Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 31 (2.8.1865)
- Date
- 1865-08-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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647 648 Knaben- und eine Mädchenschule. In der Türkei haben Smyrna und Saloniquc je eine Knabenschule; in Damask ward eine Knaben- und Mädchenschule eröffnet; in Belgrad ist die Schule gesichert; Volo erwartet von uns einen Lehrer, um eine Schule zu eröffnen. Zehn Schulen sind gegründet oder im Entstehen, und diese Schöpfungen können nicht verhindert werden. Unser K0!nit6 zu Konstantinopel hat schon einen Theil der Summe gesammelt, die zur Gründung einer neuen Scliu- 1c erforderlich ist. Tunis will auch eine Schule haben, der Vertreter Frankreichs versprach, dieselbe zu unterstützen. Zu Tripolis haben einige für die Zwecke unscres Vereines begeisterte Männer versprochen, eine Lehranstalt zu gründen. Jaffa bedauert, Armuths halber keine gründen zu können, und bittet um unsere llilfe. Aus Korfu meldet man uns, dass man im Begriffe ste- 11c, eine Mädchenschule ins Leben zu rufen. Diese Schulen bestehen glciehcnnasscn für Arm und ]?eich. "Wir sorgen überdies dafür, das Air. arme Kinder ein genügender Kaum frei gehalten werde. Zu Tanger ist die Zahl der Schüler in der Knabenschule über 400, Air die Mädchenschule sind 70 eingeschrieben; in Tctuan besuchen die Knabenschule 100 Schüler, die Mädchenschule 60. Die Schulen sind nicht gleich bevölkert, weil sie noch nicht genügend eingerichtet sind. Allenthalben ist der Unterricht gut bestellt. Die Kinder im Oriente, berichten uns ihre Lehrer, sind überaus begabt. Sic besitzen eine Fülle von Geist, Lebhaftigkeit der Phantasie, Gelehrigkeit; und sie machen in allen Zweigen des Unterrichtes, welche allen Schulen gemeinsam sind, nämlich, in der nationalen Sprache, in der hebräischen Sprache, der Geschichte, der Geographie, der Arithmetik, der Glaubens- und Sittenlehre rasche Fortschritte. Die Entwickelung dieser Schulen besitzt die Aufmunterung Aller derer, die zu würdigen wissen, was dieselben Air die Zukunft des Orientes versprechen. Die Gründung von Mädchenschulen hat eine Tragweite, wclche der Direktor einer unserer Schulen folgendcrmasscn bezeichnet: ״Die Mädchenschule verdient hier wie überall vor der der Knaben Ihre Aufmerksamkeit: denn hier wie überall vollzieht sich die wahre Zivilisation des Mannes erst nach der des Weibes. Beim Anblick der Judenmädchen hier zu Lande kann man sich eines von Stolz und Wehnmth gemischten Gefühles nicht entschlagen. Ich unterdrückte meine Thränen als ich an die Zukunft dieser kleinen Engel von rafaelisehcr »Schönheit dachte, in denen vielleicht der Geist jener Heldinnen schlummert, die dem isr. Volke entsprossen sind. Warum übernehmen die liebenswürdigen Frauen von Frankreich nicht die Hälfte Ihrer so interessanten Aufgäbe? Kiehtcn Sic eine Aufforderung an die Frauen; jene von Amerika, dessen bin ich gewiss, werden nicht ermangeln, zu antworten.“ Der Aufruf ist von unserer Seite erfolgt und wir hoffen, das derselbe Gehör finden wird. Die. diplomatischen Agenten sind unseren Schulen überall zugctlmn: die Einen befördern das Zustandekommen derselben, die Andern beaufsichtigen die schon gegründeten Schulen. Sic unterhalten mit dem englischen Comitö Air die Schulen zu Marokko,— deren Vorstand der treftlichc Hr. Picciotto ist, dem die Ehre gebührt, der erste gewesen zu sein, der Air Marokko Schulen gefordert und der deren Gründung vorbereitet hat, —und mit uns ununterbrochene Beziehungen im Interc8so dieser Institute und zeigen sich, indem sie an diesem für die Ge8ittigung so überaus nützlichen Werke thätigen Anthcil nehmen, der grossen, civilisirten Völker würdig, die sie repräsentiren, sie ehren ihre Länder, sie ehren sich selbst und wir fühlen uns glücklieh, öffentlich den Gefühlen unserer Anerkennung Ausdruck zu verleihen. Vergessen wir aber auch nicht den Direktoren unserer »Schulen gerechte Würdigung angedeihen zu lassen. »Sie entledigen sich gut ihrer schwierigen Aufgabe. Die Schulen gedeihen, Dank der Sorgfalt, mit welcher sie dieselben organisiren und sieh bcfleissen, sie zu leiten, Dank der Begeisterung und der Achtung, die sie durch das Wohlwollen und die Würde ihres Charakters den Kindern cinzuflösscn wissen, Dank der Autorität, die sie sich durch das berechtigte Gefühl der Tragweite ihres Berufes aneignen, und wir haben ihnen nichts zu bieten Air die Entsagung, mit welcher sie ihr Vaterland und ihre Familie verlassen, um die Direktion unserer »Schulen zu übernehmen, als einen höchst bescheidenen Posten und die Ehre, eine heilige Mission zu crftlllcn. Die grosse Zahl der »Schulen, die gegründet wurden, hat uns die Pflicht aufcrlcgt, Air die Bildung der Lehrer »Sorge zu tragen. Wir haben beschlossen, den begabtesten Kindern unserer »Schulen eine jährliche Unterstützung zukommen zu lassen, wenn sie sich dem Unterrichte im Orient widmen wollen und jene »Studien festzustellen, die sic durchmachen müssten, um zu Dircktoren unserer »Schulen berufen zu werden. Wir haben noch der Aufmunterungen Erwähnung zu thun, die verschiedenen literärischcn Arbeiten zu Theil wurden, so der Elementarbücher Air Kinder, wie nicht minder der wissenschaftlichen Arbeiten, unter denen wir besonders das über Ycmcn von »Saphir in hebräiseher Sprache geschriebene Werk hervorheben müssen. Herr »Saphir hat die Bevölkerung dieser fern liegenden Gegend besucht, welche seit Maimonides keinen Verkehr mit dem Abendlande gepflogen hat, und hat über ihre Geschichte und ihren gegenwärtigen Zustand bisher unbekannte Thatsachcn gesammelt. Es ist dicss ein Buch, durch dessen Veröffentlichung der Geschichte und der Wissenschaft ein Dienst geleistet wurde; wir haben es Air unsere Pflicht erachtet, dazu aufzumuntern. Eine andere Art der der Wissenschaft geleisteten Aufmuntcrungcn ist jene, die bei Gelegenheit der letzten Generalversammlung ein Mann vergcsehlagcn hat, dem die Liebe Air das Gemeinwohl so herrliche Eingebungen, verleiht. »Sein Vorschlag wurde dem Zcntralcomite zur Prüfung überwiesen, das denselben in seiner letzten Sitzung zum Beschluss erhob. Wir haben nun an unscrc Schöpfungen eine neue anzureihen, von der wir die Hoffnung liegen, dass sic sich entfalten wird, wie alle übrigen, und wir sprechen dafür Herrn Albert Cohn unsern Dank aus. Wir sind zu Ende, meine Herren, mit der Berichterstattung der Arbeiten dieses Jahres, und indem wir dieselbe der öffentlichen Diskussion übergeben, glauben wir ohne Eigendünkel sagen zu können, dass wir ge- 1111g gethan haben, um die Hülfe aller jener verdient zu haben, die gegen die politische Befreiung unserer Glaubensbrüder, gegen die Grösse des Judenthums, gegen den geistigen und moralischen Fortschritt eines bedeutsamen Zweiges der menschlichen Familie nicht indifferent sind. Herr Saint-Paul legt über die finanzielle Lage Rechnung ab. Das reine aktive Vermögen der Gesellschaft botrug am 15. Mai 1865 27,363 fr. 50 cent.