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Ben Chananja · 1865-07-12 · 28 (12.7.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
28 (12.7.1865)
Date
1865-07-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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471 Israelitische«: Lopulationea gleich der Prokkarnatlot ia der Gyaagoge vorzvuehmea. Schiller mH das Mische ' ", , <5iu» Parallel» von H. Zirndorf. lFo«srtznng. *> Wo ist dir Hriwat der Zdee? Wer hat fle zuerst gedacht, zurrst ausgesprochen? — Title muffige Fragen. Der Gedanke war lange, be» vor ein dichtender Geist, ein Weltweiser, rin Seher ihn in sich aufge» nommrn, und sollte auch ein jäher Einsturz, eine neue Fluth der Dar« barri verwehen und verschütten alle Denkmäler und Spuren de« Gei« steslebru« der Menschheit — eine« Leben«» daß so reich, so groß, so endlos in unserer Vorstellung, allein nur ein flüchtiger Sowmertag ist in der Geschichte de« Universum» — fürwahr rin einziger Künstler« frühling wird Len Gedanken aus« Neue au« seinen räthsrlhasten Quellen locken. Wa« der königliche Spruchdichter von der himmlischen Weisheit sagt. (Sprw. 8. 25 ff.) da« läßt sich auf jede« Objekt der Trkenntniß anwendra. ״Bevor dir Berge eingeseokt wurden und vor den Hügeln ward ich gezeugt.Al« Er den Himmel bereitete, war ich da, als Tr den Kreis zog über die Fläche der Tiefe.da war ich bei Ihm «in Pflegling und war sein Ergötzen Tag für Tag, spielend vor 3hm zu aller Zeit.* Mit einrm Worte, die Idee, sowie die Wahrheit selbst wurzelt in Gott, dem Urquell aller Trkenntniß und weist beständig auf ihren großen Ursprung zurück. Daher jener tiefe Zug der Tinhrit, die in allem Geistigen waltet, jener Einheit, deren Wirkung dir größte Man» nigsaliigkeir ist. — Diese Einheit macht sich nicht nur im Gegenstände, sondern auch in der Zeit und dem Raume gellend. Vor dem belrach« »ende» Geiste verschwinkrt der Unterschied der Jahrtausende und die scheinbar verschiedenste» Epochen des Streben« und ErkennrnS rücken schwesterlich zusammen lind enthüllen verwandte Züge. Ans dem Boden äußerer Verschiedenheit ist da« wahre Siegel geistiger Sendung, da« oltgroiein Menschliche erlennbar. Dieseallgemein Menschliche ist gleich» saw das magische Band, welches die getrennten Geister einander nähert. In ihm reichen Sophokles und Schiller, der Psalmist und Shakespeare einander die Hände; Pi,!dar und Göthe. Homer und Dante find auf dem Boden de« ewig Menschlichen keine Fremdlinge mehr für einander. Setzen wir den Fall, daß ein Mann von vielfacher Bildung und ziemlicher Belesenheit durch äußere Umstände erst in reifer,» Jahre» dazu gelaugt, den Homer, dir Psalmen, den Shakespeare oder irgend einen andern großen Meister de« Worte« uud Gedankens zu lesen. Die Wirkung einer solchen später« Lektüre wird und muß allemal die sein, daß der Schriftsteller dem Leser viel bekannter vorkommt, als dieser geträumt. Von Zeit zu Zeit, bei den anerkanntesten Wahrheiten, bei den allgemein giltigften Sätzen wird der Leser in»e halten und sich ver» wundert fragen: »Da« klingt ja olle« so bekannt, wo habe ich denn da« früher gelesen?" Der Grund dieser Erscheinung lieg» nicht sowol darin, daß er die Spuren derer wiederfinde», welche Geschlecht um Ge» schlecht an der reichen Quelle genippt, sondern daß er den ewigen Gü» lern der Menschheit in neuen weißen Gewändern begrgnrt. Eine Wanderung durch da« Gebiet der Iahrhundrrtr. um dir Idee auf ihrem schnellen Fluge zu verfolgen. sie bei ihrem ewiaen Wechsel der äußeren Form zu belauschen, wäre für den Geist kein fruchtlose« Beginnen. Wa« auch der Schönheit-flnn gegen ein» solche Beobachtung, welche dir Form vom Inhalte trennt, rinwenden möge, die Trkenntniß wird sicher dabei gewinnen und in zweiter Linie dem künstlenschrn Schaffen wieder zu Gute kommen. Da« Ausflndeu eine« großen, wahren Gedanken« i» der unendlichen Welt de« Geiste« hat für den Forscher, für den Strebenden etwa« unsäglich Angenehme«. Man möchte sagen, dir Idee wird nicht nur von dem Geiste erkannt, sondern gleich rinem selbstständigen Wesen erkennt sir ihn ihrersrit« und lächelt *) S. Kummet 28. 472 ih« mit frenndlichen Zeichen de« Wiederrrkennen« zu. So wie Plato die Liebe ak« «ine Widerbegegnung schon früher »ereinigtet Serken er« klärt, so in ähnlicher Weise möchte ich wir da« Ausflndeu einer Wahrheit, so dir reine Lust, die keusche Freude de« Künstler« und Forscher« er» klären, jene Freude, die wir als da« beste Kriterium der gefnndeuen können gelten kaffen. Ein, Wanderung dieser Ar», in den bescheidenen Grenzen, welch» Kraft und Raum un« setzen, soll hier angestellt werden. Da« Gedanken« leben der gekämmten Menschheit braust wie ein reicher Strom zu unfern Füßen, glücklich, wenn wir an seinen Ufern einige spärliche Wasser» lilien pflücken dürfen. E« gilt für heute, zwei Namen aneinander zn reihen, welch» nicht nur zwei Jahrtausend,, sondern Verschiedenheit de« Geschmack,« und der Form weit von einander zu trennen scheinen: r» gilt zwischen Schiller und dem jüdischen Alterthume eine Parallele zu ziehen. T« ist un« vergönne, bei diesem Unternehmen an einen würdigen Vorgänger anzuknüpfen. Zn der ״Allgemeinen Zeitung de« Iudenthum«" 1863 Nr. 45 und 46 findet sich rin Aufsatz, d. d. Hamburg» ״Zum Geburtstage Schillers" überschrirben, der in riner Reihe von Parallel» stellen die Aehnlichkeit und nahe Verwandschaft zwischen dem Gedanken«, inhalte de« jüdischen Aitrr'.hum« uud der Schillrr'schen Muse recht glück« lich nachweist. Indem wir jenen Versuch hier fortsetzen, weichen wir nur darin von dem früher» Plaue ab, daß wir die Parallelst,llen nicht sowol au« der Bibrl und der Gebetliteratur, als au« dem Talmud und den späteren jüdischen Schriften entnehmen. Die Bibel iheilrn wir Zu» den mit der zivilisteten Menschheit, auf dem Talmud hingegen hat flch da« jüdische Sonderleben aufgebaut. Zwischen dem Musengesange de« großen deutschen Sänger« und dem schlichten Gange jüdischer WeltweiSbeit hat die Liebe gleichsam vorahnend eine Vereinigung gestiftet. Ich meinr jene Liebe jüdischer Jünglinge und Männer, die sich srit dem Ende de« vorigrn Zahrhun» dert« so vorzugsweise der Schillcrschcn Dichtung zugewandt. Sowie da» Gestirn de« großen Würtembcrger« am literärischen Horizont, aufge« gangen war. so fühltr» dir besten Geister de« Zudenlhum« — wir drr geehrte Versaffer jener Parallrle richtig bemerkt — gleichsam instinktiv die große Verwandtschaft heran« zwischen der Wrllanschauung Schiller« uud drr Welt, welche der Jude von seinen Weis» und Heiligthümeru überkommen und unt herüdertrug in dafrische Leben der Neuzeit, Die Schiller'sche Muse ward an dem Israeliten der Neuzeit eine gei» stigr Befreierin, sie führte ihn freundlich in da« neu» Leben drr Gr» schichte em und hieß ihn mit holder Uebcrredung au den geistigen Be» strcdungeu der Gefcllichafr lheituehmen. Diese Wirkung wäre ihr nichz gelutigi», wenn sie ihn nicht mit ivolbeka«ntrn Tönen gelockt hätte. Der Versaffer suchte diese Wirliing dadurch zu rrkläreu, daß die Juden in Schiller ״nicht uur den größte» Thril de« Kern« ihrer Innrrlichkeit riudrcktrn. sondern auch gerade in Schillrr« damals neuen didaktischen und rrfleklirrnden Gedichten dir größte Aehnlichkeit m>t dem Idrengang und oft sogar mit den Formen ihrer btgeistrrlüen Profelrn vorsandrn." Wir pfllchlrn ihm hierin bei, all.in wir Ictifrn dir Ausmersamkrit auf einigr andrrr nicht minder wesentliche Momente, die ihm entgangen sind. Da« reflckiirellde Element bei Schiller ist kriu zufällige«, »inseitig vrrtrriene«, r« rnisvringt au« drr «iesrn Snbjrklivilät de« Meister«. Gründlich subjektiv ist oothwendig jede Trscheinuug. dir lehrend auftrir« uud nicht Welt und Leben als ein gegebene« ruhig annimmt. Wie alle subjektiven Dichter von Brdrulung, so ,ft auch Schiller außerordentlich reich an Gedaiikrn und Erntriizen. uud seit Turipibr« hat die Welt keinen an Srulrnzcn reichern Dichirr grsehrn, al« den Versaffer von Don Carlo«. Drr rrichr KönigSmontrl, welchen dir Schiller'sche Dich« tung zur Schau trägt, wirkte se uer brzaudernd auf dir orientalische Prachllirbr, welche dem jüdischen Grmüihr eigen ist. Der Hauptgrund aber ist uud bleibt die ideale Höhe der Schillrr'schen Dichtung. jener Glanz reiner Sittlichkeit, durch welcheo Schillrr« Brr« oft die biblische und prosrtisch, Moral auf srinew rigrnrn Weg, erreicht. Der Jude der Nruzrit saud nicht feltro in Schiller den trrffendstcn Kommentator seiner rigenrn heiligen Schriften. Bei der nachfolgenden Zusammenstellung waren wir natürlich bedach», Sätze von möglichst großer Allgemeinheit und Tragweite au«- 545

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