Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1865-08-02 · 31 (2.8.1865) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
31 (2.8.1865)
Date
1865-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543219-2543251--4337-2548302
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

639 540 Sehen im Stillen Prosclyten, um mit einer bedeutenden Zahl von Mitgliedern zu erscheinen; es gibt Gemeinden, die, nachdem sie unsere Statuten und unsere Berichte studirt haben, uns ankündigen, dass ihre sämmtliehen Mitglieder der Alliance beitreten; es gibt Manner, die von einer grossherzigen Begeisterung für unser Werk beseelt, uns davon irgend einen herrlichen Beweis liefern. Endlich machen die Koinitö's der Zweigvereine in einzelnen Orten und Gegenden in ihrem Kreise eine thütige Propaganda. Sie wecken den Eifer der hervorragendsten Männer einer Gemeinde, lindes gelingt ihnen endlieh, Zweigvereine zu bilden. Es entstehen Komitd’8 neben Komifö’s, und manches derselben, das vor kurzer Zeit noch isolirt dastand, ist der Mittelpunkt einer bedeutenden Zahl von Koniitö's geworden. Thcils durch Beitrittserklärungen, tbcils durch die Gründung neuer Komites hat sieh unser Verein vergrössert in Paris, in St. Etiennc, in Sarrcbourg; in der Schweiz zu Chaux-dc-Fonds; in Italien zu Lugo; in Österreich zu Wien; in Ungarn zu Szegedin, Arad und Gross-Kaniseha; in der Moldau-Wallaehei zu Bukarest, Galacz und Jassy; in Serbien zu Belgrad und Schabacz; in Griechenland auf Korfu; in der Türkei zu Smyrna, Salonich, Volo, Samakoff, Satalin, Jatla, Aleppo; in Marokko zu Babbat, Tanger, Chcchtian; in der Republik von Venezuela zu Coro. Seit unserer lezten Generalversammlung hat sieh unser Verein um 1150 neue Mitglieder vermehrt. In der Schweiz, der Moldau-Wallaehei, in Serbien, Griechenland und in der Türkei hat er die bedeutendsten Fortschritte gemacht. Es gibt Länder, die in unserem Vereine noch einen kleinen Platz einnehmen. Wir warten nicht, bis sie zu uns kommen, wir gehen ihnen entgegen, und haben wir, indem wir ihnen zeigen, dass wir nichts wollen, was nicht auch sie wollten, und dass wir nichts thun, das einer den Einen wie den Anderen gleich heiligen Sache nicht nützlich wäre, nicht das Recht, von ihnen eine Unterstützung zu erwarten, welche die Ent- < I Wickelung unseres Vereins fördern würde, indem sie | dessen Kräfte vermehrt? Um Ihnen Alles zu sagen, was man von dem Vereine erwartet, müssten wir Ihnen die aus allen Ländem angelangten und in allen Sprachen geschriebenen Mriefe vorlegen, in denen die verschiedenen, von unseren Glaubensgenossen erlittenen Verfolgungen dargestellt werden; glücklicher Weise nehmen dieselben von Jahr zu Jahr ab. Während cs selbst in Europa Länder gibt, die in offenem Widerspruche gegen den Geist unserer Zeit verharren, und unsere Glaubensgenossen so grausam behandeln, wie in den traurigsten Tagen unserer Geschichte; hat die Gewalt der öffentlichen Meinung glücklieber Weise andere Länder zu Reformen bewogen, die uns zu der Hoffnung einer nahebevorstehenden Emanzipation berechtigen. Mehrere Länder, deren Gesetze den Israeliten drückend waren, wicwol sie sieh rühmen eine freisinuige Verfassung zu besitzen, haben diese fremdartige Anomalie aufhören lassen; die Ausnahmsgesetze sind gefallen, die bürgerliche und politische Freiheit wurde verkündet, die Herrschaft des Rechtes inaugurirt. Eine sehr bemerkenswerthe Thatsaehe ist der Wechsel, welcher in gewissen barbarischen Gegenden rücksichtlich des Zustandes unserer Brüder stattgefunden hat. Ohne Schutz gegen die unbeschränkte Macht des Pürsten, der Geldgier der Regierungsagenten und dem schrecklichsten Fanatismus preisgegeben, sahen sie sich daselbt unaufhörlich von Verfolgungen bedroht, für die man stets einen Vorwand findet. Zum Schutze hereitwillige Regierungen, wie sie die christlichen Bevölkernngen im Oriente finden, fanden sie nicht. Man liess sie verfolgen, und bei Gelegenheit eines barbarisehen Aktes, welcher das Gewissen aller civilisirten Menschen mit Schauder erfüllte, fand man kaum eine Regierung bereit, einige schüchterne Vorstellungen zu versuchen, die aber kaum beachtet wurden, weil sie nicht ernstlich gemeint waren. War cs gerecht, dass der Schutz der zivilisirten Regierungen ausschliesslich fiir diejenigen vorhanden war, die sieh zur herrschenden Religion dieses oder jenes Landes bekannten? Man besciiüztc in ihnen das Recht, das sie selbst zu vertheidigen zu schwach waren; allein wenn das Recht für jeden Menschen ohne alle Rücksicht auf den rcligiösen Glauben vorhanden ist, warum fanden unsere Glaubensgenossen nicht den Schutz, dessen Gewährung den zivilisirten Regierungen, besonders wenn dieselben gemeinschaftlich anftreten, so leicht ist? Sic haben hekanntcr Massen die Gewalt, der Niemand zu trotzen wagt. Sic brauchen nur zu reden, um gehört zu werden. Wir sind glücklicher Weise nicht mehr in der Lage, einen dem Geiste unserer Zeit so sehr entspreebenden Fortschritt herbei zu wünschen; derselbe ist bereits vollzogen. Das Protektorat der Grossmächte beginnt auch zu Gunsten unserer Glaubensgenossen geübt zu werden, und hei manchen Gelegenheiten gegen die Ausbrüche der Gewaltfhätigkeit und der Verfolgung .geschützt,fangen die Israeliten an, sieh einer Sicherheit zu erfreuen, die ihnen erlaubt, neben der Sorge für ihre Existenz auch für Anderes zu sorgen. Sic wollen diese Sicherheit, zu ihrer intellektuellen und moralischen Erliehimg benützen, lind was hat man nicht von ihnen zu erwarten, wenn sie ruhig und gesehiizt, in Sicher- 'heit vor gewalttätigen Reaktionen, im Stande sein werden, für ihre Regeneration und für die Wiedergehurt einer Zivilisation tätig zu sein, die in der Vergangenheit so glänzend war? M. H. Wir müssen nunmehr im Einzelnen von den Thatsaclum sprechen, deren allgemeine Züge wir Ihnen soeben vorführten, um Ihnen zu sagen, was in dieser Beziehung von Seite, unseres Vereines geschah. Sic errinnern sieh, dass uns im vergangenen Jahre die Israeliten der Schweiz, in Griechenland, in der Moldau-Wallaehei, in Semen, in Marokko beschäftig־ tigton; von ihnen haben wir auch in diesem Jahre zu sprechen. Sie kennen die Gesetze, welche in manchen Kantonen der Schweiz den Israeliten den Aufenthalt untersagten. Sie wissen, wie viele Einsprachen die vom Zentralkonsistorium unterstützten Israeliten gegen Gesetze, erhoben haben, welche sie an der Schweizergrenze trafen, und ausserhalb des allen Franzosen gesicherten gemeinen Rechtes versetzten. Es sind nun drei Jahre,, dass die Polizei von Basellandschaft, welche den Solm eines, nur für seine Person das Aufenthaltsrecht hesitzenden Israeliten, im Magazine seines Vaters überrasc.htc, denselben vor das Gericht führen und zu einer Strafe vcrurtheileii liess. Man konnte Uber die Israeliten eine solche Erniedrigung zu einer Zeit verhängen lassen, wo man genug gethau zu haben.glaubte, wenn man ihnen in Frankreich die Rechte nicht entzog, die ihnen die Revolution von 1789 gesichert hatte. Die Erniedrigung konnte aber nicht länger dauern, als der Traktat, der sie sanktionirte. Sie hat aufgehört. In

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.