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Ben Chananja · 1865-08-02 · 31 (2.8.1865) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
31 (2.8.1865)
Date
1865-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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545 546 Wir könnten die Darstellung ihrer Leiden fortsetzen; wir ziehen es aber vor, Ihnen das von uns gesuchte Mittel dagegen namhaft zu machen. Wir haben die Protektion mehrerer europäischer Regierungen für sie in Anspruch genommen, und eben gestern meldete uns Ilr. Francis Goldschmid, Mitglied des englischen Parlaments, — einer jener muthvollen Kämpfer, die zur Verfheidignng des Rechts stets gerüstet stehen, und von dem man unaufhörlich sprechen müsste, um Alles zu erschöpfen, was er für unser Werk gethan hat, — dass die englische Regierung ihren Gesandten in Persien beauftragt habe, zu Gunsten der Israeliten zu wirken. Die persische Gesandtschaft in Paris hat sich ebenfalls anheischig gemacht, ihrer Regierung von der Existenz, dem Zwecke, den vollendeten Arbeiten der Alliance, sowie von der Unterstützung, welche ihr mehrere Regierungen zu Theil werden lassen, Anzeige zu machen, und ihr ein Expose über die schmerzlichen Leiden unserer Glaubensbrüder in Persien, wie nicht minder eine, folgende Mnssregeln betreffende, Ritte um eine Unterstützung der persischen Regierung zu unterbreiten: 1. Gründung einer oder mehrerer Schulen in den vorzüglichsten Städten Persiens von Seite des Zentralkomittfs der Alliance; 2. Einen Ferman, welcher die Professoren und die Schulen unter die unmittelbare und spezielle Protektion der Regierung stellt; 3. Rildung jüdischer Provinzialadministrationen an der Seite eines jeden Gouverneurs einer Provinz für alle Städte, wo die Zahl der Israeliten 3000 übersteigt; Rildung einer Zentral-Administration am Sitze der Regierung, gebildet durch die Delcgirten der Provinzial Administrationen, welche die Aufgabe haben sollen, mit der Regierung über alle die Israeliten interessircmlcn, den öffentlichen Unterricht, die Abgaben, den Kultus, die Ernennung der religiösen Oberhäupter betreffenden Fragen zu verhaudein. Die. Alliance erwartet mit Vertrauen die Antwort, auf welche ihr eine der hervorragendsten Personen der Gesandtschaft, die Aussicht eröffnet hat. Unseren Glaubensgenossen schlugen wir unmitfclbar vor, in ihrer .Mitte einige Männer anzustellen, welche die Schulen zu leiten berufen und durch die Protektion einiger Grossmächte gedeckt, ihre Stimme ohne Furcht zu Gunsten ihrer Rrüdcr erheben, und für dieselben die Rürgen eines dauerhaften Schutzes werden könnten. Wir hoffen, Ihnen vielleicht bald sagen zu können, dass unsere Glaubensgenossen in Persien, wie die in Marokko, ruhig und geschützt vor Verfolgungen leben. Wir haben Ihnen, m. II., die unseren Glaubcnsgcnossen von tinserm Vereine geleistete llilfc in einer ihrer Formen zu zeigen. Wenn aber, wie in Tunis, Sfax, Nabel und auf der Insel Gcrby einer jener furchtbaren Ausbrüche des Fanatismus stattfindet, wo ganze Revölkcrungcn der Plünderung, dem Morde und allen Ausschreitungen der Barbarei preisgegeben sind, dann ist die Flucht das einzige Rettungsmittel; dieselben befinden sich aber in ihrem Asyle einem entsetzlichen Elende ausgesetzt, welches gemildert werden muss. Sie erinnern sich an den Notlischrei, welcher von den Flüchtlingen von Tunis und Tripolis ausgestossen wurde, und dieser von uns wiederholte Schrei wurde von einem Ende der Welt bis zum andern vernommen. Dank unserer Organisation, deren Nützlichkc.it aufs Neue bestätiget wurde, ist es uns allenthalben gelungen, Subskriptionen zu eröffnen, deren Ergehniss, welches den in Tunis und Tripolis zur Unter- Stützung gebildeten Commissionen anvertraut wurde, viel Elend gelindert hat. Den Ueberrest der Beträge, weleher für die Flüchtlinge, nachdem die Regierung von Tunis denselben eine Schadloshaltung versprach, unnöfhig wurde, halten wir in Bereitschaft, um einen nlltzli־ ehern Gebrauch für unsere Glaubensgenossen davon zu machen. In gleichem Maasse hat das Elend eine Familie hcimgcsuclit, deren Geschichte nicht erzählt zn werden braucht, weil sic die ganze Welt in Erstaunen gesetzt, mit Umvillen und Betrübnis» erfüllt hat; cs ist die Geschichte jener armen Familie Coen, die, von ihrem Kinde durch die unzugänglichen Mauern eines römischen Klosters getrennt, von Rom entfliehen musste. Sic hefindet sich in einem Zustande der Enfblössimg in Rom; unglücklicher Weise hat der bittere Kummer den Tod der ältesten Tochter herbeigeführt. In Livorno bildete sieh eine Unterstützungkommission, welcher wir im Namen dos Vereines eine Gabe zugcmitfclt haben. Diesen Beweis der Sympathie waren wir dem grossen Unglücke schuldig. Richten wir jetzt unsere Blicke auf eine andere Parthic unseres Werkes: eine Parthic, welcher in Wahrheit unsere Vorliebe zugewendet ist. Wir wollen von unseren Schulen sprechen, die seit dem vergangenen Jahre beträchtliche Fortschritte gemacht haben. Sic haben dieses Werk in seinem Beginne betrachtet, und sie haben ihm eine grosse Zakunft profcz.cit: das Wicderatifblühcn einer ehemals so herrlichen, durch religiöse Verfolgungen unterdrückten Zivilisation. Zurilekbliekend auf unsere Vergangenheit, finden wir in jedem Zeitalter unserer Geschichte zwei mit cinander verbundene Momente: die Religion und die Wissensehaft, die. Religion durchweht die Wissenschaft und die Wissenschaft befruchtet die religiöse Ideen. Unsere Vorälfern haben im ganzen Oriente Schulen eröffnet, in denen mau alle humanen Wissenschaften lehrte, und unsere Gelehrten waren so vielseitig gebildet, dass sic uns noch heute unsere Bewunderung abringen. Diese Schulen haben so lange gedauert, als unsere Vorfahren auf der Scholle leben konnten, wo sie. sich niedergelassen hatton; doch die Verfolgung weckte Erbitterung gegen sie, sie mussten fliehen, die Schulen wurden aufgelöst. Die Auflösung dieser Schulen ist eine der traurigsten Erinnerungen unserer Geschichte. Es schien, dass Finsterniss sich in die Welt drängen wollte, die unsere Gesittnng erleuchtet hatte. Aber nein, die Wissenschaft erstarrte nicht in unserer Mitte, weil sic innig vereint war mit dem, was um unverwüstlichsten an uns ist, mit der religiösen Idee. Sie verlies» ihre Heimat und die Zivilisation zog von Osten nach Westen. Jetzt, da die Freiheit wiedergeboren, müssen auch unsere Schulen ihre Wiedergeburt feiern und wenn man von uns Re- - ehcnschaft von der Lehre verlangt, die wir iudicSchulen tragen wollen, genügt cs zu antworten, dass wir die Fortsetzer sind der Tradition des Judenthums, das Religion und Wissenschaft stets innigst vereinigt hielt. I)cr Unterricht wird ohne Zweifel nicht derselbe sein, wie in den alten Schulen: in diesen bildeten sich Gelehrte und unsere Zöglinge sind Kinder. Doch alles hat seinen vernunftmüssigen Gang. Kinder in die ersten und unentbehrlichsten Kenntnisse cinftlhren, heisst sie zu einem hühern Unterrichte vorbereiten, und die Gründüng von Elemeufarseliulcn heisst so viel, als einen Weg bahnen zu jenen grossen Schulen, wo die Wissenschaft ihren alten Glanz wieder finden wird. Und sehen Sie, wie die Gründung dieser Selmlen im Fortschreiten ist! Die Gemeinden zu Marokko, Tanger und Tetuan besitzen je zwei Schulen, eine

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