Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 28 (12.7.1865)
- Date
- 1865-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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487 488• dle Christenheit hervorgehen möchte.^ Hier werden also die Juden sicht als Spekulanten und Mäckler, sondern als M echaniker und Waffenschmiede gepriesen: als Waffenschmiede im Jahre!487! Dem Herrn P. P. gegenüber müssen wir wiederholen, daß unser Gewährsmann ein christlicher Geschichtsforscher ist, der portugiesische Archive benutzt hat. Dieser Gewährsmann berichtet ferner, daß sich in dem StatSrathe Emanu.elS auch ״Männer fanden, die nicht sowol mit solchen statSklugcn Gründen, alS von wahrhaft evangelischem Standpuukte aus einer gewaltsamen Bekehrung widersprachen. So konnte sich Ferdinand Coutinho in einem spater geschriebenen Briefe darauf berufen, daß er damals im Ratbc gesagt und mit vielen Autorikäteu und Rechten nachgewicsen habe, daß man die Juden nicht zwingen dürfe, die christliche Religion uuzunehmen, welche Freiheit und nicht Zwang wolle und erfordere."*) Der Bischof Ferdinand Coutinho stand also im Jahre 1487 aus einem viel freisinnigeren Standpunkte, als Herr Panteliu Popaffu anno 1865! Dieser spricht mit so leidenschaftlicher Vehemenz und besonderS S. 65 mit so zudringlicher Proselitenmacherei, daß man seine Schwärmerei, für die judenscheue Braut Emanuelö I. vollkommen begreiflich findet. Portugal hatte, wie wir bereits sahen, seinen jüdischen Mechanikern und Waffenschmieden viel zu verdanken. ES liegt in der Natur der Sache, daß auch die Juden ihren Autheil an dem Aufschwünge hatten, dessen sich Portugal unter Emannrl I. erfreute. Selbst die Einführung der Buchdruckerkunst verdankte cö seinen jüdischen Einwohnern, indem dieselben Drucker ihres Stammes und Glaubens nach Lissabon und Lenria kommen ließen. **> Solche Verdienste haben sich die romauischenJuden freilich noch nicht erworben. Auch möchten wir keineswegs behaupten, daß die romanischen Juden die Kulturstufe erstiegen haben, welche die portugiesischen Juden im fünfzehnten Jahrhundert iune hatten, wie denn auch die rumänische Nation trotz der rühmlichen Fortschritte, die sie in neuerer und neuester Zeit ans der Bahn der Bildung und Zivilisation machte, sicherlich noch nicht jene Höhe erreicht hat, auf welcher die Portugiesen standen, als VaSco de Gama seine Entdeckungen in Indien machte, Cabral Brasiiicn entdeckte und durch Abnqnerqueö Heldenthaten dieportugiesische Herrschaft in Goa befestigt wurde. AuS dem etwaigen untergeordneten Bildungsgrade der Juden in den Donaufürstcnthümern kann aber durchaus kein Argument gegen ihre völlige Emanzipation abgeleitet werden: die bürgerlichc Freiheit ist eben die Mutter eines höhern SelbstbewußtseiuS und einer gemeinnützigen Strebsamkeit. Die Befreiung der Stammgenossen deS Herrn P. P. in Ungarn liefert hierzu einen sehr lehrreichen Beleg. In seiner 18-12 erschienenen Statistik von Ungarn charakteristrt Aleriuö FenyeS die Rumänen, welche man zu jener Zeit Walachen (olahok) nannte, mit folgenden Worten : ״Der Walache ist sehr gutherzig, gastfreundlich, besitzt schöne natürliche GeisteSsähigkeiten, seit seiner Kindheit an Kälte, ') De. W. Slrots Zbmiei. Allicm I» licht»', sür G.fchichit 9. 147. U8. **) Schmiti'r Ztilschrif, a. <1. O. T. >43 Hitze und Hunger gewöhnt, ist er ein sehr branchbarer Sol»׳ dat, und ist auch seine persönliche Tapferkeit groß, wenn seine Führer sein Vertrauen besitzen. Dagegen sind auch die Folgen einer Jahrhunderte hindurch dauernden Unterdrückung an ihm wahrzunehmen, denn er ist mit Ausnahme der Weiber arbcilscheu, rachgierig, heimtückisch, unwissend und eia unmäßiger Freund geistiger Getränke, besonders deS BräuntweineS; fanatisch, so daß er seine unendlich mageren Fasten strenger hält, als daS Verbot des Diebstahls und deS Mor, deS; er ist allen Arten deS Aberglaubens zugethau und er übt dieselben anch aus; er glaubt fest, — waS übrigens im vergangenen Jahrhundert auch studirte Aerzte glaubten, — daß vom Teufel besessene Menschen nach ihrem Tode umgehen und das Blut Anderer anösagen (dies sind die sogenannten Vampyren); um dies zu beseitigen, durchbohren die Walachen daS Herz deS anSgegrabenen besessenen Menschen mit einem spitzigen Pfahle. Mit Einem Worte: Heren, Drachen, Irrlichter, Teufel von. verschiedener Gestalt und Gewalt herrschen im Kopse deS armen Walachen." Ich enthalte mich über diese von mir wortgetreu anS dem Ungarischen übersetzten Schilderung eines jeden UrtheilS. Hat sich aber der ungarische Reichstag von 18-18, dessen Mitglieder diese Schilderung kannten und ohne allen Zweifel zutreffend sanden, dadurch abhalten lassen, die Rumänen in Ungarn mit allen bürgerlichen und politischen Rechten zu bekleiden? Hoffentlich wird diese- Beispiel in den Donausürstenthümern in Bezug auf die Inden nachgcahml werden. Diesen liegt eg aber ob, daS Beispiel ihrer westlichen Glaubensbrüdcr zu befolgen, und auf der bereits betretenen Bahn der Kultur und Zivilisation mit aller Anstrengung ihrer Kräfte sonzuschreiten. Wir leben in einer Zeit, wo man nicht einzeln, sondern schaarenweise daran arbeitet, daß die Quellen nationellen Glücke- und Heils frei und voll und segnend dahinranschen mögen. Die rumänischen Juden dürfen nnb können von dieser Zeitströmung nicht unberührt bleiben. Thcure Glaubensgenossen! ES ist niederschlagend genug, daß Eure bürgerliche Gleichstellung in Eurem schönen Vaterlande, daS eine gastfreundliche Bevölkerung bewohnt, und ein großherziger, erleuchteter Fürst regiert, noch jetzt Widersacher hat. Die Erfahrung lehrt aber tausendstimmig, daß eS keine ärgeren Widersacher und Feinde deS Menschenwohles gibt, alS Unwissenheit, Aberglaube, Müssigganz, Selbstverwerfnng. Diesen Feinden tretet mit Eurer gesummten Kraft entgegen. Befördert in Eurem Kreise eine nützliche Thätigkeit. Seid bestrebt, den Geist deS Lichtes und der Erkenntniß, der Wahrheit und deö Rechtes, deS Schönen und Guten in Eurer Mitte zu wecken und zu beleben. Für gute Schulen glühe besonders Euer Herz, und waS Ihr thun möget, um ihren Segen zu vermehren, daS beschäftige Tag und Nacht Eure Seele. Nicht mindrr ist eS Eure Aufgabe, für die angegrifseue Ebr'e unsere- Stammes, Glaubens und Schriftthumeö muthig und beherzt in die Schranken zu treten. Wie voll« kommen unsere heilige und göttliche Religion geeignet, ist, den Israeliten auch als Bürger zu veredeln, ist in zahllosen Büchern und Abhandlungen bewiesen und uuSeinandergesetzt