Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 31 (2.8.1865)
- Date
- 1865-08-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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631 632 welches ihm übergeben worben, hat dasselbe stets mit Hingebung gepflegt; es war dadurch ein hebentender Faktor in dem großen geistigen Entwicklnngsgange der Menschheit. Unsere Pflicht ist eS, uns diese Krone nicht vom Haupte nehmen zu lassen. Die Pflege des Geistes bleibt die Macht, nach der wir ringen, durch die wir als wirksames Glied der Menschheit uns bewähren. So ist es denn sehr Zeit, daß wir uns der Schlaffheit entwinden, daß wir mit Ernst die Kräfte sammeln, um eine unser würdige Stellung cinznnehmen. Freie Vereinigung ist das große Wort unserer Zeit. Ein ״Verein für allgemeine Äugelegenyeilen -es Ändenlhnms" als Organ des Znsammcnwirkens thut Noth. Er werde der Mittelpunkt, an den sich in kleineren Kreisen Vereine zn gleichen Zwecken anschließcn. Die Versammlung, welche am 12. Juli in Frankfurt a. M. getagt, hat im Bertrauen, daß das Bedürfniß, welches sie zusammengeführt, weithin Anklang findet, sich zn einem solchen Verein konstitnirt utlter den nachfolgenden Bestimmungen. (Folgen d'e angenommenen Bestimmungen. S. Nr. 29. d. Bl. Red.) Wir treten mit dein vollen Vertrauen vor unsere Glanbensbrüder hin und legen cs einem Jeden dringend «118 Herz, durch seinen eigenen Beitritt, wie durch die Anregung nach weitern Kreisen hin die Zwecke des Vereins zn fördern. Möge unser Vertrauen sich bald als richtige Voraussicht bewähren, auS dem schwachen Saatkorue, daS wir unseren Brü- : dem hiermit übergeben, ein reiches, ergiebiges Geistesfcld werden! Diesen allgemeinen Grundgedanken, ans welchcm der Verein beruht, mögen sich noch folgende Erklärungen anschließen: Der Verein geht von Deutschland ans, ist durch die Stellung, die Geschichte, die bisherigen Leistungen der Inden Deutschlands begründet; allein weit entfernt, eine Begrenzung auf dieses bestimmte Land festznhalten, will er im Gegenlhcil eine cngere Verbindung mit allen sonstigen Vereinen, die ähnliche Zwecke verfolgen, «»streben und Herstellen. Die gegenseitigen Mittheilungen und Versuche, wie auch die ineinander greifende Unterstützung und Fördernng in allen Angelegenheiten, welche das Indenthmn seiner vollen Bedeutung, der Erfüllung seines menschheitlichcn Berufes entgegenführen, wird gerade mit eme der Hauptaufgaben des Vereines sein. Der Gesammtverein, wie seine lokalen und bezirNichen Abzweigungen hat die Bestimmung, ein Bänd um alle zu schlingen, welche dem Indenthnme eine ernste Theilnahme zuwenden, mögen sie auch sonst unter-sich ׳noch so sehr in ihrer Ausfassung abweichen. Er schließt keine Richtung ans, -er will im 'Gegentheile Allen das Bewußtsein 'vtzrschaffen, daß eS gemeinsame Aufgaben im Indenthume gibt, eine gemeinsame Liebe zu demselben; er hofft, durch seine freien Versprechungen in engeren Kreisen wie in weiteren, gegenseitige Ancrkcnnung, theilweise auch Verständigung zu erzielen. Seine Aufgabe ist die des wahren Bauens; denn Wissen und thatkräftige Betheiligung sind neben den Licbeszweckcn die großen Grundlagen, auf denen das geistige und religiöse Leben beruht. So!nag der Versuch denn unter Gottes Beistand unternommen werden, unsere rüstige Arbeit sein Gelingen fördern! Im Juli 1865. Das provisorische Lomits: Dr. Adler in Kassel. Dr. And in Mainz. Leopold Beer in Frankfurt a. Main. Dr. Geiger daselbst. Dr. Goldscbmidt in Leipzig. Raphael Kircheim in Frankfurt a. M. Dr. Philippson in Bonn. Philipp Wertheim in Breslau. Dr. Wolf in Gothenburg. Man bittet die Bcitritterklärnng an das nächstwohnende Komitc-mitglied oder unmittelbar an den provisorischen Sekretär, Herrn N. K i r ch h e i m, zu richten. Die Beiträge werden durch das nächstwoh- »ende Komitmnitglicd oder unmittelbar durch den prov. Kassier, Herrn Leopold Beer erhoben werden. . Der Einsender. RMasiW-klurgische Reformen. (Sortff&tnifl.•) Schärfer afö in kein Wortstreite zu Livorno trat die Bedeutsamkeit dieser Sätze in der Bewegung hervor, welche ebenfalls durch die Anforderungen der Kabbalisten um die Mitte deö vorigen Jahrhunderts in der Gemeinde zu Algier hervorgerusen wurde. ES handelte sich hier um die Deseitigung der Pijutim und Bußgebete an Fest- und Fasttagen, sowie um die Rehabilitirung der ״leisen Tefilla", welche durch MaimonideS im zwölften Jahrhundert auf den Sabbath und die Feste beschränkt worden war. In einigen Synagogen zu Algier hatten diese von Lnria sehr nachdrücklich empfohlenen Neuerungen schon in früherer Zeit Aufnahme gefunden, während andere Synagogen den alten Brauch beibehielten. Dieses friedliche Nebeneinanderbestehen wurde aber endlich durch die nachdrückliche Op- Position der Alterthümler gestört, welche den kabbalistischen Ritus als Neuerung und Sektirerei bezeichneten und die G iltigkeit kabbalistischer Anordnungen für Nichtkabbalisteu leugneten. Die kabbalistische Partei wieS die Einwendungen zurück, sich vorzüglich auf das berufend, waS Josef ErgaS um ein Meuschenalter früher über gottesdienstliche Reformen gelehrt uub geltend gemacht hatte. Bemerkenöwerth sind die Gründe, mit welchen die Wortführer der kabbalistischen Reform dem Vorwurfe der Sektirerei zn begfgueu suchen. Sie berufen sich auf die Mei- '*)T. bi» vorige Nomvirr.