Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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563 567 tefnn auch antrrto&rff unsere jüdischen Glaubensgenossen durch freuud» licht- Sotgegeosommeo, biedere Handlungsweise und hervorragende In» telligeoz sich die Achtung, Liebe der christlichen Mitmenschen zu erringen streben würden, wir die« io Klein-Zell iw vollsten Sinne de« Worte« der erfreuliche Fall ist. X. Prag, Ende Juli. Es ist ein eigene« Glück, wenn riu Journalisten äuge von Gott mit der Gabe gesegnet ist, Alle« io rosen» sarbenem Lichte zu schauen. Wir wollen damit eben nicht sagen» daß dies« GewüthSfeligleit eia große« Glück für die Publizistik ist, denn wir glauben ja nicht, daß die schillernden Farben der Illusionen und Halluzinationen zu sachgetreucn Darstellungen von bestehenden Zustäuden besonder« geeignet find! Unsere Behauptung gebt nur so weit: ,« muß eine reiche Quelle de« Wohlbehagen« für einen Referenten sein, wenn er immer und überall bei seinen Darstellungen mit gehobener Seele und schwellendem Herzen in die Worte de« optimistischen Dichter« filosofeo tiostimwen kann *All what 18, is right!“ — Un» hat der liebe Gott dieses süße Glück versagt; wir beklagen un« nicht darüber, wir theilen die« blo« als Avis au lootour mit, woraus sich der ge« schätzte Leser alle Berichtigungen erklären mag, welche sich unsere Mo« natSkorrespondenz noch wird gesalleu lassen müssen. Möge man au« dem Vorangcgangenen nicht den Schluß ziehen, daß wir bestrebt sind, durch da« ewige Stechen und Prickeln einer nimwer ruhenden Satyre da« Interesse unfertr Berichte zu unterhalten oder zu steigern, oder daß wir unerreichbaren Idealen zu Liebe das zu ver» kennen und zu verkleinern dispooirt sind, wa« sich unter deu obwalten» den Umständen praktischer Weise zu Stande bringen und durchführen läßt — wir ,'eben nicht rosig, wir sehen auch nicht schwarz. wir haben die Leistungsfähigkeit und die esseltivcn Leistungen vor Augen, und aus dem genaue» Gegeneinanderhallen beider ziehen wir das nüchterne Re« sultat unserer Deurtheilung. Dieses Resultat kann manchmal ein irr« thümlichewerden, aber den Charakter der Integrität. der Aufrichtigkeil und Offenheit wird es immer an sich tragen, denn wir haben eS stclS mit der Sache um der Sache willen zu thun. Wen» wir z. B. heute über eine wichtige Anstalt im Schoße unserer Gemeinde — über die höhere Talmud-Thoraschule. sprechen, und wir brechen nicht in den beliebten Jubel aus. so werden das die Herren, welche diese Anstalt ins Lebe» riefen, keineswegs als eine Schmälerung ihres wohlbegrüudelrii Verdienstes betrachten: denn so wie ich meinerseitanerkenne, daß diese Schöpfung schon darum eine große Wobllhat ist. weil sie denn doch einen Zentral- und BcreiniguiigSpunkt abgibt für die hirsigrn Kandidaten, die ehedem ohne Leitung und Aussicht ganz und gar sich selbst überlassen waren, welchem Sichübcrlasscnsein schon so manche hoffnungsvolle junge Kraft zum Opfer siel — so wird eS seiuerseilS der Vorstand der Talmud-Thorazchnle , der durchaus der Hähern Intelligenz angehört. gewiß von selbst zngeben. daß diese Anstalt in ihrer jetzigen Verfassung noch weit davon entfernt ist, ein ausreichende» Acquivalent für ei» systematisch gegliedertes Seminar bieten zu können. Ich will abseheo von der Art und Weise, wie hier Talmud gelehrt wird, man würde mir auf etwaige diesbezügliche Bemerkungen ant» Worten: ״Wir wollen eben dir pilpulistische Lehrweise, sie erzeugt bessere Talmudisten, als die historisch-philologische Richtung!* und mau könnt« theilwrise als Gewährsmann für diese Ansicht Geiger selbst zitirea, der in seinen neuern Vorlesungen die babylonische Schule so sehr über die palästinensische erhebt — ich will also schweigen über dir Methode de« hiesigen Talmudunterrichte« mit dem Vorbehalte, iu einem spätern Berichte eingehend davon zu sprechen. und ich gestatte mir heute nur di, Frage: suchen denn dir ungarischen uud galizischru Kandidaten — andere gehören hier zu den Ausnahmen — die pilpulistische Talw udschul e iu Prag? Die sinden sie in ihrer Heimat weit gereifter und auSgedildtler, alk hier. Wa« hier nur erst warzenmäßiger Ansatz ist,' das ist dort schon vollständig verknöcherter Auswuchs! — Wenn ,in Kandidat trotz de« drohenden Anathema den Muth^iu sich siodet, der Preßburger Iefchiba abtrünnig zu werden, und nach Prag zu gehe», so ist ,« gewiß da« tiesgesüblte Bedürfuiß nach zeitgemäßer Bildung, welche« ihn hieher führt. W» »st nun von Seiten unserer Rabbiner» Bildungsanstalt für die Befriedigung diese« Wiffensdurstt« gesorgt? Durch eine pilpulistische Talmudschui, . welch, ihm in ihrer Art weit weniger bietet, als die Preßburger durch homiletisch« Vorträge, über deren Werib ich hier nicht sprechen will — gewiß ist, daß in diesen Vorlesungen da« ganze Jahr hindurch kein Wort über die geschichtliche Entwicklung unsere« homiletischen Schristthume« gesprochen wird — dir aber, und wären sie die besten, »och immer nicht auSreichen, al« Ersatz für eine gründliche klassische Bildung! — Ich weiß, man wird auf die hiesige filosofische Fakultät Hinweisen; die altna mater nimmt ja auch unsere Kaubidaten liebend auf und läßt sie gerne Wissenschaft trinken an ihren Brüste»! — Lassen Sie sich aber im Vertrauen sagen, diese filososische Fakultät unter den jetzigen Umständen gereicht sie dem überwiegend größer» Theile unserer Talmuvjünger mehr zum Schade» als zum Nutzen. Der Kandidat kömmt hieher, e« fehlt ihm zumeist jede wiffenschastliche Vorbereitung und da« erste, wa« er hier »Hut, er läßt sich als Leosvoloos an der llnioersität inikribircn! Könneo ihm diese Vorlesungen in den verschiedenen Disziplinen fruchtbringend sein, da ihm keine ordentliche Vorbildung die nöthigen Mittel zum gründlichen Verständnisse derselben bietet? — Was läßt sich von einem solchen Btl« dniigSgangr. der kopfüber onsängt, hoffen und erwarten? Nun wir müssen sie eben ignoriren, denn erstens kollidirt die Unterrichtszeit an unserer höher» Talmndschulr mit deu der Gymnasien in der Art, daß ein und derselbe Kandidat unmöglich beide besuchen kann, und daun fordern Alter, Stand und gereiftere Fassungskraft der Kandidaten Modifikalioneu im Gymnasialuutcrrichte. wie man sie an diesen öffentlichen Anstalten nicht vornehmen kann und wird. — Sollten wir zur Abhilfe dieses Nebels die Errichtung eines PrivatgymnafiumS neben der Tal« mud-Thorakchule Vorschlägen? ein solcher Vorschlag wäre nur rin junger Zuwachs zur alten zahlreichen Familie der frommen Wünsche. Wir er» landen uns dagegc» die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf ein Aus« kunstSwittel zu lenken, das geeignet wäre, unsere Anstalt aus ihrer Halbheit herauSzudringen und der Konstruktion eines Seminars um ein Bebrütendes näher zu rücken, ohne daß dieses AuSkunstSmittel die gro« ßen Gcldopser eines selbstständige» GymnafiuiuS in Anspruch nähme. Wie wir nämlich aus sicherer Quelle erfahren, ist dem Institut«- direklor. Hrn. Frei in Gemeinschaftun! Hrn.Dr. Rosenauer, hohen Orts die Konzession zur Errichtung eines Realgymnasiums eriheilt worden. Gewiß werden diese Herren im Interesse ihres zu eröffnenden Institutes tüchtige Lehrkräsle für ihr Unternehmen zu gewinnen suchen. Ferner sind die beide» genannten Herren durch ihre warme Liebe für Juden und Iudenlhum vorlhrilhaft bekannt, Herr Frei hat bisher den regsten Eifer bethäligt an der Anstalt, welcher er vorsteht, das hebräische Element nach Möglichkeit zur Geltung kommen zu lassen, und Herr Dr. Rosenauer Hai während der Zeit se!ner Redaktion de« ״Abendland" den löblichen Willen bekuildet. für die Bildung seiner Glaubensgenossen thätig zu sei». Wir zweifeln nicht, daß die genannten Herren gerne auf eine Vereinbarung mit dem Vorstande der Talmud-Thoraschule eingehen und ihr Institut nnter entsprechenden Modalitäten den RadbiuatSkaudidalen öffnen werden. Hier wären also die Mittel geboten, den Tal« mudbefliffenen endlich au« dem verschlungeuea Labyrinthe der Autodidaktik herau-zuhelfen und sie die gebahnte Straße eines regelmäßigen gründlichen Unterrichte» zu führen; rin rascherer Fortschritt, eine syste« malische harmonische Bildung werden die nächsten Folgen eines solchen Uebereiukommeu« sein. Wir hoffen, der verdienstvolle Vorstand, von dem man ohne Courtoisie sagen kann, daß er לש□ שמים wirkt, werde diesen Vorschlag in ernste Erwägung ziehen. Um meiner Refereuteupflicht zu genügen und uw einem vielver« dienten Hingeschiedenen Glaubensgenossen den gebührenden Platz in Ih- Fortsetzung iu der Skilage. Szegedin, J Leipzig, Srlbstvrrlag irr Ledaktio» Sommlstiou»-drrlag von Franz Vag »er. Druck von Sigmund Burger in Ezegedin. -. Hierzu ei« Viertelbogen Bettage.