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Ben Chananja · 1865-07-05 · 27 (5.7.1865) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
27 (5.7.1865)
Date
1865-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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459 460 ES Ist ditstr Mann Dr. Josef Hauser, Schul- und KnltuSvorsteher der israelitischen Religionsgemeinde zu Pest. Ich will eS versuchen, in folgenden Zeilen den geehrten Le« fern eine wahrheitSgelreue Skizze über das Leben deS in allen Schichten und Kreisen der hiesigen Bevölkerung tief betrauerten ManneS, zu entwerfen. Dr. Hauser wurde am 10. Juni 1805, (nicht 1602, wie irrthümlich in vielen Blättern stebt), io Altofen ge« boren. Schon im dritten Lebensjahre Waise, nahm ihn ein Vaterbrudrr NamenS Jakob Hauser in sein HauS, ließ ihn bis zum Ablauf deS 14. JahreS die dortige Josefinische Normalschule besuchen, ermangelte aber nicht, dem jungen H. schon frühzeitig einen gründlichen Talmudunterricht ertheilen zn lasien. Mit 14 Jahren besuchte Hauser daS Piaristengvm« naklum zu Pest, mußte sich aber, da mittlerweile sei» Onkel starb, schon im 16. Lebensjahre sein Brot kümmerlich mit Lektionengeben verdienen. Nachdem Hauser die damals be, standcnen sechs Lateinschulen mit Auszeichnung absolvirt hatte, trat er in die Universität ein und auch hier gehörte er zu den vorzüglichsten Studenten, wofür gewiß der Umstand spricht, daß ihn die kön. ungarische Hofkammer im Jahre 1830 beim Ausbruche der Cholera, noch bevor er graduirt war — eS fehlte ihm hierzu au den nölhigen Mitteln — als Kamera! arzt in die Bacser Kamme,guter entsendete. Durch seine hier an den Tag gelegten anSgezeichnelen Leistungen wurde ihm d,e Oberaufsicht im Sani« tätSwesen über sammtlicheBacser Kammergüter ertheilt. Nachdem er hier 1'/, Jahre segensreich gewirkt, gradnirte er im Jahre 1832 auf Kosten deS AerarS, worauf er bis zum Jahre 1843 in seiner Vaterstadt Altofen die arzliche PrariS auSübte. Durch daS Vertrauen seiner GlaubenSgenosien zum Mitvorsteher der dortigen Schule erwählt, trug er zu deren glücklichen Reorganisation im Verein mit dem alS Schulmann rühmlichst bekannten Oberlehrer Braun daS Wesentlichste bei. Ueberhanpt durchzog Liebe zum Schulwesen sein ganzes öffentliches Leben wie ein rothcr Faden. Im Jahre 1843 überffedeltc Dr. Hauser nach Pest und ein Jahr später wurde er von den ungarisch-jüdischen Aerzten im Vereine mit Dr. Friedrich Groß und Dr. Jakobovilsch an den in Preßburg tagenden ReichSlag entsendet, um die Abolition einer die jüdischen Aerzle besonders drücken« de» Ausschließung zu erwirken. Für die weise Umsicht und Energie im gleichen Maße, welche die Deputation hier an den Tag legte, wurde jedem Einzelnen der drei Herren eine Anerkennungsurkunde ans Pergamentrolle von den jüdischen Aerzten Pest'S und Ofen'ö übermittelt. Setzte auch Dr. Hauser in Pest die ärztliche PrariS fort, so geschah dies stets nur ar«S Liebe zur Wissenschaft und im Dienste der Humanität, er konnte dies um so leichter thrin, da seine materiellen Verhältnisse seit seiner im Jahre 1834 erfolgten Verehelichung stetS die günstigsten waren. In Pest war Dr. Hauser Gelegenheit geboten, seine glänzendsten Leistungen auf dem Echulgrbiete an den Tag zu legen. Im Jahre 1851 wurde er auf Anrathen unseres unvergeßlichen Oberrabbiners Löw Schwad als Mitglied und Schriftführer der damaligen Schulinspektion und nach Ableben desselben zum Präses derselben und zugleich von dem k. Sratthaltereirathe zum weltlichen Schulaufseher ernannt. Unter dem Hirschlerischen Vorstande ward er alS Vorstands« Mitglied Vorsitzender bei der Schulsektion in den letzten Jahren auch Vorsteher bei der Kultussektion. Ebenso erwählte ihn auch der ״Magyar Egylet“, dessen Mitglied er schon in den Jahren 1848 und 1849 war, zum Präses der Schulsektion, welche Ehrenstelle er aber bald überhäufter Berusögrschäste halber ausgedeu mußte. WaS Dr. Hans.r für daS Aufblühen der hiesigen Normalschule geleistet, wie sehr er bemüht war, dieser einst so biühenden Anstalt ihren früher» Glanz zu verschaffen, ist eine hier allzubekannte Thatiache, als daß sie hier erwähnt zu werden brauchte. Seinem rastlosen Eifer ist eS znzuschreibea, daß der hebräische Unterricht sowol in der Normalals auch in der Mnsterschule einen neuen Aufschwung erhielt und der Willkür in Bezug auf den Besuch d,S hebräischen UnterrichteS steuerte er mit »nnacksichtlicher Strenge. So wußte er nicht minder dem Unterrichte der unga« rischen Sprache Eingang zu verschaffen, so sehr ihm dieauch von einer gewissen Seite her erschwert wurde. Die Organisirnng der Mädchenschule ist theilweise auch als eine Schöpfung Dr. HauserS anzusehen, nachdem sie früher mit der Knabenschule vereint, erst im Jahre 1860 als selbstbcstehend eine größere Bedeutung erhielt. Wir können die Verdienste Dr. HauserS um daS Schulwesen nicht bester kenuzeichnen, alS mit dem Umstande, daß unter seiner Leitung die Schülerzahl stets in progressiver Zunakme begriffen war, so daß sie sich in der Normalschuie auf 600 gehoben, die Mädchenschule, sonst schwach frequenlirt, nun schon 500 Schülerinnen zählt. WaS Dr. Hau!er für daS Schulwesen gethan, geschah auf die anspruckloseste Weise, beim nicht die Absicht, Effekt zu machen, hat ihn bei seinen Humanitären Bestrebungen geleitet, sondern ohne Nebenab fickt bar er während seiner 14jäh׳igen Wirksamkeit in Pest, der Veränderungen ohngeachtet, die in der Gemeinde, Vertretung vorgegangen, stetS daS wahrhaft Gute mit regem Eifer zu fördern gewußt. Nicht minder war der Drang zu lernen und zu lehren ein unverkennbarer Zug im Charakter dieses edlen ManneS, welchem er auch die außerordentliche vielseitige wissenschaftliche Bildung verdankte. Moderne Wissenschäften, wie nicht minder talmudische Studie» nabmen seine Forschungen in Anspruch. Er verstand und sprach nicht nur die allklassischen Sprachen, sondern besaß auch eine Fertigkeit in der französischen, englischen und italienischen Sprache. DaS Streben, zu unterrichten, war so vorherrschend in ihm, daß er seine vier Kinder selbst unterrichtete, durch 14 Jadre die Schule wöchentlich besuchte und sich recht glücklich fühlte, wenn er im Unterrichte eingreisen konnte. Am allsabbathl'chen Gottesdienste in der Mädchenschule betheiligte sich Dr. H. durch höchst angemessene Erdorten, die besonders auf die Schülerinnen heilsam wirkten. Den Lehrern der hiesigen Schulen war er stecS ein wahrer zuverlässiger Freund und war eö stets sein Herzenswunsch, ihnen eine wie möglich sorgenfreie materielle Stillung zu sichern, waS ihm zu erwirken bei allem Eifer und Willen leider nicht ermöglicht war. Soweit Dr. HauserS öffentliches Leben und Wirken; um diese Skizze jedoch als ein Ganzezu bieten, müssen wir auch seines achtenöwelthen PrivatcharakterS Erwähnung »hun, und mit einigen Worten nur seiner wahren ungeheuchelten Frömmigkeit gedenken, die ohne Bigotterie an allen Satzungen der väterlichen Religion fest gehalten, jeder bizarren Zmdat, wie jeder rechthaberischen Intoleranz stand er fern. Nicht minder zierten ihn Wohlthäligkeit und Opferwilligkeit, die er besonders Lehrern und unbemittelten Schriftstellern zuwendete und der letzte Moment seines Lebenö war ein WohlrhätigkeitSakt, indem er 1000 fl. zur Bekleidung armer Schulkinder testirte. Man muß eS der hiesigen jüdischen Bevölkerung zum Ruhme nachsagen, daß sie für die Männer, die für daS Gemeindewohl ehrlich gestrebt und gewirkt. stetS eine b. Pietät an den Tag legte und diese L׳ebe uud Pietät für Dr. Hauser manifestirte sie nicht bloS so lange Hauser gelebt, sondern 1 sie fand auch bei seinem Leichenbegängnisse den glänzendsten i Ausdruck. Trotz k,S schlechten regnerischen Tageströmten 1 Hunderte von Menschen dem jüdischen Friedhofe zu. Die Schul-

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