Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 33 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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591 592 lannt, worüber sich Niemand wundern wird. Sehr überraschen muß aber die Entdeckung, daß auch ein sehr berühmter jüdischer Theolog keine klaren Begriffe von diesen Dingen hatte. Dieser Theolog ist kein anderer, als — R. MoseS Soferl! Von seinem Kollegen, R. MoseS PerleS kn Eisenstadt, über die Translokation des AlmemorS vor die h. Lade befragt, antwortet er unterm 2. März 1830, daß dies in keinem Falle geschehen dürfe, indem der Sllmemor, die Stelle deS goldenen AltarS vertretend, in der Mitte der Synagoge stehen müsse, damit dadurch so viel als möglich die Einrichtung deS Tempels zu ZernsalemS nachgeahmt werde. CH. Sof. zum O. CH. Nr. 28.: על בן ראוי להעמידו באמצע בית הבנסת לדמותו לבית המקדש בכל האפשרי ואין לשנות במקדש מעט שלנו Also ganz die Theorie des Baumeisters Förster in ן Wien! Zn der Angst vor der in Eisenstadt angestrebten Ne, § form übersah R. MoseS, daß die Nachahmung der serns. 8 Tempeleinrichtungen, die er so angelegentlich empfiehlt, vom 8 Talmud nicht nur nicht empfohlen, sondern sogar für ver- U wcrflich und sündhaft erklärt wird! Z Ich kann mir denken, daß die Panegyriker deS sel. i N. MoseS eS nicht stillschweigend hinnehmen werden, wenn W ihrem HeroS, dem ״Heiligen Israels", nachgewiesen wird, H daß derselbe mit Prof. Förster in einem und demselben antijj talmudischcn Jrrthum befangen war. Hoffentlich werden die m Herren in der von ihnen herauszugebenden Apologie auch 1 nachstehende Punkte nicht ungerechtfertigt lassen. 8 2. R. MoseS behauptet, daß eö der innere oder H goldene Altar war, um welchen am Laubhüttenfeste die W Umzüge gehalten wurden. (Sulla *1, 5.) Dies ist aber leider 8 nicht wahr! Wo immer im Talmud von einem Altäre H schlechthin die Nide ist, wird ohne Ausnahme der an- S ßere oder kupferne, niemals aber der innere oder goldne g Altar darnntcr verstanden. ES ist auch gar nicht denkbar, lg daß die Umzüge um den winzigen goldnen Altar (2 M. 30, U 2. Crub. 4, a. K. Mischne B. Ha-Bechira 3, 16) sollten H staltgcsuuden haben. R. MoseS hat offenbar die beigl den Altäre konfundirt! || 2. Ferner behauptet er, daß der goldne Altar in der I Mitte des Tempels (באמצע הבית) stand. Dicö ist aber H leider ebenfalls nicht wahr! Der goldne Altar stand im He, I chal oder dem Heiligen (קדש, cclla). Der Hechal selbst A sich aber nicht in der Mitte deö Tempels; viel- U inehr war dessen Raum dem westlichen Ende des Tempels H IHN ein Beträchtliches näher, als dem östlichen. Der goldne 8 Altar stand wol in der Mitte zwischen d«m Tische und dem A Leuchter; aber nicht in der Mitte deS Tempels, ja nicht H einmal in der Mitte deö HechalS, indem derselbe sammt dem 8 Tische und Leuchter im westlichen Drittel deö HechalS äuge« U bracht war: ושלשתן היו מונהיו משליש ההיבל ולבניט (Mann. II D. Ha-Bech. 3, 17.) Wäre mithin der Almemor wirklich das Surrogat deS goldnen AltarS, wie R. MoseS meinte, dürfte derselbe gerade nicht in der Milte der Synagoge, sondern f der h. Lade näher stehen, wie denn auch der goldne Altar § der h. Lade näher stand. s: Denkende Leser werden wol von selbst einsehen, daß jj wir mit diesen und ähnlichen Bemerkungen durchaus nicht f dem sel. Preßburger Rabbiner nahe treten wollen; eS ist lediglich die p i lpulistische Methode, die charakterisirt werden soll. Die Blößen dieser Methode müssen an den hervorragentsten Vertretern derselben gezeigt werden, um einer wissenschaftlichen, sprachnnd fachgemäßen Behandlung deö Talmuds Platz zu machen, waS zu den wesentlichen Aufgaden des ״Ben Chananja" gehört. Die Geschichte muß der pilpulistischen Methode, die ungefähr um ein Jahrtausend älter ist, als man gewöhnl'ch annimmt, daS Verdienst zuerkennen, daß dieselbe eine treff, liebe Gymnastik deS Geistes war, waS unsere Väter mit dem Sprickworte auözudrücken pflegten: ״AuS einem Dachur kann man Alles machen!" Sehr übertrieben ist dagegen die Be« Häuptling, daß anS dem Schoße der pilpulistischen Methode die Freiheit der Forschung und Untersuchung hervorgegangen sei. Wol legt der Pilpul dem Geiste keine Fessel an, aber er inicrnirt den Geist, und welche Befangenheit innerhalb dieses JnternirungS-RayonS entstehen und genährt werden könne, habe ich an dem Beispiele deS so hoch gefeierten R. MoseS Sofer klar genug gezeigt. Manche Theorieen SoferS müssen allerd-ngS auf seine persönliche Rechnung gebracht werden. Wenn er z. B. in seinem am 20. Dez. 1618 Unterzeichneten, an daS Rabbinat in Hamburg gerichteten Gutachten erklärt, daß die Juden seit der Zerstörung deS Tempels als KriegSge, fangrne zu betrachten sind (Eleh Diwre ha-Berith S. 9); wenn er ferner, von dem damaligen diplomatischen Charakter der lateinischen Sprache in Ungarn irregeleitet, eö für unpassend erklärt, zum Könige in der Nalionalsprache zu reden, selbst wenn der König dieselbe versteht (Dal. S. 10.: בי המדבר עמי צריך לדבר לשין המלך -אינו מדרך ארץ שידבר בלשון עםאע״סישמבין אותה): so wird für diese Seltsamkeiten nur R. MoseS allein verantwortlich gemacht werden können. Ebenso gewiß sind aber ankere Theorieen SoferS, nach denen z. B. der jübische Bildhanrrlebrling nnr einäugige Statuen verfertigen dürfe (CH. Sof. I. Dea 128), nicht auf Nechnnng ihres Urhebers, sondern auf die der pilpulistischen Methode zn setzen, von welcher die halachische PcariS bis auf den heutigen Tag beherrscht wird. ״Wie soll aber nach Ueberwindung deS pilpulistischen Standpunktes der Talmud gelehrt werden?" Hierauf ist zu anlworlen: Die künsligen jüdischen Theologen niüsseu allerdingS mit dem pilpulistischen Talinndstudlum auch bekannt werden. Noch unerläßlicher, a!S dies, ist aber die Forderung, daß denselben nicht nur die tallnudische Dogmatik und Ethik, sondern die talmukische ^lttrthumsknndk überhaupt im weitesten Umfange von berufenen Lehrern nach Wissenschaftlich auSgearbeiteten Lehrbüchern gelehrt werde. Diesen Um« nnd Auftchwung der talmiidischen Studien, welcher von der Ueberwindung deS pilpulistischen Standpnukles bedingt ist, küniien weder Pamphlete, noch nichtssagende Salbadereien verhindern. Die historische Schule ist eS auch, welche die Ehre deS TalmnkS vollständig retten und die Großartigkeit der talmndischen Literatur zeigen wird, waS den Pilpulisten und Romantikern weder gelungen ist, noch gelingen konnte. Gegenerklärung. Frankfurt, 6 Angn». Der ״V11>v.-r« isr." bringt in seinem August!»», r»1r (ZikäriiliglS vor. Nummer .<?01. 563.) Drr Sltiiiißiop drzirhi sich auf r»1e lZikärnng. die Herr St. in drr Gr»rralvrriammll1»g in Pari« am 25. Mai wegen rinrm v0״ ibm i» de» »Archive»- -erichieneneu Ariilel. der relig'öir Fragen de» ׳lihrte. abgegrden bat. Wir muffen aber sehr brzwriirl». ob da« Z,n« irallomilS da« Bedauern de« Herrn Bloch gelheit» und von Herr» St6* nigSivarier eine (Liklärnng verlaiigl bälle, daß er einer öffrnrlicken Ver« lauimluiig, in der keine reilgiöie Frage besprochen und nur über die Kouiiiiuiriiug eines Berein« verdanbeil wurde, deffr» Zw-ckeu und Zielen sich jrke Ntichiiiiig auschlirßru konuie, nicht in iei»rr Eigenschaft gl« Vizepiäsiceut beigewobni habe. Bon einer birrkle» Bcrlretung konnte hier nur so weniger die R׳de fein. da von den Namen und (Ligenichasieo der Anwesenden nur in soweit Notiz genommen zu werden brauchte, als e« der Anstand und die Leitung der B,׳Handlung refotder״. Der Berichterstatter woll», aber mit dieiem Ausdruck,, der den oridodoren Nerv d׳S Herr» Bloch so sehr asfiiirt hat, weiter nicht« sagen, als daß sich die Beisammlung geehrt fühlte, rin so tbüiigk«. einflußreiche« Milglied der Alliance tu ihrer Mitte zu sehen. Wir qlan» bei, übrig,»« mrbr al« einmal in eine», Fefl- oder Konzeriderichi de« Herrn Bloch grlrse» zu baden, ״In Knuts llunnoo a «>tä reprösintSs pur .... vbiir daß der Gedanke Lader auikou,u>rn konnte, der Anw«- lende hätte hierzu rin osflzielle« Mandat erhalten Drr Berichterstatter. Druck von Sigmund Burger in Szegedin.