Denn ich sage euch wahrlich: bis daß Himmel nnd Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis das Alles geschehe." (Matth. 5, 17. 18.) Unumstößlich wahr bleiben also die Lehren VeS Alten Testamentes, die Grund« Wahrheiten, die Hauptgesetze der Religion der Juden, welche auch Prinzipien nnd Wahrheiten der christlichen Glaubens- und Eittenlehre find. Und würde ein Christ wagen, sich gegen diese Glaubensartikel aufzulehnen? ״Der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott. Du sollst lieben den Ewigen deinen Gott mit dein m ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele f und mit deinem ganzen Vermögen." (5 M. 6, 4. 5). ״Der 8 Gerechte wird durch silnen Glauben leben." (Chab. 2, 4.) | ״So weiß ich, mein Annehmer lebt; daS spätere Geschlecht, ß daS aus dem Staube aufstehen wird. Uud nach meiner Haut,!; — sie hahen schon diese zerstört — und frei von meinem g Körper, werde ich Gott schauen, Den ich silbst mir schauen »werde, und meine Augen sihen, und kein Fremder! Eö V schmachtet darnach mein Inneres in meinem Busin." (Jod 27—25 ,19 1־.) Wie sollte ein Christ diese Glaubenslehren | leugnen, wofern er die erhabene Idee der Gottheit, die ן wahrhaftige Gotteöverehrung, daS Verdienst deS Glaubens, « die Ausirstehnng und daS ewige Leben, welche seinen eigenen Glauben bilden, nicht leugnen wollte? — Welcher Geist erhöbe siiüe Stimme gegen folgende vollkommene Sittenlehreo? 652 ״Die Summe der Dinge ist: Fürchte Gott, halte seine Ge, bote, denn dies ist die Hauptsache des Menschen." (Pred. 12,15.) ״Und ihr sollt heilig sein, denn ich der Ewige Lin heilig. (3 M. IS, 2.) Weiche vom Bösen und thue Gutes! (Ps. 34, 15.) Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (3 M. 19, 18.) Lernet Gutes lhun, trachtet nach Recht, sprechet daS Recht, dem Gewalt geschehen, schaffet Recht der Waise, führet den Streit der Witwen! (Jesaj. 1, 17.) Wenn deinen Hasser hungert, gib ihm Drob zu essen, und wenn ihn durstet, gib ihm Wasser zu trinken." (Spr. 27, 21.) Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht, und wenn er stürzt, frohlocke dein Herz nicht! (Spr. 24, 17.) Wie ein Eingedorner von euch sei auch der Fremdling, der sich aufhält bei euch, nnd liebe ihn wie dich selbst. (3 M. 19, 34.)" Möchte doch jeder Christ dies glauben und erfüllen, vorzüglich in der Gegenwart und daS Gebot, daS wir zuletzt angeführt. Nein, den auö dem Senfkorn großgewordenen und den Bedrängten Trost verheißenden Baum wird Israels Glauben nickt zerstören. DaS Reich Jesu, welches alle Hindernisse besiegend, sich auSbreitete, wird nickt in engere Grenzen gedrängt, denn eS ist ei» Reick deS Lichtes, welches gedeiht, der Wahrheit, welche unüberwindlich siegt; die Pforten der Hölle triumphiren nicht über dasselbe. Ein nicht minder gefahrloses Element ist daS bürgerliche GlaubenSbekennlniß der Israeliten für die Verfassungen der christlichen Staken. Ja eS ist die Stütze, die Kraft der letzteren; denn umsichtig bestimmt eS daS Verhältniß der Obrigkeit zu den Unterthanen und ihre gegenseitigen Verpflichtungen: ״Fürchte den Ewigen, mein Sohn, und den König, mit Anderöwollenden lasse dich nicht ein. (Spr. 24, 21.) Unseres LebenS Odem ist der Gesalbte deS Ewigen. (Klage!. 4, 20.) Wer hätte anSgestreckt seine Hand gegen den Gesalbten deS Ewigen, und wäre ungestraft geblieben? (1 Sam. 26, 9.) Den Befehl deS Königs beobachte, und zwar wegen deö SckwureS GotteS. (Koh. 8, 2.)" So werden die Unterthanen belehrt, ihren heiligen Pflichten gegen ihren gekrönten König nachzukommen. Aber auch dem Fürsten spendet die heilige Schrift Lehren: ״Und eS geschehe, wenn er sitzt auf dem Throne seines Königreiches, so soll er sich schreiben die Abschrift dieser Weisung auf ein Buch auö dem, daö vor den Priestern, den Leviten ist. Und die soll er bei sich haben, und darin lesen alle Tage seines LebenS, damit er lerne den Ewigen seinen Gott, zn ehrfürchten, zu beobachten alle seine Worte dieser Wersung und dieser Gesetze, um sie auSznüben; daß sein Herz sich nicht erhebe über seine Brüder, und daß er nicht abweiche von dem Gebote rechts oder links, damit er lange lebe bei seinem Königreiche." (5 M. 17, 18—20.) ״Liebe und Treue bewahren den König und er stützt durch Liebe seinen Thron." (Spr. 20, 28.) Die heilige Schrift heißt unS auch mit Achtung und Ehrerbietung den Vorgesetzten zu begegnen, die daS Alte Testa« ment kostbare Gefäße nennt. (Jerem. 24, 34.)" ״Richtern sollst du uicht fluchen, und einen Fürsten in deinem Volke nicht verfluchen. (2 M. 22, 27.)" Die Richter werden folgendermaßen ermahnt: ״Sehet zn, waS ihr thut, denn nicht für Menschen richtet ihr, sondern für den Ewigen und er ist bei euch in Sachen deS Rechtes. (2. B. Chrvn. 19» 6.) ״Kennet kein Ansehen im Gerichte, den Kleinen wie den Großen höret; fürchtet euch vor Niemand, denn daS Gericht ist GotteS." (5. B. M. 1, 17.) ״Die Richter sollen daS Volk richten nach gerechtem Gericht! Du sollst daS Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehea keunea und keine Destechung nehmen, denn die Bestechung blendet die Augen der Weisen und verdrehet die Worte der Gerechten (5. M. 16, 15—19.) Die heilige Schrift lehrt auch das Vaterland lieben: ״Und sucht daS Wohl der Stadt, wohin ick euch weggejührt habe, und betet für sie zum Ewigen, den» in