Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 8 (1865)
- Issue
- 27 (5.7.1865)
- Date
- 1865-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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467 'befindlichen KultuSgemeinden außerordentlich zu Statten kom- Uten dürfte. Denn einerseits die an hoher Stelle anerkannte als zu Recht bestehende Autonomie der jüdischen AultnSgemeinde, schützt letztere vor jeder Gewaltmaßregel, welche noch an vielen Orten die Lokalbehörden bei Gemeindewahlen sich gestatten, und wogegen man unter Bernfnng auf obige Verordnung einzuschreiten berechtigt ist; andererseits ist die Bestimmung eines WahlzensuS — obschon auf breitester Basis— eine für solche jüdische Gemeinden, wo bisher unbeschränkte, auf der maßlosesten Willkür beruhende Wahl- Vorgänge beliebt waren, von so unberechenbar tiefgreifender Bedeutung begleitete Maßregel, daß diese allein die Anbahnnng großer und gedeihlicher Zustände ermöglicht. Endlich die Mahnung, daß die neu zu erwählende Vorstehnng ein organisches Statut für die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten hohen OrteS zu unterbreiten habe, sichert der Gemeinde im Vorhinein das unschätzbare Gut, einer früher oder später hohen OrteS zu genehmigenden festen Ordnung, nach welcher künftig daö Gemeindewcscn bei u»S geleitet werden soll. Sie sehen also, daß Grund genug vor- Händen ist, warum man den Ereignissen am nächsten Montag mit so großer Spannung entgegensieht. n. n Miskotz. (fntr 2»ni (Neue Wahlen). Das Resultat der am 19. d. statlgesundenen Neuwahl der Vorstehnng und Repräsentanz ist für die Sache des FortschritteS in unserer Gemeinde als ein überaus günstiges zu bezeichne». Zum Präses wurde mit immenser Stimmen- Mehrheit*) Herr Moriz Pollak gewählt, ein Mann, der von jeher für daS Wohl und daö Gedeihen der Gemeinde das lebhafteste Interesse an den Tag gelegt, und vor keinem Opfer znrückschreckt, die Ehre und die Rechte der Gemeinde zn wahren. Herr Pollak gehört auch zn jenen achtbaren Mitgliedern unseres Gemeindeverbandeö, welche neben strenger Beobachtung der rituellen Seite jüdischen Glaubensgesetzes Gefühl und Sinn für die Anforderung der Jetztzeit besitzen, wodurch der neue Präses um so mehr geeignet ist, unsere Äemcittdeangelegeuheiltn in einem Momente zu leiten, wo noch so viele Gegensätze zu versöhnen sind, und wo ein starres Festhalten an ertrcmen Anschauungen keineswegs zum Heile und zur Wohlfahrt der Gemeinde führen könnte. Möge daS seltene Vertrauen, welches Herrn M. Pollak an die Spitze der Gemeinde rief, dadurch gerechtfertigt werden, daß eS der Umsicht und Mäßigung des neuen Präseö gelingen möge, alle dem besonnenen Fortschritt in Israel huldigenden neuen Einrichtungen in unserer Gemeinde zu befestigen und die noch eutgegcnstrebenden, keineswegs zahlreichen und zum großen Thelle verleiteten und ohne berechtigeuden Grund grollenden Gemüther zu gewinnen. In diesem edlen Streben dürfte der Herr Präses von der nun« mehr aus freier Wahl hervorgegangenen Repräsentanz auf daS Nachdrücklichste unterstützt werden, in welcher Körper, fchast ebenfalls gemäßigte, alle Schichten und Interessen der Gemeinde würdig vertretende Mitglieder mit überwiegender Stimmenmehrheit gewählt wurden. Die letzten Wahlen verdienen auch deshalb in der neuesten Geschichte unseres Gemeindelebens besonderange« merkt zu werden, weil in dieser Wahlversammlung — welche noch nie so zahlreich besucht wab — zum ersten Male die musterhafteste, daS Recht eines jeden Dotanten auf daS Uu- *) Don der in drn Wähtrrlistr riiiflrschrirbrnr« cirta 240 brrrch, liglrn Wählern stnv uu!uad>tri der von gewisser Seile ausgeaangenen Agitation, sich bei der Wobt nicht zu betheiligen. üter 150 Mitglieder — also bemahe zwei Dr»Net rrschirneo103 .׳ Stimmen fi-len Heer» M. P. ju, wabernd der Kant tat der Svuagogenseeutlte blo« 37 Dota m parteiischste wahrende Ordnung geherrscht hat; dleÄbstimmung durfte nicht durch Akklamation, sonder« mittelst A)»- gäbe von Stimm kugeln stattfinden. DaS Skrutin selbst geschah vor aller Augen, und daS jeweilige Wahlresultat wurde vor dem Vorsitzenden laudeSsürstlichen Kommissär, Herrn Bürgermeister I. v. K«sS, unter Beifallsstürmen derAmve-' senden proklamirt. Hierdurch allein war ,S möglich, die wahre uiiverfälschte Majorität auf daS Evidenteste zu ermitteln. Zu bemerken wäre noch, daß während die hervorragendere» Mitglieder der frühen, Borstehung mit überwiegender Stintmenmehrheit ja — wie der gewesene Präses, Herr D. Groük, sogar mit Stimmeneinhelligkeit wieder gewählt wurden, sind die Kandidaten der sogenannten orthodoren Partei in k.läglicker Minorität geblieben, denn obwol in der neuen Borstehung auch Besucher der alten Synagoge in gerechtem Derhältnisse vertreten sind, so sielen die Hanptleiter der Wühlereien gegen den neuen Tempel — unter deren Firma die Petitionen eingereicht wurden, völlig durch, auS welchem Umstände die hohe LandeSbehörde ersehen möge, daß alle An׳ klagen gegen die frühere Vorstehung ohne Grund waren, und daß die Majorität der stimmberechtigten Gemeiudeglieder die Umtriebe der Scheiuhei'ligkeil und ordnungöseiudlichen Reaktion auf daS Entschiedenste mißbilligt habe. Daß schließlich die neue Vorstehung ihre bedeutnngSvolle Mlssiou richtig auffaßt, beweiset schon der erste Beschluß, den dieselbe nach Vollzug ihrer Konstitnirung am 25. d. gefaßt hat. ES wurde nämlich ein Eilfer-Komitö auS der Mitte der Vorstehung und Repräsentanz gewählt, und mit der hochwichtigen Aufgabe betraut, — einerseits Vorschläge zur definitive» Regelung deS finanzielten HauShalteS in der Gemeinde und andererseits den Entwurf eines organischen Statuts für die Verwaltung der Gemcindeangelegenhriten im Sinne des jüngsten hohen JnliinatrS zu verfasse» und der weiteren Derathung zu uiitcrbreiten. Die Mitglieder der Kommission, zu deren Präses Herr Dr. I. Popper designirt wurde, gewähren unS hinreichende Bürgschaft, daß die zu gewärligenden Elaborate keine schabloneninäßige Nachahmung ähnlicher Bestimmungen in anderen Gemeinden sein werden, sondern daß einzig und allein die Bedürfnisse und Lokalverhältn isse de r Gemeinde MiSkolz zur Richtschnur genommen werden sollen. Möge ihre folgenschwere Arbeit, welche eine so große Gemeinde zu neuem Muthe, jedenfalls zu ihrem Ausschwuuge führen soll, vom guten GeiiinS Israeldurchweht, und seiner Zeit vom besten Erfolge gekrönt sein.*) Dr. Josef Hauser. Am 29. Juni ist am israelitischen Friedhofe zu Pest ein Mann zur Erde bestattet worden, der durch sein Wirke» und Streben, durch sein humanes, von jedem Eigendünkel fernes Benehmen sich die Achtung und Verehrung seiner Glaubensgenossen in einem so hohen Grade zu erwerbe» wußte, daß sei» Name würdig neben dem deS unsterbliche» Jakob Kern gestellt zu werden verdient. ') Da« Rriul'a« irr Mi«lolc,rr Nrn!>׳ahlru hat nirbt nur lokale!0rlru1u״j|, r« tü rtn miti genug;u schähenker Triumph für die Lach» Ir« ftcnt&rillf« nderbaiipk. Dir M>«lolr,rr Äemrinle bat di, nichtig» M>Ü>o». dru tnlinrsrinilichrn Lnicenzen lr« Ldaß!kLi-,u,r« rnigrgr»׳ zuwlrtrn. Dir Bliikr aller gedilielrn un,arischen Jüdin find auf tit niiigiikäblien F»I,r«r u»d Drrimrr Irr Mirkolc»er Äenieinle -reichtet. Äueraurr nnd Mäßigung tctrCea Cit tpjrfcrra Männer nnrrr kern 2Jti* ftanle (Mcm«;um Ziele fuhren. Red.