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Ben Chananja · 1865-06-28 · 26 (28.6.1865) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
26 (28.6.1865)
Date
1865-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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446 446 »antcra 900 Aufgang jutn Niedergang, vom Altrrlhuw nach dem Mil. lelalter und von da weiter bi» zur Neuzeit, sowie wir den kühnen, im Reiche der Schönheit Frevel gefcholteoea Versuch machen, die fertige Erscheinung in ihre Urbegaudtheile auszulösea, den zarten Farbraschmelz der Rose von ihrem süßen Duste zu abstrahireo, von dem Tanzen zu Einem Tbeile zurückzukehren, so müssen wir auf bittere Enttäuschung gefaßt sein. Der Begriff der Ganzheit, de« blühend,» Reichthum« ver» schwilldet und eia trauriger Zergliederung-Prozeß zeigt unübersehbare, zählbar« Thrile, wo früher das Bild der Unendlichkeit selber vor unfern Augen stand. Denn jegliche« Ganze, ob noch so klein und geringfügig, streb« zum Unendlichen und erschein« dem Geiste selbst unendlich; die grtheili, Größe aber ist brreit» dem Geschick ver Endlichkeit verfallen. Da- Ganze ist immer originell, ist und bleibt ewig, seine Thrile aber sind den ewigen Naturkräfien abgeborgt. Sowie ihr fle einzelo be» «rächte», gesondert drnkt» so gehorchen fie den großen magnetischen Gesetzen und spielen nach ihren Urquellen zurück. So ist denn die Idee da- Gemeingut der künstlerisch thätigen Menschheit. Der schöpferische Geist mag sie Haschen, mag fie in ficht» bare Gcwändrr kleiden und mit einer kunfigkrechten Form vermählen: diese Ehe Le« Gedankenmit der Form ist immer eine zeitlich brgränzte, keine ewige; fie wird in der Heimat de- Gedanken-, i» der Welt de- Geistes nicht anerkannt und dir unveräußerlichen Rechte der Idee auf ein Sonderleden, auf eine Individualität werden durch diese Ehe nicht aufgehoben. Man verstehe uns recht. Der Kranz der Originalität auf den Häuptern edler Sänger bleibt von unserer Betrachtung unberührt, unzerrüttet. Originell ist alle-, was ein schaffender Geist auf seinem eigenen Wege findet; und gerade die Tha«, wodurch er da« von ihm Erkannte dem Leben weiht, der Mitwelt schenkt, ist die unabwei-lichr Beglaubi» gung seiner Neuheit. Die kunstgerechte Form schließt flch dienend und ergänzend nur an das wirklich Erkannte, an datief Empfundene an, und ein an Schönheit gewohnte- Auge erkennt schon an der schließenden Form sofort den in der Scelc de- Meisterneu gewordenen Inhalt. Um da- Unwahre, da« Erborgte, da- Halbverstandene schlottert auch die Form in unziemlich weiten Falten. In diesem Sinne ist die Wahrheit ewig neu, da- Plagiat niemals wahr. Große Geister scheinen von dieser Wahrnehmung tief durchdrun» gen, darum find solche Geister »uendlich naiv und haben den Muth, dafrüher Gesagte nochmals zu sage», wol wissend, daß die Welt mit allen ihren Erscheinungen dem glücklichen Genius gehört. Nur da« Halbgenie, getrieben vom Bewußtsein der Armuth, affektirt Originalität. (Fortsetzung s o t g t.) Simon Pollak. Den 23. April I. I. ist zu Enying, im Be-primer Komitate, der allgemein geachtete nnd geliebte Kouiitat-arzt. Herr Simon Pollak, in srinem 48. Lebensjahre einem 13 Wochen dauernden. sehr schmerz« haste» Leiden geduldig und gottergeben erlegen, zum großen Bedauern all derer, dir ihn kannten. Der Verschiedene wurde zu Ofen 1817 ge» boren und erhielt im elterlichen Hause eine sorgfältige Erzjehung. Au der Pestrr Nniverfilät stndirte er mit anhaltendem Fleiße und erlangte daselbst 1844 da« Diplom über Chirurgie und Geburtshilfe. Gleich darauf »rat er in militär-ärztlich, Dienste und wachte im Jahre 1648 und 1849 al« k. k. Unterarzt den italienischen Feldzug mit. Hier leistete er im Feuer, wir auf den öffeullichru Verbandplätzen, so auch später im Garni'onSl'virale z» Bergamo, allwo der ansteckendste Spitals» Typhus graffirt» und eine große Anzahl von Opfern — selbst vom ärztlichen Personale 25 — hiuraffir. mit Umfich» und Hingebung, mit ausopfernder Bereitwilligkei« und unermüdlichem treuen Eifer so er» sprießliche ärztliche Hitse, daß er fich die volllommenste Zufriedenheit seiner Vorgesetzten und die ungeheucheltrste Achtung und Li.'b» seiner leidenden Mannschaft, überhaupt Aller, dir mit ihm verkehrten, erwirb, wofür außer einem ehrenhaften Abschied noch die schm,ich,lhafteftr, Zeugnisse seiner hohen MilHärvorgeseptea am klarsten sprechen.*) Ans Grund dieser so sehr empfehlenden Zeugnisse wurde er in Folge seine« Ansuchen« 1850 allsoglrich »ach Enying in der Eigenschaft eine« k. k. Bezirk-arzte« gesendet. Die konstitutionelle Epoche im Jahr, 1661 hob zwar jene Stellen auf, jedoch wählte ihn da« Ve-primer Komitat zu» Honorar-Komitat-arzt, welche Stellung er bi« zu seinem Tode beibr» hielt. Zu helsro und Noth und Elend zu lindern, war er stet« freudig bereit. Wo seine Kraft nicht hinrrichte, nahm er Andere in.Anspruch. Seine Fürsprache blieb, da er selbst mit gutem Beispiele vorauging. fast oiemal« ohne Erfolg. Uw die israelitische Gemeinde zu Enying. besonder« um die Schule erwarb er fich, wie in diesen Blättern er» wähnt wurde, vielfache Verdienste. Er war al« Mensch. Jude und Arzt allgemein geachtet und geliebt. Am 25. April fand daimposante Lei» chenbegängniß statt. Urder 2000 Seelen von hier und der Umgebung hatten sich eingefunden; dir Behörden de« Komitate« und der Ort» schäften waren durch Repräsentanten vertreten, auch mehrere Grund» Herren mit ihren Beamten waren anwesend. Den Leichenkonduk« eröffnrtr eine Reihe von KomitatS-Haiduken in Gallakleidern; der« Rabbiaea und der tbenfallvon gallonirteu Haiduken getragene Sarg folgten; diesem eine große Anzahl von Verehrern de« Verstorbenen und dir leid» tragende Familie. Sobald fich der Trauerzug in Bewegung setzte, de» ganntti die Glocken der römisch-katholischen und der evangelischen Kir« chen zu läuten, — bi« der Erde zurückgegebcn worden war, Wat ihr gehörte. Um den Verblichenen trauern eine hochbetagte Mutter, eine Gattin, zwei unmündige Kinder und ein weiter Familienkreis. ת נ צ ב ה. Korrespondenz. Ausland. SJTom, im Juni. Die hiefigrn Juden müssen im Ghetto woh» nen, dieser ist ein niedrig gelegene« und schmutzige- Quartier, davon der Tiber alle Jahr vier- oder fünfmal überschwemmt wird. Der Ghetto ist für 1500 Personen groß genug. r« wohnen aber zwischen 3000 uud 4000 in demselben; zuweilen schlafen 14 Menschen in einem und dem» selben Zimmer. — Der Anblick ist dann ein furchtbarer und abschreckeodrr. — ES ist den Juden nicht gestattet, in irgend einem andern Stadt» theilr zu wohncu, und diejenigen, welche in einem andern Quartiere fich anfiedeln wollen, werden mit Ungeheuern Abgaben belegt. -.Ja *) Folgende Dokumente dürsten hier einen Platz finden: Erste« Bataillon. Erzherzog Ernst Linien-Inf.-Reg. Nr. 48. Z r u g u i ß. mittelst welchen bezeugt wird, daß der Herr Unterarzt Simon Pollak de« obigen Regiment« während des hesiigsten Wüthen« ^er Cholera za Bergamo ganz allein bei dem daselbst deiachirlea Bataillon, welche« in drei sehr von einander rntleqrnen Kasernen, al« in Lyceo, Rock» und St. Augustinb,quartiert war, dielen sehr beschwerlichen Dienst selbst mit Ausopferung seiner Gesundheit Tag und Nacht aus« pünktlichste zur vollkommensten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten versah. Auch mußte er zur selben Zeit lau, lödl. Stadisommando-B'fehl dru ärztlichen Dienst bei einer hier garnisonireaden Kompagnie de« leichten Bataillon« ver» sehen. Da« BalaillonS-Kommaudo findet fich demnach veranlaßt, vorbr» nannten Herrn Unterarzt dirsr« wolverdienir Zeugniß au-zustellea. Bergamo. 5. Dezember 1849. Kardoss. Hauptwann. Interim--Bata,llou«-Kommand,at. Adjt. Nr. 423-2493. Erzherzog Ernst 48 Lioien-Iof.-Reg. An den k. k. Nnter-Feldarzt Herrn Simon Pollak. Ich lebe mich angenehm verpstichtet, Ihnen de« Ihrem Au-schn» den au« dem Regimenle im Namen de« allerhöchsten Dienste« für Ihr während Ihrer sechsjährigen Dlriistz-i« ausgezeichnet loyale« Benehme» und für Ihr thäligeS und erfolgreiche« Wirken, sowol tll Spiiulre» all auf dem Schlachtselde bei Kranken und Verwuudeten. wodurch Sie fich die allgemeine Achlung und Lerpstichlunq de« Regimenterworben ha» den; — den wärmsten Dank auszudrücken. Ihr, edle unrigkuoütztgr Handlung-weise als Menich und Arzt und ihre ausopserodr Hingebung für dro allerhöchsten Dienst haben Ihnen eia bletbrnde« Andenke» «» Regimenle gesichert. Bergamo, am 25. April 1850. Dr« m, o », Oberst.

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