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Ben Chananja · 1865-08-30 · 35 (30.8.1865) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
35 (30.8.1865)
Date
1865-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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617. 618 die Tätigkeit der Lehrer beurtheilen und zur Abhilfe der wahrgenommenen Uebelstände und Hebung deö Unterrichtes die erforderlichen Vorkehrungen treffen zu können, er daher sich von diesem derart eingerichteten Institute der Inspektoren keinen günstigen Erfolg versprechen könne. Der Herr Statthaltereirath v. Kotasevkcs führte vor, daß, indem der Inspektor nicht blos die Schule zu inspiziren hat, sondern bei drssen Verkehr mit den Behörden auch die' schriftlichen Arbeitern bedeutend sind, die Beseitigung der bei den Schulen auflauchenden Uebelstände, die Untersuchung der vorkommenden Klagen, die häufigen Konflikte zwischen Gemeinden und Lehrer, die Errichtung neuer Schulen die Tbätigkcit und Zeit deS Inspektors vielfach in Anspruch neh, men, zu befürchten ist, daß, wenn auch bei dem Eifer und Hingebung der Israeliten für gemeinnützige Zwecke sich AnfangS Männer finden werden, die bei dem geringen Honorar die Stelle annehmen, später jedoch, zur Kenurniß der übernommenen, mit der materiellen Vergütung in keinem Verhältnisse stehende Aufgabe gelangt, häufig abdauken werden, und natürlich in Folge deö fortwährenden Wechsels daS UnterrichtSwesen leiden würde. Ungeachtet dieser erhobenen Schwierigkeiten baden sich die berufenen Derathungsmitglieder ohne Ausnahme einstimmig und wiederholt dahin geäußert, daß nach einer Jahr- Hunderte alten Gepflogenheit sämmtliche Aemter in israeliti׳ schen Kommunal, nud kirchlichen Angelegenheiten unentgeltlich versehen werden, und obwol einige derselben die Thätigkcit der Betrauten in größerem Maße in Anspruch neh« men, sich doch nie der Fall ereignet hak, daß Einzelne die auf sie gefallene Wahl abgelehnt hätten, weswegen auch die. BerathungSmitglieder überzengt sind, daß ungeachtet der mit der Stelle eincö Schliliiispektors verbundenen schwierigen Amtspflichten die hierzu Berufenen sich denselben bereitwilligst unterziehen werden, und häufige Abdankungen um so weniger zu befürchten sind, alö bei der beantragten Zahl von Inspektoren Jeder seiner Ausgabe ohne Ueberbürdung nachkommen könne. Wie die BerathungSmitglieder die allgemeine Gesiniinng ihrer Glaubensgenossen kennen, können sie versichern, daß nur ein nach ihrem Anträge eingerichtetes Institut der Inspektoren dem allgemeinen Zutrauen und auf dasselbe gestützt, günstige Erfolge im Unterrichtswesen erzielen würde, wo hingegen besoldete Inspektoren ohne diese zum erfolgrei« chen Wirken höchst nöthige Unterstützung bloS eine so zn sagen maschinenartige Thäligkeit entwickeln könnten. Als Beweis kann angeführt werden, daß in einigen Kronländern vor beiläufig 60—80 Jahren ein ähnliches Institut wie jeneö der besoldeten Inspektoren, versucht wurde, jedoch als dem innern Gemeindeleben und den alrerthümlichen Jnstitutiouen der Juden nicht entsprechend und demzufolge auch von dem öffentlichen Zutrauen nicht unterstützt, nur dem Namen nach eristirt, ohne die erwünschte Förderung des Unterrichtöwesenö erzielt zu haben. Die Frage, ob sich auch hierzu pädagogisch befähigte Individuen in genügender Anzahl finden werden, glauben die Beraihllligöiiiitglicder aus Grund ihrer Lokal- und Personalkennrniß mit Ja beantworten zu können, da fast in allen Gegenden theilS wissenschaftlich gebildete Rabbiner, theilS lehrbesähigtc von dem Lehramt« zurückgetrereue Männer sich befinden, die den diesbezüglichen Anforderungen entsprechen dürsten. Da eS dem nöthigen Ansehen des Inspektors nickt entsprechen würde, wenn er bezüglich der Bezahlung seines Ho, norarö mit der Gemeinde in unmittelbare Berührung kommt, und dadurch, daß die Fahrkosten auch unmittelbar durch die betreffenden Gemeinden zu vergüten sind, eine unglelchsörmige Belastung der Gemeinden, wo wahrscheinlich der Inspektor seinen Wohnsitz haben wird—, gänzlich verschont bletden, die dem Wohnort näher gekegenen minder, die entferntern aber mehr belastet werden, stellte der Herr Prüfedie Frage, ob rS nicht der Autorität deS Inspektors und der gleichförmigen Belastung der Gemeinden entsprechender wäre, daß den Inspektoren ihre Reisespesen, Honorar und im Nolh, falle Vorschüsse hierauf auS dem israelitischen Schnlfonde auögefokgt werden, -die dann von den betreffenden israelitischen Gemeinden verhält,lißmäßig dem Fonde zu ersetzen wären. Herr Pappen heim bemerkte wol, daß dies taS Ansehen einer neuen Steuerlast haben, und demzufolge eine ungünstige Wirkung verursachen könnte; da jedoch geltend ge, macht wurde, daß hierdurch keine neue Last aufgebürdet, sondern bloö die ZahluugSmodalität abgeäudert wird, zu derrn Einsicht Jedermann gelangen kann, wurde der dieSbezügliche Antrag deö Herrn Präses angenommen. — Die Kosten, welche die auf Grund der gegenwärtigen Derathung zu errichtenden Anstalten und Stiftungen erfordern, sind ia der Beil. 8ud V dctaillirt berechnet und bezüglich deS nach Abzug dieser Kosten noch verbleibenden Restes beim jährlichen Einkommen deö israelitischen SchulfondeS, wurde ein, stimmig der Antrag gestellt, daß derselbe zur Unterstützung dürftiger Gemeinden, die auö eigenen Mitteln keine Schule errichten und erhalten können, zu diesem Zwecke zu verwenden wäre, übrigens würde die Nothwcridigkeit derlei Unter, stützilngcn bereits im Lause dieser Derathung begründet und im Protokolle angeführt. WaS endlich die Art nnd Weise, wie der ReligionS, und hebräische Unterricht zu behandeln wäre, anbelangt, welche Frage bei Erörterung der Errichtung von noch zwei Mustrrschulrn in Anregung gebracht wurde, stellten die Milglieder die Bitte, daß, da dieser Unterricht je nach der Anzahl der Klassen ein verschiedener sein müsse, der h. Statthaktcreirath mit der Drgutachtung dieser Frage eine Fachkommissson betrauen möge. Schließlich wurden zur Anthentlfikation deS Protokolls die in Pest-Ofen wohnhaften Mitglieder bevollmächtigt, woraus der Herr Präses einige AbschiedSworte an die BerarhungSmitglieder gerichtet, hiebei den sittlichen Ernst hervorgehoben, mit dem die Mitglieder die BerathungSgege«stände behandelt und dieselben ausgesordert hat, mit der im Laufe der Verhandlung geäußerten Loyalität auch auf ihre GlaubenSgcnoffen zu wirke», da Se. k. k. apost. Majestät und die hohe Negierung von dem eifrigsten Wunsche beseelt sind, stets daö Wohl auch der Israeliten zu fördern, wozu auch die gegenwärtige Derathung den Beweis liefert, deren allrt- Niger Zweck die allseitige Bildung ist, wodurch denselben die Achtung der übrigen Bevölkerung gesichert, und gleichsam die Bahn zur bürgerlichen Gleichberechtigung geebnet wird. Nachdem die BerathiingSmitglietcr dem Herrn Präses für das bewiesene Wohlwollen, und wie auch dem Herrn Etatthaltererrathe KotasevicS und Schulen-Oberdirektor Dr. Feßtl für die geneigte Unterstützung bei der Berathung, ihren innigsten Dank ausgesprochen, und so wie bei Beginn, auch bei dem Schluffe der Derathung ihre untenhänlgste Huldignng für Se. apost. Majestät ehrfurchtsvoll geäußert, wurde die Berathung alö beendet erklärt, daö Protokoll geschloffen und gefertigt. Ofen, am 6. April 1864. (Folge» die Uoterscheiste«.) Nach Schluß und Fertigung des Protokolls hat Herr Pappenheim eine separate Erklärung eingereicht, die dem Protokolle sud 4 beigeschlossen wird. Ofen, am 7. April 1864. Franz v. M6ßLroS m. p., k. ung. Slat1haI1»lt1.S,te««ir all Prato» kollsführer.

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