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Ben Chananja · 1865-09-13 · 37 (13.9.1865) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
37 (13.9.1865)
Date
1865-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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646 646!ich, bffffr zu gr-alten. Such müssen fle sich an den deutschen und feau» zöfischen Bestrebungen und Vereinen besser betheiligell, und dahin wir» kea. daß die neuere jüdische Literatur, vorzüglich die Wochen» und Zeit» schristen dort Eingang finde» und gelesen werten. Besoader« zu em« pfebtea ist ihnen die Anschließuug an di, ״Alliance iaraSIite univer* ■eile* in Pari« und an den erst iw Entstehen begriffenen Verein sür alle jüdischen Interessen, dessen Diltuog der Rabbiner Dr. Geiger in Frankfurt am Main angeregt ha«. Durch diese beiden Vereine kann auch am besten auf die russische Regierung zum Wähle der dortigen Juden und deren Bildung gewirkt werden, nur müssen dir dortigen gebildeten Israeliten sich an den bessern Bestrebungen beiheitigrn. I. Jtatjn. Oberrabbiner. 8p. Galatz, 1. September. Don den drei Lokalradbinen, von denen flch. wie ich Ihnen vorige» Jahr (S. Nr. 11) schrieb, jeder den Vorrang erringen wollte, find wir bereit« vor ziemlich geraumer Zeit den ״Bohuscher" loSgeworden. Al« aber unser aller Rabbiner, um nicht auch seiiierskil« Anlaß zu Zwietracht zu geben, unlängst unsere Stadt verließ, und fich noch I-mail begab, kam der ״Bohnscher" zu uvserm größten Leidwesen wieder zurück. Die Gemeinde wird übrigen« schon Sorge tragen, daß der ״Dohuscher" nicht hier bleibe, und daß endlich ein Rabbiner angestellt werde, der fich durch seine Persönlichkeit Achtung zu verschaffen weiß. — Nach vielen Kämpfen gelang es, die Knaben» schule wieder ins Lebe» treten zu lassen. E« wirb aber noch eine ge» raume Zeit verstreichen müssen, bi« alles in» rechte Geleise kömmt. Denn gerade jetzt haben wir mit andcrm Ungemach zu kämpfen, und unsere ganze Aufmerksamheit wird von der Cholera in Anspruch ge. nommen, die seit einiger Zeit in unserer Stadt wüthet. Insbesondere werden die Armen von dieser fürchterlichen Krankheit helmgesucht, ob» schon zur Linderung ihrer Noth sehr viel geschieht. Die hiefige Stadt besorgt für unbemiitelte Cholerakranke ohne Unterschied der Religion die nöihigen Medikamente. Außerdem veranstaltete der Vorstand unter den vermöglrchen Genieindemitgliederu eine Sammlung, die circa 400 Dukatrn ergab. Für diese Summe wurde ein Spital errichte», worin dir jüdischen Cbolerakranke untergebracht und gepflegt werden. Während die Griechen und Rumänen ihre Krankeu aus Furcht vor Ansteckung völlig vernachläsfigen. bieten die hiesigen Juden alles aus, um dem Wü» then der grausamen Krankheit »ach Kräften entgegen zu steuern. Und wirklich sind die Juden von der Cholera verhältuißinäßig mehr verschont geblieben, als die Griechen und Rumänen. UedrigenS hat hier die Seuche ihren Höhepunkt dereiis erreicht und wird hoffentlich bald ganz auf» hören. Ob wir da« dem Rebbe Bärma au« Cahul zu verdanken haben, dem die Chaßidim ein paar Dutzend Dukaten auf ,in Pidjon schickten, weiß ich nicht. Die Alliance israölito universelle findet hier großen Anklang und würden sich ihr auch zahlreiche Mitglieder aoschließen, wenn wall unter ihnen, da die Meisten der französischen Sprache nicht mächtig find, die deutschen Berichte de« .Bell Chananja" gehörig verbreiten Würde.— Unser Glauden«g,noffe Herr Dr. A.Ellbogen, erhielt vorigen Monat von Sr. Majestät dem Kaiser Von Oesterreich da« Ritterkreuz de« Franz Josef-Orden«. — Noch will ich erwähnen, daß Herr A. Rapo» Port, einer der achtbarsten Kauflentr von Galatz der hiesigen Gemeinde rin Grundstück sür ein israelitische« Schulgebäude spendete. Da« Grund» stück hat den Werth von LOO—600 Dukaten. Sr versprach noch eine namhafte Summe zu subskridiren, wenn für die Baukosten eine Sa«mlang veranstaltet werden sollte. — Mit dem Tempelbau geht e« langsam vorwäri« und wie e« scheint, wird man denselben ohne auswärtige Hilf« nicht aussührru können, denn die deutsche Gemeinde ist viel zu klriu. als daß fir im Stande wäre, da« Werk allein zu vollbringen. Inland. .P. Pest, 8. September. Dir in den politischen Blättern ent» halte»» Notiz über den ״Magyar Izraelita“ kann ich Ihnen au« guter Quelle bestätigen. Da« Blatt wird in nächster Zukunft wieder erschei» neu. und spricht flch in der hiefigeu Gemeinde eine warme Theiluahme für dasselbe au«. Pest, im September. Franz Lißt besuchte vor seiner Abreise nicht nur all, Just,tute, welche in irgend einer Beziehung zu drr Kuust stehen, sondern auch alle irgendwie hrrvorrsgeuden Sebtn-würdigkeiken, so unter andern, wie bereit« gemeldet, auch den isr. Tempel, wo «rüber die Vorzüglichkeit der Orgel flch sehr lobend au-sprach. Zu diese» Tkmprlb,suche Lißt'« haben wir noch Folgend,« hiuzuzufügeu: Der Here Oberkantor Fri edma nu zeigte ihm bei dieser Gelegenheit mehrere Ko», Positionen mit ungarischen und hebräischen Terteu. Lißt äußerte de» Wunsch» diese Gesänge zu hören, in Folge deffeu Herr Friedman» später im Privatzirkel dem Herrn Abbü einige Piecen in begeisternder Weise vortrog. Tief bewegt wendete fich Lißt an. Herrn Friedmanu mit den Worten: ״Haben Sie besten Dank und empfangen Sie meine Der» ficherung, daß ich die« nicht nur al« schönen Gesang, sondern noch al« etwa« Höhere« auhörte." Außerdem erhielt Heer Friedmanu noch eine äußerst schmeichelhaste schriftliche Anerkennung von Lißt. Be» dieser schicklichen Veranlassung können wir nicht umhin, der ersprirßlicheu Thätigkei» de« Herrn Friedman» anerkennend zu erwähnen. So hat er in letzter Zeit seiue im Jahre 1661 mit ungarischen Terteu erschieurue» Tempelliedcr ״Izraelita valläsos dnekek“, welche in vielen Gemriodeu Ungarn« eingeführt find, auch für den deutschen Originaltert arraogirt und dieselben bereit« einigen Gemeinden in Böhmen und Schlesien zu« komme» lassen. Für jene Gemeinden, welche dir Einführung deutscher Gebete bcadfichligeu, dürfte da« neue Arrangemeweut eine willkommene Gabe sein. Aueinem Winkel Böhmens, Ende August. In Ungar» ist die Aufnahme eine« Rabbiners eiu Ereigniß, da« Jedermann aufrrgt und in Bewegung setzt. Hier zu Lande kömmt der Rabbiner ohne Auf« sehen, er sitzt ohne Ansehen und geht so geräuschlo«, wie er gekom» men. sobald zwei, drei Prüfungen nicht nach der Ansicht der Führer der Gemeinden ausgefallen. Wozu, sagte mir unlängst ein achtbarer Mensch einer Gemeinde, braucht man auch sonst einen Rabbiner, wenn nrcht sür die Schule? שאלוח. das wissen Sie ja, kommen keine vor, Predigten — null da« ist wol von Zeit zu Zeit angenehm, ist aber eben kein Dedürfniß, will man gerade eine solche, so kauft n.an fich irgend eine gedruckte Predigt. ״Wir hatten wirklich einen recht gediegenen Rabbiner, fuhr er fort, da er aber wenig oder nicht« für die Schule leistete, so mußten wir ihn entlassen!" Und, fragte ich neugierig, haben fle eine regelrecht organi» fiele, kouzessionirte Schule? Wir habe» zwei gute Lehrer, von welchen der Eine auch Chazan und Schochet ist, aber sür eine konzcffionirte Schule find wir nicht — denn da würde die Stundenzahl beschränkt und dir Lehrer definitiv äugest,fit werden, waS BeiveS vom Nebel! Haben Sir Cbor und geregelten Gottesdienst? frag ich. Unsere Gemeinde ist ortho» Vor, sagte er, uub den GoiteSSicnst versehen abwechselnd Gemeindrmit« gliedcr au« Gefälligkeit, da unser Lehrer wenig zum Kautordienst taugt. Also eine orthodore Gemeinde, wo jeder Dorfgeher den Gottesdienst verherrlicht, fühlt ras Bedürsniß eine« Rabbiner« nicht. Wie naivk Jetzt aber machen S«e mit wir einen Ausflug nach St . . . Wir besuchen den OrtSrabdiner. Wir treten in ,in, wehr al« beschri« dene Wohnung und erkundigten un« nach dem Herrn de« Haufe« und erfahren, er sei in der Schule. Wir begeben un« dahin und treffe» iu einer au« zwei Zimmern bestehenbeu Schule, die mit den nöthlgen Uten» filien versehen ist. den 63, sage drei und sechzig Jahre alten Manu ohne da« obligate Käppchen auf dem Haupte, :umittrn einer Anzahl kleiner Knaben und Mädchen mit dem Dirigrntenstab in der Hand.... Wir stellen un« vor. brücken einander al« Leidensgefährten warm die Hand. Sir hören nun, wir besagter Lehrer, ein Schüler de« selige» Marku« Benedikt seil 24 Jahren ״Lehrer" in de« Worte« breitester Bedeutung ist. und trotz sein,« grauen Haare« und seiner Schwäche ,« noch immer sein muß! und doch ist ja die Gemeinde wohlhabend und auch aufgeklärt, und muß hier einen bedrutrudeu WiekungSkrei« haben, da hier ein prachtvolle« Kot»,-hau«, Orgel, Cdor, geregelter Golle«dieust vorhanden ist; wie kömmt e«, daß gerade betreff« der heiligste» Institute, der Schul, und de» Rabbiner« eine solche Abnormität waltet, denn ich bemerkte nebenbei, daß der zweite Lehrer eben kein Pestalozzi! — Wir bekamen hierauf die sonderbarsten Dinge zu hören. E« war vor 24 Jahren schon eine PhiSharwonika in Thätigkeit, die jäm» wrrlich genug und unharmonisch leierte. Endlich hörte da« Geleier gänzlich aus und ,« ging cvwwe partout. Auf einmal fiel e« de.

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