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Ben Chananja · 1865-07-12 · 28 (12.7.1865) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
28 (12.7.1865)
Date
1865-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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48f 482' Wir haben vor dem kriufchen Geist«! deS Herrü P. P. nicht viel Respekt, Da er sich aber auf dem Titeiblatte seiner Broschüre als Mitglied der orientalischel, Gesellschaft zu Halle bezeichnet, können wir unmöglich vorauSsetzen, daß er die mittelalterlichen Mährchen von vergifteten Brunnen, blutenden Hostien und ermordeten Kindern für historische Thatsachen hält. Diese Mährchen haben aber insoferne histo» rische Bedeutung, als sie klar und nnzweideutig darthnn, zu welchen Erdichtungen der Fanatismus seine Zuflucht nehmen mußte, um die Massen gegen die Juden zu erbittern: die Masse» , denen jene heillosen Erdichtlingen den Weg zur Plünderung jüdischer Reichthümer bahnten! ״Wie konnte aber der Fanatismus gegen die Juden überhaupt erwachen, wenn diese nicht selbst durch ihre Laster und Verbrechen Haß und Verfolgung provozirten?״ — Diese Frage kann nur derjenige aiifwerfcn, dem die Geschichte der christlichen Kirche ein unbekanntes Gebiet ist. Von den Versolgnngen, mit welchen die christliche Kirche das Heideuthnm sammt seinem Kultuö und seinen Kunstdenkmälern vernichtcte, will ich schweigen; aber dem CpniSmuö gegenüber, mit welchem Herr P. P. von der Verfolgung der Juden spricht, m u ß ich ihn an die blutigen Verfolgungen erinnern, welche Christen von Christen zu erleiden halten, und die schon im vierten Jahrhundert ihren Anfang nahmen, wie die Mord» brennereien der Donatisten (Circumccllionen) in Numidien und Mauretanien hinlänglich beweisen. Und ebenfalls schon im vierten Jahrhundert wurde der Bischof Priscilian mit seinen Anhängern in Trier gefoltert und alö Ketzer enthauptet! (385). Die Feindseligkeit gegen die sogenannten Ketzer wurde in den folgenden Jahrhunderten nichtSweniger als besänftiget oder gemildert. Durch die Reformation keS sechzehnten Jahrhunderts erhielt sie nur neue Nahrung; ja selbst die Anhänger der beiden neu entstandenen protestanti, schcn Kirchen waren in manchen Gegenden unduldsam gegen einander. Wie kann man sich also darüber wundern, daß Christen gegen Juden intolerant waren? Konnten sie sich ja auch zur Toleranz gegen andersdenkende Christen nicht erheben! Dort, wo sie sich in Wahrheit z» dieser Toleranz erhoben haben, empfanden rö bald auch die Juden, daß die Morgenrothe -einer schöner» Zeit aufgegangen sei. CS gab eine Zeit, wo der evangelische Rath der freien Stadt Frank» fnrl am Main den Reformirten durchaus nicht gestatten wollte, in der Stadt eine Kirche zu bauen. Im Jahre 1864 hat dieselbe Stadt ihre jüdischen Bürger vollständig emanzi» pirt, indem sie dieselben auch mit dem Rechte, an der Legiölatur thrilzunehmen, bekleidete. Von solchen und ähnlichen Thatsachen nimmt nun aller, dingö Herr P. P. keine Notiz. Dadurch beweist er aber nur, daß er entweder von dem Gegenstände seiner Darsrellung nur äußerst dürftige Kenntniß hat, oder seine Leser so gering achte!, daß er sich in seiner fanatischen Aufregung nicht scheut, denselben offe,,kündige Unwahrheiten aufzulischen. Eine solche offenkundige Unwahrheit enthält die Behauptung deS Verfassers, daß die Juden nur in Frankreich, Bel» gien und Holland cmanzipirt sind. Nordamerika, Eng» land, Dänemark, Italien, die Schweiz und Denk sch fand hat er vergessen. Von Schweden hält er. die Juden noch immer entfernt, während dieselben sich seit 1660' in diesem Lande alleirthalben niederlassen und Grundelgenthum erwerben dürfen; auch in Norwegen besteht eine jüdische Gemeinde. Ein Senatkonsult vom 22. v. M. erklärt die Juden Algiers für Franzosen. Dies sind Thatsachen, die jedem ZeitungSikscr hinlänglich bekannt sind. Dagegen ist das, waS Herr P. P. von dem preußischen Landtage im Jahre 1856 erzählt, eine reine Fabel. Die preußischen Juden haben noch manches wichtige Desiderium, dessen Erfüllung ihrer vollständigen Emanzipation vorangehen mnß. Von der Derachtung, welche unstr Verfasser erwähnt, ist aber in jene» Par« lamentSverhandlungen keine Spur zu finden. Zählt ja diese- Parlament auch Juden zu seinen Mitgliedern, wie denn auch an preußischen Hochschulen jüdische Professoren lehren. Da cS nnS nur um Konstatirnng der Thatsachen und nicht um die Polemik mit dem Herrn Panteliu Popaffn zu thun ist, so wollen wir einräumen, daß er über die ange» führten Spezialitäten nicht genau unterrichtet war. Eine bei» spiellose Unverschämtheit ist eS aber, wenn er S. 53 folgende Worte zirirt: ״Dieses unglückliche Volk, welches sich seit Abraham biS auf den heutigen Tag von seinen hundertjährigen Sünden nicht befreien konnte, ist da- Unglück der Gescllschast geworden, so daß eine gänzliche Ausrottung derselben eine Wvhlthat für die Menlschheit wäre." Diese Worte soll Laruch Spinoza nie der ge schrieben habcn, und zwar wie in einer Anmerkung gesagt wird, in» theologisch-politische» Traktate! Diese Worte fillden sich aber weder im Iheologisch-polilische» Traktate, noch nbcrhanpl in den Schristen Spilloza's; das Zitat ist eine ilnvcrschämtc Uerleiiindnttg des /ilososen! Denk, denn Herr P. P. gar so geriiigschätzend von seinen sreisinnigen Landslenten, gegen welche er zu wiederholten Malen seinen fana» tischen Zorn anSläßt, daß er ihnen nicht einmal zutraut, sie werden den Spinoza zur Hand nehmen, »in sich von der Nichtigkeit deS schändlichen Zitates zu überzeugen? Die zilirten Worte hat der Verfasser dem Spinoza angedichtet; folgende Worte hat aber Spinoza, indem er die Gewissens» freiheit behandelt, im letzten Kapitel deS theologisch-politischen Traktates wirklich ausgesprochen: ״Die Stadt Amsterdam möge als Beispiel gelten, -die zu ihrem herrlichen Gedeihen und zur Bewilliderung aller Nationen die Früchte dieser Freiheit an sich erfährt; denn in dieser hochblüheude» Republik und herrlichen Stadt leben alle Lerne von jeglicher Nation nnd Sekte in der größten Eintracht, nnd um Jemanden ihr Ver, mögen auznvertraurn, verlangen sie weiter nichts zu wissen, alö ob er ׳.eich oder arm, und in seiner Handlungsweise ehrlich oder betrügerisch sei." Die publizistische Presse hat die Aufgabe, die Eintracht unter den Leuten ״von jeglicher Nation und Sekte", wie sie in Amsterdam schon Im sieb« zehnten Jahrhundert einheimisch war, zur Wohlfahrt der Nationen und zum Heile der Menschheit allenthalben zu förderu und zu verbitten. Pamphletisten, wie Herr P. P. in Bukarest, haben aber von dieser schönen FriedenSaufgabe der Presse keine Ahnung!

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