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Ben Chananja · 1865-07-12 · 28 (12.7.1865) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
28 (12.7.1865)
Date
1865-07-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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485 486 Vorwurf der Brandstiftung vor, sich abwälzen wollte. TacituS berichtet hierüber: »Um daS Gerücht zu entkräften, unter» schob Nero als Schuldige, indem er sie mit den auSgesuchtesten Strafen belegte, die wegen ihrer Schandthaten verhaßten sogenannten Christen. Der Urheber dieses Na» menS Christus war unter der Regierung deS TiberiuS durch den Prokurator PontiuS PilatnS hingerichret worden. Die heillose Irrlehre, für den Augenblick unterdrückt, brach ueuerdingS hervor, nicht nur in Judäa, der Wiege deS Unheils, sondern anch in Rom, wo von allen Seiten her alles Scheußliche und Schmachvolle zusammenströmt und Beifall findet. Nun wurden zuerst diejenigen ergriffen, welche sich offen zur Christensekle bekannten, dann aus deren Aussage hin eine große Menge Anderer; sie alle wurden nicht sowol deS Verbrechens der Brandstiftung überwiesen, alS vielmehr dnrch den Haß der Menschheit verdammt. Zu der Hinrichtung fügte man Spott hinzu; in Thicrfelle gehüllt, ließ man sie zerreißen, oder anS Kreuz heften, oder wie Pechfackeln zurüsten und sobald d,e Dunkelheit anbrach, alö nächtliche Lichter dienen. Nero hatte zu diesem Schauspiel seine Gärten angeboten und zugleich ein Circuöspiel veranstaltet, wobei er unter der Tracht eines WagenlenkerS bald unter den Pöbel sich mischte, bald auf einem Gespanne daherfnhr. Deshalb regte sich gegen die Bern rtheilken, obwol sie schuldig waren und eine eremplarische Strafe verdient hatten, dennoch daS Mitleid, gleich als ob sie nicht dem öffentlichen Wohle, sondern der Mordkust eines Einzigen geopfert seien." Tac. Ann. lib. XV. 44. Diese Lästerung der Christen beruht, wie kaum crin» nert zu werden braucht, auf Mißverständnissen, wie ein GleicheS auch von der Lästerung der Juten gilt. Wenn aber Herr P. P., Letzteres verkennend, den alten, in diesem Punkte befangenen römischen Geschichtschreiber zum Zeugen gegen die Juden anführt, so muntert er die moslemische Polemik nur auf, denselben Weg gegen das im Oriente nach vollständiger Emanzipation ringende Christenthttm einzufchlage», und sich dabei nicht nur auf die Autorität eines TacituS, ton» dern auch aus die eines CrlsnS, eines Lucian, eines Por» phyriuö zui berufen! Glaubt er, daß durch sein Beispiel den orientalischen Christen ein nützlicher Dienst geleistet werde? Nach der Angabe deS Titelblattes der vorliegenden Broschüre hat sich Herr P. P. mit den politischen Wissen» schäften befchäs.rget. Leider ist aber diese Beschäftigung un» fruchtbar für ihn geblieben. Zwar hat er'S in der National» ökonomie so weit gebracht, daß er die Wichtigkeit deö Kapitals zu schätzen weiß. Auch gibt er zu, daß in den Handen der rumänischen Judeu Kapitalien vorhanden sind. Gleichwvl will er denselben daS Recht, Grund und Boden zu de» sitzen, nicht znerkenuen. Er ahnt nicht, daß er dadurch an seinem eigenen Vaterlande eine volkswirthschaftliche Sünde begehe, da der Preis von Grund und Bode» in demselben Maße sinken muß, alS der Kreis der Käufer beschrankt wird. ES wird ihn daher wahrscheinlich überraschen, zu erfahren, daß ein Geschichtschreiber, wie GervinnS, die seit 1860 auf. gehobeue Ausschließung der Juden vom Grundbesitze in Oesterreich zu den Sünden deS- Menernich'schen SpstemeS zählte. So ist ihm die Vermehrung der Juden kein Geheim« niß. Bekanntlich wurde dieselbe bisher auf die in den jüdt» schen Familien herrschende Zucht und Ordnung zurückgeführt. Unser Herr P. P. steht nicht an, eine diametral entgegen« gesetzte Theorie zu statuiren: die Inden, sagt er, vermehre» sich rasch, weil sie ausschweifend sind! Wer wird solcher tiefen physiologischen Weisheit nicht seine volle Bewunderung zollen? Wie weit er'S im Studium der Völkerkunde gebracht har, beweist seine S. 19 ausgesprochene These: ״Der Jude ist weder zum Ackerbaue, noch zu einer andern Arbeit befähigt; er ist nur zur Spekulation, zur Schacherei und zum Mäckler aller illegalen und skandalösen Unternehmungen geboren." Von den zahlreichen jüdischen Landwirthen, Fabrikanten, Handwerkern, rechtlichen Kauflenten, Künstlern, Aerz« tcu, Advokaten und Schriftstellern in den verschiedenen Läudern Europas hat er keine Kunde! Wir wollen ihm aber eine Geschichte erzählen, die ihn belehren wird, daß selbst mittelalterliche StatSmänner von der Befähigung der Inden eine ganz andere Meinung hatten, als er. Wir versetzen unS in den StatSrath EmanuelS Königs von Portugal (gest. 13. Dez. 1521). Derselbe hatte sich.mit einer kastilischen Prinzessin verlobt, und dem kastilischen Hofe zngesagt, die Inden auS seinem Lande zu ver» treiben. ״Die kastilischen Könige", — sagt unser Gewähr-» mann, G. Heine, der aus spanischen und portngiesischeu Archiven schöpfte, — erkannten wol, daß, mochten auch ihre Schiffe nicht geringere Schätze herbeibringen, als die portu» giesischen, jener Etat ihnen gefährlich blieb, so lange die Juden darin Aufenthalt finden." Die Räthe sind um den heiratslustigen Emannel versammelt, dessen Braut sich weigert, daS Land zu betreten, so lange dasselbe mcht von Juden gereiniget ist. ״Wie nannte sich diese große Fürstin?" wird wol Herr. Panteliu Popassu in Bukarest fragen. Sie hieß Jsabclla, und war Witwe deö Jnfanten von Portugal. Die weiseren Näthe der portngiesischeu Krone waren von den kastilischen Tendenzen nicht so begeistert, wie Herr Popass». Der Papst lasse ja, sagten sie, im Kircheustate die Juden nach ihren Gesetzen leben, dasselbe tbäien alle Für» sie» und Republiken Italiens, ebenso Ungarn, Böhmen, Polen, Deutschland.und andere christliche Skaten; wie sollte man eS denn hier besser machen wollen, alS alle diese Na» tionen? Mit der Vertreibung befördere man nicht ihre Be, kchrnng, vielmehr verliere man, »venn sie sich in die Länder der Mauren begeben, alle Hoffnung, sie zun, rechten Glauden zu bringen, während, so lange sie unter Christen leben, und deren Religion mit eigenen Augen schanen könnten, im» mer noch Besserung von ihnen zu erwarten sek. UeberdieS würde der König de» Tribut verlieren, den sie gezahlt hatten; sie würden ihre Habe und ihre Reichthümes mit anS dem Lande nehmen, und, waö noch schlimmer sei, anch ihrea jeinen und gewandten Geist, mit dem sie den Mauren gefährliche Winke geben könnte», und besonders würden sie ihre mechanische» Fertigkeiten zeigen, in deneu sie sehr gefördert seien, NNMkNttich gtradt Ifl der Örrcitung von Waffen, woraus vielerlei Nachtheil für

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