Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543219-2543252--4346-2548312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
565 556 -um; an -ke Eilfertigkeit, mit welcher in der Seminarfrage die Neuorthoborie über die Einsprache der Altorthodorke zur Tagesordnung übergegangen ist. Beide, die Altorthodorke und ihre jüngere Schwester, sind von ihrem Führer in Wien, dem Herzog von Jerusalem, angeleitet worden, das politische und administrative Provisorium als reaktionSfreundlich zu betrachten. Daher ihre unermüdliche Agitation, der hartnäckige Widerstand der Rabbknen gegen den ausgesprochenen Willen der Majoritäten ihrer Gemeinden, die wiederholten Reisen und Zusammenfünfte, die delatorischen Eingaben, die zudringlichen Andien« zen! Die gebildeten Juden in Ungarn wollten und dursten ihren Gegnern auf diese verwerfliche Bahn nicht folgen; eS genügte ihnen, daß ״Den Chananja" den geheimen Umtrieben der Satelliten des Herrn Ignaz Deutsch in Wien öffentlich mit Entschiedenheit und Energie entgegenlrat. In einzelnen Fällen, wie in der Frage deS Kethuba- und Chalizabries-StempelS, stellten sich selbst orthodore Gemeinden unter die von ״Den Chananja" getragene Fahne der Op- Position. Ich bekenne der Wahrheit gemäß, daß ich mir in allen diesen Dingen kein anderes Verdienst vrndizire, als daö deö guten Willens, der Ausdauer, der beharrlichen Treue gegen eine Sache, welcher seit nahe an dreißig Jahren meine ganzen Kräfte gewidmet sind. Dagegen ist eS der wachsame und stets rege Eifer der edlen Freunde ״Den Chauanja'S" nah und fern, denen eS derselbe verdankt, daß er von den in seinen Bereich fallenden Geschehniffen schnell und genau unterrichtet, und in seinen mit so mannigfachen Hinderniffen und Schwierigkeiten verbundenen Bestrebungen nachdrücklich unterstützt wird. Die ehrenwerthen Männer bedürfen nicht erst meiner Anerkennung, um zur Fortsetzung des Kampfes für daS Recht der Juden, sowie für die Hebung und Ehre deS JudenthumS aufgemuntert zu werden. Wir dürfen hinter den erhöhten und erweiterten Ansordernngen unserer Zeit nicht Zurückbleiben. Hat ja in unseren Tagen Alleö seine Grenze erweitert: Die Verrichtun» gen deS HauSwescnö und der Landwirthschaft, die Gewerbe und die Gewerke, die Wisienschaft und die Kunst, daS Statö« leben und daS GeschäftSlcben'. Unser Gemeindewesen, unsere Jugenderziehung, unser theologisches Studium, unser öffentlicher Kultus können und dürfen sich diesen wohlthätigen Eiuflüssen nicht entziehen. Der Talmud preist die Töchter Zelafchad'S (4 M. 37, 1—4) als weise, weil sie zeitgemäß vorgegangen sind. *) Und Männer, gebildete, denkende. einsichtSvolle Männer sollten nicht bestrebt-sein, sich solche Weisheit anzueignen? Mit der Größe der Aufgabe ist Gottlob die Zahl der Arbeiter gestiegen. Ein Blick auf die Bestrebungen unserer GlaubenSdrüder in England, Frankreich und Deutschland muß uns davon überzeugen. Vor Allem ist eö daS herrliche, großartige Wirken der lVlIinnee israölite universelle, deren letzten Jahresbericht wir erst vorige Woche unseren geehrten Lesern mitgerheilt haben, daß jeden Juden, der ein Herz für *) D. D-thra 49. b.חכמניית היו שלסי שעה דברר sein Volk und seinen Glauben hat, erheben und begeistern muß. Wer könnte in Zweifel darüber sein, waS w. zu thuu haben? Wir müssen dem guten Beispiele folgen. Wetteifern müssen wir mit den Verdienstvollsten und Besten. Alle Kräfte unseres Wesens und alle Mittel unserer Thätigkeit müssen wir in Bewegung sehen, nm die in unserm begabten, aber Jahrhunderte hindurch schwer geprüften Volke schlummernden Anlagen' auszubilden und denselben eine edle Richtung zu geben. Fern sei von unö jene Schlaffheit, die bei den ersten mißlungenen Versuchen die Hände muthloö sinken läßt: ״Die auf Gott vertrauen, erneuen ihre Kraft sie heben, gleich Adlern, ihre Schwingen; sie laufen und werden nicht müde, sie schreiten vorwärtö und ermatten nicht." (Jesaj. 40, 21.) Szegedin, 3. August 1865. Löw. RMaMch-tilurgislhe Reformen. (Schluß.') An dogmatischer Bedentsainkeit wurden aber die Wirren in Livorno und Algier von denen in Triest übertroffeu, als im Jahre 1722 ein gelehrter Talmudist daselbst den Antrag stellte, die an den Bußetagcn gebräuchliche Gebetformel, mit welcher die Engel um ihre Fürsprache bei Gott angerufen werden, sofort abzustellen, indem sich ein solches Gebet mit den Grundsätzen deö JudenthumS nicht vertrage, nach welchen Gebete nur an Gott allein gerichtet werden dürfen. Ein anderer, mehr der kabbalistischen Denkweise zugethaner Talmudist vertheidigte nachdrücklich das angefochtene Gebet. Da eS keiner der streitenden Parteien gelang, den Gegner aus seine Seite zu bringen, so brachten sie ihren, nicht ohne Leidenschaft geführten Streit vor Samson Marpurgo, — geb. 1682, als Jüngling Lehrer und praktischer Arzt i» Padua, seit 1709 in Ankona, wo er später der Nachfolger seines Schwiegervateö im Rabbinate war, gestorben am 1. Peßachtage 1740, — dessen Autorität von beiden Theilen anerkannt wurde. Marpurgo ließ sich bereit finden, daS Schiedsrichteramt zu übernehmen. Sein in einem sehr versöhnlichen Tone abgefaßtes Gutachten enthält im Wesentlichen folgende Bemerkungeu: ״So entschieden eS auch ist. daß Israel alle leiblichen und geistigen Segnungen von Gott allein erwartet, so ist eS doch nicht minder wahr, daß das Verdienst unserer heiligen Patriarchen unS im Erile beistehe, und ihre Fürbitte uns zu Gute komme, wie denn auch in dem Bußegebete der spanischen Gemeinden für den Gedalja-Fasttag die in Mach, pela Schlummernden angerufen werden, ihre Fürbitte bei dem Herrn einzulegen." ״Nicht minder ist eS Geschäft der Engel des ErbarmenS, dem bedrängten Israel durch Gebete zu Hilfe zu kommen, und dessen Gebete dem Herrn in daS Allerheiligste zu überbringen. ES hat daher die Anrufung der Engel durchaus nichts Verwerfliches, so lange wir unerschütterlich fest- ') S. die vorig» Nummer.