Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 35 (30.8.1865)
- Date
- 1865-08-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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613 614 stand als eine wesentliche Ursache der in religiöser Dezke,! hung auftauchenden Zerwürfnissen der Israeliten zu betrachten j sei. -- ES ist also, tn streng orthodorem Sinne genommen, > unerläßlich nothwendig, daß jenen RabbinatSkandidaten, die den Einfluß ihres zukünftigen Wirkens auf die Bildung ihrer! Glaubensgenossen und deren bierdnrch bedingte soziale Stel« lnr.g erfassend, sich nicht nur zu religiösen »nd sittlichen,! sondern auch zu wissenschaftlich gebildeten ReligionSlehrern! anöbilden wollen, durch ein Institut Gelegenheit geboten! werde, diese Bildung in systematischer Weise und ohne Ge, fahr, auf Irrwege zu gerathen, erreichen zu können. ES ist! zwar wahr, daß eS bis nun auch Einzelnen gelungen, sich ' durch eigene Kräfte, ohne sich Jrrthümcrn hinzugeben, auf * eine hohe Stufe wissenschaftlicher Bildung emporziischwingen; ’ dieS sind jedoch nur einzelne hochbegabte Individuen, wo hin« gegen die bedeutend größere Masse theilS von der Größe der Schwierigkeiten zurückgeschrcckt, die angetretene Bahn der : Wissenschaft verlassen, oder aber ohne Führer, Vorbildung und System in Irrthümer verfallen. Dieses Institut bietet die Möglichkeit, einen Rabbiner, ' stand zu schaffen, der ans der Höhe seiner Aufgabe stehend, ' vermöge seiner intellektuellen Bildung im Allgemeinen, sowie . durch gründliches theologisches Wissen zu dem Ansprüche auf! daö erforderliche Ansehen bei der jüdischen Bevölkerung selbst ■ vollberechtigt, zur Ausführung der Anordnungen der hohen; Negierung und zum nothwendigen Verkehr mit deren Or-! ganen befähigt ist. > Demzufolge wurde die Errichtung einer RabbinatS- ׳' schule in religiöser Beziehung als zulässig und als eine un«! erlässliche Nolhwcudigkeit von sämmtlichen BerathungSmit- | gliedern einstimmig bezeichnet. j Da in diesem Paragraphe der Ort, wo diese Anstalt! zu errichten sei, nicht näher angegeben ist, wurden tieSbezüglich folgende Anträge gestellt. Herr Posncr brachte Pest in Anschlag auü dem Grunde, weil hier die Mittel zur Ausbildung vorhanden, durch die bekannte Mildthätigkeil der, große« Gemeinde die größtentheilS mittellose« Zöglinge eine ausreichende Unterstützung finden würden, und Pest die Hauptstadt deö Landes sei. Herr Pappenhcim erwiederte hierauf, daß er a»S eben diesen Gründen sich für Preßburg anssprechen könne. Mau einigte sich schließlich dahin, daß daö Jnftitiik weder in einer großen Stadt zu errichten sei, wo die zahlreiche» Verlock«»- gen und Zerstreuungen auf die Sittlichkeit und den Fleiß der Kandidaten einen verderblichen Einfluß auöüben könnten, noch in einem Orte, wo schon eine renommirte RabbinatSschule besteht, noch endlich dort, wo sich eine, wenn auch nicht feindliche, doch ungünstige Stimmung dagegen knudgibt. ES wurde daher, indem die Anstalt in einer zahlreichen und großem ׳.Gemeinde errichtet werden müßte, hierzu Alt-Ofen oder Papa vorgeschlagen. Zu 8- 2. Laut welchen daS Recht jedes Gemeinde- Rabbiners, eine Talmudschule zu halten und Rabbinerbefähignngszeuznisse zu ertheilen, llnberührt belassen wird, wurde vom Herrn Präses die Frage gestellt: Worin dieses Recht begründet sei. und ob eS keine nachtheilige Rückwirkung auf daö zu errichtende Institut auSüben werde? Diese Fragen wurden durch die Herren Oberrabbiner Steinhardt und Hirsch dahin beantwortet, daß dieses Recht, wie eö im Eiltwurfe ausgedrückt ist, ein herkömmliches Recht sei, und auf den vielhundertjährigen UsuS begründet ist, wonach jeder Rabbiner berechtigt ist, Schüler um sich zu halten, denselben Zeugnisse über den genossenen Unterricht auSzustellen, die Schüler an« derer Rabbiner zu prüfen, wo dann gewöhnlich ein mit. Zeugnissen mehrerer Rabbiner versehene Kandidat als Rabbiner betrachtet wird. Dieses Recht besteht in jedem, auch solchem State, wo bereitöffentliche RabbinatSschulen destehen. Die Aufrechthaltung dieses UsuS erheischt HierlavdS der Umstand, daß die Wirksamkeit dcS zu errichtenden JastltuteS sich erst iu einigen Jahren entwickeln wird, und daß auf diese Weise auch jenen Laien, die sich nicht dem Rabbinerstand widmen wollen, und sich tu nicht geringer Anzahl in derlei Schulen einzufinden Pflegen, Gelegenheit geboten ist, sich eine umfangreichere religiöse Bildung zu verschaffen. Die Abschaffung dieses UsuS würde nachtheilige Folgen auf das Gedeihen deö zu errichtende» Institutes auSüben, für daS vor allem nothwendig ist, daß selbes da- Vrrtraue» der gesammten Judenheir gewinne. DaS Vertrauen kann aber durch die Abschaffung emeS mehrere Jahrhunderte alten UsuS nicht erweckt werden, hierdurch würden im Gegentheil diejenigen, welche der stieng konservativen Richtung angehören, und alle überkommenen religiösen Institutionen in ungeschmälerter Integrität erhalten wissen wollen, in ihrem Mißtrauen gt-gen dieses neue Institut nur bestärkt und der hierknrch gleichzeitig erzeugte Widerstand würde daS Gedeihen des Institutes beeinträchtigen. Wenn daS Institut thalsächlich beweisen wird, daß eS iu religiöser Nichkunq den strengsten Anforderungen entspricht, daS talmndisch-thcologische Studium in dem Lehrsystem den Schwerpunkt bilde, außerdem aber geeignet sei, seine Zög- -linge zu wissenschaftlich gebildeten Männern heranzubilden; so wird sich daS Ziltranen dem Jnstlknte vollkommeu zuweaden, und in dem Maße als kicö und dadurch die Anzahl der Schüler wächst, wird sich die Zadl der Schüler einzelner Rabbiner, die ohnedies nur in geringer Zahl vorhanden, vermindern, und dieser UsuS von selbst allmälig aufhören, ohne daß es nöldig sei, mit Bennruhignng der Gemüther an dieser Jahrhunderte alten Gewohnheit zu rütteln. Auf die Frage deS Herrn Präses, ob eS nicht angezeigt wäre, zu bestimmen, daß die auf obige Weife herangebildeten RabbinatSkandtdaten nur dann zum RabbinatSdienste als befähigt z» betrachten sink, wenn sie in dem zu errichtendrn Institute sich einer Prüfung nnterziehen und selbe mit Erfolg bestrben? wurde von Herrn Oberrabbiner Steinbardl geantwortet, daß man eine diesbezügliche Verfügung alS in eine administrative Sphäre gehörend, betrachtet, und demnach die betreffende» BerathnngSinitglieder sich inkompe« reut fühlten, etwas hierüber zu bestimmen. Zu K. 3. wurden die BerathnngSinitglieder angewiesen, einen detaillirken Kostenüberschlag. sowie für die zur ersten Einrichtung, als auch ferneren Erhaltung für Mierhe, Be- Heizung, Beleuchtung, Reinigung, Lehrmittel, Sammlungen nöthigcr Summen zu verfassen und vorznlegen. um in dieser höchst wichtigen Frage der materie'len Bedürfnisse nicht die Nothwendigkeit weiterer Verhandlung herbeizuführen, wodurch daS JnSlebentreten keS Institutes nur verzögert würde. Die zur Sprache gekommene Höhe der für den Direkior und die Lehrer beantragten Besoldungen wurde dadurch inotivirt, daß in Berücksichtigung der Bestimmung dieser Anstalt vur bekannte Kapazitäten älS Leiter und Lehrer de« dienstet werden können, die aber kaum geneigt sein dürften, ihre größtenkheilS gesicherte Stellung zu verlassen, wenn ihnen nicht auch in materieller Beziehung ein annehmbares Aequivalcnr geboten wird. Ferner sei die Große der Aufgäbe und mehrseitige Beschäftigung, sowie der Umstand za berücksichtigen, daß die jüdische Haushaltung größere Bedürfuisse habe, weswegen auch für die Gymnasiallehrer größere Bezüge alS jene an katholischen Gymnasien sind, auch auS der Ursache beantragt wurden, weil sie tm Nothfalle auch die Lehrer der Theologie zu suppliren haben, und außer ihrem systemmäßigen Bezüge kein Rebenemolument haben können. Zu Z. 8. Da die Anstalt, wie schon angedentet, in Alt-Ofen tJu Papa zu errichten wäre, wo eS uichr auS-