Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 32 (9.8.1865)
- Date
- 1865-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2543219-2543252--4345-2548311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Achter Jahrgang. Irden Mittwoch rrschrint rin Pränamor&tionspreix «anzjährig 7 fl.,=4 Tblr. 20 Sgr.. fmlbj. 3 fl. 50 kr.. 2 Tblr. 10 Sgr., virrtelj. 2 fl. oft. W. Linztlne Nummern 15 kr. Man abonnirk bet allea Post, ämtern n. Buchhandlungen des In, und Auslände«. 38._§,Mi>m, Den 9. ihipfl 1863■ : Mil ÄINIiMM. Vochenkialt für jüdische Theologie. Herausgeber und Redakteur: Oberrabbiner zu Szegrdt». Inserate sind an Lte Sltialtion in Gz« g'din. an Herrn!0(1• JHiIi«! i» /mnlfstl 1. R. oder a» H'rru Ignaz Jirfliner (ririac Aukergoff, Ne. 10) in Me» zn sende». Di, Lsp-ltigr Petit,eile wird mit 10 Nkr.^2 Sgr. berechne». JliMöficR auf das vierjährige Provisorium. Ben Chauanja ist kein politisches Blatt; nichts in der Welt kann ihm fremder sein, als die Absicht, statSrechtliche Fragen zum Gegenstände seiner Erörterungen zu machen. ES geschah daher nur ausnahmsweise, daß auch er Anfangs Juni d. I. die allgemein herrschende, gehobene Stimmung zu Worte kommen ließ, sich denjenigen journalistischen Or, ganen anschließend, welche dem Vaterlande den nahe bevor, stehenden Tagesanbruch einer schönem Zeit verkündeten.') Die erfreulichen Hoffnungen haben sich seitdem theilweise in erfreulichere Wirklichkeit verwandelt. Von dem Alpe, der sie drückte, erlöst, athmet die zeitschriftliche ungarische Presse wieder freier aus. Sie kennet ihre Aufgabe, ihre Pflicht, ihre Mission. Mit erneuertem, aber von ruhiger Mäßigung und Besonnenheit geleitetem Eifer legt sie Hand an ihr Werk, um sich auf der Höhe der Situation zu erhalten. ״Ben Chananja" ist kein politisches Blatt, und er hat sich stets gehütet, die Grenzen seines Programmes zu überschreiten. Er war daher wol berechtigt, sich der Erwartung hinzugeben, daß die Maßregeln dcö Provisoriums ihn un, behelliget lassen werden. Hierin hat er sich aber sehr ge, täuscht! Die Verhältnisse in Ungarn sind nun einmal so de, schaffen, daß Provisorium und Denunziation Hand in Hand gehen, und diese von jenem unzertrennlich ist. So konnte eS kommen, daß die im Arbeitszimmer Den Chananja'S aufge» stellten jüdischen Schriftgelehrten aller Zeilen und Zonen — wol zum ersten Male — Zeugen einer polizeilichen HauSdurchs,ichnng waren, auf welche nicht nur eine mündliche Verwarnung vom Obergespans-Administrator deS Csongrader Komitateö. sondern auch ein höherer Befehl folgte, den ״Ben Chanauja" mit aller Strenge zu überwachen. Alles dies ge, schah in Folge der Veröffentlichung zweier Korrespondenz, artikel aus Pest"), welche einen sich höherer Protektion er, freuenden Rabbiner nnangeuehm berührten! Auch die Preßprozesse blieben nicht aus. In Folge einer am 21. Oktober 1863 in Nr. -12 deS ״D. CH." ver, öffentlichten NebaktionSbemerkung^ wurde ich am 8. Jäner 1864 vor das hiesige k. k. Militärgericht zitirt. Eine gleiche Vorladung erhielt ich am 17. März 1864, wegen deS Ar, tikelS: ״Historische Uebersicht der behördlichen Verordnungen über die jüdische Ehe in Un, garn", welcher am 9. Dezember 1863 in Nr. 49 des ״B. Cb." erschienen war. Beide Prozesse schienen zu den M S. tm C'iiarii'fl in Nr. 23 d. Bl. י) S. B. Cd. VI. Ibrg. Nr. 6 Kol. »5-98. J) Kol. 146. Dir NrrotttouSdcmkrkmiq rrivähnt clnigr auf die Autonomir der Gtmrindri, brzüglichr Thallacheu. Akten gelegt zu sein, als ich am 20. Juni 1864 eine neue Vorladung erhielt: der bürgerliche Adjunkt deS k. k. Militärgeeichtes hatte mich über beide Prozesse summarisch zu vernehmen. Am 8., 9., 12. August wurde ich von dem Haupte mann-Auditor förmlich verhört; am 17. August fand vor dem ganzen k. k. Militärgerichte die Schlußverhandlung statt. Am 18. August, acht Uhr Morgens, wurde mir, nachdem nach militärischer Weise die Trommel ihre Stimme hatte vernehmen lassen, daS Urtheil verkündet, daß ich in Folge der RedaktionSbemerknng vom 21. Oktober 1863 und deS Leitartikels über die Eheverordnungen vom 9. Dez. 1863 wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu je acht, tägigem Arreste verurtheilt worden sei. Unmittelbar hierau schloß sich die Mittheilung, daß der Platzkommandant, Oberst, lieutenant Graf Erbach, mir in Rücksicht auf den GeburtStag Sr. Majestät und in Würdigung meiner sonstigen Verdienste die Strafe im Gnadenwege gänzlich nachgesehen habe.. Die freundlichen Leser deö ״B. Ch." werden wol meiner Versicherung glauben, daß mein Gewissen trotz der mir vorgehaltenen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung vollkommen ruhig blieb. Nichtsdestoweniger faßte ich den Vorsatz, Alles zu vermeiden, was abermals die Denuuziation gegen den ״B. Ch." in Bewegung setzen könnte. Trotz aller Vorsicht wurde ich jedoch verhindert, die Veröf, fentlichung der Aktenstücke, die unter der Rubrik: ״Zur Geschichte der Gegenwart der Juden in Ungarn" erschienen sind^), sortzusetzcn, und mußte sich die 2. Nummer deS gegenwärtigen Jahrganges sogar eine 24stündige Arreststrafe gefallen lassen. Eö waren die romantischen Vormünder der Altorthodorie, die hier ihre Hand im Spiele hatten! Hätten die kirchlichen Verhältnisse der ungarischen Juden bereits die wohlthätige Einwirkung einer weise organisirenden Hand erfahren, so würden dieselben von de» Abnormitäten eines politischen und administrativen Provisorium» entweder gar nicht, oder doch nur leise berührt worden seia. Nun wurden aber zu jener Organisation, so dringend nothwendig dieselbe jedem tiefer Blickenden auch erscheinen muß, noch nicht einmal die ersten Linien gezogen; nichtist daher leichter, als die vorhandenen Zustände in ihrer Mangelhaftigkeit und zum Theile primitiven Unordnung darzustelle», und den Behörden allerlei Verbesserungsplane vorzuschlage»; welch rin weites, einladende-, vielversprechende- Feld für ämterlustige und ehrgeizige Projektenmacher! Wir erinnern nur an die zu besoldenden Schuliuspektorea; an *a« 1» Nr. 29 d. Bl. mitgrtheilte, höchst charakteristische Memorau- > S. B. CH. VH. Jhrg. Nr. 44-48. Die