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Ben Chananja · 1865-09-13 · 37 (13.9.1865) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
37 (13.9.1865)
Date
1865-09-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage zum ״Ben Chananza" Nr. SS. Me Emanzi'Mlion -er Mm aus einer christlichen ,Kanzel. Schluß einer Predigt von Paul Török, ref. Superintendeuten in Pest.*) An« dem Ungarischen übersetzt von Tobia« 8öw. Ich muß nunmehr die Aufmerksamkeit meiner christlichen Zuhörer auf eine hochwichtige Frage lenken, die eben, falls der Geist unseres Jahrhunderts angeregt und der Erörterung unterzogen hat. Ich meine die Angelegenheit der unterdrückten und jetzt um Befreiung flehenden Israeliten. Die Wichtigkeit der Angelegenheit verdient eS und Euer christlich milder Sinn gestattet eö, daß ich hierüber jetzt besonders spreche. ״Gott der Herr gebe mir eine Zunge der Geübten, damit ich wisse anzupassen dem Müden das Wort." (Jesaj. 59, 4.) Eine dreifache Scheidewand trennt von unS die Jsraeliten, die der Religion, der Nationalität und deS Standes. — Diese Hemmnisse standen bis jetzt "der Vereinigung mit ihnen im Wege, und doch könnte die Scheidewand, wenn wir nur Menschen und Christen sein wollen, mit Anwendung aller unserer Kräfte niedergeriffen werden. Und eS wäre wol ein verdienstvolles Unternehmen, mit auSgcstrecklen Armen die Gedenksäule unserer Schmach anzugreifen, und die bestehenden Spuren von der Erbärmlichkeit der Menschen- und Christenwelt zu vernichten. Denn wahrlich, eS ist für den Menscheu, und besonders für den Christen eine unauslöschliche Schmach, eine nicht zu entschuldigende Pflichtvergesicnheit, eine einzelne Person, und eine um so größere Schmach, eine ganze Nation unbarmherzig der Verachtung preiözngcben. Und sehet, geliebte Zuhörer, der in seinem tiefen Kummer, seinem natürlichen Flehen und seinen rechtlichen Forderungen zur Erde gebeugte Jsraelite ist unter unS geboren, unter uuS lebend und sterbend, — auf seiner Scholle ein Fremdling, — seinen Pflichten eifrig nachkommeud, rechtlos, — die gemeinsamen Lasten tragend, keine Erleichterung fühlend, — Wohlthaten spendend, mit Undank belohnt, — als eifriger Patriot für daS Gemeinwohl wachend — kein Sohn deS Vaterlandes, — als treuer Bürger die Gesetze achtend, kein Bürger, — mit körperlichen und geistigen Fähigkeiten reichlich begabt, — dennoch gehemmt, dieselben für das Wohl der Seinigeu, der Gesellschaft, deö States zu verwcuden. Der Ewige riß sie auS ihrem Boden im Grimme und großer Erzürnung. und warf sie in ein anderes Land, wie jetzt geschehen ist. (5 M. 29. 28.) Und der heimgesuchte Jsraelite durchziehet die Länder und schaut empor und schaut zur Erde, Hilfe bietet sich keine; denn Elend, Finsterniß und Dunkel der Bedrängniß haben ihn umgeben. (Jesaj. 8, 21. 22.) — In seiner Noth schreit er zum Himmel: ״Siehe, Ewiger, und schaue wie verachtet ich bin! Schaue Ewiger, denn mir ist bange, meine Eingeweide glü« hen, mein Herz wendet sich um in meinem Innern." (Klage!. 1, 11—20.) Ja wol, der arme Jsraelite wendet sich sie- Dir Predig«. tcrtn Schluß birr »»:gkltirili wild. wurde io brr rejormirleu Kirche zu P-st am vierlei, Arveiit-Soiliitage de« Iabre« 1839 fuiuu uud dreißig gekaNru. und ist in einer von dem!tiedoer selbst berouSgegebrneu Prrrigüammlung 1811 erschienen. Die jüdische JonrnaUstit ist e« dem v'rehrien Redner schuldig, die firistnnigeu und warme, Worte drsieiden ia den wklicsteu Kreisen zu verdreiien. 2ch zweifle sedr. ob die christlich.homilemche Lueralur noch eine Predigt gleichru Jnbalre« o«s,״weisen bade. Di, neuere Geschichte der Juden wird de, Rameo Paul Török'S nm dankbarer Deredrung zu vrr» zelchae, habe». Red. hend zu seinen Mitmenschen und spricht: ״Geht eS euch uichtS an, die ihr deS Weges ziehet? Schauet und sehet, ob irgead ein Schmerz sei, wie mein Schmerz, der mir angethaa worden! denn der Herr bat mich in die Hunde derer gegeben, wider die ich nicht aufkommen kann, denn fern ist von mir der Tröster, der Erquicker meiner Seele." (Das. 1, 12.14.16.) ״Gewahrtest du nicht, waS dieses Volk geredet, indem eS sprach: DaS Geschlecht, welches der Ewige erwählt hat, hat er verworfen, und mein Volk schmähen ste, daß eS nicht mehr ein Volk sei vor ihm. (Jer. 33, 24.) Darob zerfließen in Thränen meine Augen, glühen meine Eingeweide, ergießt sich zur Erde meine Leber, ob der Wunde der Tochter meines Volkes; aus der Erde sitzen verstummt die Aeltesten der Tochter ZionS, bringen Stand auf ihr Haupt, gürten sich Säcke um; eS senken zur Erde ihr Haupt die Jungfrauen Jerusalems. (Klage!. 2, 10.11.)" ״O du armes, bestürmtes, jedes Trostesberaubte- Volk!" (Jesaj. 54, 11.) ״Euer Land ist eine Wüste, eure Städte mit Feuer verbrannt, euer Boden — vor euern Augen verzehren Fremde ihn, und eine Wüste ist'S, wie eine Umkehrung vou Fremden. Und übrig ist noch die Tochter ZionS wie eine Hütte im Weuigebirge, wie eine Rasthütte im Gurkenfelde, wie eine belagerte Stadt! (Das. 1.7. 8.)" ״Was für Zeugniß sott ich für dich aufrufcn, waS dir vergleichen, o Tochter Jerusalems, was dir gleichstellen, um dich zu trösten, Jungfrau, Tochter ZionS? denn groß wie Meer ist deine Wunde, wer kann dich heilen? (Klage!. 2,13) Ihr seid gekommen inS Gerede der Zungen und in den üblen Leumund der Leute. (Ezech. 36, 3.)" Aber woher dieses Elend? woher diese Bedrückung? in welchem Lande üben Menschen solche Umnenschlichkeit? welche hartherzige Völker solche Unbarmherzigkeit? im Lande der Heioen? menschenfressender Kanibalen? — Nein, — in dem aufgeklärtesten, gebildetesten, menschlichsten Theile der Erde, — und was noch mehr ist — erröthen wir, o Christen! — auch in einem apostolischen Königreiche thuu eS Schüler Christi, der Sanstmnlh und Liebe gelehrt hat, deren Kennzeichen und königliches Gesetz die Liebe (Joh. 13, 35; Jak. 2, 8), bei denen die Summe und Erfüllung deS Gesetzes, daS Ziel der Gebote nicht- Anderes ist, als dir aus reinem Herzen, gutem Gewissen, wahrem Glanben stammrnde Licbe (Mark. 12, 30. 31; Rom. 13, 10. 1 Tim. 1, 5), die erhaben ist über jede Kenntniß und höher steht denn.!edwedeS Opfer. (Mark. 12, 33. Eses. 3, 19.)" Und warum? DaS Andenken an die für ihren Glauben glühenden Juden auS den ersten christlichen Jahrhunderten hat die daS Vergessen und Vergeben nicht kennende Nachwelt bewahrt; der rachedürstende Geist hat sich ringenistet in die römischen Gesetzbücher, weil auch Christen rdeilnahmen an den Arbeiten, welche später auch in christlichen Ländern Gesetzeskraft erhielten. DaS in den ehernen Jahrhunderten deS Mittelalterherrschende LehenSsvstem schloß sie von seinen Wohlthaten auS. Diese finstere Epoche, welche so tief sank, daß sie tm Widerspruche mir dem Geiste der sanften Lehre Christi mit Feuer und Schwert den Heiden den christlichen Glauben aufdrang; — welche Kreuzzüge gegen diejenigen anordnete, die sich nicht zum Kreuze bekannten, und Andersgläubige auf den Scheiterhaufen brachte, — unterwarf dieselben ״zur Ehre GolteS" den qualvollen Werkzeugen der unbarmherzigsten Verfolgungen. Angeerbler Haß, Verachtung, Vorurtheil, von den Vätern in daS zarre Gemüth der Nachkommen verpflanzt — verbreitete Verdächtigungen und Verlenmdungen, beugte sie unter das Joch, warf sie unbarmherzig uieder. Und dann wirb vou Gerechtigkeit gesprochen, wen» die vor Jahrhunderten begangenen Sünden der Väter, —

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