Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 33 (16.8.1864)
- Date
- 1864-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2543219-2543253--4362-2548329- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
685 586 Literarischer Zolbo (כלבו). XML ©1r (in der ״$ranffarl,r •Romfpottbntj* der vorigen Nummer angeführte) Spruch lautet: ״Die Lehre über dir Bogelpaare, welch» von Frauen zu verschiedenen Zeiten ak« Opfer dargebracht werde» sollen, und die oft zu so verwickelten Fragen führt, daß statt eines solchen Paares vier und fünf dargebracht werden müssen, sowie dir andere Lehre über dir Zeit, wann eine im unreinen Anstande befindlich, Frau al« rein gelte, die durch irrige Berechnung gleichfalls oft so verwickelt wird, daß sich dir Zeit weit ausdrhnt — diese Lehren find wesentliche biblische Vorschriften; Berechnung der Sonnenwenden und Geometrie find bloße Beigaben zur Weisheit." Wenn Eleasar wirllich die Ansicht gelheilt, welche dem Worlsinve der Stelle entspricht nud welche ihm bisher von allen Erklärer» beigelegt worden, so können wir, meinte G.. ihm unsrre Zustimmung nicht geben; die genannten fernlikgrudeu, durch die spitzfindigsten Bedenken auSgebreiteten Aeußerlichkeiten sollen das Wese» der Lehre bilden? sämmtlichr mathematische Disziplinen rin bloßes Bei» werk sein? Allein auch die Talmudlehrer sind weil entfernt, diesem Aus» spruche beizustiwmen. Zur Genüge bekannt ist der'Spruch: Der, wel» chcr eS versteht, die Sonnenwenden und den Lauf der Gestirne zu de» rechnen und e« nicht thut, von dem gilt dasSchriflwort: sie schauen nicht auf das Wirken Gotte- und beachten nicht das Thun seiner Hände (Sabbat 75, a); das klingt wahrlich nicht, wie jene geringschätzige Behandlung der Mathematik als bloß,- Bei» werk. Umgekehrt wird jrne Pünktlichkeit mit dem ״Vogelpaare" keine«- Wegs als Grundpfeiler der Lehre hingest,»«. Einst, erzählt die Mischna (Keritot 1, 7). stiegen durch die ängstlichen Bedenken und die zahlreichen Opfer die Bogelpaare so sehr im Preise» daß man einen Golddenar für eines zahlte; da sprach Simon b. Gamaliel: Bei diesem Tempel, ich wist diese Nacht nicht ruhe», bevor der Preis auf einen Silderdenar herabgegangen. Er ging in das LehrhauS und entschied, daß die Frau unter allen Umständen bloS ein Dogelpaar darzubringen habe alsbald siel der Preis tief herunter. So verfährt man wcl nicht mit dem Wesen der Lehre, so handelt man gegenüber von Dingen, die als GewiffenSskriipel in, gewöhnlichen Leben geachtet, aber bei sich herausstellenden Mißständc» ohne Bedenken als unwesentlich bezeichne» werden. — Oder sollte gerade Elcasar Chiema, im Gegensätze z» S. b. G. ent» schiedenen Nachdruck auf diese Dinge gelegt, die Wiffenschasr aber gering geachtet haben? Wäre dies der Fall, so würde freilich seine Meiniuig für uns nicht maßgebend sein; aber wir haben auch kein Recht, eine solche dem Elrasar beilegen zu dürfen. Wenn dieser den genannten halachischen Ergebnissen wirklich solche Bedeutung beigelegt hätte, warum kommt sein Name nirgends bei den Verhandlungen darüber vor? Ueder« Haupt kennen wir ihn keineswegs als einen bei den Diskussionen stark» detheiligteu Lehrer. Er wird nur höchst spärlich mit einige» sehr einfa» che» Sätzen genannt. Za, nach einer Erzählung im Mitrasch (Wazikra rabba c. 23) schrink Elrasar auf untergeordnett Einzelnheiten sehr ge» ringen Werth gelegt zu haben. Einst lost ec in einer Gemeinde, die ihn al« brrühmtrn Lehrer begrüßte, ausgrsordrrt worden sein, einige gölte«» dienstliche Funktionen zu verrichten, aber offen bekannt haben, daß er sie nicht verstehe, und als er dies bei der Rückkehr dem Akiba mitgelheilt, und von ihm darüber Auskunft verlangt, so daß er sich später in derselben Gemeinde verändert zeigte, so habe man gesagt Eleasar war wol früher mit einem ״Maulkorbe" versehen, woher auch sein Name ״Chisma" genommen. Ein solcher Mann paßt schlecht zu einem Spruche, der, so ans die Spitze treibend, weil auSgrsponnene Disluffionrn über fernlitgrnde Gegenstände zu Grundlehreu stempelt. Umgekehrt können wir nicht glauben, daß Elrasar dir Mathematik mit so wegwerfendem Blicke betrachtet, da wir gerade da« Grgentheid von ihm erfahren. Einst, erzählt die Temara fHorajot 10, a), hatte Gamaliel Gelegenheit, sich von den astronomischen Kenntnissen Zosua« zu über, zeugen, und aler darüber seine Verwunderung kundgab, da sagte dieser: da bewundere lieber die zwei Weiseoschüler Eleasar Chisma und Zochauau Gudgada, ״die zu berechnen wissen, wir viele Tropfen da« Meer enthält und nicht Brot und nicht Kleidung zur Bedeckung haben." Nur mühsam gelang r« Gamaliel, dir beiden Mänurr zur Au« »ahme ,0» Stelle», dle fl» nährte», z» beweg,». Na» fleh» daraus, Elrasar war ei» bescheidener, zurückgezogener Gekehrt,. der wahrlich nicht so hochmüthig die Mathematik als Dessert verspeiste. Wir uu» bann? fuhr Geiger fort, wen» wir eben diese» Spruch im Munde E.'S nicht al« Wahlspruch, nicht al« Lehre auszusaffe» hätten, sonder» al« Zeitbelrachtuog? Wißt ihr, wie e« gegenwärtig uutrr uns steht? pflegte wol E. in trautem Kreise zu sage», man achtet di« Lehre von de» Bogelpaare» und den Niddah-Lösungeo als wesentliche Destoudlheil, der biblischen Religion, dir Berechnung der Sonnen»,a« dra und die Geometrie aber als bloße Zukost zur Weisheitl Welche traurige Erscheinung! Ob die« wirklich der Sinn diese« Spruche« ist? ich will e« nicht behaupten, so schloß G., aber dem Charakter de« Lebrer« entspricht er. Daß G. noch Anwendungen auf die spätere Zeit anknüpfle, können Eie sich wol Lenken, und daß diese dem Herrn S. und Konsorten nicht mundeu, ist auch selbstverständlich. Er will es dabei bewenden lasse», die קנין ופתחי מ״ה — so weit er etwa dleselbe aus DatinoreS Kom« menlar kennen lernte — die Grundlehren der Thora sind, die Mathe« malik aber etwas ganz Entbehrliche«, und er möchte über G. spotte», über dir Kritik, dle ״Wörtchen" sagt. Ach, der Spott z«igt von de« Weh der eigenen Hohlheit »nd man hat wirklich Bedauern mit dieser gänzlichen Unfähigkeit. Lasse» wrr die Tobte» ruhen! Sen Charmnja's Süße und Sekehrmrg.*) IV. Ausschreitung der Soferianer. Von M. S. in St. M. Während aus dem Lager der Frömmler asir Pfeile de« sanati» scheu Hasseauf Euer Hochwürden abgrdrückt werden, weiß e« jeder, nur einigermaßen Beffergesinnte vollkommen zu würdigen. welch ei» verdienstliche« Werk es ist, der fast an Götzendienst streifenden Men« schenverehrnng, die jedes bessere Streben und jede geistige Entwicklung zu ersticken droht, mit Nachdruck zu begegne». Und nicht blo« Männer de« Fortschritte«, sondern auch wahrheitsliebende Talmudforscher von der andern Seite sehen eS nicht ungrrne, daß man dem unsinnigen, seit einiger Zeit angenommenen Glaub,» an die Unfehlbarkeit späterer rabbinischer Autoritäteu ein wenig zu Leibe rückt. Auch diese sehen sich durch diesen thöeichteu Wahn verkürzt an der freien Diskussion, welche die Talmutforschung von jeher charakterisirte. Und verkürzt wird ihnen diese Frcihrit; dafür mag folgendes Faktum zeugen: Ein gewisser Herr U. . ein sogenannter hiesiger Lamdan, dem eine kasuistische Erörterung im Ehaiham Sofer nicht sehr einleuchtend schien, wendete sich dieSbe» züglich an den al« talmudische Autorität bekannten Rabbiner zu Sz. P>, sich darüber Aufschluß erbittend. Dieser aber, anstatt mit Gründe» seine Meinung zu widerlegen, macht ihn darauf ausnierksam, daß ,« der Lehrrr de« ganzen zerstreute» Zsrael« sei, gegen den er zn Felde, z« ziehen wagt. Al« aber Herr U. demungeachtet abermals ihu anging, und durch neue Belege seine Ansicht zu erhärten versuchte, wurde Gr. Ehrw. ordentlich ungehallen. und drohte, seine Briefe unbeantwortet z» lassen, wenn er sich ferner noch erkühnen wostte, einer fremde» Vernunft sich nicht ganz gefangen gebend, von der eigenen Gebrauch zu mache». Nur Herr N. au« St. fand sich berufen, dieser gerechten geistigen Fehde riltgegenzutreten. Wa« Herrn N. dazu bewogen haben mochte, bleibt räthselhast. Di. ,'er Herr schien ja sonst nicht eben so ganz stockblind z» sein. Sostte er vielleicht blo« seine» Scharfsinn zur Schau zu stelle» beabsichtigt haben? Wenn dem so wäre, freuet« es mich herzlich, diesem Herr» eine weit bessere Gelegenheit a» dir Hand gebe» zu könne», seine» Witz zu übe». Denn, weu» der srl. Verfasser de» Ehatha« Sofer, auf dem Gebiete profaner Wissenschaft noch mehr al« Laie in filelogischer Erörterung nicht eben glücklich war, ist ganz »aturge« maß. daß aber Rabbiner Zomtob Heller in seinem Mischna-Kommrotar zu Kerith Abschn. ü Mischaa 1 nicht gemußt zu Hab,» fcheiut, da- ח3בים kein rolhes Blut habrn, und daher keine« besonder» Merkmale« zur Uoterscheidung bedürfen, erscheint bei der umfassende» Gelehrsamkeit ') S. oben Nr. 27. 28.