Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 31 (2.8.1865)
- Date
- 1865-08-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 31. Jlrfjtec AahrgW. Zede» Mittwoch erscheint »io krLmullgrLtioiwxrsio: Ganzjährig 7 4 Tblr. 20 Sgr.. halbj.3fl.S0 kr..2Tklr. lOSgr., viertrlj. 2 fl. öst. W. Einzelne Nummern IS kr. Man abounirt bri allen Post» ämtern u. Buchhandlungen de« Zn« und Ausland»«. Sijeqc&in, den L. üupjl 1863. . Hm ®rammjit. Mocheaklalt für jfiöi|d)c Theologie. Herausgeber und Redakteur: IjlGOPOXiD T-4ab w. Oberrabbiner zu Szege.' . Inserate find an dle iNrdaktioo. io Sze, gedin. an Herrn Llk« Ksllt» in Jnnifirl a. K. oder aa H«״o.Dpu| Trainer (Ilfiai Ankergaffe Ne. 10) i» Dir» ja sende». Dir 2,'paliigr Petilzeil» wirb mit 10Nkr.^:2Lgr. berechnet. M alle.sreuaile des Ouöcntfjums. Mit Befriedigung dürfen wir auf die gegenwärtige Stcllnng der Juden und dcS Jndenthums Hinblicken, die Resultate eines langen schweren Kam- Pfes liegen vor uns, zum Thcil sind sie in der nächsten Zukunft zu erwarten. Vor dem erleuchteten Geiste unserer Zeit sind, wie auf anderen Gebieten, die willkürlichen Schranken gefallen, welche uns von der vollen Betheiligung am Vaterlande ausgeschlosscn, und wo sie auch nicht ganz gefallen, da sind sie doch so morsch geworden, daß sie, nur künstlich erhalten, dem ersten starken Luftzngc nicht widerstehen können. Bei dieser glücklichen Wendung der Dinge versäumen die Bekenner des Judenthums nirgends, ihre volle Thcitnahmc an den Angelegenheilen des Vaterlandes an den Tag zu legen, sich als ebenbürtige, hingebcndc, opferwillige Söhne desselben zu bekunden. Allein eine Neligionsgenosscnschaft hat auch noch die andere Pflicht, von ihrem cigenthiimlichen Standpunkte ans ihren Beitrag zur Förderung der höhcrn Lebenszwecke der Menschheit zn bewähren, und sie kann dies nur durch Zusammennchmen aller ihrer Kräfte und Organe, durch die Gesammtwirksamkeit aller ihrer Bekenner. In der Zersplitterung erlahmen selbst die besten Kräfte, nur in der Vereinigung kann eine ersprießliche Wirksamkeit entfaltet werden. Und das gilt namentlich von einer Neligionsgcnosicnschaft, die ans einer verhältnißmüßig geringen, nach den verschiedensten Gegenden gespaltenen Minorität besteht; von einer Neligionsgenosstnschaft, die der Machtmittel einer herrschenden Kirche entbehrt. Wenn in der frühern Zeit der schwer lastende Druck die Genossenschaft zusammenhielt, das Bewußtsein der geistigen Einheit erhöhte, so müssen wir in unseren Tagen darauf bedacht sein, daß bei dem Schwinden der äußeren Bande nicht auch das geistige Band mehr und mehr gelockert werde. Dieses Bedürfniß hat unter den Juden anderer Länder, die schon längst und im erhöhten Maße sich der bürgerlichen Gleichstellung erstellen, seinen Ausdruck gefunden und sich Organe geschaffen, je nach der Eigenthümlichkeit jener Länder. In Frankreich besteht die Alliance israulitc universelle, welche sich die Aufgabe stellt, überall für die Gleichstellung und den sittlichen Fortschritt der Juden zu wirken, denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, eine wirksame Hilfe angedeihen zu lasten, jeder Schrift ihre Unterstützung zu gewähren, welche geeignet ist, diese Resultate hcrbeizuführen. England hat seinen Board of dcputies und seine Jewisli association for t)1e diffusion of religions kuwledgc, welche, wie cs scheint, dem Eindringen der Mission zu wehren bestimmt ist. Deutschland darf sich rühmen, seit fast einem Jahrhundert in den Bestrebungen für den geistigen Aufschwung der Inden und des Jndenthums im Vordergrllnde zu stehen; allein es entbehrt der Ve reinignng, die es den Bekcnnern des Jndenthums möglich!nacht, durch Zusammenwirken heilsame Resnltatc zn erzielen. Die Inden Dentschlands haben daher keine Gesammtheit anfzuwciscn, die der Bedentung ihrer Stellung entspricht; ein jeder Versuch, etwas zn ihun, was ein Ausdruck des- Gesamllltbcwttßtseins sein sollte, entbehrt aus Mangel an einigenden und anregenden Mittelpunkten des entsprechenden Erfolgs. Aber nur das einige Wirken erwirbt Achtung, während feiges oder schlaffes Zurückziehcn auch den gerechtesten Ansprüchen die Hoffuung auf Befriedigung raubt. Der deutsche Geist hat anch innerhalb des Judenthums seinen Beruf bewährt, das Wissen weithin zu verbreiten, es zn erweitern und zn vertreten. Männer in den verschiedensten Lebensstellungen haben durch ihre tiefe Einsicht in die Literatur des Jndenthums und durch die Wärme, mit der sie dasselbe nach Außen hin vertreten, der gesammten Glaubensgcnostenschaft wesentliche Dienste geleistet, ihre Ehre und ihr Selbstgefühl gehoben. Solche Männer werden seltener und sie werden gänzlich schwinden, wenn nicht dafür Sorge getragen wird, daß die Kenntniß des Jndenthums in weiteren Kreisen Pflege findet. Die Wissenschaft selbst, wenn auch nur einzelne besonders Begabte ihre Träger und Förderer sind, bedarf jedoch allscitiger Pflege, liebevoller Ermunterung, hie und da auch der kräftigen Unterstützung; sie bedarf vor allem der Anstalten, in denen die Anleitung zu ihr gegeben wird. Die alten Stätten jüdischen Wissens sind zerfallen, sie würden nach ihrer alten Einrichtung auch nicht mehr den Bedürfnissen der Gegenwart entsprechen. Neue Pflanzstätten dcö Geistes sind im Judenthum höchst spärlich vorhanden. Das hohe geistige Erbe,